Drei Bundesstaaten in 24 Stunden

Sturt Desert Pea

Bis jetzt ist meine Reise durch Australien wie geschmiert gelaufen. Alles hat wie am Schnürchen geklappt. Bis jetzt. Das Jetzt von gerade eben ist die Vergangenheit des neuen Jetzt. Denn jetzt kommt es gerade ganz dicke.

Nach dem Einsteigen in den Jetstar Flieger nach Sydney beobachte ich abwesend das Stewardessen-Ballett a.k.a. Sicherheitseinweisung. Dann warte ich darauf, dass es losgeht. Und warte, und warte … und es geht nicht los. Irgendwann meldet sich der 1. Offizier: „As you can see we are not yet on our way …” Beim Durcharbeiten der Checklisten ist ein technisches Problem aufgefallen. Er bittet kurz um Geduld, sie würden gerade mit der Basis in Melbourne sprechen. Wenige Minuten später der Kapitän: „Wir brauchen einen Ingenieur, der sich gerade in Alice Springs in eine Chartermaschine gesetzt hat. Alle wieder aussteigen.“

Oh je … das kann ja lustig werden. Alle wieder zurück ins Gate und warten. Nach einer gefühlten Ewigkeit dann die neuerliche Durchsage: Dieses Flugzeug wird heute nicht mehr fliegen. Eine Ersatzmaschine ist angefordert – alle Reisenden werden zurück ins Hotel gefahren und dort mit Essen versorgt. Geschätzte neue Abflugzeit: 19.30 Uhr. Der Start war ursprünglich für 14:15 geplant!

Im Ayers Rock Resort angekommen bildet sich vor dem von der Airline vorgegebenen Restaurant eine lange, eine sehr lange Schlange. In weiser Voraussicht habe ich dafür gesorgt, ziemlich weit vorne zu stehen. Ich gehe rein, bestelle, bekomme mein Essen, verspeise es in Ruhe, stehe auf und gehe wieder raus. Die Schlange vor der Tür scheint dennoch genauso lange zu sein, wie zuvor. Arme Schweine …

In der Zwischenzeit erkunde ich noch ein wenig die Gegend und entdecke einen der Gründe, warum ich überhaupt nach Australien gekommen bin: eine der Australischen Buschblüten, Sturt Desert Pea. Direkt vor meinem (ehemaligen) Hotel. Das muss dann wohl das Gute im Schlechten, das Glück im Unglück sein.

Sturt Desert Pea
Sturt Desert Pea

Um 18.30 Uhr werden wir wieder aufgesammelt und zum Flughafen gefahren. Nochmal durch die Security, und dann heißt es wieder warten. Ein Ersatzflugzeug ist auf dem Rollfeld noch nirgends zu sehen. Die Zeit zieht sich wie Kaugummi. Irgendwann um die ursprünglich geplante neue Abflugzeit herum bekommen die ersten Mitreisenden verwirrende Kurznachrichten, dass sie auf einen Flug morgen früh um 8 Uhr umgebucht seien. Ich bekomme nichts, denn die Netzversorgung am Flughafen ist unterirdisch. Gestrandet und ohne Netz. In Zeiten der modernen Telekommunikation fühlt sich das an wie kurz vor dem Fegefeuer.

Wieder etwas später dann eine offizielle Durchsage. Der Ersatzflieger schafft es nicht, rechtzeitig genug da zu sein, damit wir noch vor dem nächtlichen Flugverbot in Sydney ankommen werden. Deshalb wird er uns nach Melbourne bringen, wo wir übernachten und am nächsten Morgen mit einer Quantas Maschine nach Sydney weiterfliegen. Abflug nach Melbourne wird gegen 20.30 Uhr sein. Eine kurze Überschlagrechnung lässt Böses ahnen: Wenn alles gut läuft, landen wir gegen Mitternacht, bis wir im Hotel sind wird es ein Uhr werden und um acht startet der Flieger nach Sydney – das heißt Airport um sechs und Aufstehen um kurz nach fünf. Das gibt mir, nachdem mein Tag dann 20 Stunden lang gewesen sein wird, etwa vier Stunden Schlaf.

Der Ersatzflieger kommt und startet „pünktlich“. Im Endeffekt wird jedoch aus der vorhergesehenen späten Ankunft im Hotel eine noch spätere Ankunft. Erst um zwei Uhr nachts kann ich das Licht aus und die Augen zu machen. Zuvor musste ich mich noch mit diversen Angestellten diverser beteiligter Firmen rumschlagen, um eine verbindliche Abfahrtszeit für das Shuttle am nächsten Morgen zu bekommen. Um sechs geht es wieder los, also Schlafen bis 5:15 Uhr. Ist wohl irgendwie meine Uhrzeit hier in Australien.

Über die Konsequenzen meines Schlenkers nach Melbourne mag ich noch gar nicht so recht nachdenken. Ians Workshop startet um neun, um 11:15 Uhr geht es auf zum Bushwalk, einem der Hauptgründe für meine Reise nach Australien. Zuvor muss ich erstmal in Sydney ankommen (9:25 Uhr), meinen großen Koffer im ibis Hotel abholen, zum Bahnhof kommen und dann mit dem Bush nach Terrey Hills fahren. Objektiv nicht machbar. Mal sehen, wie ich das Beste draus machen kann.

Über das Thema Entschädigungen werde ich mich dann später noch mit Jetstar unterhalten müssen. Bisher hattee ich weder Zeit noch die Gelegenheit, denn die Mitarbeiter machen sich ziemlich rar.

