Warum empfinden wir so viel Lust am Drama?

Als ich heute morgen das erste Mal ins Internet geschaut habe, sah ich verwundert direkt den Facebook Post einer Bekannten aus Hanau, dass sie „in Sicherheit“ sei. Kurz darauf habe ich dann gelesen, was gestern Abend in Hanau geschehen ist. Tragisch – keine Frage. Wenn der (mutmaßliche) Täter sich nicht schon selbst gerichtet hätte, müsste man ihn mit aller Härte des Gesetzes bestrafen.

Bereits heute morgen schwante mir auch, dass hier das nächste „große Ding“ für die Medien und die Politik passiert ist. Und erwartungsgemäß ist die Welle der Verurteilungen, Beileidsbekundungen, Facebook Bildern mit schwarzem Hintergrund etc. direkt losgegangen. Gleichzeitig wurde jedoch selbst von Menschen aus dem Mitte-Links-Spektrum in den Kommentaren und Posts ein Ton angeschlagen, der an Intensität fast ebenso radikal ist, wie das mutmaßliche Gedankengut des mutmaßlichen Täters.

Lange bevor selbst die Ermittler Klarheit haben, was genau warum geschehen ist, fällt das Wort „rassistischer Hintergrund“ woraufhin vehement die Einschränkung der Anonymität im Internet a.k.a. „Klarnamenpflicht“ gefordert wird. Mein recht neutral formulierter Hinweis darauf, dass es vielleicht besser wäre, erstmal die Ermittlungen abzuwarten, bevor man an Grundrechten herumschraubt, wird entsprechend der etablierten Diskussionskultur im Internet vorwiegend mit persönlichen Anfeindungen quittiert. Ein bisschen fühlt sich das an wie ein Lynchmob, der auf Blut aus ist. Und das ist die linke Mitte? Das sind die Leute, die studiert haben und eigentlich zur intellektuellen Oberschicht zählen sollten? Mir wird Angst und Bange!

Gleichzeitig sind die (sozialen) Medien voll von ausführlich zelebrierter Lust am Drama. Jedes Detail wird mikroskopiert, jede Vermutung bis zur ihrer Widerlegung als Fakt dargestellt. Es hat fast den Anschein, als hätte die Meute der Medienmacher und ihrer Konsumenten nur darauf gewartet, endlich wieder ein Drama vor die Füße geworfen zu bekommen, an dem sie ihre Sensationslust befriedigen können. Es ekelt mich an.

Wenn am Ende herauskommt, dass der Täter tatsächlich ein Fremdenhasser war, dann muss man über das Thema reden. Wenn sich herausstellen sollte, dass er nicht alleine war, dann muss der Staat Maßnahmen ergreifen, um seine Komplizen dingfest zu machen. Bis dahin halte ich jedoch Mäßigung für angebracht.

Und nur so am Rande gesagt: Wer glaubt, dass man extreme Einstellungen mit diametral entgegengesetzten extremen Einstellungen bekämpfen kann, der hat nichts verstanden. Das entspricht genau der Einstellung, dass man in den Krieg ziehen muss, um den Frieden zu wahren. In der „Liste der psychischen und Verhaltensstörungen nach ICD-10“ findet man das unter F20-F29: Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen.

Warum „Pink Slips“ auch in „Suits“ keine rosafarbenen Schlüpfer sein sollten

Da sitzt man ahnungslos bei der abendlichen Entspannungsserie und dann passiert so etwas. Zugegeben, „Suits“ ist nicht immer wirklich entspannend, aber der gute Wille zählt. Da sitzt man also da, und bekommt mitten in einer Folge – Staffel 5, Folge 7 bei 10:00 wen es interessiert – folgenden Dialog präsentiert:

„Ich kenne jeden in meiner Kanzlei. Und damit Sie wissen, was Ihnen bevorsteht: Sollte ich je an Unruhestifter pinkfarbene Schlüpfer verteilen, dann werden Sie den ersten kriegen.“

Nein, die Serie spielt nicht im Rotlichtmilieu und die Schauspielerin, die sie sagt, ist auch keine zwielichtige Puffmutter. Stattdessen ist sie eine knallharte Anwältin, die einen Angestellten zusammenstaucht.

Warum sollte sie ihm aber mit „rosafarbenen Schlüpfern“ drohen? Sicher, es wäre eine Strafe, wenn er den im Büro tragen müsste, aber den interessierten Zuschauer beschleichen leise Zweifel, ob das von den Drehbuchautoren tatsächlich so gemeint war.

Als Kenner und Liebhaber der englischen Sprache ist mir bei der Szene natürlich alles aus dem Gesicht gefallen und ich gebe gerne zu, dass ich einen Whisky gebraucht habe, um mich wieder einzukriegen. Es bleibt jedoch die Frage, wie sich ein so eklatanter Fehler untendeckt bis auf die Streamingserver von Netflix schleichen konnte. Wäre ich der Inhaber der Rechte an der Serie, würde ich die mit der Übersetzung beauftragte Firma jedenfalls wegen nachgewiesenem Dilettantismus fristlos feuern.

Der Vollständigkeit halber: „Pink Slip“ ist in der amerikanischen Geschäftswelt der saloppe Ausdruck für ein Kündigungsschreiben. Ergibt in einer Anwaltsserie auch irgendwie mehr Sinn als rosa Unterhosen. Für mich klar die Facepalm des Jahres … 🤦🏻‍♂️

Zu Weihnachten gab’s gesunden Menschenverstand bei der Post

Die Deutsche Post treibt einen ja gerne mal in den Wahnsinn. Eine Stichwortsuche in meinem eigenen Blog hat mir eine ganze Reihe von Posts dazu wieder ins Gedächtnis gerufen. Insbesondere an eine ganz spezielle Posse erinnere ich mich (nicht) gerne.

