The Blue Mountains

Nach dem Aufstehen nimmt mich Ian mit an den Strand, wo er morgens gerne eine Runde Bodysurfen geht. Und er ist nicht der Einzige. Mit Neoprenanzügen, Flossen und einen kleinen Board, das nur etwa so groß wie ein Blatt Papier ist, stürzen sich eine ganze Reihe Menschen, vorwiegend reifere Männer, in die beeindruckend hohen Wellen. Ich selbst ziehe es vor, nur mit den Füßen ins Wasser zu gehen, da es nicht wirklich Badetemperaturen hat und ich keinen Neoprenanzug habe. Dennoch ist der Blick auf den Pazifischen Ozean fantastisch.

Ian hat mich vorgewarnt, dass gerade die Zeit ist, in der die Buckelwale an Australien vorbei in Richtung Antarktis ziehen und tatsächlich sehe ich in weiter Ferne einige Fluken ins Wasser klatschen. Neuer Eintrag in meiner Bucket List: Wale sehen. In Sydney gibt es Whale Watching Touren. Ist gebongt 🙂

Nachdem Ian mit dem Plantschen fertig ist, geht es schnell zurück in sein Haus, wo wir seine Frau aufsammeln und nach Terrey Hills fahren, um den anderen beiden die Gelegenheit zum Einsteigen zu geben. Sandra ist Ians Distributorin in Mexico, Joanna ist Therapeutin in Portugal.

Die Fahrt in die Blue Mountains dauert etwa zwei Stunden und unser erstes Ziel ist die „Red Hands Cave“. In dieser Höhle haben die Aborigines vor sehr langer Zeit ihre Hände an den Wänden verewigt. Obwohl es ein Ort ist, der viele Touristen anzieht, bin ich etwas enttäuscht. Die Höhle ist winzig und die Hände sind, ehrlich gesagt, zwar irgendwie cool, aber nicht übermäßig spannend. Deshalb packen wir uns auch gleich wieder ins Auto, und fahren zum Jellybean Pool, einem kleinen See in den Bergen.

Hier gefällt es mir schon besser. Die Sonne scheint, es ist warm und die Landschaft hat schon einiges zu bieten. Wir ruhen uns kurz aus, genießen den Blick und tauschen Bilder aus – Airdrop sei dank. Wieder so eine Sache, die das Leben echt ein wenig leichter macht. Danke, Apple.

Es geht Schlag auf Schlag weiter. Nächster Stop: Hargraves Lookout. Hier zieht es mir dann, gelinde gesagt, die Socken aus. Ein weiter Blick über den Busch und die Blue Mountains. Atemberaubend. Man kann sich gar nicht satt sehen, so weit und schön ist die Landschaft. Ein leichter Sprühregen sorgt für das Tüpfelchen auf dem I – einen Regenbogen über dem Tal. Wow.

Die Australier machen es mit ihren Nationalparks ganz ähnlich wie die Amerikaner. Sie gelten als die Juwelen des Landes und werden entsprechend geschützt. Gleichzeitig sind sie touristisch so erschlossen, dass man die unberührte Natur genießen kann, und da sich auch noch alle daran halten, keinen Müll zu hinterlassen, bleiben diese Juwelen hoffentlich noch vielen Generationen erhalten.

Wir fahren weiter ins Megalong Valley. Auch hier wieder atemberaubende Ausblicke und die Wolken, die über den Himmel ziehen, lassen uns ein Schauspiel von Schatten und Licht erleben. Obwohl in New South Wales gerade Frühlingsferien sind, sind wir die meiste Zeit unter uns und können die Natur ungestört genießen.

Obwohl die Wege alle erschlossen sind, gibt es genügend Stellen, an denen es entweder auf einer oder auf beiden Seiten steil bergab geht. Nicht nur einmal wird mir dabei etwas mulmig, weil gleichzeitig ein ordentlicher Wind geht. Die Lookouts, zu denen wir gelangen, sind jedoch die Mühe wert. Wie gesagt: atemberaubend schön.

Den Sonnenuntergang wollen wir uns dann bei den „Three Sisters“, einer Bergformation in der Nähe von Katoomba ansehen. Ian will es aber wissen, deshalb fahren wir vorher noch zum Govetts Leap Lookout, Anders als die vorherigen Aussichtspunkte, aber nicht weniger spektakulär. Man sieht besonders gut die einzelnen Sedimentschichten, die über die Jahrmillionen durch Erosion freigelegt worden sind.

Als wir endlich bei den Three Sisters ankommen, können wir gut verstehen, warum man sie die drei Schwestern genannt hat. Allerdings gibt es auf der rechten Seite noch eine weitere, deutlich kleinere Erhebung. Wir beschließen daher, diese Formation für uns umzubenennen in „Three Sisters and their dog“ 😉

Ach ja: zwischendrin sehen wir auch unsere ersten Kängurus – nur ganz aus der Ferne, aber immerhin. Die sollen es ja ohnehin nicht so mögen, wenn man sie streichelt, wie übrigens auch die Koalas.

In Katoomba, von wo aus man die Formation aus einem anderen Blickwinkel sehen kann, gibt es den „Queen Elizabeth Lookout“, der so benannt wurde, weil die Monarchin von England an just dieser Stelle in den fünfziger Jahren die Blue Mountains mit ihrem königlichen Augenlicht gesegnet hat. Man muss wohl Engländer oder Mitglied im Commonwealth sein, um dabei nicht grinsen zu müssen 🤷🏻‍♂️

Dennoch: Der Blick und das Licht sind spektakulär. Deshalb fällt es uns ein wenig schwer, wieder ins Auto zu steigen und zurück nach Sydney zu fahren. Für mich wird es der Abschied von Ian und den anderen sein, denn die letzten Tage meiner Reise bin ich wieder auf mich gestellt. In Sydney gibt es noch eine ganze Menge zu sehen und die Wale stehen ja auch noch auf meiner Liste. Nach einem sehr leckeren japanischen Abendessen mit den in Australien üblichen, gesalzenen Preisen verabschieden wir uns. Danke Ian für alles. Ich freue mich schon auf unser nächstes Wiedersehen.

Mein Hotelzimmer im Arts Hotel ist klein aber bequem und ich habe erstmal eine Menge Schlaf nachzuholen, denn die letzten Tage waren mega intensiv. Gute Nacht.

