Warenpost Teil 2: Klagelied an die Deutsche Post AG

Liebe Deutsche Post AG, wie bereits ausführlich geschrieben, finde ich es toll, dass ihr mit der Zeit geht und ein modernes und sinnvolles Produkt wie die Warenpost eingeführt habt. Ebenfalls wie bereits geschrieben, hat das Produkt noch eine ganze Reihe von Unzulänglichkeiten, die vermieden hätten werden können, wenn diejenigen, die das alles geplant haben, mit der Zielgruppe im Auge zuende gedacht hätten.

Ich sehe auch ein, dass ein neues Produkt noch so seine Kinderkrankheiten hat. Aber wie kann es sein, dass annähernd die Hälfte aller Warenpost-Sendungen gar nicht gescannt wird? Nicht im Briefzentrum und nirgendwo sonst. Wenn man auf die Sendungsverfolgung geht, findet man nur gähnende Leere. Das widerspricht doch ein wenig dem Sinn des Ganzen, meint ihr nicht auch?

Ein wenig verwirrt war ich, als ich einmal unseren Postboten dabei erwischt habe, wie er eine Warenpost bei uns in den Briefkasten geworfen hat, ohne sie zu scannen. Von wegen „Zustellnachweis“ und so. Der tat erstmal so als ob er von nichts wüsste. Man hätte ihm gesagt, er muss die Sendungen nur scannen, wenn er sie nicht zustellen kann. „Das macht doch keinen Sinn“, sage ich zu ihm. „Wie funktioniert das denn dann mit dem Nachweis der Zustellung?“ Das wüsste er jetzt auch nicht so genau, sagte er. Meine Nachfrage bei unserem, im Gegensatz zu den Callcenter-Drohnen sehr erfahrenen, zuverlässigen und hilfsbereiten Geschäftskundenberater hat mich dann ein wenig desillusioniert. Tatsächlich sollen die Warenpost Sendungen nur vom Zusteller gescannt werden, wenn sie nicht zustellbar sind. Wenn das nicht passiert, dann gelten sie ab 18.00 Uhr automatisch als zugestellt.

Habt Ihr noch alle Latten am Zaun? Und was ist mit Sendungen die auf dem Weg vom Briefzentrum zum Zusteller oder unterwegs beim Ausliefern verloren gehen? Die sind dann automatisch „zugestellt“, obwohl sie es auch irgendwie nicht sind. Unter einem ZustellNACHWEIS stelle ich mir irgendwie etwas anderes vor. So ist es, nett formuliert, eine Mogelpackung. Auch die Worte „Lüge“ oder „Täuschung“ sind mir schon in den Sinn gekommen.

Natürlich verstehe ich, dass insbesondere in Zeiten zunehmenden Versandhandels der Zusteller aus Kostengründen für 2,60 EUR nicht jede kleine Warenpost scannen kann. Vermutlich würde er dann deutlich länger für seinen Job brauchen. Aber ganz ehrlich: Lieber würde ich ein wenig mehr für ein funktionierendes, stimmiges Produkt mit echtem Zusatznutzen zahlen, als denselben alten Preis für eine Augenwischerei. Hatte ich schon erwähnt, dass der Servicelevel mit der Warenpost um Vergleich zum guten alten Maxibrief auch noch gesunken ist? Wir haben heute deutlich mehr verlorene Warenpost Sendungen als letztes Jahr Maxibriefe.

Liebe Deutsche Post, Stand heute muss ich sagen, dass ihr mit dem gut gemeinten Produkt Warenpost nicht nur nicht zuende gedacht habt, ihr habt ein funktionierendes System sogar leider noch spürbar schlechter gemacht.

Wer sich mal mit dem Postkonzern (oder Konzernen im Allgemeinen) beschäftigt hat, weiß, dass so ein Unternehmen ungefähr so beweglich ist wie ein Mega-Containerschiff. Deshalb bleibt mir als kleiner Kunde mangels Alternativen momentan nichts anderes übrig, als immer wieder jede schief gelaufene Warenpost zu reklamieren. Mein Kundenberater freut sich sogar ehrlich darüber, denn der ist in der Tat näher am Kunden als die Produktarchitekten der Warenpost. Und die Hoffnung stirbt zuletzt.