Letzte Woche, ich hatte wie immer meine von mir selbst an mich selbst erteilte Abholvollmacht in der Tasche, dann die Überraschung. Die freundliche Mitarbeiterin der Post sagte zu mir: „Gleicher Name wie die Firmierung, gleiche Adresse – da brauche ich keine Vollmacht. das ist ja offensichtlich.“

Sieht so aus, als lag zu Weihnachten bei der Deutschen Post gesunder Menschenverstand unter dem Christbaum. Hoffentlich hat er für alle gereicht 🙂

So war Australien – eine Zusammenfassung

Noch bin ich am Airport in Sydney, aber von der Annahme ausgehend, dass mein Rückflug ähnlich glatt verläuft wie der Hinflug, schreibe ich schon einmal mein Resümee der Reise zusammen. Um es dem geneigten Leser etwas leichter zu machen, nicht unbedingt alles von vorne bis hinten lesen zu müssen, werde ich Zwischenüberschriften verwenden 😉

Hin- & Rückflug

Ich habe Lufthansa gebucht, weil ich unbedingt meine vorhandenen Prämienmeilen für ein Upgrade auf die Business Class nutzen wollte. Der Flugpreis ist dadurch ein wenig teurer geworden, jedoch hat sich das Upgrade mehr als gelohnt. Den zweiten Teil der Strecke, Hong Kong – Sydney und umgekehrt, konnte ich leider nicht upgraden, weil er von Cathay Pacific durchgeführt wurde, aber der Komfort auf der etwas längeren Strecke von und nach Frankfurt hat das so gut wettgemacht, dass ich die knapp neun Stunden in der Economy Class gut überstanden habe. Tipp: Sammelt Meilen und bucht auf Langstreckenflügen Upgrades.

Ankunft in Australien

Das Visum kann man sehr gut von zuhause aus online beantragen. Es ist kostenlos und bei mir war es innerhalb weniger Stunden ausgestellt. Die Einreise war auch völlig problemlos, allerdings legen die Aussies viel Wert darauf, das man mitgebrachtes vollständig deklariert. Bei mir waren das mehrere Tüten mit Nüssen aus meiner Wegzehrung. Sie wollen nicht, dass Pflanzen und Krankheiten aus anderen Kontinenten eingeschleppt werden. Kann man ja auch nachvollziehen.

Sprache, Kultur und Mentalität

In Australien spricht man ein English, das eher „british“ klingt, als alles andere. Es ist in der Regel gut zu verstehen, außer wenn man jemand mit einem heftigen Akzent vor sich hat, der auch noch schnell spricht. Auch ansonsten hat mich die Zeit in Australien zurückversetzt in meine Schulzeit, als wir von der 5. Klasse an alles in feinstem Oxford-English gelernt haben, einschließlich des dazu passenden Vokabulars. In Australien gibt es keine „pants“, man trägt „trousers“. Der Kofferraum wird „boot“ genannt und nicht „trunk“. In der Bahn wird man gebeten, seinen „rubbish“ doch bitte wieder mitznehmen, und wenn man Pipi muss, geht man auf’s „loo“.

Grinsen musste ich, als ich in natura erlebt habe, was mein Freund Daniel aus den USA immer scherzhaft über die Engländer sagt. Wenn sie etwas mögen, sagen sie: „ That’s not too bad.“ Und wenn etwas so toll ist, dass sie schier aus dem Häuschen sind, sagen sie „That’s not too bad at all!“ 😉

Ansonsten bin ich in Australien ausschließlich freundlichen und offenen Menschen begegnet. Die Standardbegrüßung und -verabschiedung ist „Cheers, Mate!“ oder „G’day“. Auch zwischendrin schleicht sich in die Sätze immer wieder ein „Mate“ ein, was soviel wie „Kumpel“ bedeutet und die Konversation auf angenehme Art informell macht. Nettes Völkchen, die Australier.

Bargeld oder Kreditkarte?

Bargeld wird in Sydney gern genommen, jedoch kommt man auch sehr gut ohne, also nur mit einer Kreditkarte aus. Es kommt jedoch regelmäßig vor, dass Geschäfte einen Aufschlag von 1-1,5% für Kartenzahlungen nehmen oder einen Mindestumsatz dafür verlangen. Zusätzlich sollte man bedenken, dass je nach Bank weitere Gebühren für den Auslandseinsatz der Karte anfallen. Ich habe während meiner Reise vor allem die N26 Karte genutzt, da die im Gegensatz zu Miles & More auf die Zusatzgebühr verzichten.

Ein wahres Fest war es für mich, ausgiebig Apple Pay mit der Apple Watch zu nutzen. Ich habe es kein einziges Mal erlebt, dass Apple Pay nicht funktioniert hat, einschließlich des Getränkeautomaten am Flughafen, an dem ich mir gerade noch ein Wasser geholt habe. Es ist unglaublich komfortabel, einfach die Uhr hinzuhalten und damit zu bezahlen. Und das Konzept, das Apple sich in puncto Sicherheit ausgedacht hat, überzeugt mich auch. Danke Apple!

Straßenverkehr

Ja, in Australien fährt man auf der „falschen“ Seite. Es dauert ein paar Tage, sich daran zu gewöhnen, dass auch die Fußgänger automatisch nach links gehen, wenn sie sich gegenseitig ausweichen, aber dann geht es einem schnell in Fleisch und Blut über. Wer das erste Mal in ein Auto steigt, bei dem sich das Steuer auf der Beifahrerseite befindet, der sollte sich nicht unbedingt gleich in den Großstadtverkehr von Sydney stürzen. Es ist jedoch problemlos, das auf weniger befahrenen Straßen zu tun, beispielsweise in Yulara, so wie ich das getan habe. An das Linksfahren gewöhnt man sich dann recht schnell, auch wenn es eine konstante erhöhte Aufmerksamkeit erfordert.