Seminarausklang mit Gackern und Trompeten

Der dritte Tag des Seminars beginnt wie der zweite mit einem angenehmen Frühstück im „Tastebuds“. Dank Renee aus Melbourne müssen wir die 1,5 km zur Booralie Road nicht laufen, sondern dürfen bei ihr mitfahren. Ein großes Dankeschön dafür 🙂

Der Bushwalk des Tages führt uns nur wenige Autominuten weg vom Seminarort. Dort gibt es prächtige Waratahs zu sehen. Diese eindrucksvollen Blüten sind nicht nur im Logo der Australischen Buschblüten zu finden, sie sind auch das Emblem des Bundesstaates New South Wales, dessen Hauptstadt Sydney ist. Die Dinger sind recht groß und knallrot. Kein Wunder, dass sie auf jeden, der sie sieht, einen nachhaltigen Eindruck machen.

Eine der Essenzen, die an diesem Tag ausführlich besprochen wird, ist Little Flannel Flower. Diese winzige Blüte haben wir schon reichlich an den vergangenen zwei Tagen gesehen. Die Hauptwirkung ihrer Essenz besteht darin, die Fähigkeit zu spielen und auch mal kindisch zu sein wieder ans Tageslicht zu bringen, denn mal ehrlich: Erwachsene sind viel zu ernsthaft die ganze Zeit, oder?

Während der Raum für die Abschlusszeremonie vorbereitet wird, gehen wir nochmal nach draußen in einen nahegelegenen „Park“, der eigentlich nur ein unbebautes Grundstück mit Rasen und einer Schaukel ist. Ian hat angekündigt, dass wir dort eine „Little Flannel Flower Experience“ machen dürfen. Diese besteht aus einem Orientierungsspiel: Die Mitglieder von sechs verschiedenen Gruppen müssen sich mit geschlossenen Augen anhand von Tiergeräuschen zusammenfinden. Ich war bei den Elefanten. Keine leichte Aufgabe 😉 Die anwesenden Kinder mit ihren Eltern haben auf jeden Fall recht komisch geschaut, als 34 Erwachsene laut gackernd, bellend, trompetend und was weiß ich noch alles mit geschlossenen Augen auf dem Rasen umhertappen.

Danach zurück in den Seminarraum, in Kerzen, ein Blumenbouquet und viele kleine Fläschchen auf uns warten. Jeder bekommt beim Betreten des Raumes eine kleine Kerze in die Hand gedrückt und wir stehen schweigend im Kreis um das Arrangement in der Mitte herum. Jeder der Teilnehmer bekommt die Gelegenheit, seine Kerze anzuzünden, eventuell einige kurze Worte zu sagen, und sich dann ein Fläschchen zu nehmen. Darin befindet sich, wie ich erwartet hatte, die von uns hergestellten Flannel Flower Essenz als Muttertinktur. Ein wirklich schönes Geschenk, um es mit nach Hause zu nehmen.

Nachdem der formelle Teil vorbei ist, gehen alle zum informellen Abschied mittels Umarmungen über. War eine schöne Gruppe mit vielen internationalen Teilnehmern. Sehr harmonisch und konzentriert.

Nach dem Seminar habe ich noch die Gelegenheit mich mit dem CEO, der die administrativen Dinge für Ian regelt, über geschäftliche Dinge zu unterhalten, was etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt als gedacht, dafür aber extra interessant ist und mir viel Inspiration mit auf den Weg gibt. Anschließend habe ich die Ehre, mit Ian nach Hause zu fahren, und bei ihm und seiner wunderbaren Frau Jane übernachten zu dürfen.

Morgen geht es dann mit Ian, Jane und zwei der Teilnehmerinnen aus der Gruppe in die Blue Mountains. Ich bin gespannt, was es dort alles zu sehen geben wird.

Meine eigene Flannel Flower Essenz

Flannel Flower ist die Essenz die wir heute als Gruppe in Ian Whites Level 3 Workshop zusammen herstellen werden. Das wurde festgelegt, als ich noch auf dem Weg vom Flughafen zum Seminar war. Nach einer halbwegs erholsamen Nacht treffe ich mich mit einigen Seminarteilnehmern zum Frühstück in einem kleinen Café mit dem passenden Namen „Tastebuds“ – Geschmacksknospen. Passend deswegen, weil es sich in einem Gartencenter befindet. Die Preise sind, wie bisher überall auf meiner Reise, deutlich höher als in Deutschland, dafür ist mein Frühstück inkl. Woombye Smoothie aber auch sehr gut.

Frisch gestärkt fahren wir dann die paar hundert Meter bis zum Seminarort. Nach einer kurzen Einheit drinnen geht es dann relativ schnell raus zum zweiten Bushwalk, der einer der Höhepunkte des Workshops ist, weil wir, wie gesagt, als Gruppe eine Blütenessenz herstellen werden. Wir laufen kurze Zeit, bis wir auf einem Plateau über dem Busch ankommen. Dort verteilen Ian und sein Team, bestehend aus Peta und Adriana, letzte Instruktionen. Rundherum sind reichlich Flannel Flowers und jeder der Teilnehmer soll sich eine aussuchen, die ihn ruft, sie zeichnen, mit ihr meditieren und sie dann um Erlaubnis bitten, sie zu pflücken. Anschließend gehen alle Blüten in drei Schalen mit reinem Wasser. Die Sonne wird während der nächsten knapp zwei Stunden dafür sorgen, dass die Energie der Blüten auf das Wasser übertragen wird – das ist die klassische Methode nach Dr. Bach.

In der Zwischenzeit essen wir unser mitgebrachtes Mittagessen und machen noch eine kurze Wanderung zu einem noch höher gelegenen Plateau mit atemberaubender Aussicht. Als wir zurückkehren, ist die Essenz so gut wie fertig. Zeit, die Blüten wieder aus dem Wasser zu fischen. So wie beim Pflücken der Blüte, ist es laut Ian auch hier wichtig, sie nicht mit bloßen Fingen zu berühren, sondern beispielsweise Blätter einer anderen oder derselben Blume zu benutzen, um den direkten Kontakt zu vermeiden.

