Ich mache keine Werbung …

… außer wenn ich mal unbedingt Werbung machen muss. Keine Regel ohne Ausnahme 😉

Situation: Eine Dichtung an unserem Hochdruckreiniger ist porös und geht kaputt. Es ist ein Markengerät und es sollte kein Problem sein, Ersatz zu beschaffen.

Erste Anlaufstelle: der freundliche Baumarkt in der Nähe. Bevor ich da umsonst hingurke, rufe ich mal an. Die Zentrale verbindet mich, der Mitarbeiter in der Abteilung teilt mir jedoch mit, dass der zuständige Kollege erst um 10 Uhr kommt. Als ich später nochmal anrufe, erklärt mir dieser freundlich aber bestimmt in breitestem, vermutlich Kahlgrunder Dialekt (Gedächtnisprotokoll inkl. Übersetzung ins Deutsche):

Nein, die Ersatzteile haben wir nicht vorrätig und müssten sie bestellen. Aber es ist ohnehin besser, wenn Sie das gesamte Gerät zum Hersteller schicken und dort warten lassen. Nein, ich kann Ihnen nicht aus der Erfahrung sagen, was so etwas ungefähr kostet.

Wegen einer einzelnen Dichtung? Nun gut. Einigermaßen ernüchtert denke ich mir, dass ich die Ersatzteile auch selbst bestellen kann – dann inklusive Lieferung frei Haus. Auf der Seite des Herstellers finde ich beim Stöbern jedoch noch einen Hinweis auf autorisierte Service-Center. Ich folge dem Link und finde einen Händler in der Würzburger Straße – genau gegenüber des erwähnten Baumarkts.

Beim ersten Telefonat waren alle Verkäufer belegt, es wurde jedoch freundlich meine Nummer aufgenommen und mir ein Rückruf versprochen. Dieser erfolgte dann auch in angemessener Zeit. Die erste Aussage, dass das gewünschte Teil nicht da sein revidiert der Verkäufer noch einmal („Moment, ich lege sie noch mal auf mein schnurloses Telefon und schaue nach, ob wir das in der Ausstellung haben.“) Schlussendlich ist das Teil da, kostet genauso viel wie online (ohne Versandkosten) und ich kann es direkt abholen.

Mache ich dann auch. Der Kollege, der mir vor das Ersatzteilset zeigt, runzelt die Stirn, geht halbwegs kommentarlos weg, um nach wenigen Sekunden wieder mit meiner Dichtung zurückzukommen. Er lächelt mich an, drückt mir das Ding in die Hand und sagt: „Vielen Dank, das war’s“.

Resumée: Wer jemand mal ein Musterbeispiel für Kundenfreundlichkeit irgendwo braucht – das hier ist eines. Die Firma hat zwar heute mit mir keine gut 10 Euro Umsatz gemacht, dafür werde ich, wenn ich etwas aus dem Bereich Heim & Garten brauche, demnächst sicher dort vorstellig werden. Kundenservice zahlt sich aus. Immer.

Und nun die Werbung: Dieses positive Erlebnis wurde gesponsort von der Firma imaCenter, Würzburger Str. 155, 63743 Aschaffenburg.

Mein persönliches Glaubensbekenntnis

Erst an dem Tag, an dem mir tatsächlich eine Atombombe auf den Kopf fällt, werde ich meinen Optimismus verlieren und aufhören, an meiner Überzeugung festzuhalten, dass die Menschheit die Kurve kriegen wird. Ich lebe und handle entsprechend, und trage meinen Teil zum Gelingen bei. Bis zu diesem Tag, möge er nie kommen, ist jeder Moment, den ich in Angst vor all den Schreckensbildern aus den Medien verbringe, eine verschwendete Gelegenheit, glücklich zu sein.

Über das innere Kind

Das innere Kind ist, anders als viele denken, nichts Esoterisches. Es ist ein sehr realer Ort in uns, an dem wir immer noch Kind sind und immer Kind sein werden. Es ist der Ort, an dem die spielerische Leichtigkeit, Ausgelassenheit und Freude zuhause sind, es ist aber auch der Ort, an dem all die ungeheilten Verletzungen aus unserer tatsächlichen Kindheit immer noch vorhanden sind und sich so anfühlen, wie in dem Moment, als sie passiert sind. Im Laufe unseres Lebens haben wir lernen müssen, die damit verbundenen Gefühle zu unterdrücken – entweder weil wir niemanden hatten, der uns das sichere Umfeld gegeben hat, um sie auszudrücken, oder weil uns immer wieder gesagt wurde, dass sich das nicht gehört, dass es nicht angemessen ist etc.

Der Weg zu einem erfüllten und glücklichen Leben führt zwangsläufig immer über die Heilung des inneren Kindes, denn solange wir seelische Verletzungen mit uns herumtragen, ist der Zugang zur kindlichen Leichtigkeit und Lebensfreude schwer oder sogar ganz verwehrt. Wenn wir jedoch beginnen, uns um unser inneres Kind zu kümmern, dann wir mit jedem Schritt den wir gehen, egal wie groß oder klein, ein Brocken aus dem Weg geräumt und wir kommen ein Stück mehr heraus aus dem Schmerz und finden ein wenig mehr Leichtigkeit und Freude.