ÖPNV in Sydney

Im Großraum Sydney kann man alle Verkehrsmittel – Bus, Bahn, Straßenbahn, Fähren – mit der Opal Card nutzen. Das Coole ist: Man braucht die Karte inzwischen gar nicht mehr. Es reicht, eine NFC-fähige Kreditkarte zu haben, oder eben eine Apple Watch 😊 Beim Einsteigen macht man ein „Tap in“, hält also die Karte an den Leser, beim Aussteigen das Gleiche als „Tap out“ noch einmal. Fertig. Und die Fahrpreise sind bis auf die hohe Airport Fee echt sehr moderat. Bis 10 km zahlt man etwa 2 EUR für eine Fahrt und niemals mehr als 10 EUR pro Tag oder 30 EUR die Woche. Alles was drüber ist, wird gekappt. Sehr fair.

Ansonsten sind die Verkehrsmittel in Sydney super pünktlich und sauber und auch die Stationen sind gut in Schuss. Es macht wirklich Spaß, sich auf diese Art und Weise in Sydney zu bewegen.

Essen & Trinken

Restaurants sind in Sydney insgesamt sehr teuer. Für ein kleines Hauptgericht mit einem Getränk ist man schnell 35 Dollar, also etwas mehr als 20 EUR los. Auch Cafés sind recht teuer. Gleiches gilt für einen Espresso zum Mitnehmen oder, noch schlimmer, ein Bier. Ein Glas kostet schnell mal 9 Dollar (etwa 5,50 EUR). Das sollte man unbedingt mit einkalkulieren, wenn man einen Urlaub in Sydney plant.

Eine preiswerte Alternative zum Restaurantbesuch sind die vielen Foodcourts und kleinen Straßenimbisse, bei denen man für 7-8 EUR eine leckere und sättigende Mahlzeit kaufen kann. Alkoholische Getränke sind jedoch durch die Bank deutlich teurer als in Deutschland, auch in Läden.

Das Leitungswasser in Sydney ist zwar trinkbar, jedoch deutlich gechlort und wohl auch mit Fluoriden versetzt. Es gibt in Sydney immer wieder öffentliche Brunnen, an denen man trinken oder seine Wasserflasche auffüllen kann. Für mich war es jedoch die sinnvollere Alternative, mir Mineralwasser in Flaschen zu kaufen, auch wenn mein Herz ob der vielen Plastikflaschen geblutet hat.

Umweltschutz & Recycling

Es gibt große Kampagnen in Sydney für mehr Umweltschutz. Auch an Toiletten und Wasserhähnen finden sich immer Aufforderungen, Wasser zu sparen. Jedoch bekommt man an Imbissen in der Regel Papierbecher, Einmalteller und Plastikbesteck. Es gibt spezielle Recyclingtonnen, aber die haben auf mich keinen so vertrauenserweckenden Eindruck gemacht und sahen eher nach Augenwischerei aus. Insofern gibt es, ähnlich wie in den USA, da noch eine ganze Menge aufzuholen.

Handy & WLAN

Ich habe mir für die Reise nach Australien eine Data-only SIM-Karte gekauft. Die hat etwa 35 EUR gekostet und mich mit 3 GB an Datenvolumen ausgestattet. Für die elf Tage, die ich hier war, war das auf jeden Fall ausreichend, da es auch reichlich kostenloses WLAN gibt. Zu beachten sind jedoch zwei Punkte:

Erstens ist die Abdeckung der Mobilfunkprovider sehr stark davon abhängig, wo man sich gerade befindet. In Sydney ist alles kein Problem. In Yulara, bei Uluru und Kata Tjuta, also auf den üblichen touristischen Pfaden, gab es zwar vollen Empfang, aber der Datendurchsatz war mäßig. Am Ayers Rock/Uluru Airport war dann Schicht im Schacht, was insbesondere während meines dortigen Martyriums ein echter Nachteil war.

Zweitens habe ich zwar nicht wirklich eine australische Rufnummer gebraucht, während meiner Reise konnte ich aber aufgrund meiner Data-only Karte keine SMS empfangen, was sich in wenigen Situationen als unvorteilhaft erwiesen hat. Optimalerweise hat man ein Smartphone mit zwei Slots (oder ein iPhone mit eSIM und Slot), so dass man seine deutsche Karte aktiv lassen kann und die australische einfach dazu steckt.

Navigation & Sicherheit

Dank Apple Maps ist es ein Leichtes, sich in Sydney zu bewegen. Insbesondere, da die Karten App auch den kompletten ÖPNV in der Hauptstadt von NSW kennt und einen so perfekt von einem Ort zum nächsten leiten kann – inklusive Abfahrtszeiten und eventueller Verspätungen. Die Zeiten, in denen man mit der Karte vor der Nase herumgelaufen ist, sind endgültig vorbei. Heute erledigt man das mit dem Kopfhörer im Ohr oder alternativ der Apple Watch am Handgelenk. Dementsprechend muss man sich überhaupt keine Gedanken darüber machen, unterwegs verloren zu gehen.

Ebenfalls problemlos ist es, sich auf Sydneys Straßen zu bewegen. Ich kann mir zwar gut vorstellen, dass es auch zwielichtige Viertel gibt, jedoch habe ich mich am Hafen, in Paddington, im CDB und in Chinatown zu jeder Zeit sicher gefühlt. Nach allem, was ich von meinen einheimischen Bekannten gehört habe, ist Sydney auch allgemein eine sichere Stadt.