Kurzsichtigkeit ist nicht nur eine Frage der Augen

Pacta sunt servanda (lat.; dt. Verträge sind einzuhalten) – keine Frage. Wo kämen wir denn auch hin, wenn keiner sich an Absprachen halten würde. Auf der anderen Seite steht jedoch der gesunde Menschenverstand und vielleicht sogar ein wenig guter Wille. Wenn man blind auf die Buchstaben der Verträge pocht, ist der Schaden oft größer, als wenn man gesundes Geben und Nehmen praktiziert. Die meiste Zeit funktioniert das mit den Partnern, mit denen ich zusammenarbeite sehr gut. Und dann gibt es trotzdem immer wieder Ausreißer.

So geschehen heute mit der Firma INTERSEROH Dienstleistungs GmbH, die unter der Domain lizenzero.de ein Portal betreiben, bei dem man Entsorgungsdienstleistungen im Rahmen des Dualen Systems buchen kann.

Zugegeben, der ursprüngliche Fehler liegt bei mir. Ich habe einen neuen Entsorgungsvertrag für den Essenzenladen geschlossen, ohne die Kündigungsbestätigung des alten Dienstleisters abzuwarten. Der hat mir dann prompt eine lange Nase gedreht und die Kündigung wegen einer nicht eingehaltenen Frist nicht akzeptiert. Dumm gelaufen, selbst dran schuld.

Was macht der Geschäftsmann? Er versucht mit dem neuen Dienstleister zu sprechen und entweder den Vertrag rückgängig zu machen oder auf das übernächste Jahr vorzutragen. Schließlich zahle ich ungern zweimal für dieselbe Dienstleistung. Klar geht das nur mit Goodwill, denn Verträge sind einzuhalten.

Viele versprochene, jedoch nie erfolgte Rückrufe später habe ich dann heute schließlich die Auskunft bekommen, dass die Firma auf den Vertrag besteht und nicht mit sich reden lässt. Das ist ihr Recht – denn Pacta sunt servanda.

Mein Recht ist jedoch, in den sauren Apfel zu beißen, das unnötig gezahlte Geld abzuschreiben und in Zukunft einen weiten Bogen um diese Firma zu machen. Und falls mich jemand fragt, welches Entsorgungsunternehmen ich empfehlen kann, werde ich ein anderes nennen.

Merke: Wer kurzfristig blindlings auf die Buchstaben des Vertrags besteht, wird langfristig mindestens einen Kunden verlieren. Schade.

Wir fahren jetzt japanisch

Bisher war es mein Ziel, im Sinne der Förderung der heimischen Wirtschaft, auch nur heimische Autos zu fahren. Bei unserem Fiat haben wir schon eine Ausnahme gemacht, aber immerhin kommt der noch aus der EU. Nachdem die Finanzierung unseres VW nun ausgelaufen ist, haben wir ernsthaft über einen Nachfolger nachgedacht, am liebsten wieder aus Deutschland.

Man sagt, dass Inspektion & Co. bei VW teurer sind als anderswo. Aus der Zeit, als ich noch BMW gefahren bin, weiß ich, dass das tatsächlich so ist – leider ohne nachvollziehbaren Grund, den Qualität und Service sind bei BMW noch eine Ecke besser als bei VW. Aber was nimmt man nicht alles in Kauf für ein Auto aus Deutschland. Dazu kommt, dass wir mit dem Service unseres VW Händlers auch nicht immer zu 100 Prozent zufrieden waren. Qualität ist gut, jedoch kommt man sich als Kunde gelegentlich wie ein Bittsteller vor. Für den Preis erwarte ich jedoch, besonders zuvorkommend behandelt zu werden.

Der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war dann die Episode, in der die Werkstatt auf die Frage nach Optionen bei einer in den Reifen gefahrenen Schraube hochnäsig antwortete: „Reifen flicken wir grundsätzlich nicht – ein neuer kostet 200 € und es sind zwei notwendig.“ Hmpf. Mag sein, dass es gute Gründe dafür gibt, aber die Art und Weise …

Ein kurzer Besuch bei einer bekannten Werkstattkette ergab dann, dass der Reifen tatsächlich nicht sinnvoll geflickt werden kann und dass aufgrund des Restprofils in der Tat auch zwei neue Reifen notwendig sind. Vernünftig erklärt ergibt das auch Sinn. Unnötig zu erwähnen, dass der Preis, der dort aufgerufen wurde, bei weniger als der Hälfte dessen war, was VW haben wollte.

Doch es kam anders.