Manchmal reagieren wir auf kleine Ereignisse mit scheinbar unangemessen großem Schmerz. Was hier passiert, ist, dass das Ereignis eine alte Verletzung getriggert hat. Das was wir gerade fühlen, hat dann nur zum kleinsten Teil mit der aktuellen Situation zu tun. Wenn wir in der Lage sind, das rechtzeitig zu erkennen, dann können wir vermeiden, mit unserer, für den äußeren Betrachter unangemessen großen Reaktion, einen großen Streit vom Zaun zu brechen. Stattdessen können wir uns beispielsweise zurückziehen und mit den angetriggerten Emotionen arbeiten.

Die Art und Weise, wie wir auf die Welt reagieren wird öfters als wir denken davon bestimmt, „wie alt wir gerade sind“, oder anders ausgedrückt: aus der Perspektive welches Alters wir gerade die Welt sehen. Wenn wir als Erwachsene uns gerade die Schnürsenkel binden und uns eine unerklärliche Welle von Stolz überfällt, dann sind wir wahrscheinlich gerade so um die sechs Jahre alt. Andere, scheinbar grundlose, Emotionen in verschiedenen Situationen können Hinweise darauf sein, dass wir die Welt gerade aus der Perspektive eines anderen Alters wahrnehmen. Wenn wir uns das bewusst machen und unseren Verstand nutzen, um die automatisierten Reaktionsmuster des jeweiligen Alters zu durchbrechen und stattdessen eine aus Sicht eines Erwachsenen angemessene Reaktion wählen, dann können wir oft vermeiden, in den sprichwörtlichen Sandkasten zu steigen und uns mit anderen Erwachsenen auf der Ebene von Dreijährigen zu streiten. Stattdessen werden reife und angemessene Lösungen möglich.

Auch in der Beziehung zu unseren eigenen Kindern passiert es oft genug, dass wir aus unserer Position als Erwachsene fallen und uns plötzlich emotional auf dem Schulhof wiederfinden, um uns mit unserem Kind zu streiten. Oder wir sind beleidigt wie ein Zehnjähriger, anstatt den Konflikt aus der Perspektive des Erwachsenen zu sehen, der wir sind.

In Paarbeziehungen ist es besonders wichtig, sich des inneren Kindes und seines Einflusses auf unsere Sicht der Welt bewusst zu sein. Nirgendwo sonst ist das Potenzial für Sandkastenschlachten größer – und nirgendwo sonst kann man gemeinsam kindliche Freude so intensiv erleben.

Die Erforschung und Heilung des inneren Kindes ist etwas, für das jeder selbst die Verantwortung übernehmen muss. Das heißt nichht, dass man alles alleine tun muss, aber es heißt, dass niemand anderes dafür Verantwortung trägt als man selbst. Dies gilt insbesondere auch für die Bedürfnisse des eigenen inneren Kindes. Nur wir selbst können für unser inneres Kind ein Vater/eine Mutter sein – niemand sonst. Eine Beziehung, in der man vom jeweiligen anderen Partner erwartet, dass er sich um die Bedürfnisse des eigenen inneren Kindes kümmert, steht auf keiner stabilen Basis.

Es gibt viele Wege, wie man den Weg zum inneren Kind finden kann. Eine Reihe von hilfreichen Methoden und Fallbeispielen findet sich im Buch „Aussöhnung mit dem inneren Kind“ von Erika Chopich und Margaret Paul. Sehr hilfreiche Essenzen sind die Wild Child Essences von Daniel Mapel.

Das Wissen um die Existenz und die Bedürfnisse des eigenen inneren Kindes ist kein Allheilmittel für alle unsere Probleme und Herausforderungen. Aber es fügt unserer Sicht auf die Welt eine neue Perspektive hinzu und ist ein effektives Werkzeug für den eigenen Weg der Heilung und des Wachstums.

 

Versuchen ist out – zulassen ist in

Der folgende Text von Michael Roads auf Facebook trifft aus meiner Sicht eine ganze Reihe von Nägeln auf den Kopf …

Jedem ist das Konzept vertraut, etwas zu „versuchen“; Menschen versuchen dieses zu tun oder jenes zu erreichen. Jedoch entstammt dieses Konzept der alten Energie – es ist weder gut noch schlecht, sondern einfach nur alt. Dem Bewusstsein der neuen Energie hingegen entspringt die Idee des „Zulassens“.

Beim „Versuchen“ wird das Timing nicht miteinbezogen, während sich beim „Zulassen“ alles darum dreht. Versuchen ist eine Herangehensweise an das Leben, die von der linken Gehirnhälfte gesteuert wird, während beim Zulassen die rechte Gehirnhälfte und das Herz zum Zuge kommen.

Das Jahr geht zuende und ich ich bin gerade dabei mir zu betrachten, was in meinem Leben ebenfalls enden sollte – Timing! Dabei ist mir aufgefallen, dass das „Versuchen“ in diesem Jahr wieder ein Teil meines Lebens geworden ist. Es hat sich irgendwie eingeschlichen, denn normalerweise ist es nicht meine Art, Dinge auf diese Weise zu tun. Aber jetzt bin ich fertig damit. Das „Versuchen“ ist sehr alte Energie, aber dennoch wird es für viele angemessen in ihrer Beziehung zum Leben bleiben. Das ist eine Sache des Bewusstseins.

„Zulassen“ ist nicht so passiv, wie es sich für viele anhört. Es ist eine Dynamik, die Hand in Hand mit perfektem Timing geht. Vertrauen und Geduld gehören ebenfalls untrennbar dazu, während das „Versuchen“ voller Ungeduld und oft auch mit Drängeln und Anstrengung verbunden ist.