Als die Blüten aus den Schalen sind, wird die Mutteressenz in vorbereitete Flaschen mit Weinbrand gegossen. Ian erzählt, dass dieser Moment die Geburt der Essenz ist, während die Konzeption stattfand, als wir die Blüten ins Wasser gelegt haben. Nun, da die Muttertinktur fertig ist, fragt sich, was man mit dem restlichen Wasser in der Schale macht. Ian erzählt, dass er es gerne benutzt, um etwas davon auf das Kronenchakra zu gießen und die Energie zu spüren. Selbstverständlich will das jeder in der Gruppe ausprobieren. Eine interessante Erfahrung, die sich fast ein wenig wie eine Taufe anfühlt. Wir scherzen, dass wir nun Mitglieder der Kirche der heiligen Flannel Flower sind.

Der Rückweg führt uns wieder vorbei an Unmengen von Blüten und Pflanzen, darunter Mountain Devil und eine schöne Black-eyed Susan, und der Rest dieses Tages ist wieder Informationen über einzelne Blüten gewidmet. Zum Abendessen gehen wir in die nahe gelegene „Taverna“, wo es halbwegs gutes Bier und leckeres Essen gibt. Dann zurück ins Hotel und ab ins Bett. Diesmal gibt es keine Hochzeit draußen, aber dafür die Gäste einer drinnen stattfindenden Hochzeit, die ordentlich Lärm auf dem Flur machen. Gottseidank habe ich meine Ohrstöpsel parat und kann relativ schnell einschlafen.

Der Bushwalk

Das Universum wollte wohl nicht, dass ich mal Uber ausprobieren. Die App runterzuladen hat (natürlich) noch gut funktioniert, aber gescheitert bin ich dann letztlich an der Tatsache, dass ich aktuell meine deutsche SIM nicht im Handy habe und mit der australischen keine SMS empfangen kann. Memo an mich selbst: Die deutsche SIM muss bis zur nächsten Reise als eSIM im Handy hinterlegt werden, damit ich die ausländische SIM in den Slot stecken kann … Problem gelöst.

Uber ging also nicht, Bus und Bahn dauern zu lange – bleibt nur noch ein Taxi, auch wenn es teuer wird. Die Kosten dafür werde ich aber auf jeden Fall bei der Fluggesellschaft geltend machen, ebenso wie die Kosten für die Nacht im Hotel in Terrey Hills, die ich stattdessen in Melbourne verbringen musste. Mal sehen, wie weit ich damit komme.

Am Flughafen schnappe ich mir also ein Taxi, lasse mich die paar hundert Meter zum ibis Hotel fahren, wo mein Koffer auf mich wartet. Dann weiter nach Terrey Hills. Mein Fahrer ist Filipino, spricht nur gebrochen englisch, und ist recht nett. Während wir aus Sydney herausfahren, kläre meine neue Ankunftszeit mit dem Hotel, lasse die Seminarorganisatoren wissen, dass ich später komme und versuche, runter- und in Sydney anzukommen.

Etwa 50 Minuten später sind wir am Ziel: 45 Booralie Road, Terrey Hills. Das Hauptquartier von Bush Biotherapies, dem Hersteller der Australischen Buschblüten. Ein nicht allzu großes Gebäude, für die kleine Branche der Blütenessenzen-Hersteller jedoch sehr stattlich.

Der Seminarraum befindet sich im Gebäude und ich komme noch rechtzeitig zur vormittäglichen Kaffeepause, oder in Australien besser gesagt Teepause. Sowohl sprachlich als auch kulturell ist Australien sehr viel näher an Großbritannien, als es die USA sind. Das mag auch daran liegen, dass Australien offiziell noch Mitglied des Commonwealth ist. Formell ist die englische Königen deshalb auch das Staatsoberhaupt von Australien und ihr Konterfei befindet sich auf allen Banknoten. Ein ziemlich schrulliger Anachronismus.

Das Highlight dieses Tages ist für mich zweifellos der erste „Bushwalk“. Wir fahren wenige Minuten mit dem Auto, bevor wir aussteigen und im Ku-Ring-Gai Chase Nationalpark stehen. Das, was sich uns da bietet, ist nicht weniger als ein Schaulauf der der Australischen Buschblüten Essenzen – nur, dass wir es sind, die laufen, und nicht die Blüten. Innerhalb weniger Minuten sehen wir an die 20 der Blüten, aus denen die Essenzen hergestellt werden, in ihrem natürlichen Lebensraum. Wow! Genau deshalb bin ich hergekommen. Man hat fast das Gefühl, dass die Blüten für uns posieren – und die (ich wiederhole mich) fantastische Kamera meines neuen iPhones tut ihr Übriges.

Auf einem Plateau haben wir einen famosen Blick über den Nationalpark. Genauso habe ich mir den Australischen Busch vorgestellt, nur etwas trockener, denn das hier hat auch etwas von Regenwald. Nach etwa zwei Stunden bin ich von der Masse der Pflanzen und ihrer Energie überwältigt und froh, dass es wieder zurückgeht. Den Rest des Tages verbringen wir wieder im Seminarraum.

Abends checke ich im Hotel ein, genieße ein leichtes Abendessen mit zwei anderen Kursteilnehmerinnen und falle dann, wie tot in mein Bett. Neben der ausgeprägten Müdigkeit ist es gut, dass ich auch Ohrstöpsel dabei habe, denn im zum Hotel gehörenden Event-Centre findet eine Hochzeit statt. Irgendwie müssen Araber beteiligt sein, wie die sehr laute Musik vermuten lässt. Und sie haben viel Spaß dabei. Was mich normalerweise um den Verstand bringen würde, lässt mich heute kalt, denn trotz des Chaos da draußen bin ich innerhalb weniger Minuten eingeschlafen.

Drei Bundesstaaten in 24 Stunden

Sturt Desert Pea

Bis jetzt ist meine Reise durch Australien wie geschmiert gelaufen. Alles hat wie am Schnürchen geklappt. Bis jetzt. Das Jetzt von gerade eben ist die Vergangenheit des neuen Jetzt. Denn jetzt kommt es gerade ganz dicke.