Aufgrund eines Prospektes im lokalen Revolverblatt haben wir einen Mitsubishi Outlander probegefahren, vor allem weil er als Plug-in Hybrid Auto extrem charmant ist, gut aussieht und allen möglichen Schnickschnack hat, den man bei den dagegen altbacken wirkenden deutschen Modellen teuer dazukaufen muss. Zwar wollte ich nie im Leben eine Reisschüssel fahren, aufgrund meiner Affinität zu Japan, habe ich dem Outlander doch eine Chance gegeben.

Der Rest ging dann wie als Wink des Universums wie von selbst: Mittwoch Probefahrt mit dem alten Modell. Donnerstag kam das neue Modell beim Händler an, nach einer kurzen Begutachtung haben wir uns für dieses entschieden und direkt unterschrieben. Freitag wurde er zugelassen und am Nachmittag habe ich ihn abgeholt. Auf der Fahrt nach Hause ging mir dann der Gedanke durch den Kopf, dass ich am Montag noch nicht gewusst habe, dass ich am Freitag ein neues Auto fahren würde …

Den Reifen haben wir dann erst gar nicht mehr tauschen lassen, weil der Mitsubishi Händler den VW (Diesel!) für einen niedrigen aber noch akzeptablen Preis in Zahlung genommen hat.

Inzwischen haben wir unseren Japaner seit zwei Wochen und sind noch immer von seiner Eleganz und Bequemlichkeit. Wenn es etwas zu berichten gibt, werde ich es tun, aber bisher haben wir keinen Grund zur Klage, lediglich die versprochenen Verbrauchswerte hält er (erwartungsgemäß) nicht ein …

Panem et circenses im 21. Jahrhundert

Ich war letztens in Rom und konnte das Kolosseum bewundern, in dem die Mächtigen damals, dem Prinzip „Panem et circenses“ (Brot und Spiele) folgend, das Volk beschäftigten, um es vom Revoltieren abzuhalten.

Als ich heute den Post eines öffentlich-rechtlichen Senders auf Facebook gesehen habe, der, hart an der Grenze zum Boulevardjournalismus, auf einen Vollpfosten hinweist, der mit einem dummen Video einen Shitstorm ausgelöst hat, konnte ich nicht anders, als mich wieder an eben dieses Prinzip erinnert zu fühlen. Nachdem wir zumindest in der westlichen Welt inzwischen „Panem“ im Überfluss haben, ist es wohl wieder an der Zeit für „Circenses“, um die Emotionen des Volkes in eine für die Mächtigen ungefährliche Richtung abzuleiten.

Wenn Menschen ihre Energie immer wieder darauf verwenden, ihren Emotionen aufgrund von vollkommen irrelevanten Dingen in den sozialen Medien in Shitstorms freien Lauf zu lassen, dann sind sie den Rest der Zeit schön brav und regen sich nicht über die wirklich bösen Dinge auf, die ihnen von Seiten der Politik und der Wirtschaft angetan werden. Ziel erreicht.

Der Teil von mir, der sich vorstellen kann, dass an Verschwörungstheorien auch immer ein wahrer Kern ist, sieht dann vor seinem inneren Auge bezahlte Meinungsmacher und Brandbeschleuniger vor ihren Tastaturen sitzen, die mit gelangweiltem Blick Öl ins Feuer gießen – so wie man das in den schlechten Filmen früher immer bei den Damen von der Telefonsex-Hotline gesehen hat.

Warenpost ist ein tolles Produkt – aber leider nutzlos

Normalerweise werfe ich die Werbebriefe der Deutschen Post immer ungelesen weg. Ich will weder Adressen noch überteuertes Büromaterial kaufen, und meine Briefe kann ich immer noch selbst ausdrucken. Diesmal habe ich jedoch einen Blick riskiert und war positiv überrascht. Das angebotene Produkt „Warenpost“ ist genau das, was wir brauchen: Warenversand mit Sendungsverfolgung zum kleinen Preis. Super. So können wir endlich auch für kleinere Bestellungen ein Tracking für unsere Kunden anbieten.

Zur Vorbereitung waren die notwendigen Barcodes auf den Adressetiketten schnell erstellt – die Portomarke hat ja schon einen schicken 2D Datamatrix Code drauf. Bevor ich damit begonnen habe, unsere Software anzupassen, habe ich mich dann mal tiefer mit diesem beschäftigt. Also zuerst: Scanner aussuchen und kaufen, dann den 1D Barcode für die Rechnungsnummer testen – funktioniert. Der Datamatrix Code der Post bringt jedoch nur Müll. Mist! Hätte so leicht sein können.