Aktuell sitze ich gerade übermüdet im Quantas Flieger nach Sydney. Mein aktueller „Masterplan“ sieht vor, zum ibis zu laufen (ca. 10 Minuten), mir unterwegs die Uber App runterzuladen und zu hoffen, dass ich so kurzfristig eine Fahrgelegenheit nach Terrey Hills bekommen werde. Für Bus und Bahn habe ich gerade keinen Nerv. Mal schauen, was das Universum so davon hält …

Mala Walk um Uluru

Nachdem ich gestern Nachmittag und Abend einfach zu fertig war, um mir (nochmal) den Sonnenuntergang am Uluru anzusehen, habe ich mich lieber ausgeruht, damit ich heute nochmal „früher Vogel“ spielen kann. Meine letzten Stunden im roten Zentrum will ich für eine Wanderung rund um Uluru, den Mala Walk (https://parksaustralia.gov.au/uluru/do/walks/mala-walk/) nutzen. Laut Webseite dauert die etwa dreieinhalb Stunden (schaffe ich schneller!). Da mein Flieger erst um 14:15 Uhr Ortszeit startet, müsste das mit der Fahrt zum Flughafen und der Abgabe des Mietwagens hinhauen.

5:15 Uhr aufstehen, dann zusammenpacken. Ein Late Checkout war leider nicht möglich, weil das Hotel ausgebucht ist, deshalb muss ich gleich, wenn die Rezeption aufmacht um 6:00 Uhr auschecken. Meinen Koffer kann ich dort deponieren und eine Dusche für solche Fälle wie mich, gibt es auch. Dann kann ja nichts mehr schief gehen.

Diesmal ist es schon ein wenig hell, ans Linksfahren habe ich mich inzwischen etwas gewöhnt und den Weg kenne ich schon. Die Fahrt ist deshalb relativ stressfrei – zumindest, bis ich am Parkplatz für den Mala Walk ankomme. Menschen. VIELE MENSCHEN. Mit vielen Autos. Alles voll. Und eine riesig lange Schlange, die ansteht. Nach der Menschenleere gestern bin ich etwas konsterniert, beschließe aber, mich davon nicht unterkriegen zu lassen, weil es mir wichtig ist, mit Uluru auf „Tuchfühlung“ zu kommen. Ein wenig seltsam finde ich es aber schon, dass sie da, wie mir ein Mitwartender erzählt, erst um sieben aufmachen. Gestern konnte ich ja auch schon viel früher den Valley of the Winds Walk starten.

Um Punkt sieben tut sich etwas. Die Ranger öffnen ein Tor, in dem sich aber zuerst einmal ein Fernsehteam positioniert. Hä? Da ist doch was faul! Mein Gehirn scheint zu dieser frühen Stunde noch nicht so ganz zu funktionieren, deshalb brauche ich auch fast eine Minute, bevor ich kapiere, was hier los ist, nachdem die ersten Menschen losgegangen, um nicht zu sagen losgestürmt sind. Die rennen alle den Uluru hoch! Darauf haben sie gewartet.

Ameisenstraße auf dem Uluru – noch legal.

Dazu eine Hintergrundinformation: Wie viele wissen, ist Uluru eine heilige Stätte der Aborigines, die erst 1985, genauer gesagt am 26. Oktober dieses Jahres an die eigentlichen Besitzer, die australischen Ureinwohner zurückgegeben wurde. Menschenmassen und heilige Stätten sind nur bedingt kompatibel, weswegen es die Aborigines nicht besonders cool finden, wenn man auf ihrem heiligen Berg herumkraxelt. Kann man nachvollziehen. Die weißen Touristen tun es aber trotzdem. Noch! Denn am 26. Oktober 2019, also in 24 Tagen, tritt eine Regelung in Kraft, nach der es zukünftig verboten sein wird, Uluru zu besteigen. Damit erklärt sich dann, warum die Menschenmassen hier gewartet haben. Die wollten alle noch mal eben einen heiligen Berg mit ihren respektlosen Füßen treten. Muss ich glaube ich nichts weiter zu sagen …

Da es mir ohnehin nicht in den Sinn gekommen wäre, die Wünsche der Aborigines zu missachten, schüttele ich nur den Kopf, sowohl über die Besucher, die nun scharenweise den Berg hochrennen, als auch über mich und meine lange Leitung. Wenige Meter neben dem Tor befindet sich dann auch mein eigentliches Ziel: Der Anfang des Mala Walks.

Etwas mehr als 10 km ebene Schotterstrecke, das müsste ich in gut zwei Stunden machen können. Dann haut mit meinem Zeitplan alles super hin. Da ich mich, wie gesagt im roten Zentrum Australiens befinde, ist hier auch wirklich alles rot: Der Berg, der Sand, meine Schuhe und meine Hose von gestern …

Habe ich schon mein Fliegennetz erwähnt? Nach dem Desaster gestern habe ich mir natürlich stante pede eines gekauft … und es ist ein Traum. Ich kann die Enttäuschung in den Augen der vielen kleinen Fliegen sehen, die sich so gerne auf mein Gesicht setzen würden, aber vom Netz aufgehalten werden. Ätsch! Memo an mich selbst und alle die dies lesen: Niemals ohne Fliegennetz zu Uluru oder nach Kata Tjuta. NIEMALS!