Aktivitäten

Sydney bietet eine Fülle von möglichen Aktivitäten – oder man erkundet die Stadt im Alleingang. Eine gute Anlaufstelle für Touren etc. ist TripAdvisor, entweder als App oder auf der Website. Dort findet sich eine Menge an Dingen, die man machen kann, vieles auch auf eigene Faust.

Die Oper und die Sydney Harbour Bridge sind auf jeden Fall ein Muss. Das nahe gelegene Viertel „The Rocks“ ist auch nett. Das Geschäftsviertel CBD ist toll zum Shoppen und um die Großstadtatmosphäre zu schnuppern. Mit der Fähre kann man eine schöne Tour nach Manly machen oder an den Cremorne Point. Und auch der berühmte Bondi Beach ist es durchaus wert, besucht zu werden. Mit dem Bus alles kein Problem.

Wer genügend Zeit hat, sollte unbedingt einen Abstecher in die Blue Mountains machen, entweder mit dem Mietwagen oder man bucht einfach eine Tour. Die Ausblicke dort sind sagenhaft!

Fazit

Sydney und Australien sind eine Reise wert. Punkt. Die elf Tage, die ich hier war, haben mir gut ausgereicht, um alles zu machen, was ich vorhatte. Auch das Thema Jetlag war gut handhabbar – vor allem wegen der Travel Essenz von den Australischen Buschblüten. Man kann sicherlich noch viel mehr Zeit hier verbringen, aber mich zieht es inzwischen tatsächlich wieder nach Hause. Das mag aber daran liegen, dass ich ohnehin nicht der ganz große Reisefreak bin. Insgesamt waren die Tage eine mehr als bereichernde Erfahrung. Amen 😉

Aufbruch nach Hause

Mein Flug geht heute wie gesagt am Nachmittag, das heißt, dass ich morgens noch etwas Zeit habe. Zum wiederholten Mal schaue ich im Kathmandu Shop vorbei, weil ich gestern vergessen habe, die praktischen Säckchen zu kaufen, die aus alten Getränkeflaschen hergestellt werden. Toll, um Socken, Unterhosen und andere Dinge zu organisieren, wenn man verreist. Kathmandu macht echt coole Sachen, insbesondere mit recycelten Materialien und wenn ich viel Platz im Koffer und einen Geldscheißer hätte, würde ich hier ordentlich zuschlagen. Diese Marke gibt es zwar inzwischen auch in Deutschland, aber die Preise dort sind jenseits von Gut und Böse.

Natürlich hole ich mir auf dem Weg wieder einen Smoothie. Der war gestern echt lecker und ist es auch heute wieder. Auch für das Mittagessen sorge ich vor – ein vegetarischer Wrap, ganz in australischer „Wir wickeln alles was sich nicht wehrt in Brot ein“ Manier 😅

Auf dem Rückweg komme ich zum wiederholten Mal an einem UGG Store vorbei. Ist in Deutschland momentan groß in Mode und kommt eigentlich aus Australien. Wusste ich gar nicht. Wahrscheinlich sind die Preise hier auch deutlich günstiger, aber mir gefallen die Dinger nicht und außerdem ist der Geldbeutel leer und der Koffer voll.

Dann zurück ins Hotel, auschecken, mit dem Bus und der Bahn zum Airport und dann erstmal warten, denn ich bin viel zu früh. Ich nutze die Zeit, um zu bloggen. Es wird ein vielleicht ein wenig ausführlicheres Resümee meiner Reise werden. Davor jedoch noch einige Gedanken zu meinem letzten Hotel.

Das Arts Hotel in der Oxford Street in Paddington ist empfehlenswert. Es ist nicht luxeriös oder super modern, aber sauber und mit allem ausgestattet, was man braucht. Ich habe für drei Nächte 329 EUR bezahlt. Für die Lage und australische Verhältnisse ist das eher ein Schnäppchen. Airbnb wäre sicher günstiger gewesen, aber auf den Komfort eines eigenen Zimmers mit eigenem Bad wollte ich dann doch nicht verzichten. Insofern eine Empfehlung für zukünftige Reisende.

Der letzte Tag … ganz ohne Wale

Heute schaffe ich es, etwas früher wach zu sein. Das Mittagessen von gestern war so reichlich gewesen, dass ich abends nur einige Nüsse gegessen und heute auch noch keinen richtigen Hunger habe. Mir steht der Sinn nach einem Smoothie, deshalb wandere ich die Oxford Street entlang, bis meine Augen einen Laden mit der Aufschrift „Boost Juice“ finden, der genau das im Angebot hat, was ich haben will. Einmal „Power Plant Protein“ zum Mitnehmen bitte. Macht dann $9.30, etwa 5,75 EUR. Geht sogar.

Heute morgen habe ich mir vorgenommen, noch einmal im Kathmandu Shop im Geschäftsviertel von Sydney vorbeizuschauen. Die, die ich letzte Woche gekauft hatte ist so super bequem, dass ich sie mir nochmal in einer anderen Farbe holen will. Insbesondere, da es gerade 40% Rabatt für „Members“ gibt. Praktischerweise ist es ganz leicht, Mitglied zu werden – man muss nur seine Daten da lassen. Die E-Mail Flut hinterher werde ich dann hoffentlich wieder abbestellen können und Briefe nach Deutschland werden sie mir wohl nicht schicken. Was macht man nicht alles, aber 40 Prozent sind halt ein Wort. Rechne ich den Wechselkurs ein, kostet mich so eine Hose nur 59 EUR – so günstig bekomme ich das in Deutschland garantiert nicht.