Meine Recherche im Internet hat zuersteinmal im Wesentlichen gar nichts ergeben. Liest denn niemand sonst die 2D Codes der Deutschen Post aus? Nach einer mittleren Odyssee über diverse Hotlines lande ich schließlich bei jemanden, der sich mit dem Thema auskennt. Der erzählt mir was von USB-CDC, der Emulation einer seriellen Schnittstelle, und dass er keine Ahnung von macOS hat. „Kriege ich schon hin“, denke ich mir und forsche weiter. Tagelang. Ergebnislos. Nach weiteren Telefonaten mit dem Support des Scannerherstellers und dem Fachmann von der Deutschen Post, muss ich leider vorerst folgendes Resumée ziehen:

Warenpost ist eine tolle Produktidee – die Umsetzung macht sie jedoch für die Zielgruppe vollkommen nutzlos.

Die technischen Hintergründe für alle, die irgendwann einmal vor demselben Problem stehen:

  1. Der Datamatrix Code enthält keinen Klartext, sondern ein Feld aus hexadezimalen Werten, die alle Informationen zur Freimachung enthalten und von der Deutschen Post verwendet werden, um die Sendung zu bearbeiten.
  2. Wenn ich den Code mit einem als HID Gerät angeschlossenen Scanner lese, also einem Scanner, der eine Tastatur emuliert, werden alle Daten wie Tastendrücke interpretiert und es kommen auch nicht-druckbare Zeichen (ASCII Codes < 32) dabei heraus, die die Applikation und das OS tüchtig durcheinanderbringen können.
  3. Um die nicht-interpretierten Daten auslesen zu können, muss ich den Scanner so umkonfigurieren, dass er eine serielle Schnittstelle (COM Port) emuliert. Das kann mein Scanner zwar, jedoch gibt es für macOS keine geeigneten Treiber – weder vom Scannerhersteller, noch von irgendwem sonst. (Der von Apple mitgelieferte Treiber funktioniert offensichtlich nur mit Modems).
  4. Selbst wenn ich den virtuellen COM Port zum Laufen brächte, bräuchte ich immer noch eine Software/Terminalemulation, die mir die Daten entgegennimmt, interpretiert und weiterreicht. Diese gibt es zwar für Windows, jedoch nicht für macOS.
  5. Wäre ich so verzweifelt, mir einen Windows Rechner nur für das Einscannen der Warenpost Sendungen hinzustellen (würg), müsste ich, nachdem ich den USB-CDC Treiber (die COM Port Emulation) installiert habe, eine kleine Software der Deutschen Post nutzen, die sich „Matrixcode Checker“ nennt, um die Daten auslesen und interpretieren zu können.
  6. Der „Matrixcode Checker“ hat zwei die Möglichkeit, die gescannten Daten über die virtuelle serielle Schnittstelle entgegenzunehmen und die Sendungsnummer über den Tastaturpuffer weiterzureichen, jedoch muss dazu die empfangende Software den Fokus haben – nicht sehr elegant und sehr fehleranfällig.

Wenn ich meine Odyssee in einem Satz zusammenfassen müsste, würde ich sagen: Note 1 für die Idee, Note 6 für die Umsetzung. An diesem Beispiel kann man perfekt sehen, wie ein Projekt vollkommen an der Zielgruppe vorbeischießt.

Warenpost ist nichts, was Konzerne mit eigener IT und einer Herde Programmierer verwenden werden. Das Produkt ist prädestiniert für kleine Versandhändler, die für einen fairen Preis den Luxus einer Sendungsverfolgung haben wollen. Um jedoch per Barcode Scanner an die Daten zu kommen, muss man sich drei Beine brechen, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass man auf Windoof angewiesen ist.

Mein Traum von „mal eben zwei Barcodes einscannen“ und den Kunden eine Sendungsverfolgung anzubieten ist damit vorerst geplatzt. Jetzt bleibt mir nur noch, die Kundenbestellungen händisch (also per Kuli) den Sendungsnummern zuzuordnen, aber davon haben die Kunden nichts. Oder ich bastle irgendetwas drumrum, was aber immer die manuelle Erfassung der Sendungsnummer im Rechner beinhaltet, da ja der tolle 2D Datamatrix Code für mich vorerst nutzlos ist. Herzlich willkommen in der künstlich erzwungenen IT Steinzeit 🙁

Kleine Nachbemerkung: Deswegen liebe ich Apple so sehr. Die sind zwar auch Banditen und weit davon entfernt, perfekt zu sein. Aber wenn sie Produkte entwickeln, dann denken sie sie zumindest zu 99 % durch, so dass sie am Ende auch benutzbar sind. Beim Projekt „Warenpost“ haben die Verantwortlichen der Deutschen Post leider nur zu geschätzen 50 % zuende gedacht. Schade.