Nach den Menschenmassen zu Beginn meiner Tour bin ich hier nun fast wieder alleine unterwegs. Immer mal wieder begegnet mir jemand, aber das stört mein Zwiegespräch mit Uluru nicht wirklich. Eine beeindruckende Existenz ist er, dieser Kerl. Uralt und mit Sicherheit dementsprechend weise. Zwischendurch kommen immer mal wieder Schilder, die die Besucher dazu auffordern, an bestimmten Stellen keine Bilder zu machen, da sie den Ureinwohnern als besonders heilig gelten. Eine schöne Art und Weise, respektvoll miteinander umzugehen.

In der Hitze und im Schatten umrunde ich Uluru in den angepeilten gut zwei Stunden. Reichlich Zeit, um zurück zum Hotel zu gelangen, zu duschen, meinen Kofferaufzusammeln und zum Flughafen zu fahren, was ich auch tue. Mehr als rechtzeitig bin ich dort, checke mein Gepäck ein und warte auf den Abflug. Aber ist noch eine ganz andere Geschichte …

Kata Tjuta und der Valley of the Winds Walk

Was für ein Glück, dass ich immer noch ein wenig im Jetlag bin. Hätte nie gedacht, dass ich sowas mal schreiben würde, aber heute morgen hat es mir geholfen, problemlos um 5 Uhr aufzustehen, um rechtzeitig zum Sonnenaufgang in Kata Tjuta zu sein.

Wikipedia meint zu diesem außergewöhnlichen Ort: „Die Kata Tjuṯa (die Olgas) sind eine Gruppe von 36 Bergen in Zentralaustralien etwa 51 Kilometer entfernt von dem Ort Yulara. Gemeinsam mit dem 30 Kilometer entfernten Uluṟu (Ayers Rock) werden sie vom Uluṟu-Kata-Tjuṯa-Nationalpark umschlossen. Der mit 1069 Metern höchste Fels, der Mount Olga, ragt 564 Meter aus der Umgebung heraus.“

Eine Reihe von Australischen Buschblüten einschließlich der „Fire Essence“ aus den White Light Essenzen sind hier entstanden und es war eine ausdrückliche Empfehlung von Ian White, am frühen Morgen hierher zu kommen.

Die Fahrt dorthin dauert von meinem Hotel etwa eine halbe Stunde und ist für mich mit gleich zwei Herausforderungen verbunden: Links fahren und das auch noch im Dunkeln. Gottseidank ist fast niemand außer mir auf der Straße, und als ich beim Abbiegen auf den Highway automatisch nach rechts fahre, blinkt das Auto hinter mir direkt freundlich auf, um mein Leben zu retten. Die sind halt doofe Rechtsfahrer gewohnt. Sieht man übrigens auch daran, dass an sehr vielen neuralgischen Stellen wie Abzweigungen und Kreisverkehren Schilder mit der nachdrücklichen Aufforderung „Keep Left“ stehen. Hat schon seinen Sinn, das Ganze 😉

An der Zufahrt zum Nationalpark muss ich erst einmal ein Ticket lösen, das 25 Dollar kostet und drei Tage gütig ist. Faire Sache. Die Rangerin erklärt mir, dass aufgrund der hohen Temperaturen, heute soll es wieder 38 Grad geben, der Valley of the Winds Walk ab 11 Uhr geschlossen wird, um die Touristen vor dem eigenen Übermut zu schützen. Sollte ich aber locker packen, schließlich bin ich ja früh genug aufgestanden.

Eigentlich wollte ich mir den Sonnenaufgang über Kata Tjuta an einem Aussichtspunkt ansehen, als ich jedoch dort ankomme, bemerke ich, dass viele andere das auch vorhaben. Zu viele Leute zu viel zu früher Stunde. Ich pfeife auf den Sonnenaufgang, fahre direkt weiter und hoffe darauf, mir einen Vorsprung im Valley of the Winds Walk herauszuarbeiten.

Morgensonne in Kata Tjuta

Am Parkplatz angekommen fällt mir die Stubenfliege wieder ein, die mich gestern im Pool belästigt hat und zielstrebig irgendwo in meinem Gesicht gelandet ist. Immer wieder. Etwas wehmütig denke ich daran zurück, denn auf dem Parkplatz wartet ihre Schwester mit der ganzen Großfamilie, Freunden, Nachbarn und auch den sehr weit entfernten Verwandten auf mich. Und die sind alle mindestens genauso penetrant. Zwei Frauen aus Japan, die neben mir auf dem erfreulicherweise noch sehr leeren Parkplatz stehen, drehen gleich wieder um und suchen das Weite. Als ich gestern die Fliegennetze für den Kopf im kleinen Shoppingcenter in Yulara gesehen habe, habe ich das noch für vollkommen übertrieben gehalten. Jetzt beneide ich diejenigen, die so ein Ding dabeihaben, damit zwar ein wenig albern aussehen, aber zumindest die Hände frei haben, weil sie nicht ständig Fliegen wegscheuchen müssen.

Der Parkplatz für den Valley of the Winds Walk war wie gesagt ziemlich leer, und das ist der Wanderweg selbst glücklicherweise auch. Nur vereinzelt begegne ich anderen Menschen. Dafür ist hier alles voll mit Landschaft. Die Olgas sind riesig und ziemlich rot. Der Weg führt über größeres und kleineres Geröll hinauf und hinab, durch den Busch und auf kleinere Bergrücken. Zwei Lookouts lassen atemberaubende Ansichten erahnen, aber leider steht mir die Sonne direkt im Gesicht. Der frühe Vogel muss halt auch mit Nachteilen klarkommen. Habe ich schon die vermaledeiten Fliegen erwähnt?