Mein nächster Weg führt mich – wieder zu Fuß – noch einmal in den Souvenirshop am Circular Quay, weil ich ein Mitbringsel vergessen habe. Da kann ich dann auch gleich im Foodcourt wieder preiswert zu Mittag essen, bevor ich mich auf den Weg zum Darling Harbour für meine Whale Watching Tour mache. Diesmal ist mir nach Arabisch … echt lecker.

Als ich gerade am Mampfen bin, erreicht mich eine E-Mail des Veranstalters. Der Wellengang ist zu hoch, die Tour wurde abgesagt. So ein Mist! Ich hatte mich echt auf die Wale gefreut. Da ich keinen anderen Termin wählen kann, weil ich morgen schon wieder nach Hause fliege, lasse ich mir den Betrag erstatten, was mit einem Anruf erledigt ist. Nun brauche ich ein Alternativprogramm. In meiner TripAdvisor App finde ich den Vorschlag für einen Spaziergang vom Cremorne Point, einer Landzunge, zur Mosman Bay. Klingt gut.

Ich nehme die Fähre und unterhalte mich dabei mit einer Einheimischen, die mit ihrer Familie früher schon x-mal in Europa war und Deutschland liebt. Als sie mich fragt, was ich so tue und ich ihr von den Essenzen erzähle, schaut sie, als ob sie in eine Zitrone gebissen hätte und wechselt das Thema. Später erzählt sie mir noch, dass ihre Tochter Apothekerin ist – wohl eine Hardcore Anhängerin der Schulmedizin 🤷🏻‍♂️

Cremorne Point ist wirklich schön. Der beschriebene Spaziergang ist zwar etwas kürzer als ich mir das vorgestellt habe, aber ich sehe eine Menge hübscher Blüten und tolle Ausblicke auf die Bucht. Ich bin etwas hin- und hergerissen, ob ich einfach weiterlaufen soll, oder zurückfahre, im Hotel einen Zwischenstopp einlege und zum berühmten Bondi Beach fahre. Mit dem Hintergedanken, dort in einem Café am Strand zu bloggen entscheide ich mich für Letzteres. Wale gab es zwar keine, aber der Spaziergang war trotzdem schön.

Mit dem Bus geht es dann nach Bondi. Der Strand ist Wegen seiner Wellen eines der berühmtesten Surfreviere der Welt. Doch bevor ich dort ankomme, zeigen mir die Verkehrbetriebe von Sydney noch alles, was sie zu bieten haben. Unser Busfahrer zitiert Fahrgäste, die hinten (statt wie vorgeschrieben vorne) einsteigen zu sich und faltet sie nach allen Regeln der Kunst vor versammelter Mannschaft zusammen. Muss wohl das sein, was man ein „Original“ nennt. Als nächstes kommen die Kontrolleure, die alle Fahrkarten überprüfen – natürlich mit einem Smartphone, denn die Opal Card bzw. Kreditkarten sind ja das übliche Zahlungsmittel und so etwas wie Fahrscheine gibt es hier nur noch für technologisch Zurückgebliebene, von denen ich mit eigenen Augen in meiner Zeit in Sydney keinen einzigen erblicken konnte.

Als ich schließlich am Bondi Beach ankomme, bläst mir der Wind schon entgegen und der Wellengang ist fulminant. Nur Surfer sehe ich keine. Vielleicht ist es zu früh in der Saison? Oder zu früh am Tag? Keine Ahnung. Ich genieße auf jeden Fall erst einmal den feinen Salzwassernebel, der mir an der Uferpromenade fortwährend ins Gesicht bläst. Dann setze ich mich auf eine Bank und blogge … ich habe ein bisschen was aufzuholen. Als ich irgendwann den Laptop zuklappe, sehe ich einzelne Surfer, die sich in die wilde Brandung wagen. Bei den Temperaturen und dem Wind braucht es da schon Überwindung und gute Neoprenanzüge. Respekt. Aber sie scheinen Spaß zu haben.

Auf dem Rückweg will ich eigentlich wieder einen Smoothie, stelle aber fest, dass mein Smoothie-Tempel schon zu hat. Scheint aber eine Kette zu sein, denn es gibt noch eine Reihe von weiteren Filialen in Sydney. Dank des hervorragenden ÖPNV hier, komme ich problemlos dorthin – nur um dann noch in einer Grill’d Filiale einen Burger zu essen. Smoothie gibt es dann morgen früh wieder.

Nachdem ich dann auf dem Weg zurück ins Hotel noch in den falschen Bus einsteige, in einem Vorort umkehre und eine Weile zu Fuß gehen muss, komme ich dann doch noch an, aber nicht bevor ich mir in einem Laden ein Bier gekauft habe. In Australien brauchen Geschäfte eine gesonderte Lizenz, um Alkohol verkaufen zu dürfen, so wie in den USA. Dementsprechend wird mein Bier auch stilecht in eine Papiertüte verpackt, ganz so, wie man es aus amerikanischen Filmen kennt. Aber wenigstens wurde ich nicht auch noch nach meinem Ausweis gefragt 😂

Auf dem Rückweg komme ich in Straßen vorbei, die mit ihren Reihenhäusern sehr an Großbritannien erinnern. Wieder einmal fällt auf, dass Australien immer noch sehr „british“ ist . Heute Abend ist dann noch Packen angesagt. Mein Flug geht um Viertel nach drei und ich werde gegen Mittag in Richtung Flughafen aufbrechen. Mal sehen, was mir der Vormittag noch so bringt. Auf jeden Fall mal mindestens einen Smoothie …

Paddington, Darling Harbour & Sydney Souvenir Shopping

Nach dem ganzen Wandern gestern ist heute erst einmal Ausschlafen angesagt. Als ich gegen zehn irgendwann wieder gesellschaftsfähig bin, gehe ich die Oxford Street entlang, um mir etwas zu Essen zu fangen. Fündig werde ich in einem der vielen kleinen Läden und Cafés im hippen Paddington Viertel von Sydney, in dem sich auch mein Hotel befindet. Das preisgekrönte Sandwich im Sandoitchi Café mit Avocado, gegrillter Aubergine und geschmolzenem Käse wurde vollkommen zu Recht ausgezeichnet. Lecker.