Erster Härtetest für N26: Italien

Nachdem das mit der Benutzung des N26 Kontos und der Mastercard in Deutschland ja bisher reibungslos funktioniert hat, muss sie gerade ihren ersten Härtetest im Ausland bestehen: wir sind in Italien.

Zuvor noch eine Rückblende nach Deutschland: Bei einem Einkauf mit der transparenten Mastercard in einem Onlineshop wurde ich statt der PIN, dem Sicherheitscode oder irgend einem anderen Feature gebeten, die Transaktion über die App freizugeben. Schicke Zwei-Faktor-Lösung und sie hat einwandfrei funktioniert.

Doch zurück nach Italien. Erste Herausforderung: Eintrittskarten für das Kolosseum kaufen. Die Transaktion am Terminal funktioniert mit der PIN einwandfrei – Check.

Zweite Herausforderung: Bargeld abheben. In Deutschland gilt eine Fair Use Policy – ich kann theoretisch fünfmal im Monat kostenlos Geld am Automaten abholen, danach wird eine Gebühr von aktuell 2,00 EUR pro Abhebung fällig. Da N26 keine eigene Infrastruktur betreibt, finde ich das schlüssig und fair. Im EU Ausland jedoch kann ich laut der App unbegrenzt Geld an Automaten abheben, und das komplett kostenfrei. Ganz nachvollziehen kann ich das Konzept zwar nicht, aber ich wehre mich natürlich auch nicht dagegen.

Die App zeigt mir vorbildich, wo in meiner Nähe Geldautomaten sind. Der erste, den ich aufsuche nimmt meine Karte auch willig entgegen, jedoch verweigert er, das Geld auszuspucken, nachdem ich meine PIN eingegeben habe. Hmpf, der erste Dämpfer. Wenige Augenblicke später fällt mir jedoch ein, dass ich die Bargeldabhebungen für das Ausland ja in der App gesperrt hatte – #facepalm. Also rein in die App, den Schalter umgelegt und (inzwischen bei einer anderen Bank in der Nähe) noch einmal probiert. Der Automat rückt diesmal willig die Kohle raus. Nettes Detail am Rande: In dem Moment, in dem mir der Bildschirm des Geldautomaten ankündigt, dass die Transaktion erfolgreich war, vibriert es auch in meiner Hosentasche und die App meldet mir das Gleiche. Es lebe das Internet!

Wir sind noch ein paar Tage in Rom, mal sehen, was ich mit dem N26 Konto noch so anstellen kann. Bis jetzt hat es auf jeden Fall seinen Härtetest mit Bravour bestanden und der einzige Fehler saß wieder einmal, wie so oft, vor der Tastatur.

Wortwörtlich transparente Finanzen

Heute ist dann die neue N26 Mastercard per ordinärem Brief bei mir angekommen. Ich hatte zwar schonmal gelesen, dass das „Markenzeichen“ der N26 Kreditkarten ihre Transparenz ist, wenn man so eine durchsichtige Karte aber das erste Mal in der Hand hält, denkt man sich schon: Schick!

Die Aktivierung der Karte war eine Sache von wenigen Sekunden – nur ein paar Zahlen in die App eingeben und fertig. Theoretisch ist sie ab sofort benutzbar, mangels Gelegenheit konnte ich das aber noch nicht ausprobieren.

Bei N26 ist es, wie ich gelesen habe, so, dass Umsätze mit der Kreditkarte (eigentlich eine Debitkarte) direkt vom Konto abgebucht werden. Das ist mir gar nicht unrecht, denn so behält man besser den Überblick wo man finanziell gerade steht. Problematisch kann das jedoch werden, wenn man dringend was per Kreditkarte zahlen muss, und das Konto nicht genügend Deckung aufweist. Da ist mit meinem N26 Account ja gerade nur am spielen bin und der Großteil meiner Finanzen (noch) in anderen Händen liegt,  ist das ein durchaus realistisches Szenario. Glücklicherweise bietet N26 direkt in der App einen Überziehungskredit zu aktuell 8,9% an, den man sich einfach selbst freischalten kann. Randbemerkung: Man kann ihn auch einfach selbst wieder ausschalten, wenn man ihn nicht nutzen möchte – sehr elegant.