Vielleicht gehen Sie mit meinen Worten in Resonanz, vielleicht auch nicht … es ist alles eher eine Angelegenheit des Timings als des „Versuchens“. Mit der Liebe ist es dasselbe. Man kann nicht „versuchen“ zu lieben – man lässt zu, dass das Leben einen für die Liebe öffnet. Das ist ein großer Unterschied. Und gleichzeitig lassen wir zu, dass wir stets und ‚bewusst‘ … die Liebe wählen!

Michael Roads

Allmächtiger Gott, wir sind deine Diener

Wenn eine Religion Ihnen das Gefühl vermittelt, dass Sie weniger wertvoll sind als ihre Gottheiten, dann haben Sie sie entweder missverstanden oder die Religion übermittelt die Wahrheit nicht gut.

Wenn ein Guru, Lehrer oder Meister Ihnen das Gefühl gibt, »noch nicht« erleuchtet zu sein und noch mehr »lernen«, »aufgeben« oder »loslassen« zu müssen, bevor Sie erleuchtet werden, dann vermitteln diese Ihnen nicht gut, wer Sie in Wahrheit sind, oder Sie missverstehen sie.

(aus »Heilung im Licht: Wie ich durch eine Nahtoderfahrung den Krebs besiegte und neu geboren wurde« von Anita Moorjani)

Der Weg zur Meisterschaft

IMG_0582Der Begriff „Meisterschaft“ im persönlichen Sinne kann sich auf viele verschiedene Bereiche beziehen – immer jedoch ist er erstrebenswert. Nachdem ich vor einigen Jahren wieder mit Judo, dem Sport meiner Kindheit, begonnen hatte, wurde für mich immer klarer, dass die „Meisterschaft“ im Judo – aka schwarzer Gürtel – etwas war, was ich für mich erreichen wollte.

Im Gegensatz zu Fußball und Konsorten ist Judo eine Einzelsportart. Ohne einen Partner, kann es jedoch nicht funktionieren. Ich schreibe diesen Beitrag zwar aus meiner persönlichen Sicht (weswegen statt dem „wir“ viel häufiger das „ich“ vorkommt), jedoch bin ich diesen Weg zu keinem Zeitpunkt alleine gegangen. Die Danksagungen kommen dann am Ende des Beitrags 😉

Nach mehr als 20 Jahren Pause, war der Einstieg nicht leicht. An der Freude am Judo mangelte es nach meinem Neubeginn nicht, wohl aber anfangs an Kraft, Kondition und Technik. Nach meinem allerersten Training konnte ich – und das meine ich nicht bildlich sondern wörtlich – kaum noch laufen, und meine Frau wird sich auf ewig an den Moment erinnern, als ich an diesem Abend mein Bierglas mit zwei Händen heben musste, weil es mit einer alleine einfach nicht ging 😉

Während der ersten Monate habe ich jedes Mal einige Tage benötigt, um mich von den Strapazen des Trainings zu erholen. Doch es war eine stetige Verbesserung zu erkennen. Angespornt von der fantastischen Gruppe, in der Jung und Alt zusammen trainieren, bin ich heute soweit, dass ich mit über 40 in Sachen Judo und Akrobatik Dinge tue, die ich als Jugendlicher nicht gekonnt habe … und auch das Laufen und das einhändige Bierglasheben nach dem Training klappt inzwischen wieder einwandfrei 🙂

Heute vor zwei Jahren habe ich dann, viel schneller als eigentlich gedacht, meine Prüfung zum Braungurt gemacht und bestanden: ein riesiger Motivationsschub. Nach knapp 25 Jahren in „blau“ (wenn auch die meiste Zeit nur passiv), endlich einen Schritt weiter.  Das nächste Ziel, der schwarze Gürtel, schien in realistische Nähe gerückt zu sein.

Manchmal fällt es einem im Nachhinein schwer, sich daran zu erinnern, welcher Teufel einen bei der einen oder anderen Entscheidung geritten hat. Wenn ich heute versuche, mich an den Moment zu erinnern, als ich mich entschloss, aktiv an die Vorbereitung zur Danprüfung zu gehen, dann weiß ich inzwischen, dass ich damals keine Ahnung davon hatte, worauf ich mich einlassen würde …

„Mal locker mit der Kata einsteigen“, das war meine Vorstellung. In Bayern hat man seit einigen Jahren die Möglichkeit, die Danprüfung aufzuteilen – Kata und Technik also zu trennen. In der DJK Aschaffenburg haben wir das große Privileg, mit Klaus Richter einen wahren Meister vor Ort zu haben, der außer seinem immensen Wissen und Können auch noch eine Liebe zum Judo mitbringt, die mich bei jedem Training aufs Neue inspiriert. Gepaart mit einer nahezu unerschöpflichen Geduld und dem perfekten Händchen, die Dinge so zu erklären, dass der andere sie auch verstehen kann, konnte und kann ich mir keinen besseren Trainer wünschen.

Die Nage-no-kata ist eine Übungsform, bei der es um die möglich exakte Ausführung einer Folge von 15 Wurftechniken geht. Ziel ist, es die verschiedenen Prinzipien zu verstehen und umzusetzen. Ich möchte nicht behaupten, dass ich damals als Jugendlicher ein besonders tiefes Verständnis von Wurfprinzipien gehabt habe – und die über 20 Jahre Pause haben es sicher auch nicht besser gemacht. In der Zeit als wir uns die Kata unter Anleitung von Klaus erarbeitet haben, habe ich das sehr deutlich gespürt. Und gleichzeitig war es für mich sehr motivierend zu sehen, dass es mir zunehmend besser gelang, Techniken auszuführen, die ich noch Wochen zuvor für nahezu unmöglich gehalten hatte. Besonders zu Beginn ging ich oft durch ein Wechselbad der Gefühle zwischen Euphorie und Niedergeschlagenheit, je nachdem wie es im Training gelaufen war.