Nach dem Einsteigen in den Jetstar Flieger nach Sydney beobachte ich abwesend das Stewardessen-Ballett a.k.a. Sicherheitseinweisung. Dann warte ich darauf, dass es losgeht. Und warte, und warte … und es geht nicht los. Irgendwann meldet sich der 1. Offizier: „As you can see we are not yet on our way …” Beim Durcharbeiten der Checklisten ist ein technisches Problem aufgefallen. Er bittet kurz um Geduld, sie würden gerade mit der Basis in Melbourne sprechen. Wenige Minuten später der Kapitän: „Wir brauchen einen Ingenieur, der sich gerade in Alice Springs in eine Chartermaschine gesetzt hat. Alle wieder aussteigen.“

Oh je … das kann ja lustig werden. Alle wieder zurück ins Gate und warten. Nach einer gefühlten Ewigkeit dann die neuerliche Durchsage: Dieses Flugzeug wird heute nicht mehr fliegen. Eine Ersatzmaschine ist angefordert – alle Reisenden werden zurück ins Hotel gefahren und dort mit Essen versorgt. Geschätzte neue Abflugzeit: 19.30 Uhr. Der Start war ursprünglich für 14:15 geplant!

Im Ayers Rock Resort angekommen bildet sich vor dem von der Airline vorgegebenen Restaurant eine lange, eine sehr lange Schlange. In weiser Voraussicht habe ich dafür gesorgt, ziemlich weit vorne zu stehen. Ich gehe rein, bestelle, bekomme mein Essen, verspeise es in Ruhe, stehe auf und gehe wieder raus. Die Schlange vor der Tür scheint dennoch genauso lange zu sein, wie zuvor. Arme Schweine …

In der Zwischenzeit erkunde ich noch ein wenig die Gegend und entdecke einen der Gründe, warum ich überhaupt nach Australien gekommen bin: eine der Australischen Buschblüten, Sturt Desert Pea. Direkt vor meinem (ehemaligen) Hotel. Das muss dann wohl das Gute im Schlechten, das Glück im Unglück sein.

Sturt Desert Pea
Sturt Desert Pea

Um 18.30 Uhr werden wir wieder aufgesammelt und zum Flughafen gefahren. Nochmal durch die Security, und dann heißt es wieder warten. Ein Ersatzflugzeug ist auf dem Rollfeld noch nirgends zu sehen. Die Zeit zieht sich wie Kaugummi. Irgendwann um die ursprünglich geplante neue Abflugzeit herum bekommen die ersten Mitreisenden verwirrende Kurznachrichten, dass sie auf einen Flug morgen früh um 8 Uhr umgebucht seien. Ich bekomme nichts, denn die Netzversorgung am Flughafen ist unterirdisch. Gestrandet und ohne Netz. In Zeiten der modernen Telekommunikation fühlt sich das an wie kurz vor dem Fegefeuer.

Wieder etwas später dann eine offizielle Durchsage. Der Ersatzflieger schafft es nicht, rechtzeitig genug da zu sein, damit wir noch vor dem nächtlichen Flugverbot in Sydney ankommen werden. Deshalb wird er uns nach Melbourne bringen, wo wir übernachten und am nächsten Morgen mit einer Quantas Maschine nach Sydney weiterfliegen. Abflug nach Melbourne wird gegen 20.30 Uhr sein. Eine kurze Überschlagrechnung lässt Böses ahnen: Wenn alles gut läuft, landen wir gegen Mitternacht, bis wir im Hotel sind wird es ein Uhr werden und um acht startet der Flieger nach Sydney – das heißt Airport um sechs und Aufstehen um kurz nach fünf. Das gibt mir, nachdem mein Tag dann 20 Stunden lang gewesen sein wird, etwa vier Stunden Schlaf.

Der Ersatzflieger kommt und startet „pünktlich“. Im Endeffekt wird jedoch aus der vorhergesehenen späten Ankunft im Hotel eine noch spätere Ankunft. Erst um zwei Uhr nachts kann ich das Licht aus und die Augen zu machen. Zuvor musste ich mich noch mit diversen Angestellten diverser beteiligter Firmen rumschlagen, um eine verbindliche Abfahrtszeit für das Shuttle am nächsten Morgen zu bekommen. Um sechs geht es wieder los, also Schlafen bis 5:15 Uhr. Ist wohl irgendwie meine Uhrzeit hier in Australien.

Über die Konsequenzen meines Schlenkers nach Melbourne mag ich noch gar nicht so recht nachdenken. Ians Workshop startet um neun, um 11:15 Uhr geht es auf zum Bushwalk, einem der Hauptgründe für meine Reise nach Australien. Zuvor muss ich erstmal in Sydney ankommen (9:25 Uhr), meinen großen Koffer im ibis Hotel abholen, zum Bahnhof kommen und dann mit dem Bush nach Terrey Hills fahren. Objektiv nicht machbar. Mal sehen, wie ich das Beste draus machen kann.

Über das Thema Entschädigungen werde ich mich dann später noch mit Jetstar unterhalten müssen. Bisher hattee ich weder Zeit noch die Gelegenheit, denn die Mitarbeiter machen sich ziemlich rar.

Aktuell sitze ich gerade übermüdet im Quantas Flieger nach Sydney. Mein aktueller „Masterplan“ sieht vor, zum ibis zu laufen (ca. 10 Minuten), mir unterwegs die Uber App runterzuladen und zu hoffen, dass ich so kurzfristig eine Fahrgelegenheit nach Terrey Hills bekommen werde. Für Bus und Bahn habe ich gerade keinen Nerv. Mal schauen, was das Universum so davon hält …

Mala Walk um Uluru

Nachdem ich gestern Nachmittag und Abend einfach zu fertig war, um mir (nochmal) den Sonnenuntergang am Uluru anzusehen, habe ich mich lieber ausgeruht, damit ich heute nochmal „früher Vogel“ spielen kann. Meine letzten Stunden im roten Zentrum will ich für eine Wanderung rund um Uluru, den Mala Walk (https://parksaustralia.gov.au/uluru/do/walks/mala-walk/) nutzen. Laut Webseite dauert die etwa dreieinhalb Stunden (schaffe ich schneller!). Da mein Flieger erst um 14:15 Uhr Ortszeit startet, müsste das mit der Fahrt zum Flughafen und der Abgabe des Mietwagens hinhauen.