Die Whale Watching Tour habe ich für morgen gebucht, deshalb wäre heute Zeit für den Sydney Harbour Bridge Climb, aber als ich mir die Preise ansehe, beschließe ich, dass es doch nicht so wichtig ist. Für eine geführte Klettertour auf den höchsten Bogen werden etwa 350 australische Dollar (mehr als 200 EUR) aufgerufen. Finde ich ein wenig unverschämt, auch wenn man mit Kletterequipment ausgerüstet wird. Wahrscheinlich ist die Versicherung so teuer, weil sich immer wieder irgendwelche unsportlichen Touristen überschätzen und wehtun. Schade.

Stattdessen laufe ich die Stadt zu Fuß ab. Von Paddington über Chinatown zum Darling Harbour, von wo ich morgen meine Whale Watching Tour starten werden. Schadet ja nicht, wenn man schon mal weiß, wo man hin muss. Danach zum Circular Quay, wo ich meine Mitbringsel für die Familie besorge. Tipp an zukünftige Reisende: Der Souvenirshop „Australia the Gift“ hat wirklich schöne Sachen – kitschige und vor allem auch nicht so kitschige. Mein persönliches Highlight dabei ist der Flaschenöffner mit pelzigen Känguruhoden (sic!) als Griff. Die spinnen, die Aussies 😂 Ich kann mich jedoch gerade so zurückhalten, sie jemandem mitzubringen.

Das späte Mittagessen hole ich mir in einem indischen Kebabhaus, wieder auf der Oxford Street. Man kann in Sydney viel Geld in Restaurants lassen, man kann sich aber auch relativ preiswert in Food Courts und kleinen Imbissen entlang der Straßen ernähren. Und das noch nicht einmal ungesund. Ja, es gibt McDoof & Co., aber auch viele internationale Imbisse – indisch, arabisch, japanisch, chinesisch etc. Und es hat den Anschein, als würden die Australier alles, was man essen kann, auch rollen wollen. So gut wie jede Art von internationaler Spezialität kann man als gerollten Kebab, als Wrap oder sonst irgendwie mit Brot umwickelt kaufen. Einerseits praktisch, lässt aber darauf schließen, dass die Großstädter hier vor allem beim Laufen essen.

Den Nachmittag verbringe ich dann mit weiterer Entspannung im hoteleigenen Courtyard, dem Innenhof mit einem kleinen Pool. Zum Baden ist es leider deutlich zu frisch – das Thermometer zeigt nicht einmal 20 Grad. Aber die Sonne ist sehr angenehm. Nach allem, was ich in den vergangenen Tagen so erlebt habe, tut es richtig gut, auch einmal nichts zu tun. Morgen geht es dann weiter. Vielleicht mache ich nach der Tour noch einen Abstecher an den berühmten Bondi Beach …

The Blue Mountains

Nach dem Aufstehen nimmt mich Ian mit an den Strand, wo er morgens gerne eine Runde Bodysurfen geht. Und er ist nicht der Einzige. Mit Neoprenanzügen, Flossen und einen kleinen Board, das nur etwa so groß wie ein Blatt Papier ist, stürzen sich eine ganze Reihe Menschen, vorwiegend reifere Männer, in die beeindruckend hohen Wellen. Ich selbst ziehe es vor, nur mit den Füßen ins Wasser zu gehen, da es nicht wirklich Badetemperaturen hat und ich keinen Neoprenanzug habe. Dennoch ist der Blick auf den Pazifischen Ozean fantastisch.

Ian hat mich vorgewarnt, dass gerade die Zeit ist, in der die Buckelwale an Australien vorbei in Richtung Antarktis ziehen und tatsächlich sehe ich in weiter Ferne einige Fluken ins Wasser klatschen. Neuer Eintrag in meiner Bucket List: Wale sehen. In Sydney gibt es Whale Watching Touren. Ist gebongt 🙂

Nachdem Ian mit dem Plantschen fertig ist, geht es schnell zurück in sein Haus, wo wir seine Frau aufsammeln und nach Terrey Hills fahren, um den anderen beiden die Gelegenheit zum Einsteigen zu geben. Sandra ist Ians Distributorin in Mexico, Joanna ist Therapeutin in Portugal.

Die Fahrt in die Blue Mountains dauert etwa zwei Stunden und unser erstes Ziel ist die „Red Hands Cave“. In dieser Höhle haben die Aborigines vor sehr langer Zeit ihre Hände an den Wänden verewigt. Obwohl es ein Ort ist, der viele Touristen anzieht, bin ich etwas enttäuscht. Die Höhle ist winzig und die Hände sind, ehrlich gesagt, zwar irgendwie cool, aber nicht übermäßig spannend. Deshalb packen wir uns auch gleich wieder ins Auto, und fahren zum Jellybean Pool, einem kleinen See in den Bergen.

Hier gefällt es mir schon besser. Die Sonne scheint, es ist warm und die Landschaft hat schon einiges zu bieten. Wir ruhen uns kurz aus, genießen den Blick und tauschen Bilder aus – Airdrop sei dank. Wieder so eine Sache, die das Leben echt ein wenig leichter macht. Danke, Apple.