Der vollständige Walk soll etwa vier Stunden dauern. Als ich am Ende auf die Uhr schaue, sind jedoch nur zwei vergangen. Sollte ich wirklich so gerannt sein? Wahrscheinlich bin ich einfach nur fit wie ein Turnschuh 😎. Da ich bereits um etwa halb sieben losgelaufen bin, ist es jetzt gerade erst halb neun und der ganze Tag liegt eigentlich noch vor mir. Auch nicht schlecht.

An dieser Stelle noch einmal danke an Apple. Das neue (dritte) Weitwinkelobjektiv im iPhone 11 Pro ist der Hammer 😍 Ich habe nur ganz wenige Bilder mit der Spiegelreflex gemacht und dafür ziemlich viele mit dem iPhone.

Aber jetzt brauche ich erst einmal was zu futtern. Im Uluru Cultural Centre, habe ich gehört, gibt es ein Café, in dem man auch frühstücken kann. Also wieder ab ins Auto – ohne Fliegen, welch Erleichterung – und los geht es wieder auf der linken Seite, aber diesmal im Hellen. So langsam gewöhne ich mich dran.

Das Kulturzentrum bietet einiges an Informationen zu den Aborigines und Uluru und Kata Tjuta. Da ich schon neun Kilometer zu Fuß bei 30 Grad über Geröll hinter mir habe, beschließe ich, mich vorwiegend den kulinarischen Vorzügen der Lokalität zu widmen und entweder später noch einmal wiederzukommen oder einfach das Internet über die Aborigines zu befragen. Im unvermeidlichen Souvenirshop fällt mir ein faltbarer Hut aus Känguru-Leder auf. Muss ich haben. Wie cool! Cheers, Mate! Jetzt brauche ich nur noch Gelegenheiten, ihn auch außerhalb Australiens zu tragen.

Cheers, Mate!

Jetzt erstmal zurück ins Hotel und die Mittagshitze am Pool aussitzen. Da kann ich auch gleich meine Berichte schreiben, und die Bilder bearbeiten und hochladen. Heute Abend fahre ich vielleicht zum Sonnenuntergang an den Aussichtspunkt zum Uluru. Muss nur noch an der Rezeption nachfragen, wann man da sein sollte, um auch noch einen Parkplatz zu bekommen. Ich bin heute schon zweimal da vorbeigefahren und es sah so aus, als würde da abends Mord und Totschlag herrschen 😉

Wie bei Avatar … nur in echt

Noch ein kurzer Nachtrag zu gestern: Wie schon geschrieben, habe ich mir den Star Pass bei Field of Light gegönnt. Was soll ich sagen … war extrem cool.

Für 95 Dollar (knapp 60 EUR) wurde ich am (Nachbar-) Hotel abgeholt und zu einem Aussichtspunkt über der Lichtinstallation gefahren. Dort gab es dann kühle Getränke und Canapés, während die Sonne ihren Job erledigt hat, und gegenüber des Uluru untergegangen ist. Mit zunehmender Dunkelheit haben sich dann die etwa 50.000 Lichter eingeschaltet.

Das Projekt Field of Light stammt von einem britischen Künstler, der offensichtlich ein ziemlich gutes Händchen für derartige Installationen hat. Zusätzlich hat er das Ding auch noch mit der Ökologie im Hinterkopf umgesetzt. Der Strom für das Licht wird tagsüber mit Solarzellen erzeugt. Die einzelnen Lichter bestehen aus Glaskugeln auf Stielen, die mittels Glasfasern aus einer zentralen Lichtquelle erleuchtet werden. Wenn die Installation irgendwann abgebaut wird, sollen alle Einzelteile weiterverwendet werden können. Sollte ja heute selbstverständlich sein.

Schaut man von oben, ist das ganze schon ziemlich cool anzusehen. Ein riesiges Feld aus Abertausenden von Lichtern. Wenn man sich dann hineinbegibt – es gibt einen kurzen und einen langen Weg hindurch – dann kommt man sich vor, wie im Film Avatar. Ohne Mist! Dazu der sensationelle Sternenhimmel der Südhalbkugel – toll!

Kleine Randbemerkung: Danke an Apple für die unglaublich geile Night Shot Funktion im neuen iPhone. Das macht so richtig Spaß!

Nach zweieinhalb Stunden war ich dann wieder im Hotel und habe mich in die Koje verzogen, schließlich wollte ich am nächsten Morgen, also heute den Sonnenaufgang über Kata Tjuta sehen. Fortsetzung folgt …

Im roten Zentrum

Das Rote Zentrum liegt im Herzen Australiens. Hier befinden sich Uluru, der bekannte „Ayer’s Rock“, Kata Tjuta, auch genannt „die Olgas“ und seit wenigen Stunden auch ich. Aber der Reihe nach.

Wenn man irgendetwas über Australien liest oder sieht, dauert es nicht lange, bis der große rote Brocken, genannt Uluru, erwähnt wird. Grund genug für mich, ihn bei meiner Australienreise auch anzusteuern, so wie wahrscheinlich jeder Tourist. Das ist mit ein bisschen logistischem Aufwand verbunden, denn – wie schon gesagt – Australien ist groß. Der Flug von Sydney zum Uluru/Ayer’s Rock Airport dauert dann auch mal schlappe dreieinhalb Stunden.