5:15 Uhr aufstehen, dann zusammenpacken. Ein Late Checkout war leider nicht möglich, weil das Hotel ausgebucht ist, deshalb muss ich gleich, wenn die Rezeption aufmacht um 6:00 Uhr auschecken. Meinen Koffer kann ich dort deponieren und eine Dusche für solche Fälle wie mich, gibt es auch. Dann kann ja nichts mehr schief gehen.

Diesmal ist es schon ein wenig hell, ans Linksfahren habe ich mich inzwischen etwas gewöhnt und den Weg kenne ich schon. Die Fahrt ist deshalb relativ stressfrei – zumindest, bis ich am Parkplatz für den Mala Walk ankomme. Menschen. VIELE MENSCHEN. Mit vielen Autos. Alles voll. Und eine riesig lange Schlange, die ansteht. Nach der Menschenleere gestern bin ich etwas konsterniert, beschließe aber, mich davon nicht unterkriegen zu lassen, weil es mir wichtig ist, mit Uluru auf „Tuchfühlung“ zu kommen. Ein wenig seltsam finde ich es aber schon, dass sie da, wie mir ein Mitwartender erzählt, erst um sieben aufmachen. Gestern konnte ich ja auch schon viel früher den Valley of the Winds Walk starten.

Um Punkt sieben tut sich etwas. Die Ranger öffnen ein Tor, in dem sich aber zuerst einmal ein Fernsehteam positioniert. Hä? Da ist doch was faul! Mein Gehirn scheint zu dieser frühen Stunde noch nicht so ganz zu funktionieren, deshalb brauche ich auch fast eine Minute, bevor ich kapiere, was hier los ist, nachdem die ersten Menschen losgegangen, um nicht zu sagen losgestürmt sind. Die rennen alle den Uluru hoch! Darauf haben sie gewartet.

Ameisenstraße auf dem Uluru – noch legal.

Dazu eine Hintergrundinformation: Wie viele wissen, ist Uluru eine heilige Stätte der Aborigines, die erst 1985, genauer gesagt am 26. Oktober dieses Jahres an die eigentlichen Besitzer, die australischen Ureinwohner zurückgegeben wurde. Menschenmassen und heilige Stätten sind nur bedingt kompatibel, weswegen es die Aborigines nicht besonders cool finden, wenn man auf ihrem heiligen Berg herumkraxelt. Kann man nachvollziehen. Die weißen Touristen tun es aber trotzdem. Noch! Denn am 26. Oktober 2019, also in 24 Tagen, tritt eine Regelung in Kraft, nach der es zukünftig verboten sein wird, Uluru zu besteigen. Damit erklärt sich dann, warum die Menschenmassen hier gewartet haben. Die wollten alle noch mal eben einen heiligen Berg mit ihren respektlosen Füßen treten. Muss ich glaube ich nichts weiter zu sagen …

Da es mir ohnehin nicht in den Sinn gekommen wäre, die Wünsche der Aborigines zu missachten, schüttele ich nur den Kopf, sowohl über die Besucher, die nun scharenweise den Berg hochrennen, als auch über mich und meine lange Leitung. Wenige Meter neben dem Tor befindet sich dann auch mein eigentliches Ziel: Der Anfang des Mala Walks.

Etwas mehr als 10 km ebene Schotterstrecke, das müsste ich in gut zwei Stunden machen können. Dann haut mit meinem Zeitplan alles super hin. Da ich mich, wie gesagt im roten Zentrum Australiens befinde, ist hier auch wirklich alles rot: Der Berg, der Sand, meine Schuhe und meine Hose von gestern …

Habe ich schon mein Fliegennetz erwähnt? Nach dem Desaster gestern habe ich mir natürlich stante pede eines gekauft … und es ist ein Traum. Ich kann die Enttäuschung in den Augen der vielen kleinen Fliegen sehen, die sich so gerne auf mein Gesicht setzen würden, aber vom Netz aufgehalten werden. Ätsch! Memo an mich selbst und alle die dies lesen: Niemals ohne Fliegennetz zu Uluru oder nach Kata Tjuta. NIEMALS!

Nach den Menschenmassen zu Beginn meiner Tour bin ich hier nun fast wieder alleine unterwegs. Immer mal wieder begegnet mir jemand, aber das stört mein Zwiegespräch mit Uluru nicht wirklich. Eine beeindruckende Existenz ist er, dieser Kerl. Uralt und mit Sicherheit dementsprechend weise. Zwischendurch kommen immer mal wieder Schilder, die die Besucher dazu auffordern, an bestimmten Stellen keine Bilder zu machen, da sie den Ureinwohnern als besonders heilig gelten. Eine schöne Art und Weise, respektvoll miteinander umzugehen.

In der Hitze und im Schatten umrunde ich Uluru in den angepeilten gut zwei Stunden. Reichlich Zeit, um zurück zum Hotel zu gelangen, zu duschen, meinen Kofferaufzusammeln und zum Flughafen zu fahren, was ich auch tue. Mehr als rechtzeitig bin ich dort, checke mein Gepäck ein und warte auf den Abflug. Aber ist noch eine ganz andere Geschichte …

Kata Tjuta und der Valley of the Winds Walk

Was für ein Glück, dass ich immer noch ein wenig im Jetlag bin. Hätte nie gedacht, dass ich sowas mal schreiben würde, aber heute morgen hat es mir geholfen, problemlos um 5 Uhr aufzustehen, um rechtzeitig zum Sonnenaufgang in Kata Tjuta zu sein.

Wikipedia meint zu diesem außergewöhnlichen Ort: „Die Kata Tjuṯa (die Olgas) sind eine Gruppe von 36 Bergen in Zentralaustralien etwa 51 Kilometer entfernt von dem Ort Yulara. Gemeinsam mit dem 30 Kilometer entfernten Uluṟu (Ayers Rock) werden sie vom Uluṟu-Kata-Tjuṯa-Nationalpark umschlossen. Der mit 1069 Metern höchste Fels, der Mount Olga, ragt 564 Meter aus der Umgebung heraus.“

Eine Reihe von Australischen Buschblüten einschließlich der „Fire Essence“ aus den White Light Essenzen sind hier entstanden und es war eine ausdrückliche Empfehlung von Ian White, am frühen Morgen hierher zu kommen.