Da davon auszugehen ist, dass N26 im Hintergrund meine Kreditwürdigkeit geprüft hat – in den AGB behalten sie sich das auf jeden Fall vor – scheine ich in den Augen von Schufa & Co. so zuverlässig zu sein, dass ich mir direkt einen Dispo selbst gewähren konnte. Jetzt muss ich beim weiteren Spielen nicht auf jeden Cent und auf die andauernde Deckung des Kontos achten 🙂

Insgesamt: Alles sehr clever und durchdacht gelöst. Bis jetzt kann ich nur sagen: Chapeau N26.

Endlich mehr Platz

Aus den amerikanischen Filmen und Serien kennt man das schon lange: Leute haben sich Lagerraum gemietet, bei dem sie mit dem Auto vorfahren und dann ein cooles automatisches Garagentor öffnen. Drinnen befinden sich dann meistens entweder Waffen, Geld, Gold, oder irgendetwas anderes Verruchtes. In der Realität sind es jedoch wahrscheinlich nur alte Möbel, Akten oder sonstiger Krempel, der im Haus keinen Platz hat, aber auch noch nicht weggeworfen werden kann.

Das Konzept des „Self-Storage“ schwappt sein kurzer Zeit auch über den großen Teich zu uns, und da auch wir etwas knapp an Platz sind, habe ich mich umgesehen, wo es so etwas bei uns in der Gegend gibt. In meiner grenzenlosen Naivität habe ich mir gedacht, dass ein paar Quadratmeter nicht die Welt kosten können. Ein Blick auf die Preislisten der Anbieter à la Amiland hat mich dann jedoch eines Besseren belehrt … *schluck*

Glücklicherweise ist mir zu dieser Zeit ein Artikel des Main-Echos in die Hände gefallen, der über die anstehende Umwidmung eines Bürogebäudes in Karlstein zu Lagerflächen berichtet hat. Obwohl das zu dem Zeitpunkt nur ein Plan und weit davon entfernt war, fertig zu sein, habe ich Kontakt aufgenommen und konnte mich sehr schnell mit dem Eigentümer auf einen Modus einigen, der mir schnell den benötigten Platz verschafft hat. Das ging ja mal leicht und einfach 🙂

Inzwischen sind wir seit einigen Monaten Mieter im Self-Storage in Karlstein, das Projekt ist inzwischen offiziell gestartet und als kleines Dankeschön für die unkomplizierte Handhabung möchte ich an dieser Stelle einfach mal Werbung machen:

Leute, wenn ihr bezahlbaren Lagerraum ab 3 qm in der Region Aschaffenburg braucht, dann schaut doch mal rein – ist super: http://www.selfstorage-karlstein.de.

Und sagt einen schönen Gruß von mir 🙂

Let’s go App, liebe Bank

Wenn es um Technik und Gadgets geht, bin ich ein Spielkalb und immer bereit, Neues auszuprobieren. Im Vorfeld des Starts von ApplePay und nach dem Desaster mit der Miles & More Kreditkarte habe ich noch im Urlaub damit begonnen, mich nach Alternativen umzusehen. Schon länger im Blick hatte ich das App-basierte Onlinekonto von N26, jedoch gab es noch ein paar Kleinigkeiten, die mich davon abgehalten haben, mir gleich eines zu holen. Die Wichtigste darunter war die Tatsache, dass meine Online-Banking-Software MoneyMoney die Konten von N26 bisher nicht unterstützt, doch dazu später mehr.

Nachdem ich also von meiner Miles & More Kreditkarte wie gesagt gerade die Schnauze gestrichen voll hatte, habe ich mir einen Ruck gegeben und noch im Urlaub (sic!) ein Privatkonto bei N26 eröffnet. Wer das schon einmal bei einer klassischen Bank getan hat, weiß, mit wieviel Papierkram das verbunden ist und normalerweise ist auch ein Besuch in der Filiale notwendig. Anders bei N26. Online anmelden, App herunterladen, legitimieren, fertig. Auf der Website wird versprochen, dass man in acht Minuten sein Konto hat. Ich will nicht beschwören, dass es tatsächlich nur acht waren, aber auf jeden Fall war es unglaublich einfach, schnell und unkompliziert.