Es geht Schlag auf Schlag weiter. Nächster Stop: Hargraves Lookout. Hier zieht es mir dann, gelinde gesagt, die Socken aus. Ein weiter Blick über den Busch und die Blue Mountains. Atemberaubend. Man kann sich gar nicht satt sehen, so weit und schön ist die Landschaft. Ein leichter Sprühregen sorgt für das Tüpfelchen auf dem I – einen Regenbogen über dem Tal. Wow.

Die Australier machen es mit ihren Nationalparks ganz ähnlich wie die Amerikaner. Sie gelten als die Juwelen des Landes und werden entsprechend geschützt. Gleichzeitig sind sie touristisch so erschlossen, dass man die unberührte Natur genießen kann, und da sich auch noch alle daran halten, keinen Müll zu hinterlassen, bleiben diese Juwelen hoffentlich noch vielen Generationen erhalten.

Wir fahren weiter ins Megalong Valley. Auch hier wieder atemberaubende Ausblicke und die Wolken, die über den Himmel ziehen, lassen uns ein Schauspiel von Schatten und Licht erleben. Obwohl in New South Wales gerade Frühlingsferien sind, sind wir die meiste Zeit unter uns und können die Natur ungestört genießen.

Obwohl die Wege alle erschlossen sind, gibt es genügend Stellen, an denen es entweder auf einer oder auf beiden Seiten steil bergab geht. Nicht nur einmal wird mir dabei etwas mulmig, weil gleichzeitig ein ordentlicher Wind geht. Die Lookouts, zu denen wir gelangen, sind jedoch die Mühe wert. Wie gesagt: atemberaubend schön.

Den Sonnenuntergang wollen wir uns dann bei den „Three Sisters“, einer Bergformation in der Nähe von Katoomba ansehen. Ian will es aber wissen, deshalb fahren wir vorher noch zum Govetts Leap Lookout, Anders als die vorherigen Aussichtspunkte, aber nicht weniger spektakulär. Man sieht besonders gut die einzelnen Sedimentschichten, die über die Jahrmillionen durch Erosion freigelegt worden sind.

Als wir endlich bei den Three Sisters ankommen, können wir gut verstehen, warum man sie die drei Schwestern genannt hat. Allerdings gibt es auf der rechten Seite noch eine weitere, deutlich kleinere Erhebung. Wir beschließen daher, diese Formation für uns umzubenennen in „Three Sisters and their dog“ 😉

Ach ja: zwischendrin sehen wir auch unsere ersten Kängurus – nur ganz aus der Ferne, aber immerhin. Die sollen es ja ohnehin nicht so mögen, wenn man sie streichelt, wie übrigens auch die Koalas.

In Katoomba, von wo aus man die Formation aus einem anderen Blickwinkel sehen kann, gibt es den „Queen Elizabeth Lookout“, der so benannt wurde, weil die Monarchin von England an just dieser Stelle in den fünfziger Jahren die Blue Mountains mit ihrem königlichen Augenlicht gesegnet hat. Man muss wohl Engländer oder Mitglied im Commonwealth sein, um dabei nicht grinsen zu müssen 🤷🏻‍♂️

Dennoch: Der Blick und das Licht sind spektakulär. Deshalb fällt es uns ein wenig schwer, wieder ins Auto zu steigen und zurück nach Sydney zu fahren. Für mich wird es der Abschied von Ian und den anderen sein, denn die letzten Tage meiner Reise bin ich wieder auf mich gestellt. In Sydney gibt es noch eine ganze Menge zu sehen und die Wale stehen ja auch noch auf meiner Liste. Nach einem sehr leckeren japanischen Abendessen mit den in Australien üblichen, gesalzenen Preisen verabschieden wir uns. Danke Ian für alles. Ich freue mich schon auf unser nächstes Wiedersehen.

Mein Hotelzimmer im Arts Hotel ist klein aber bequem und ich habe erstmal eine Menge Schlaf nachzuholen, denn die letzten Tage waren mega intensiv. Gute Nacht.

Seminarausklang mit Gackern und Trompeten

Der dritte Tag des Seminars beginnt wie der zweite mit einem angenehmen Frühstück im „Tastebuds“. Dank Renee aus Melbourne müssen wir die 1,5 km zur Booralie Road nicht laufen, sondern dürfen bei ihr mitfahren. Ein großes Dankeschön dafür 🙂

Der Bushwalk des Tages führt uns nur wenige Autominuten weg vom Seminarort. Dort gibt es prächtige Waratahs zu sehen. Diese eindrucksvollen Blüten sind nicht nur im Logo der Australischen Buschblüten zu finden, sie sind auch das Emblem des Bundesstaates New South Wales, dessen Hauptstadt Sydney ist. Die Dinger sind recht groß und knallrot. Kein Wunder, dass sie auf jeden, der sie sieht, einen nachhaltigen Eindruck machen.

Eine der Essenzen, die an diesem Tag ausführlich besprochen wird, ist Little Flannel Flower. Diese winzige Blüte haben wir schon reichlich an den vergangenen zwei Tagen gesehen. Die Hauptwirkung ihrer Essenz besteht darin, die Fähigkeit zu spielen und auch mal kindisch zu sein wieder ans Tageslicht zu bringen, denn mal ehrlich: Erwachsene sind viel zu ernsthaft die ganze Zeit, oder?

Während der Raum für die Abschlusszeremonie vorbereitet wird, gehen wir nochmal nach draußen in einen nahegelegenen „Park“, der eigentlich nur ein unbebautes Grundstück mit Rasen und einer Schaukel ist. Ian hat angekündigt, dass wir dort eine „Little Flannel Flower Experience“ machen dürfen. Diese besteht aus einem Orientierungsspiel: Die Mitglieder von sechs verschiedenen Gruppen müssen sich mit geschlossenen Augen anhand von Tiergeräuschen zusammenfinden. Ich war bei den Elefanten. Keine leichte Aufgabe 😉 Die anwesenden Kinder mit ihren Eltern haben auf jeden Fall recht komisch geschaut, als 34 Erwachsene laut gackernd, bellend, trompetend und was weiß ich noch alles mit geschlossenen Augen auf dem Rasen umhertappen.