Während meiner Vorbereitungsphase für die Kata gelang es der DJK Judoabteilung, einer der zentralen bayerischen Danprüfung im Winter 2015 nach Aschaffenburg zu holen. Wenn es mir gelänge, bis dahin bereit zu sein, wäre es ein Heimspiel für mich. Zusätzlich würden die anderen Judoka aus der Trainingsgruppe auf jeden Fall im Dezember ihre Kataprüfung ablegen – insgesamt eine sehr kraftvolle Kombination aus Motivation und Druck.

Bis wenige Wochen vor der Prüfung war unklar, ob ich antreten würde oder nicht. Als sich dann jedoch abzeichnen zu begann, dass ich es hinbekommen würde, habe ich mein Herz in die Hand genommen und mich angemeldet. Die folgenden Wochen waren von intensivem und konzentriertem Training geprägt – teilweise fast täglich. Wenn ich beschreiben wollte, was in dieser Zeit und auch während der Prüfung in mir alles vorgegangen ist, würde ich wahrscheinlich ein ganzes Buch damit füllen. Deshalb beschränke ich mich darauf zu sagen, dass die komplette Trainingsgruppe, inklusive meiner Person, die Prüfung bestanden haben. Uff. Erster Teil geschafft.

Vom Deutschen Judobund, der für das Prüfungswesen zuständig ist, wird eine Vorbereitungszeit von zwei Jahren für den 1. Dan vorgeschrieben. Als wir in der Gruppe im September 2015 mit der Vorbereitung begannen, waren für mich eineinviertel Jahre seit dem Braungurt vergangen. Nach der ersten Teilprüfung hatte ich insgesamt 12 Monate Zeit, den zweiten Teil abzulegen – das Zeitfenster dafür war also klar vorgegeben: Zwischen Juli und Dezember 2016 musste es über die Bühne gehen. In Bayern sind zweimal im Jahr Danprüfungen und eine Prüfung im Juli würde abermals in Aschaffenburg stattfinden. Damit war das Ziel gesteckt. Ohne Wenn und Aber.

Der Technikteil der Prüfung ist aus meiner Sicht gleichzeitig leichter und schwerer als die Kata. Einerseits lässt er mehr Raum, um Fehler selbst zu korrigieren, andererseits ist er jedoch um ein Vielfaches umfangreicher. Das habe ich spätestens dann gemerkt, als ich mit der Vorbereitung begann. Boden, Stand, Übungsformen, Spezialtechnik und Theorie, plus Vorkenntnisse aus allen Kyu-Graden … wenn man alles zusammenzählt kommt man auf an die 100 verschiede Aktionen, die man für die Prüfung beherrschen muss. Einen Teil davon hatte ich bereits parat, ein anderer Teil lag verstaubt von früher irgendwo im (Muskel-) Gedächtnis und manches war für mich auch vollkommen neu.

Im Januar haben wir in der Gruppe dann aktiv mit der Vorbereitung begonnen. In seiner unendlichen Weisheit hat Klaus darauf bestanden, dass wir uns die Techniken, die wir in der Prüfung demonstrieren würden, weitestgehend selbst erarbeiten. Für mich war das aufgrund meiner 20-jährigen Abstinenz durchaus eine Herausforderung. Mich intuitiv richtig zu bewegen und der Instinkt für den rechten Moment waren mir in vielen Bereichen abhanden gekommen. Mit Hilfe meines Ukes und der anderen Mitglieder der Trainingsgruppe gelang es mir jedoch, ein Programm zusammenzustellen, das für mich funktionieren würde. Ich denke, ich kann ohne zu übertreiben sagen, dass ich im letzten halben Jahr mehr über Judo gelernt habe, als während den acht Jahren meiner aktiven Zeit als Jugendlicher.

Auch die Vorbereitung auf die Technikprüfung war zwischendurch eine emotionale Achterbahn – einige Wochen vor der Prüfung kam für mich jedoch der Moment, an dem ich das Gefühl bekam, gut vorbereitet zu sein. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ich gut daran tue, ab diesem Punkt konzentriert weiter zu arbeiten, denn zwischen dem „Gefühl“ gut vorbereitet zu sein und dem Moment, an dem man es tatsächlich ist, liegt noch einiges an Schweiß 😉  Die letzten Wochen vor der Prüfung waren also von intensivem Training geprägt, so dass mir die Techniken irgendwann begannen aus den Ohren zu kommen und ich teilweise mit dem Gefühl auf die Matte ging: „Wenn ich das Bodenprogramm jetzt noch ein einziges Mal durchnudeln muss, dann kotze ich …“ Ab diesem Zeitpunkt wusste ich dann, dass ich tatsächlich bereit für die Prüfung war 🙂

Am 16. Juli 2016 war es dann soweit – Prüfungstag. Nach netto etwa einer Stunde Prüfung mit Pausen und einer Gesamtdauer von sechs Stunden war es schließlich geschafft. Wieder hat die gesamte Trainingsgruppe bestanden, und das nicht nur einfach so – es wurde von allen Prüfern hervorgehoben, dass Klaus uns richtig gut vorbereitet hat. Beim direkt anschließenden Sommerfest der DJK Judoabteilung (geniales Timing!) haben wir es dann ordentlich krachen lassen. Was für ein Tag – was für ein Abend!