Interessant ist die Art und Weise, wie man sich legitimiert. Man braucht dazu einen Ausweis (Überraschung!) und scannt diesen nicht etwa ein, sondern wird von einem Mitarbeiter im Videochat aufgefordert, ihn in die Kamera zu halten. Dieser überprüft dann auch gleich mehrere Sicherheitsmerkmale des Ausweises und das ganze Gespräch wird aufgezeichnet. Spannender Ansatz. Auf jeden Fall ging es leicht und schnell.

Den letzten Anstoß, es jetzt mal mit N26 zu probieren war die Tatsache, dass MoneyMoney inzwischen die Konten zumindest auslesen kann. Transaktionen gehen leider nicht, weil sich N26 die Kosten für einen FinTS/HBCI-Server spart. Das ist zwar einerseits schade, andererseits hat es natürlich Konsequenzen, wenn man ein vollständig kostenloses Girokonto anbieten will. Mal sehen, wie sich das entwickelt …

N26 ist ein sogenantes FinTech, also ein Startup Unternehmen im Finanzsektor. Es existiert seit 2013 und hat schon für einige Furore gesorgt, weil das Unternehmen viele alte Zöpfe der traditionellen Banken einfach abgeschnitten hat. Man macht seine Transaktionen per App oder Online, Filialen gibt es nicht, und wenn man ein Problem hat, kann man das per Chat klären. Obwohl N26 so jung und hip ist, unterliegt es als deutsche Bank der Aufsicht des BAFin und ist Mitglied im Einlagensicherungsfonds. Damit ist mein Geld dort nicht weniger sicher als bei jeder anderen Bank. Ein wichtiger Faktor, damit ich dieses Experiment wagen konnte.

Die erste Probeüberweisung von meinem regulären Konto war nach etwa 12 Stunden da – jetzt bin ich mal gespannt, wann die (natürlich kostenlose) MasterCard zuhause ankommt. Ich werde weiter berichten.

Danke, Miles & More Kreditkarte … für nichts

Stellen Sie sich vor, Sie gönnen sich eine Woche Urlaub, sitzen gerade in Griechenland und die Firmen-Kreditkarte, über die eine große Warenbestellung in Australien läuft, verweigert den Dienst. Vefügungsrahmen? Passt. Ablaufdatum? Passt. Sonstige Kreditkartendaten? Passen alle. Nur die besonderen Sicherheitsfeatures, die Transaktionen aus unsicheren Ländern verhindern sollen, haben sich selbständig gemacht und platzieren nun auf einmal auch Australien auf der „Achse des Bösen“.

Kann man ja ändern, indem man sich online einloggt. Nur leider hat sich das Onlineportal nach der jüngst erfolgten Systemumstellung auch selbständig gemacht und akzeptiert nach Gutdünken alte und neue vergebene Passwörter – oder auch nicht. Heute ist wieder ein zickiger Tag, und mein Passwort wird nicht akzeptiert. Na, dann setze ich es halt zurück. Die PIN dafür kann man online anfordern und es wird auch nur maximal 24 Stunden dauern, bis sie da ist 🙄

Der IT Gott hat ein Einsehen und schickt mir die PIN nach „nur“ 15 Minuten. Flugs auf die Website gegangen und ein neues Passwort vergeben. Dann nur noch anmelden, und … hatte ich schon erwähnt, dass deren System heute seinen zickigen Tag hat? Nur weil ich gerade ein neues Passwort vergeben habe, heißt das noch nicht, dass es auch ab sofort akzeptiert wird.

Eine vorherige Erfahrung mit dem divenhaften System hat mich gelehrt, dass nach drei „falschen“ Eingaben das gesamte Konto gesperrt wird, deshalb, beschließe ich, mich an die Hotline zu wenden. Auf der Website steht – tatsächlich relativ leicht auffindbar – eine Frankfurter Rufnummer. Gottseidank sind Anrufe im europäischen Ausland inzwischen in der Flatrate enthalten, sonst würde sich der Preis für meinen Urlaub wahrscheinlich spontan verdoppeln. Nach einer gefühlt dreiminütigen Ansage über die Vorteile des neuen Online-Portals und dem Hinweis, dass momentan sehr viele Kunden die Hotline frequentieren (warum nur?) bin ich in der Warteschleife. Aber nur kurz. Dann erfahre ich, dass die Hotline erst ab 8.00 Uhr deutscher Zeit besetzt ist  🙄🙄