Die Fahrt dorthin dauert von meinem Hotel etwa eine halbe Stunde und ist für mich mit gleich zwei Herausforderungen verbunden: Links fahren und das auch noch im Dunkeln. Gottseidank ist fast niemand außer mir auf der Straße, und als ich beim Abbiegen auf den Highway automatisch nach rechts fahre, blinkt das Auto hinter mir direkt freundlich auf, um mein Leben zu retten. Die sind halt doofe Rechtsfahrer gewohnt. Sieht man übrigens auch daran, dass an sehr vielen neuralgischen Stellen wie Abzweigungen und Kreisverkehren Schilder mit der nachdrücklichen Aufforderung „Keep Left“ stehen. Hat schon seinen Sinn, das Ganze 😉

An der Zufahrt zum Nationalpark muss ich erst einmal ein Ticket lösen, das 25 Dollar kostet und drei Tage gütig ist. Faire Sache. Die Rangerin erklärt mir, dass aufgrund der hohen Temperaturen, heute soll es wieder 38 Grad geben, der Valley of the Winds Walk ab 11 Uhr geschlossen wird, um die Touristen vor dem eigenen Übermut zu schützen. Sollte ich aber locker packen, schließlich bin ich ja früh genug aufgestanden.

Eigentlich wollte ich mir den Sonnenaufgang über Kata Tjuta an einem Aussichtspunkt ansehen, als ich jedoch dort ankomme, bemerke ich, dass viele andere das auch vorhaben. Zu viele Leute zu viel zu früher Stunde. Ich pfeife auf den Sonnenaufgang, fahre direkt weiter und hoffe darauf, mir einen Vorsprung im Valley of the Winds Walk herauszuarbeiten.

Morgensonne in Kata Tjuta

Am Parkplatz angekommen fällt mir die Stubenfliege wieder ein, die mich gestern im Pool belästigt hat und zielstrebig irgendwo in meinem Gesicht gelandet ist. Immer wieder. Etwas wehmütig denke ich daran zurück, denn auf dem Parkplatz wartet ihre Schwester mit der ganzen Großfamilie, Freunden, Nachbarn und auch den sehr weit entfernten Verwandten auf mich. Und die sind alle mindestens genauso penetrant. Zwei Frauen aus Japan, die neben mir auf dem erfreulicherweise noch sehr leeren Parkplatz stehen, drehen gleich wieder um und suchen das Weite. Als ich gestern die Fliegennetze für den Kopf im kleinen Shoppingcenter in Yulara gesehen habe, habe ich das noch für vollkommen übertrieben gehalten. Jetzt beneide ich diejenigen, die so ein Ding dabeihaben, damit zwar ein wenig albern aussehen, aber zumindest die Hände frei haben, weil sie nicht ständig Fliegen wegscheuchen müssen.

Der Parkplatz für den Valley of the Winds Walk war wie gesagt ziemlich leer, und das ist der Wanderweg selbst glücklicherweise auch. Nur vereinzelt begegne ich anderen Menschen. Dafür ist hier alles voll mit Landschaft. Die Olgas sind riesig und ziemlich rot. Der Weg führt über größeres und kleineres Geröll hinauf und hinab, durch den Busch und auf kleinere Bergrücken. Zwei Lookouts lassen atemberaubende Ansichten erahnen, aber leider steht mir die Sonne direkt im Gesicht. Der frühe Vogel muss halt auch mit Nachteilen klarkommen. Habe ich schon die vermaledeiten Fliegen erwähnt?

Der vollständige Walk soll etwa vier Stunden dauern. Als ich am Ende auf die Uhr schaue, sind jedoch nur zwei vergangen. Sollte ich wirklich so gerannt sein? Wahrscheinlich bin ich einfach nur fit wie ein Turnschuh 😎. Da ich bereits um etwa halb sieben losgelaufen bin, ist es jetzt gerade erst halb neun und der ganze Tag liegt eigentlich noch vor mir. Auch nicht schlecht.

An dieser Stelle noch einmal danke an Apple. Das neue (dritte) Weitwinkelobjektiv im iPhone 11 Pro ist der Hammer 😍 Ich habe nur ganz wenige Bilder mit der Spiegelreflex gemacht und dafür ziemlich viele mit dem iPhone.

Aber jetzt brauche ich erst einmal was zu futtern. Im Uluru Cultural Centre, habe ich gehört, gibt es ein Café, in dem man auch frühstücken kann. Also wieder ab ins Auto – ohne Fliegen, welch Erleichterung – und los geht es wieder auf der linken Seite, aber diesmal im Hellen. So langsam gewöhne ich mich dran.

Das Kulturzentrum bietet einiges an Informationen zu den Aborigines und Uluru und Kata Tjuta. Da ich schon neun Kilometer zu Fuß bei 30 Grad über Geröll hinter mir habe, beschließe ich, mich vorwiegend den kulinarischen Vorzügen der Lokalität zu widmen und entweder später noch einmal wiederzukommen oder einfach das Internet über die Aborigines zu befragen. Im unvermeidlichen Souvenirshop fällt mir ein faltbarer Hut aus Känguru-Leder auf. Muss ich haben. Wie cool! Cheers, Mate! Jetzt brauche ich nur noch Gelegenheiten, ihn auch außerhalb Australiens zu tragen.

Cheers, Mate!

Jetzt erstmal zurück ins Hotel und die Mittagshitze am Pool aussitzen. Da kann ich auch gleich meine Berichte schreiben, und die Bilder bearbeiten und hochladen. Heute Abend fahre ich vielleicht zum Sonnenuntergang an den Aussichtspunkt zum Uluru. Muss nur noch an der Rezeption nachfragen, wann man da sein sollte, um auch noch einen Parkplatz zu bekommen. Ich bin heute schon zweimal da vorbeigefahren und es sah so aus, als würde da abends Mord und Totschlag herrschen 😉

Wie bei Avatar … nur in echt

Noch ein kurzer Nachtrag zu gestern: Wie schon geschrieben, habe ich mir den Star Pass bei Field of Light gegönnt. Was soll ich sagen … war extrem cool.

Für 95 Dollar (knapp 60 EUR) wurde ich am (Nachbar-) Hotel abgeholt und zu einem Aussichtspunkt über der Lichtinstallation gefahren. Dort gab es dann kühle Getränke und Canapés, während die Sonne ihren Job erledigt hat, und gegenüber des Uluru untergegangen ist. Mit zunehmender Dunkelheit haben sich dann die etwa 50.000 Lichter eingeschaltet.