Nun sitze ich also hier und habe einen schwarzen Gürtel vor mir liegen. Mein gestecktes Ziel habe ich erreicht – und gleichzeitig ist es für mich ein neuer Beginn. Als frischgebackener Träger eines Meistergrades bin ich mir sicher, dass letztlich von der vollen Bandbreite des Judo noch kaum eine Ahnung habe. Aber das ist für mich nur umso mehr die Motivation an diesem bedauerlichen Zustand etwas zu ändern 🙂

Mein Dank gilt heute den Judoka der DJK Aschaffenburg – was für eine geile Truppe. Ein großer Teil der Freude am Judo, die ich nach all den Jahren wiedergefunden habe, geht auf Euer Konto. Ich danke Andrea dafür, dass wir den Weg vom Judo-Legastheniker zum (hoffentlich irgendwann) wahren Judo-Meister gemeinsam gehen. Mein Dank geht insbesondere an Jonas, meinen Uke, von dem ich viel lernen konnte und der trotz seines jugendlichen Alters auch dann mit mir altem Sack Geduld hatte, wenn ich mal wieder länger gebraucht habe, um eine Technik auf die Reihe zu kriegen. Ich danke Detlef, für seine unglaubliche Fähigkeit, aus all den jungen und alten Chaoten ein Team zu schmieden und natürlich Klaus, meinen Judo-Gott 😉

Brexit: Der große Katalysator

Als ich heute morgen im Radio die Nachricht gehört habe, dass die Mehrheit der Briten tatsächlich dafür gestimmt hat, die EU zu verlassen, war ich erstmal wie betäubt. Ich hatte bis zuletzt gehofft, dass die Vernunft siegen würde. Manchmal ist es jedoch so, dass es einschneidende Ereignisse braucht, um eine Kettenreaktion in Gang zu bringen, die letztlich zum Positiven führt.

Über die EU kann man viel schimpfen. Sie besteht aus einem Haufen Bürokraten, die nichts Besseres zu tun haben, als Glühbirnen zu verbieten und zweimal im Jahr mit Sack und Pack von der einen Stadt in die andere Stadt umzuziehen und damit Millionen an Steuergeldern zu verprassen. Das ist zweifellos wahr – wer jedoch die Europäische Union auf ihre negativen Seiten reduziert, schießt am Thema vorbei. Für mich ist die EU vor allem eines: der Garant, dass es auf europäischem Boden nie wieder Krieg geben wird. Neben den völkerrechtlichen Auswirkungen der EU Verträge ist es vor allem die immense wirtschaftliche Verflechtung und die einheitliche Währung, die dafür sorgt, dass es undenkbar ist, dass die europäischen Staaten untereinander Krieg führen. Die EU ist eine direkte Konsequenz der Erfahrungen aus dem 2. Weltkrieg. Unsere Eltern und Großeltern haben ein europäisches Haus gebaut und es ist unsere Aufgabe, es stabil und in Schuss zu halten. Dafür bin ich gerne bereit, die Schattenseiten inkauf zu nehmen.

Der bevorstehende Austritt der Briten aus der EU stimmt mich einerseits sehr traurig, denn er ist ein Sieg der ewig Gestrigen, die mit Parolen wie „Ausländer raus“ den Prototypen der alten Energie repräsentieren. Andererseits fühlt sich der Brexit jedoch auch wie ein Katalysator an, der Beginn einer beschleunigten Entwicklung, die nur in eine Richtung führen kann: Den Zusammenbruch alter, verkrusteter politischer, gesellschaftlicher und finanzieller Systeme. Daraus erwachsen können neue Strukturen, die mehr dem entsprechen, wonach sich die Menschen sehnen – Transparenz, Ehrlichkeit, Integrität.

Eigentlich hatte ich darauf gehofft, dass die Veränderung ohne den großen Paukenschlag vonstatten gehen wird, doch wie es aussieht, haben wir diesen heute vernommen. Die nächsten Tage, Wochen und Monate werden sehr spannend. Es ist unsere Aufgabe, dabei stabil zu bleiben und mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln dafür zu sorgen, dass die Strukturen, die in Bewegung geraten werden, sich zum Besseren verändern. Dabei hat jeder Mensch einen unterschiedlich großen Einflussbereich. Bei dem einen ist es „nur“ die eigene Familie, andere können als Berater, Therapeuten oder Geschäftsleute wie Multiplikatoren wirken und ein paar von uns sitzen recht nah an den Schalthebeln der Macht in Wirtschaft und Politik. Doch egal wie groß unsere Einflusssphäre ist – wichtig sind wir dabei alle. Es geht darum, jetzt in die richtige Richtung zu steuern anstatt in Panik und Weltuntergangsstimmung zu verfallen.

Normalerweise betätige ich mich nicht als Orakel, heute scheinen mir einige potenzielle Auswirkungen des Brexit jedoch so unvermeidlich, dass ich das Bedürfnis habe, sie niederzuschreiben. Die „Allwissende Müllhalde“ (wer kennt sie noch? 😉 ) spricht also:

Nordirland und Schottland haben klar pro EU abgestimmt und wollen ohnehin schon lange von Großbritannien unabhängig sein. Schon bevor der Brexit politisch vollzogen ist, wird das Vereinigte Königreich auf eine extreme Zerreißprobe gestellt, die damit enden wird, dass sich Schottland abspaltet und EU Mitglied wird, Nordirland könnte entweder dasselbe tun oder sich der Republik Irland anschließen.