Kurze Rückblende: Meine ersten zwei Nächte in Australien habe ich im Ibis Budget Hotel am Airport verbracht. Für australische Verhältnisse recht preiswert – „nur“ 129 Dollar die Nacht. Was man da bekommt, ist dann auch von der einfachen Sorte, jedoch für meinen Geschmack leider etwas zu einfach. Das warme Wasser und das Internet hätten schon zuverlässig funktionieren dürfen. Ansonsten ist es aber sauber, das Personal ist freundlich und hilfsbereit, und man bekommt das, wofür man bezahlt hat. Was die Lage angeht, ist das Hotel jedoch unschlagbar. 10 Minuten Fußmarsch bis zur Mascot Station – das vermeidet die teure Airport Fee, wenn man direkt von dort aus mit dem ÖPNV fahren würde. Und auch nur 10 Minuten Fußmarsch bis zum Inlandsterminal des Flughafens. Das hat sich heute morgen positiv bemerkbar gemacht.

Nächstes Abenteuer: Der Flug ins rote Zentrum. Gebucht über Opodo mit Jetstar, einer – sagen wir: sehr preisbewussten – kleinen australischen Airline. Der Preis war tatsächlich recht gut, dafür muss man aber auch für alles, inklusive des Gepäcks, extra zahlen. Handgepäck bis sieben Kilogramm ist frei. Das mit den 7 kg meinen die übrigens ziemlich ernst. Vor dem Boarding wurde nachgewogen und nicht wenige Kilosünder mussten ein Upgrade für ihr Handgepäck nachbuchen. Habe ich so auch noch nicht erlebt …

Vor dem Flug noch ein paar Mal auf die Toilette, denn niemand hat mir gesagt, dass die Security das mit den Wasserflaschen so entspannt sieht, dass es niemanden juckt, wenn man gefüllte Exemplare dieser Gattung durch die Sicherheitschecks nimmt. Dann hätte ich mein kostbares Wasser auch nicht so runterstürzen müssen. Apropos Wasser: Das, was aus der Leitung kommt ist stark gechlort und für feine Gaumen nahezu ungenießbar. Und Wasser in Flaschen ist vergleichsweise teuer, ein halber Liter schlägt mit mindestens zwei bis zweieinhalb Dollar zu Buche, umgerechnet etwa 1,20 bis 1,50 EUR.

Zurück zur fliegenden Sardinenbüchse a.k.a. Flugzeug. Alles „easy going“, professionelle Crew, ruhiger und ereignisloser Flug. Kann man ja auch dankbar für sein.

Im roten Zentrum angekommen, erwarten mich die angekündigten 38°C. Nach Sydney und dem klimatisierten Flieger ist das ungefähr so, als würde einem einer mit einem Serviertablett vor den Kopf schlagen. Aber ich mag das – also die Hitze, nicht so sehr das mit dem Serviertablett.

Nächste Herausforderung: Der Mietwagen. Erst eine lange Schlange, dann eine AVIS Mitarbeiterin, die mir ein schlechtes Gewissen einreden will, weil ich keine Super-Duper-Extra-Zusatzversicherung abgeschlossen habe. Ich hoffe, ich habe das Richtige gemacht (gulp). Dann kommt der Moment, der mich schon seit Wochen nervös macht: Auf der Beifahrerseite einsteigen und dort ein Lenkrad vorfinden. Wer ist eigentlich auf diese blöde Idee gekommen. Handbremse ist links, Blinker ist rechts. Na, das wird ja lustig. Wenigstens wird wie zuhause mit dem rechten Fuß Gas gegeben und die Bremse ist auch da, wo sie hingehört. Warum eigentlich? Wäre es nicht konsequenter gewesen … ach egal.

Hmmm … hier ist irgendetwas faul!

Der erste Weg führt mich zum Hotel, das nur wenige Kilometer entfernt ist. „The Lost Camel“ … warum sich das Tier wohl verirrt hat? Auf der linken Seite fahren kostet einiges an Konzentration, dann geht es aber. Komplizierter ist das Manövrieren mit den anderen Autofahrern auf dem sehr vollen Parkplatz – da rutscht man schnell mal auf die rechte Seite. Ich bin aber nicht der einzige Tourist hier, deswegen wird man es mir wohl nachsehen …

Zimmer ist reserviert und schön, schnell alle Sachen rein räumen und dann in den Supermarkt, um mal wieder Wasser zu kaufen.

Das Programm hier im Zentrum ist aufgrund der kurzen, mir zur Verfügung stehenden Zeit, durchgetaktet: Heute Abend die „Field of Lights“ Lichtinstallation am Uluru, morgen auf Empfehlung von Ian White vor Sonnenaufgang Richtung Kata Tjuta und den „Valley of the Winds Walk“ machen, dann vielleicht nochmal zurück zum Uluru und das Visitor Center ansehen, und am Freitagvormittag noch einmal um den Uluru rumlatschen. Puh … straffes Programm.

Jetzt aber vorher nochmal bei kuscheliger Wärme an den Pool. Das habe ich mir verdient 🙂

Einmal Sydney zu Fuß

Nach dem ich das gestern über den Linksverkehr bei Fußgängern Gelernte heute brav umgesetzt habe, bin ich doch noch in eine weitere Falle getreten: „Links vor rechts“ gilt auch auf dem Bürgersteig. Meinte jedenfalls die Frau, die fast in mich reingerannt wäre. Ich habe halt nur nach rechts geschaut … der Mensch ist ein Gewohnheitstier.

