Warenpost Teil 2: Klagelied an die Deutsche Post AG

Liebe Deutsche Post AG, wie bereits ausführlich geschrieben, finde ich es toll, dass ihr mit der Zeit geht und ein modernes und sinnvolles Produkt wie die Warenpost eingeführt habt. Ebenfalls wie bereits geschrieben, hat das Produkt noch eine ganze Reihe von Unzulänglichkeiten, die vermieden hätten werden können, wenn diejenigen, die das alles geplant haben, mit der Zielgruppe im Auge zuende gedacht hätten.

Ich sehe auch ein, dass ein neues Produkt noch so seine Kinderkrankheiten hat. Aber wie kann es sein, dass annähernd die Hälfte aller Warenpost-Sendungen gar nicht gescannt wird? Nicht im Briefzentrum und nirgendwo sonst. Wenn man auf die Sendungsverfolgung geht, findet man nur gähnende Leere. Das widerspricht doch ein wenig dem Sinn des Ganzen, meint ihr nicht auch?

Ein wenig verwirrt war ich, als ich einmal unseren Postboten dabei erwischt habe, wie er eine Warenpost bei uns in den Briefkasten geworfen hat, ohne sie zu scannen. Von wegen „Zustellnachweis“ und so. Der tat erstmal so als ob er von nichts wüsste. Man hätte ihm gesagt, er muss die Sendungen nur scannen, wenn er sie nicht zustellen kann. „Das macht doch keinen Sinn“, sage ich zu ihm. „Wie funktioniert das denn dann mit dem Nachweis der Zustellung?“ Das wüsste er jetzt auch nicht so genau, sagte er. Meine Nachfrage bei unserem, im Gegensatz zu den Callcenter-Drohnen sehr erfahrenen, zuverlässigen und hilfsbereiten Geschäftskundenberater hat mich dann ein wenig desillusioniert. Tatsächlich sollen die Warenpost Sendungen nur vom Zusteller gescannt werden, wenn sie nicht zustellbar sind. Wenn das nicht passiert, dann gelten sie ab 18.00 Uhr automatisch als zugestellt.

Habt Ihr noch alle Latten am Zaun? Und was ist mit Sendungen die auf dem Weg vom Briefzentrum zum Zusteller oder unterwegs beim Ausliefern verloren gehen? Die sind dann automatisch „zugestellt“, obwohl sie es auch irgendwie nicht sind. Unter einem ZustellNACHWEIS stelle ich mir irgendwie etwas anderes vor. So ist es, nett formuliert, eine Mogelpackung. Auch die Worte „Lüge“ oder „Täuschung“ sind mir schon in den Sinn gekommen.

Natürlich verstehe ich, dass insbesondere in Zeiten zunehmenden Versandhandels der Zusteller aus Kostengründen für 2,60 EUR nicht jede kleine Warenpost scannen kann. Vermutlich würde er dann deutlich länger für seinen Job brauchen. Aber ganz ehrlich: Lieber würde ich ein wenig mehr für ein funktionierendes, stimmiges Produkt mit echtem Zusatznutzen zahlen, als denselben alten Preis für eine Augenwischerei. Hatte ich schon erwähnt, dass der Servicelevel mit der Warenpost um Vergleich zum guten alten Maxibrief auch noch gesunken ist? Wir haben heute deutlich mehr verlorene Warenpost Sendungen als letztes Jahr Maxibriefe.

Liebe Deutsche Post, Stand heute muss ich sagen, dass ihr mit dem gut gemeinten Produkt Warenpost nicht nur nicht zuende gedacht habt, ihr habt ein funktionierendes System sogar leider noch spürbar schlechter gemacht.

Wer sich mal mit dem Postkonzern (oder Konzernen im Allgemeinen) beschäftigt hat, weiß, dass so ein Unternehmen ungefähr so beweglich ist wie ein Mega-Containerschiff. Deshalb bleibt mir als kleiner Kunde mangels Alternativen momentan nichts anderes übrig, als immer wieder jede schief gelaufene Warenpost zu reklamieren. Mein Kundenberater freut sich sogar ehrlich darüber, denn der ist in der Tat näher am Kunden als die Produktarchitekten der Warenpost. Und die Hoffnung stirbt zuletzt.

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