Der Finanzplatz London wird in seinen Grundfesten erschüttert werden, was auch massive Auswirkungen auf die anderen Bankenzentren der Welt haben wird, vor allem Frankfurt, aber auch New York. Wir werden massive Veränderungen im Bereich der Großbanken und Investmentfirmen erleben. Die gesamte Branche, die ohnehin auf tönernen Füßen steht, wird so durchgeschüttelt, dass (bildlich gesprochen) aus den Ritzen des bis dato undurchdringlichen Asphalts, neue kleine Pflänzchen wachsen – alternative Optionen für den Umgang mit Geld, Immobilien und Werten.

Ich bin davon überzeugt, dass die Geschichtsschreibung den 23. Juni 2016 irgendwann als den Tag ansehen wird, an dem eine große Veränderung ihren Anfang genommen hat. Ich selbst bin einerseits ein bisschen nervös, andererseits bin ich aber auch auf tiefster Ebene davon überzeugt, dass wir sicher sind und dass die Veränderung notwendig ist und in die richtige Richtung führen wird. Wenn wir alle Verantwortung für unser eigenes Leben, unser Wohlergehen und unser Glück übernehmen, dann kann die Welt nur besser werden.

No, we can’t. Or … can we?

In unserer Gesellschaft wird Leistung verehrt wie das goldene Kalb. Wer (in den Augen der anderen) nichts leistet, ist nichts wert. Noch mehr verehrt werden diejenigen, die besonders hart zu sich selbst sind und ohne zu zaudern und zu zagen ihre Zielen verfolgen …

Ich selbst halte von diesem Ideal nichts, denn es ist überzeichnet und gibt vielen wichtigen Aspekten des Menschseins – Mitgefühl, Liebe, „Sein“ – zu wenig Raum.

Aber: Wie immer steckt darin ein wahrer Kern und wenn man den virtuellen Lautstärkeregler des überzeichneten Ideals ein paar Stufen zurückdreht, dann kann man leicht erkennen, dass das Bild des „Machers“ sehr wertvoll ist, ja für die eigene Entfaltung und Entwicklung sogar unabdingbar.

In „esoterischen Kreisen“ wird viel Wert auf Meditation, Stille und „sein statt tun“ gelegt. Auch wenn ich grundsätzlich zustimme, dass diese Aspekte im Alltag bei fast allen zu kurz kommen, bin ich dennoch der Meinung, dass es genauso hinderlich ist, das Tun zu vernachlässigen. Menschen neigen dazu, in Extremen zu denken, doch die Natur zeigt, dass Extreme die große Ausnahme sind. Dementsprechend glaube ich, dass die Welt weder so gemeint ist, dass wir „im Schweiße unseres Angesichts unser täglich Brot verdienen müssen“ (es darf auch leicht gehen) noch befinden wir uns im Schlaraffenland, in dem uns die gebratenen Tauben von selbst in den Mund fliegen (wir müssen aktiv handeln, um das zu erreichen, was wir wollen).

Ich glaube, dass jeder Mensch mit einer grundlegenden charakterlichen Konstitution auf die Welt kommt. Ich bin jedoch auch davon überzeugt, dass man diese verändern kann. Ein Beispiel für so einen konstitutionellen Charakterzug ist die Art und Weise, wie wir automatisch (also initial und ohne darüber nachzudenken) auf Herausforderungen reagieren.

Manche Menschen, dazu gehöre ich auch, denken, wenn sie mit einem Hindernis konfrontiert sind, zuerst in die Richtung: „Was muss ich tun, um das Hindernis zu umgehen oder zu beseitigen?“ Anderen Menschen gehen in so einer Situation zuerst die Gründe durch den Kopf, warum sie das verfolgte Ziel aufgrund des Hindernisses auf gar keinen Fall mehr erreichen können. Beide Charakteristika kann ich immer wieder in unterschiedlich deutlichen Ausprägungen im Alltag sehen.

Ich möchte noch einmal betonen, dass ich hier nur über eine Prädisposition rede, das heißt, der Mensch, der dazu neigt den Stier bei den Hörnern zu fassen wird (hoffentlich) erkennen, wenn es Zeit ist, das Ziel zu verändern, weil die Hindernisse einfach zu groß sind, und derjenige, der sich zuerst machtlos fühlt, wird hoffentlich doch noch ins Handeln kommen, damit er nicht vor jedem kleinen Problem kapitulieren muss.

In einer Zeit, in der es für alle Menschen darum geht, sich zu entfalten und den eigenen Lebensplan umzusetzen, um letztlich glücklich zu sein, ist es natürlich ziemlich unpraktisch, wenn man zuerst immer darüber nachdenkt, warum etwas nicht funktionieren kann, anstatt Wege zu suchen, wie es das doch tut. Deshalb ist es mir heute ein Bedürfnis, Sie zum Nachdenken anzuregen. Stellen Sie sich doch einmal die folgenden Fragen- einfach nur zum Spaß:

  • Wie ist üblicherweise meine erste automatische Reaktion, wenn ich mich mit einem Hindernis konfrontiert sehe?
  • Falls ich dazu neige, zuerst die Dinge zu sehen, die verhindern, dass ich mein Ziel erreiche: In welchen Situationen hat das dazu geführt, dass ich ein Vorhaben aufgegeben habe, obwohl es im Nachhinein betrachtet vielleicht doch einen gangbaren Weg gegeben hätte?
  • Was kann ich tun, um meinen Blickwinkel zu verändern?