Also wieder auflegen und die halbe Stunde überbrücken und dabei versuchen, nicht in die Tischkante zu beißen. Punkt acht (bei uns 9.00 Uhr) wieder das selbe Spiel: Wertvolle Informationen über das neue Portal, dann Warteschleife. Das letzte Mal habe ich fast eine Stunde dort verbracht,. Aufgrund der frühen Uhrzeit habe ich diesmal jedoch schon nach fünf Minuten jemand an der Strippe, der mir jedoch postwendend erklärt, dass ich bei ihm falsch sein, und dass die Kollegen unter der anderen (geheimen?) Rufnummer die Ländersperre aufheben könnten. Seufzend lege ich auf und rufe die andere Hotline an.

Nach erneutem Warten und der Eingabe von 25 verschiedenen Informationen zur Legitimation habe ich dann eine weitere Servicedrohne am Rohr, der mir kurz und knapp vor die Füße wirft, dass er das Gewünschte nicht für mich tun könne – „Das müssen Sie selbst im Online-Konto“ tun. Da beißt sich dann die Katze das erste Mal in den Schwanz. Alles Bitten und Betteln hilft nicht, und auch der Hinweis, dass ich mich nicht einloggen kann, kann sein Herz aus Stein nicht erweichen. „Dann müssen Sie halt neue Zugangsdaten per Post anfordern.“ Nach Griechenland, oder was? Und das, während meine Bestellung in Australien rumsteht, anstatt befördert zu werden? Auch meine Frage, was ich denn tun solle, wenn meine Kreditkarte in Griechenland nicht funktioniert und ich im Ausland auf dem Trockenen sitze, wird mit einem lapidaren „Das können Sie im Online-Portal ändern.“ abgebügelt.

Irgendwann habe ich dann die Nase gestrichen voll und verlange, seinen Vorgesetzten zu sprechen. Der nun folgende Satz ist für mich unter den Top 5 der ewigen Servicewüste-Deutschland-Charts: „Unsere Vorgesetzten sind für Sie nicht zu sprechen“. Nochmal in Zeitlupe zum Genießen: „UNSERE VORGESETZTEN SIND FÜR SIE NICHT ZU SPRECHEN.“ In dieser drastischen Deutlichkeit habe ich das so tatsächlich noch nie gehört. Wow. Da weiß man doch gleich, welchen Stellenwert man als Kunde hat.

Mein Hinweis, dass er gerade dabei ist, einen Kunden zu verlieren, ändert an seiner überheblichen Gelassenheit nichts. Auf meine Frage, wo ich mich beschweren kann, kommt noch ein: „Schriftlich per Brief, E-Mail oder Fax“, woraufhin ich genervt auflege. Nachdem ich meinen Schaum vor dem Mund weggewischt habe, beschließe ich, noch einen letzten Versuch zu unternehmen. Vielleicht ist ja das Online-Portal letztlich doch flexibler als die Mitarbeiter an der Hotline.

Neue PIN angefordert und erstmal Frühstücken gegangen. Nach dem zweiten Kaffee ist die SMS dann auch da. Wie auf Samtpfötchen tänzele ich durch den Passwort-Änderungs-Prozess, um die Diva nicht zu verärgern. Bei jedem Schritt versuche ich zu erraten, was das System nun von mir erwarten könnte. Kurz bevor die Mimose wieder eingeschnappt ist, gelingt es mir mit einem beherzten Sprung, mein Online-Konto zu erreichen und die gewünschte Einstellung zu ändern. Bleibt zu hoffen, dass das System diese auch tatsächlich akzeptiert hat und nicht bei nächster Gelegenheit wieder nach Gutdünken ändert.

Unter dem Strich habe mich heute so geärgert, dass ich tatsächlich nach Alternativen suchen werde. Die Bonusmeilen sind zwar ganz nett, aber wenn jemand eine Systemumstellung so systematisch vergeigt (die ganze Vorgeschichte zu heute habe ich noch gar nicht aufgeschrieben), dann weiß ich nicht, ob das vertrauenserweckend genug ist, um meine finanziellen Transaktionen über so einen Partner abzuwickeln. Deshalb meine Botschaft an Miles & More sowie die DKB: Setzen – sechs! Und ich versuche jetzt wieder, meinen Urlaub zu genießen.