Nachdem ich relativ früh wach war, habe ich mich schon um kurz nach acht Uhr in Richtung Innenstadt bewegt. Erst zu Fuß zum Bahnhof im Vorort Mascot, dann wieder mit dem Zug weiter. Mein Ziel heute: ziellos sein. Deshalb habe ich mich im Wesentlichen per pedes durch Sydney treiben lassen. Dabei sind mir im örtlichen Apple Store ein SD-Kartenleser (meinen habe ich zuhause liegen gelassen, Mist!) und in einem coolen Kathmandu-Shop für Reise und Outdoor Sachen eine bequeme Reisehose mit Gürtel in den Einkaufskorb gefallen. Jetzt kann ich meine andere Wanderhose im Busch so richtig einsauen und komme trotzdem halbwegs ordentlich mit der anderen Hose nach Hause.

Mein Weg heute hat mich auch in das Geschäfts- und Einkaufsviertel der Millionenstadt Sydney verschlagen. Und nach wie vor fühlt sich die Stadt gar nicht so groß an. Im Geschäftsviertel sogar frappierend wie Frankfurt, nur dass hier statt mitteleuropäischer Banker Unmengen von Asiaten hektisch in Anzügen und telefonierend die Straße bevölkern. Ganz seltsames Gefühl: Man ist am anderen Ende der Welt und eigentlich ist alles so wie zuhause …

Normalerweise bin ich ja eher nicht der Typ für spontane Konversationen zwischen Unbekannten, aber als ich mich neben der Sydney Town Hall auf einer Bank kurz ausgeruht habe, setzt sich ein älterer Mann zu mir und spricht mich an. Daraus hat sich ein nettes Gespräch entwickelt. Ungewohnte Erfahrung …

Als ich Ian White, den Grund meiner Reise nach Australien, gefragt habe, was er mir so in Sydney empfehlen würde, kam gleich als Erstes die Fahrt mit der Fähre nach Manly – aber nur bei gutem Wetter. Nachdem es heute zwar noch kühl, aber immerhin schön sonnig war, habe ich die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und mir ein Ticket für die Fähre gebucht. Manly ist ein Vorort von Sydney, der ein wenig Außerhalb liegt und unter Surfern für seine super Wellen bekannt ist.

Die Fähre nennt sich „Manly Fast Ferry“ und jetzt weiß ich auch warum. Die Kombination aus Fahrtwind und steifer Brise auf dem Meer hat mich fast weggepustet. Aber es hat sich gelohnt. Der Ausblick auf die Wahrzeichen von Sydney inklusive der Skyline war wunderschön.

In Manly angekommen, habe ich beschlossen, nicht gleich wieder zurückzufahren, sondern ein wenig zu verweilen. Das hat mir zwei weitere Erkenntnisse gebracht. Erstens: Die Australier sind mindestens ebenso verrückt nach Bayern und Oktoberfest wie die Amerikaner (siehe Bild) und zweitens: Aldi verfolgt mich sogar bis ans (andere) Ende der Welt. Aber immerhin: am subtropischen Strand des pazifischen Ozeans ließ es sich auch neben einer Aldi-Filiale in der Sonne gut aushalten.

Auf der Rückfahrt habe ich dann Gruppen von Menschen die Sydney Harbor Bridge, also um genau zu sein ihre Bögen, erklimmen sehen. Ich hatte schon zuhause gelesen, dass man das buchen kann, und mir überlegt, ob mich das reizt. Tut es, jetzt wo ich es mal von unten gesehen habe. Ich habe ja später noch ein bisschen Zeit in Sydney. Mal sehen …

Nach der Tour mit der Fähre war ich schon halbwegs platt – die lange Reise steckt mir schon noch in den Knochen. Dennoch bin ich noch zur Sydney Opera gelaufen und habe mir das imposante Bauwerk aus der Nähe angesehen. Jep – bleibt auch imposant, wenn man direkt davor steht.

In der Hoffnung, auf eine Bahnstation zu treffen bin ich dann noch in den direkt neben der Oper liegenden Botanischen Garten gegangen. Streckentechnisch ein Reinfall, weil ich alles wieder zurücklaufen musste, jedoch optisch und energetisch ein wahrer Genuss. Und ich habe, neben der allgegenwärtigen Bottlebrush, die ersten einheimischen Pflanzen gesehen, die ich ansonsten nur in flüssiger Form im Essenzenladen kenne. Bush Fuchsia und Gymea Lily (Riesenteile!) standen in voller Blüte.