Ich denke, es wird mir niemand widersprechen, wenn ich sage, dass es für die persönliche Entfaltung und das eigene Glücklichsein hilfreicher ist, zuerst einmal anzunehmen, dass ein Ziel erreichbar ist, und bei Hindernissen nach Lösungen zu suchen, als wenn man von vorneherein daran zweifelt und sich beim ersten Problem selbst sagt: „Ich wusste doch, dass es nicht funktionieren kann!“

Der Winter ist zwar noch nicht ganz vorbei, dennoch möchte ich heute zu frühlingshaftem Mut zum Optimismus aufrufen. Wenn es nicht schon so ausgelutscht wäre, würde mir sogar ein „Yes, we can“ aus der Feder fließen 😉

Der Spruch „Wo ein Wille ist, ist ein Weg“ drückt es ziemlich gut aus, wenn man ihn ein wenig relativiert, indem man erkennt, dass es sinnvoll ist, den eigenen Willen zu modifizieren, wenn man feststellt, dass man gerade „mit dem Kopf durch die Wand“ will. Wie bei allem im Leben sind Extreme auf die Dauer schädlich. Auf das richtige Gleichgewicht zwischen Durchsetzungskraft und Nachgiebigkeit kommt es an.

Die Botschaft an Garcia

Heute morgen hatte ich die Eingebung, einen Text, den ich schon seit vielen Jahren kenne und der mir aus dem Herzen spricht, hier zu posten. Er stammt aus dem Jahr 1899 und wurde von Elbert Hubbard „in einer einzigen Stunde niedergeschrieben“.

Der Text ist stellenweise auf eine Art und Weise verfasst, die wir heute vielleicht als krass, auf jeden Fall als nicht „politisch korrekt“ empfinden. Und denjenigen, die mit dem Gedanken spielen, mir im Anschluss einen Kommentar zu schreiben, dass der Text doch voller Negativität sei, möchte ich jetzt schon sagen: Ich sehe das nicht so. Für mich ist dieser Text ein flammender Aufruf, Verantwortung zu übernehmen für die Aufgaben die das Leben an uns stellt.

Manchmal bin ich selbst in der Rolle des Präsidenten, oft bin ich aber auch in Rowans Rolle. Beide Positionen sind entgegengesetzte Seiten der selben Medaille. Und beide braucht es, damit die Welt funktionieren kann. Das verbindende Prinzip dabei heißt „Verantwortung übernehmen“. Bedingungslos und ohne Kompromisse.

Die Botschaft an Garcia

Andrew S. Rowan
Andrew S. Rowan

Heraus aus den kubanischen Kriegswirren hebt sich am Horizont meines Gedächtnisses eines Mannes Name, strahlend wie Mars unter den Planeten. – Als der Krieg in zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten ausbrach, ergab sich die dringende Notwendigkeit, mit dem Leiter der Insurgenten, Garcia, so schnell als möglich in Verbindung zu treten. Er saß auf irgendeiner Bergfeste im Innern Kubas – niemand wusste wo. Keine Post, kein Telegraph konnte ihn erreichen; der Präsident aber musste sich seine Unterstützung sichern, und dies schnellstens. Was war zu tun?

Da erinnerte sich ein Berater des Präsidenten eines Mannes namens Rowan, der seiner Meinung nach einzig und allein imstande war, Garcia zu finden.

Man schickte nach Rowan und gab ihm einen Brief mit der Weisung, ihn an Garcia abzuliefern.

Wir wollen nicht ausführen, wie der „Mann namens Rowan“ den Brief nahm, ihn in Wachstuch einsiegelte, sich über das Herz band, nach vier Tagen im offenen Boot zur Nachtzeit an der Küste von Kuba landete, im Dickicht verschwand und nach drei Wochen auf der anderen Seite der Insel wieder auftauchte. Wir wollen uns nicht bei den Einzelheiten seiner Fußreise durch Feindesland und bei der Tatsache aufhalten, dass er den Brief richtig an Garcia ablieferte. Dies sind Dinge, die ich hier nicht zu erörtern beabsichtige. Der Hauptpunkt, auf den ich hinzuweisen wünsche, ist folgender: McKinley gab Rowan einen Brief an Garcia, Rowan nahm einfach den Brief und fragte nicht lang: „Wo ist Garcia?“

Wahrlich! Dieses Mannes Name sollte unvergessen bleiben, und seine Gestalt, gegossen in edler Bronze, sollte einen Ehrenplatz in jeder Schule und Hochschule des Landes einnehmen. Weder Bücherweisheit noch Belehrung über dieses und jenes ist es, was unseren jungen Leuten fehlt, sondern die Steife des Rückgrats. Haben sie die einmal, werden sie treu und zuverlässig ihre Pflichten erfüllen, augenblicklich handeln, ihre Energie konzentrieren, den Auftrag ausführen: „Bring diese Botschaft zu Garcia!“

General Garcia ist jetzt tot, aber es gibt noch andere Garcias. Jeder, der ein größeres Unternehmen angefangen hat, bei dem viele Hände zur Mitarbeit nötig sind, ist zuweilen nahezu entmutigt worden durch die Unbrauchbarkeit des Durchschnittsarbeiters – seine Unfähigkeit oder Abgeneigtheit, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Erzwungene Dienstwilligkeit, kindische Zerstreutheit, Unachtsamkeit, Gleichgültigkeit und immer nur halb bei der Sache – das scheint die Regel zu sein. Niemand kann auf Erfolg rechnen, er zwinge denn andere durch Versprechungen oder Drohungen, ihm beizustehen, oder vielleicht tut Gott in seiner Güte ein Wunder und sendet ihm einen Engel des Lichts als Gehilfen.