Danach zurück in den Seminarraum, in Kerzen, ein Blumenbouquet und viele kleine Fläschchen auf uns warten. Jeder bekommt beim Betreten des Raumes eine kleine Kerze in die Hand gedrückt und wir stehen schweigend im Kreis um das Arrangement in der Mitte herum. Jeder der Teilnehmer bekommt die Gelegenheit, seine Kerze anzuzünden, eventuell einige kurze Worte zu sagen, und sich dann ein Fläschchen zu nehmen. Darin befindet sich, wie ich erwartet hatte, die von uns hergestellten Flannel Flower Essenz als Muttertinktur. Ein wirklich schönes Geschenk, um es mit nach Hause zu nehmen.

Nachdem der formelle Teil vorbei ist, gehen alle zum informellen Abschied mittels Umarmungen über. War eine schöne Gruppe mit vielen internationalen Teilnehmern. Sehr harmonisch und konzentriert.

Nach dem Seminar habe ich noch die Gelegenheit mich mit dem CEO, der die administrativen Dinge für Ian regelt, über geschäftliche Dinge zu unterhalten, was etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt als gedacht, dafür aber extra interessant ist und mir viel Inspiration mit auf den Weg gibt. Anschließend habe ich die Ehre, mit Ian nach Hause zu fahren, und bei ihm und seiner wunderbaren Frau Jane übernachten zu dürfen.

Morgen geht es dann mit Ian, Jane und zwei der Teilnehmerinnen aus der Gruppe in die Blue Mountains. Ich bin gespannt, was es dort alles zu sehen geben wird.

Meine eigene Flannel Flower Essenz

Flannel Flower ist die Essenz die wir heute als Gruppe in Ian Whites Level 3 Workshop zusammen herstellen werden. Das wurde festgelegt, als ich noch auf dem Weg vom Flughafen zum Seminar war. Nach einer halbwegs erholsamen Nacht treffe ich mich mit einigen Seminarteilnehmern zum Frühstück in einem kleinen Café mit dem passenden Namen „Tastebuds“ – Geschmacksknospen. Passend deswegen, weil es sich in einem Gartencenter befindet. Die Preise sind, wie bisher überall auf meiner Reise, deutlich höher als in Deutschland, dafür ist mein Frühstück inkl. Woombye Smoothie aber auch sehr gut.

Frisch gestärkt fahren wir dann die paar hundert Meter bis zum Seminarort. Nach einer kurzen Einheit drinnen geht es dann relativ schnell raus zum zweiten Bushwalk, der einer der Höhepunkte des Workshops ist, weil wir, wie gesagt, als Gruppe eine Blütenessenz herstellen werden. Wir laufen kurze Zeit, bis wir auf einem Plateau über dem Busch ankommen. Dort verteilen Ian und sein Team, bestehend aus Peta und Adriana, letzte Instruktionen. Rundherum sind reichlich Flannel Flowers und jeder der Teilnehmer soll sich eine aussuchen, die ihn ruft, sie zeichnen, mit ihr meditieren und sie dann um Erlaubnis bitten, sie zu pflücken. Anschließend gehen alle Blüten in drei Schalen mit reinem Wasser. Die Sonne wird während der nächsten knapp zwei Stunden dafür sorgen, dass die Energie der Blüten auf das Wasser übertragen wird – das ist die klassische Methode nach Dr. Bach.

In der Zwischenzeit essen wir unser mitgebrachtes Mittagessen und machen noch eine kurze Wanderung zu einem noch höher gelegenen Plateau mit atemberaubender Aussicht. Als wir zurückkehren, ist die Essenz so gut wie fertig. Zeit, die Blüten wieder aus dem Wasser zu fischen. So wie beim Pflücken der Blüte, ist es laut Ian auch hier wichtig, sie nicht mit bloßen Fingen zu berühren, sondern beispielsweise Blätter einer anderen oder derselben Blume zu benutzen, um den direkten Kontakt zu vermeiden.

Als die Blüten aus den Schalen sind, wird die Mutteressenz in vorbereitete Flaschen mit Weinbrand gegossen. Ian erzählt, dass dieser Moment die Geburt der Essenz ist, während die Konzeption stattfand, als wir die Blüten ins Wasser gelegt haben. Nun, da die Muttertinktur fertig ist, fragt sich, was man mit dem restlichen Wasser in der Schale macht. Ian erzählt, dass er es gerne benutzt, um etwas davon auf das Kronenchakra zu gießen und die Energie zu spüren. Selbstverständlich will das jeder in der Gruppe ausprobieren. Eine interessante Erfahrung, die sich fast ein wenig wie eine Taufe anfühlt. Wir scherzen, dass wir nun Mitglieder der Kirche der heiligen Flannel Flower sind.

Der Rückweg führt uns wieder vorbei an Unmengen von Blüten und Pflanzen, darunter Mountain Devil und eine schöne Black-eyed Susan, und der Rest dieses Tages ist wieder Informationen über einzelne Blüten gewidmet. Zum Abendessen gehen wir in die nahe gelegene „Taverna“, wo es halbwegs gutes Bier und leckeres Essen gibt. Dann zurück ins Hotel und ab ins Bett. Diesmal gibt es keine Hochzeit draußen, aber dafür die Gäste einer drinnen stattfindenden Hochzeit, die ordentlich Lärm auf dem Flur machen. Gottseidank habe ich meine Ohrstöpsel parat und kann relativ schnell einschlafen.