Jetzt heißt es noch umpacken, denn morgen fliege ich mit leichtem Gepäck drei Stunden nach Yulara, der Siedlung in der Nähe des Uluru (Ayer’s Rock). Da wird es dann kuschelige 38°C warm. Heute waren es in Sydney genau halb so viele Grad. Australien ist halt groß …

Alles verkehrt herum hier

Wie ich erwartet habe, ist in Australien vieles anders als in Europa, aber auch vieles gleich. Am ersten Tag war eine der eher lustigen Herausforderungen, mich (als Fußgänger) an den Linksverkehr zu gewöhnen. Klar, wenn man über die Straße geht, dann schaut man, wie man es als Kind gelernt hat, erst links, dann rechts, dann nochmal links. Lebensgefährlich! Zumindest hier in Australien, denn die richtige Reihenfolge ist natürlich rechts – links – rechts. Und noch zwei gute Ratschläge für die Benutzung von Ampeln als Fußgänger: Habe Geduld – irgendwann wird sie schon grün werden. Aber dann nimm die Beine in die Hand, denn sie bleibt es nicht lange 😉

Noch ein Füßgänger. Ibisse sind hier eher wie Tauben. Fun Fact: Ich wohne gerade im Ibis Hotel 😉

Apropos Fußgänger: Viel mehr Aufmerksamkeit als die Autos auf Australiens Straßen kostet mich etwas, was mir auch schonmal in Japan aufgefallen ist, was ich aber total vergessen hatte. Wenn man in Kontinentaleuropa irgendwo auf Kollisionskurs mit anderen Menschen ist, weichen beide zwangsläufig auf die jeweils eigene rechte Seite aus. Sollte man in Australien nicht machen, denn hier weichen die Menschen konsequenterweise nach LINKS aus. Das war am ersten Tag schon eine konstante Herausforderung.

Überblick vom Anfang der Sydney Harbour Bridge

Mein erster Tag hat mich direkt vom Flughafen ins Hotel, unter die Dusche und dann, weil die Müdigkeit noch nicht eingesetzt hatte, nach Downtown Sydney gebracht. Der Nahverkehr ist super ausgebaut – Züge und Trams fahren im 10-Minuten-Takt. Obwohl Sydney eine Millionenstadt ist, wirkt der Kern sehr überschaubar, fast europäisch. Jedenfalls ganz anders als Moloche wie New York oder Tokio.

Hinterhof

Vor meiner Reise hatte ich mich schon schlau gemacht, wie ich denn hier die Fahrten mit dem ÖPNV bezahlen kann. Einschlägige Webseiten erwähnen die Opal-Card, die man aufladen und dann das Guthaben verfahren kann. Inzwischen braucht es sogar das nicht mehr. Alles, was man benötigt, ist eine Kreditkarte mit NFC Funktion, das ist das kleine Funkwellen-Symbol auf der Vorderseite – haben heute eigentlich alle Karten. Dann muss man nur noch mit der Kreditkarte durch die Schranke gehen und am Ende der Fahrt – sinnvollerweise mit derselben Karte – wieder raus. Die Gebühr wird einfach abgebucht. Fun Fact am Rande: Natürlich funktioniert das auch 1a mit dem Handy und der SmartWatch (bei mir aka ApplePay). Genial gemacht!

Circular Quay Fährhafen und das Übersee-Terminal (links)

Gegen Nachmittag hat mich dann doch die Müdigkeit der langen Reise und trotz der Travel Essence auch der Jetlag eingeholt und ich habe mich ins Hotel verzogen, um eine Mütze voll Schlaf zu nehmen. Jetzt noch trotz aller Müdigkeit bis zu einer „normalen“ Uhrzeit wach bleiben, damit sich die innere Uhr umstellen kann. Morgen habe ich dann noch einen Tag in Sydney.

Großer Pott aus England am Übersee-Terminal

Muskelkater in der Kinnlade

Eigentlich hatte ich nicht unbedingt vor, im Flugzeug was zu schreiben, aber … alter Falter! Ich sitze hier gerade und meine Kinnlade hängt auf Kniehöhe. Also, das würde sie tun, wenn meine Knie nicht gerade, ebenso wie meine ganzen Beine, entspannt hochgelegt wären. Neben mir steht ein Gin Tonic, den mir die ausgesprochen freundliche Flugbegleiterin angeboten hat, nachdem sie meine Wünsche für das Drei-Gänge-Menü aufgenommen hat. Sie hat ihn mir super schnell gebracht, aber der Purser, der sich persönlich vorgestellt und mich mit Namen angesprochen hat, war noch schneller als sie. Wie gesagt: Kinnlade —> Boden.

Mein Sitz ist der Hammer. Nicht nur, dass sich das Fußteil hochfahren und das ganze Gerät in eine Liegefläche (mit zusätzlicher Matratze) verwandeln lässt, nein, auch die Härte der Sitzfläche lässt sich elektronisch einstellen. Die Kinnlade will immer weiter nach unten. Hoffentlich schlägt sie kein Loch in den Rumpf. Nettigkeiten wie eine Schlafmaske, Ohrstöpfel, ein Zahnputzset, Pantoffeln, Decke und Kissen gehören selbstverständlich zum guten Ton dazu … stilvoll verpackt in einem auf bayerisch gemachten kleinen Täschchen. Ist halt Oktoberfestzeit 😉

Nach unserem Urlaubsflug in der Holzklasse nach Griechenland fühlt sich das hier wie das Paradies an. Könnte ich dauerhaft tun, nur um in den Genuss des Service hier zu kommen.

Ach ja, die Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung, die hier an jedem Platz vorhanden sind, sind natürlich von Bose. Und wer renkt mir jetzt meinen Kiefer wieder ein?