Das Projekt Field of Light stammt von einem britischen Künstler, der offensichtlich ein ziemlich gutes Händchen für derartige Installationen hat. Zusätzlich hat er das Ding auch noch mit der Ökologie im Hinterkopf umgesetzt. Der Strom für das Licht wird tagsüber mit Solarzellen erzeugt. Die einzelnen Lichter bestehen aus Glaskugeln auf Stielen, die mittels Glasfasern aus einer zentralen Lichtquelle erleuchtet werden. Wenn die Installation irgendwann abgebaut wird, sollen alle Einzelteile weiterverwendet werden können. Sollte ja heute selbstverständlich sein.

Schaut man von oben, ist das ganze schon ziemlich cool anzusehen. Ein riesiges Feld aus Abertausenden von Lichtern. Wenn man sich dann hineinbegibt – es gibt einen kurzen und einen langen Weg hindurch – dann kommt man sich vor, wie im Film Avatar. Ohne Mist! Dazu der sensationelle Sternenhimmel der Südhalbkugel – toll!

Kleine Randbemerkung: Danke an Apple für die unglaublich geile Night Shot Funktion im neuen iPhone. Das macht so richtig Spaß!

Nach zweieinhalb Stunden war ich dann wieder im Hotel und habe mich in die Koje verzogen, schließlich wollte ich am nächsten Morgen, also heute den Sonnenaufgang über Kata Tjuta sehen. Fortsetzung folgt …

Im roten Zentrum

Das Rote Zentrum liegt im Herzen Australiens. Hier befinden sich Uluru, der bekannte „Ayer’s Rock“, Kata Tjuta, auch genannt „die Olgas“ und seit wenigen Stunden auch ich. Aber der Reihe nach.

Wenn man irgendetwas über Australien liest oder sieht, dauert es nicht lange, bis der große rote Brocken, genannt Uluru, erwähnt wird. Grund genug für mich, ihn bei meiner Australienreise auch anzusteuern, so wie wahrscheinlich jeder Tourist. Das ist mit ein bisschen logistischem Aufwand verbunden, denn – wie schon gesagt – Australien ist groß. Der Flug von Sydney zum Uluru/Ayer’s Rock Airport dauert dann auch mal schlappe dreieinhalb Stunden.

Kurze Rückblende: Meine ersten zwei Nächte in Australien habe ich im Ibis Budget Hotel am Airport verbracht. Für australische Verhältnisse recht preiswert – „nur“ 129 Dollar die Nacht. Was man da bekommt, ist dann auch von der einfachen Sorte, jedoch für meinen Geschmack leider etwas zu einfach. Das warme Wasser und das Internet hätten schon zuverlässig funktionieren dürfen. Ansonsten ist es aber sauber, das Personal ist freundlich und hilfsbereit, und man bekommt das, wofür man bezahlt hat. Was die Lage angeht, ist das Hotel jedoch unschlagbar. 10 Minuten Fußmarsch bis zur Mascot Station – das vermeidet die teure Airport Fee, wenn man direkt von dort aus mit dem ÖPNV fahren würde. Und auch nur 10 Minuten Fußmarsch bis zum Inlandsterminal des Flughafens. Das hat sich heute morgen positiv bemerkbar gemacht.

Nächstes Abenteuer: Der Flug ins rote Zentrum. Gebucht über Opodo mit Jetstar, einer – sagen wir: sehr preisbewussten – kleinen australischen Airline. Der Preis war tatsächlich recht gut, dafür muss man aber auch für alles, inklusive des Gepäcks, extra zahlen. Handgepäck bis sieben Kilogramm ist frei. Das mit den 7 kg meinen die übrigens ziemlich ernst. Vor dem Boarding wurde nachgewogen und nicht wenige Kilosünder mussten ein Upgrade für ihr Handgepäck nachbuchen. Habe ich so auch noch nicht erlebt …

Vor dem Flug noch ein paar Mal auf die Toilette, denn niemand hat mir gesagt, dass die Security das mit den Wasserflaschen so entspannt sieht, dass es niemanden juckt, wenn man gefüllte Exemplare dieser Gattung durch die Sicherheitschecks nimmt. Dann hätte ich mein kostbares Wasser auch nicht so runterstürzen müssen. Apropos Wasser: Das, was aus der Leitung kommt ist stark gechlort und für feine Gaumen nahezu ungenießbar. Und Wasser in Flaschen ist vergleichsweise teuer, ein halber Liter schlägt mit mindestens zwei bis zweieinhalb Dollar zu Buche, umgerechnet etwa 1,20 bis 1,50 EUR.

Zurück zur fliegenden Sardinenbüchse a.k.a. Flugzeug. Alles „easy going“, professionelle Crew, ruhiger und ereignisloser Flug. Kann man ja auch dankbar für sein.

Im roten Zentrum angekommen, erwarten mich die angekündigten 38°C. Nach Sydney und dem klimatisierten Flieger ist das ungefähr so, als würde einem einer mit einem Serviertablett vor den Kopf schlagen. Aber ich mag das – also die Hitze, nicht so sehr das mit dem Serviertablett.

Nächste Herausforderung: Der Mietwagen. Erst eine lange Schlange, dann eine AVIS Mitarbeiterin, die mir ein schlechtes Gewissen einreden will, weil ich keine Super-Duper-Extra-Zusatzversicherung abgeschlossen habe. Ich hoffe, ich habe das Richtige gemacht (gulp). Dann kommt der Moment, der mich schon seit Wochen nervös macht: Auf der Beifahrerseite einsteigen und dort ein Lenkrad vorfinden. Wer ist eigentlich auf diese blöde Idee gekommen. Handbremse ist links, Blinker ist rechts. Na, das wird ja lustig. Wenigstens wird wie zuhause mit dem rechten Fuß Gas gegeben und die Bremse ist auch da, wo sie hingehört. Warum eigentlich? Wäre es nicht konsequenter gewesen … ach egal.

Hmmm … hier ist irgendetwas faul!