Die Vorspeise kommt. Mit Tischdecke, Stoffserviette und zwei Sätzen Besteck. Unglaublich. Räucherforellentatar mit Apfel-Rettich-Salat, Quinoa und Dillöl. Eine angenehm kleine Portion und der Geschmack zieht mir die Schuhe aus, die ich gar nicht mehr anhabe, weil ich sie ja kurz nach dem Start gegen die Lufthansa-Pantoffeln eingetauscht habe. Hammer! Wenn es nicht gerade ein wenig rumpeln würde, hätte ich vollständig vergessen, dass ich mich gerade über den Wolken befinde. Liegt vielleicht auch an der Bose-Geräuschunterdrückung, wer weiß …

Der Hauptgang ist da, natürlich im Porzellangeschirr. Roastbeef Streifen mit Black Bean Sauce, Jasminreis mit Ei, bunte Karotten und Zuckerschoten. So ähnlich müssen sich die alten Römer gefühlt haben, als sie auf ihrem Triclinium liegend diniert haben. Angenehm gesättigt überspringe ich die eigentlich ausgewählten frischen Früchte als Nachtisch und beschließe den Abend bei einem Glas angenehm temperierten Merlot.

So lässt sich eine Flugreise aushalten. Das Entertainmentsystem, auf dem ich normalerweise den Verlauf des Fluges verfolge und dem Moment entgegenfiebere, an dem wir endlich da sind, habe ich direkt nach dem Start ausgeschaltet. Mir doch wurscht, wie lange der Flug dauert. Ich mache mich jetzt erst einmal auf meinem Liegesitz und der Matratze lang und schlafe, was das Zeug hält.

On my way to Oz …

Eigentlich bin ich niemand, der furchtbar gerne verreist … einen Reiseblog mit diesen Worten einzuleiten, hat schon etwas Paradoxes. Und dennoch ist das Universum der Meinung, dass es mich (mal wieder) auf eine große Reise schicken will. Australien also diesmal. Nun gut. Ich füge mich, denn offensichtlich gibt es Schlimmeres. Aber aufregend ist es schon.

Die Reise beginnt, Bonusmeilen sei Dank, nach der Passkontrolle und dem Sicherheitscheck in der Business Lounge der Lufthansa. Ich persönlich bin ja der Meinung, dass jeder, der es auf sich nimmt und in einer Blechdose in 10 km Höhe irgendwohin reist, dieselbe Fürsorge verdient hat, wie es diese Lounge für Privilegierte (heute also auch für mich) bietet. Warmes Essen, frisches Obst, Getränke und WLAN. Schade, dass mein Flug schon bald geht. Schweren Herzens akzeptiere ich also, heute auf der Sonnenseite des Reisens zu stehen, zapfe mir ein kleines Weizenbier und lasse mir die Kartoffelpuffer mit Apfelmus schmecken.

Jetzt kann es also losgehen. Erste Etappe: Frankfurt – Hong Kong. Elf Stunden in der Luft, aber, wie gesagt, wenigstens in der Businessclass. Ich kann mich also ausstrecken und hoffentlich gut schlafen. Die Uhrzeit passt auch – der Flieger geht um kurz nach zehn Uhr Abends. Danach habe ich drei Stunden Aufenthalt, die locker reichen werden, um in die Maschine nach Sydney umzusteigen, wo ich neun Stunden später ankommen werde.

Aufgrund der Zeitverschiebung wird es dort acht Stunden später sein als in Deutschland. Wenn ich am Montag zu der sehr unchristlichen Zeit um 6:15 Uhr morgens dort ankomme, werden also in Deutschland am Sonntagabend so langsam die Lichter ausgehen. Zeit ist schon etwas Lustiges.

Eine knappe halbe Stunde habe ich noch, bevor das Priority 😉 Boarding beginnt. Vielleicht esse ich noch was …

Führerschein? Hab ich gar nicht …

… also das habe zumindest heute in der Führerscheinstelle erfahren. Der erst etwas abweisend wirkende aber dann doch sehr freundliche Mitarbeiter der Stadt Aschaffenburg hat mir erklärt, dass er meinen Führerschein im System nicht finden kann. Und das obwohl er noch nicht einmal gefälscht ist (ich schwör 😉 )!

Raus kam das Ganze, als ich meinen internationalen Führerschein für Australien machen lassen wollte. Hintergrund ist wohl, dass mir mein ursprünglicher Führerschein vor 17 Jahren mal geklaut wurde – wenn noch nicht geschehen, soll den Dieb auch heute noch der Blitz treffen. Grrr.

Zu der Zeit habe ich in Frankfurt gewohnt, weshalb auch die Stadt Frankfurt den neuen Führerschein ausgestellt hat. Die Daten haben sie sich brav aus Aschaffenburg geholt, jedoch fälschlicherweise eine neue Nummer vergeben. Dann haben sie es auch noch versäumt, den Führerschein in Flensburg anzumelden. Ergo: Meine aktuelle Fahrerlaubnis gibt es gar nicht.

Die mitfühlenden Worte des Aschaffenburger Beamten haben mir dann doch einen Kloß im Hals beschert: „Da haben Sie Glück gehabt, dass sie in keine Polizeikontrolle gekommen sind. Das hätte sonst Probleme gegeben.“

Siebzehn Jahre lang Glück gehabt zu haben, hat ja aber auch was Positives 🙂 Auf jeden Fall ist der neue Führerschein, diesmal mit der richtigen Nummer, nun per Express beantragt. Ob ich mich über die Kosten noch mit der Stadt Frankfurt streiten werde, überlege ich mir, wenn ich aus Australien zurück bin.

Und gleichzeitig hat das auch was von Aufräumen … mit dem in Frankfurt ausgestellten Führerschein ist ein weiteres Stück meiner Vergangenheit Geschichte und macht Platz für die Gegenwart.