Der erste Weg führt mich zum Hotel, das nur wenige Kilometer entfernt ist. „The Lost Camel“ … warum sich das Tier wohl verirrt hat? Auf der linken Seite fahren kostet einiges an Konzentration, dann geht es aber. Komplizierter ist das Manövrieren mit den anderen Autofahrern auf dem sehr vollen Parkplatz – da rutscht man schnell mal auf die rechte Seite. Ich bin aber nicht der einzige Tourist hier, deswegen wird man es mir wohl nachsehen …

Zimmer ist reserviert und schön, schnell alle Sachen rein räumen und dann in den Supermarkt, um mal wieder Wasser zu kaufen.

Das Programm hier im Zentrum ist aufgrund der kurzen, mir zur Verfügung stehenden Zeit, durchgetaktet: Heute Abend die „Field of Lights“ Lichtinstallation am Uluru, morgen auf Empfehlung von Ian White vor Sonnenaufgang Richtung Kata Tjuta und den „Valley of the Winds Walk“ machen, dann vielleicht nochmal zurück zum Uluru und das Visitor Center ansehen, und am Freitagvormittag noch einmal um den Uluru rumlatschen. Puh … straffes Programm.

Jetzt aber vorher nochmal bei kuscheliger Wärme an den Pool. Das habe ich mir verdient 🙂

Einmal Sydney zu Fuß

Nach dem ich das gestern über den Linksverkehr bei Fußgängern Gelernte heute brav umgesetzt habe, bin ich doch noch in eine weitere Falle getreten: „Links vor rechts“ gilt auch auf dem Bürgersteig. Meinte jedenfalls die Frau, die fast in mich reingerannt wäre. Ich habe halt nur nach rechts geschaut … der Mensch ist ein Gewohnheitstier.

Nachdem ich relativ früh wach war, habe ich mich schon um kurz nach acht Uhr in Richtung Innenstadt bewegt. Erst zu Fuß zum Bahnhof im Vorort Mascot, dann wieder mit dem Zug weiter. Mein Ziel heute: ziellos sein. Deshalb habe ich mich im Wesentlichen per pedes durch Sydney treiben lassen. Dabei sind mir im örtlichen Apple Store ein SD-Kartenleser (meinen habe ich zuhause liegen gelassen, Mist!) und in einem coolen Kathmandu-Shop für Reise und Outdoor Sachen eine bequeme Reisehose mit Gürtel in den Einkaufskorb gefallen. Jetzt kann ich meine andere Wanderhose im Busch so richtig einsauen und komme trotzdem halbwegs ordentlich mit der anderen Hose nach Hause.

Mein Weg heute hat mich auch in das Geschäfts- und Einkaufsviertel der Millionenstadt Sydney verschlagen. Und nach wie vor fühlt sich die Stadt gar nicht so groß an. Im Geschäftsviertel sogar frappierend wie Frankfurt, nur dass hier statt mitteleuropäischer Banker Unmengen von Asiaten hektisch in Anzügen und telefonierend die Straße bevölkern. Ganz seltsames Gefühl: Man ist am anderen Ende der Welt und eigentlich ist alles so wie zuhause …

Normalerweise bin ich ja eher nicht der Typ für spontane Konversationen zwischen Unbekannten, aber als ich mich neben der Sydney Town Hall auf einer Bank kurz ausgeruht habe, setzt sich ein älterer Mann zu mir und spricht mich an. Daraus hat sich ein nettes Gespräch entwickelt. Ungewohnte Erfahrung …

Als ich Ian White, den Grund meiner Reise nach Australien, gefragt habe, was er mir so in Sydney empfehlen würde, kam gleich als Erstes die Fahrt mit der Fähre nach Manly – aber nur bei gutem Wetter. Nachdem es heute zwar noch kühl, aber immerhin schön sonnig war, habe ich die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und mir ein Ticket für die Fähre gebucht. Manly ist ein Vorort von Sydney, der ein wenig Außerhalb liegt und unter Surfern für seine super Wellen bekannt ist.

Die Fähre nennt sich „Manly Fast Ferry“ und jetzt weiß ich auch warum. Die Kombination aus Fahrtwind und steifer Brise auf dem Meer hat mich fast weggepustet. Aber es hat sich gelohnt. Der Ausblick auf die Wahrzeichen von Sydney inklusive der Skyline war wunderschön.

In Manly angekommen, habe ich beschlossen, nicht gleich wieder zurückzufahren, sondern ein wenig zu verweilen. Das hat mir zwei weitere Erkenntnisse gebracht. Erstens: Die Australier sind mindestens ebenso verrückt nach Bayern und Oktoberfest wie die Amerikaner (siehe Bild) und zweitens: Aldi verfolgt mich sogar bis ans (andere) Ende der Welt. Aber immerhin: am subtropischen Strand des pazifischen Ozeans ließ es sich auch neben einer Aldi-Filiale in der Sonne gut aushalten.

Auf der Rückfahrt habe ich dann Gruppen von Menschen die Sydney Harbor Bridge, also um genau zu sein ihre Bögen, erklimmen sehen. Ich hatte schon zuhause gelesen, dass man das buchen kann, und mir überlegt, ob mich das reizt. Tut es, jetzt wo ich es mal von unten gesehen habe. Ich habe ja später noch ein bisschen Zeit in Sydney. Mal sehen …

Nach der Tour mit der Fähre war ich schon halbwegs platt – die lange Reise steckt mir schon noch in den Knochen. Dennoch bin ich noch zur Sydney Opera gelaufen und habe mir das imposante Bauwerk aus der Nähe angesehen. Jep – bleibt auch imposant, wenn man direkt davor steht.

In der Hoffnung, auf eine Bahnstation zu treffen bin ich dann noch in den direkt neben der Oper liegenden Botanischen Garten gegangen. Streckentechnisch ein Reinfall, weil ich alles wieder zurücklaufen musste, jedoch optisch und energetisch ein wahrer Genuss. Und ich habe, neben der allgegenwärtigen Bottlebrush, die ersten einheimischen Pflanzen gesehen, die ich ansonsten nur in flüssiger Form im Essenzenladen kenne. Bush Fuchsia und Gymea Lily (Riesenteile!) standen in voller Blüte.

Jetzt heißt es noch umpacken, denn morgen fliege ich mit leichtem Gepäck drei Stunden nach Yulara, der Siedlung in der Nähe des Uluru (Ayer’s Rock). Da wird es dann kuschelige 38°C warm. Heute waren es in Sydney genau halb so viele Grad. Australien ist halt groß …