Auch du, Leser, wirst erfahren haben, was ich sage: Du sitzt in deinem Geschäftszimmer – sechs Gehilfen sind im Nebenraum zur Hand. Rufe einen und gib ihm den Auftrag: „Bitte, nimm das Konversations-Lexikon und mache mir einen kurzen Auszug über das Leben Dürers.“ Wird der Gerufene einfach antworten: „Jawohl“ und an die Arbeit gehen?

O nein, gewiss nicht! Er wird dich anstarren und eine oder mehrere der folgenden Fragen an dich richten:

Was war er? –
Welches Konversations-Lexikon? –
Wo ist das Konversations-Lexikon? –
Bin ich dafür angestellt? –
Meinst du nicht vielleicht Bismarck? –
Könnte es ein andrer nicht besser tun? –
Ist er tot? –
Hat’s Eile? –
Soll ich dir nicht lieber das Buch bringen, damit du es selbst nachschlagen kannst? –
Wozu willst du das wissen? –

Und ich wette zehn gegen eins, nachdem du alle Fragen beantwortet hast, wie und wo die Auskunft zu finden ist und warum du es zu wissen wünscht, wird der Gehilfe hingehen, sich von einem seiner Kollegen helfen lassen – beim Versuche, Garcia zu finden – und darauf zurückkommen, um dir mitzuteilen, dass es einen solchen Mann überhaupt nicht gibt. – Es mag sein, dass ich meine Wette verliere, aber nach dem Gesetz der Mittelmäßigkeit muss ich gewinnen.

Bist du klug, so wirst du dich nicht lange damit ärgern, deinem Gehilfen zu erklären, dass Dürer unter D zu suchen ist und nicht unter T, sondern du wirst freundlich lächelnd danken und sagen: „Schon gut“ und hingehen, um dir die gewünschte Auskunft selbst zu holen.

Diese Unfähigkeit zu einer selbständigen Arbeit, diese Beschränktheit, diese Unsicherheit des Willens, diese Abneigung gegen ein schnelles Denken, Begreifen und Handeln sind es, die ein freudiges, reines Zusammenwirken zu einem Zukunftstraum machen. Wie will einer der Gesamtheit Nutzen bringen, wenn er nicht selbständig zu handeln versteht?

Nur die Angst vor der Entlassung am Sonnabendabend hält viele Arbeiter an ihren Plätzen.

Inseriere nach einem Sekretär, und neun von zehn, die sich melden, werden weder orthographisch noch grammatikalisch richtig schreiben können – und es nicht einmal für nötig erachten.

Ist ein solcher fähig, einen Brief an Garcia auch nur zu schreiben?

„Du siehst diesen Buchhalter dort“, sagte der Leiter einer großen Fabrik zu mir.

„Gewiss, was ist’s mit ihm?“

„Er ist ein vorzüglicher Rechner, aber wenn ich ihn mit einem Auftrag in die Stadt schicke, erledigt er denselben zuweilen pünktlich, jedoch ebenso oft wird er vor allem erst in vier verschiedene Wirtshäuser hineingucken und, wenn er glücklich bis zur Hauptstraße gelangt ist, vergessen haben, wozu er ausgesandt war.“ Kann man einem solchen Mann eine Botschaft an Garcia anvertrauen?

Wir haben in letzter Zeit viel sentimentales Mitgefühl zum Ausdruck bringen hören für den unterdrückten Arbeiter und den heimatlosen Wanderer, der nach ehrlicher Arbeit sucht, und nebenbei viel harte Worte gegen Arbeitgeber und Geschäftsleiter.  Doch geschwiegen hat man von dem Arbeitgeber, der vor der Zeit alt und grau wird über vergeblichen Versuchen, mürrische Nichtstuer zur Arbeit anzuhalten und über seinem langen, geduldigen Abmühen mit Gehilfen, die faulenzen, sobald er den Rücken wendet. In jedem Geschäft und in jeder Fabrik geht ein fortwährendes Ausjäten von Unkraut vor sich. Der Brotherr ist andauernd damit beschäftigt, Gehilfen fortzuschicken, die ihre Unfähigkeit bewiesen haben, den Interessen des Ganzen zu dienen, und andere dafür einzustellen. Die Zeiten mögen sein, wie sie wollen, dieses Sortieren dauert fort – – aber heraus, und zwar heraus für immer muss der Untaugliche und Unwürdige; nur der Tüchtige überdauert. Das eigene Interesse zwingt jeden Arbeitgeber, nur die Beste zu behalten – solche, denen er eine Botschaft an Garcia anvertrauen kann. Ich kenne einen Mann von geradezu glänzender Begabung, der aber nicht fähig ist, ein eigenes Geschäft zu betreiben und dabei absolut wertlos für jeden anderen, weil er beständig den zur fixen Idee ausgearteten Argwohn mit sich herumschleppt, dass sein Brotherr ihn unterdrückt oder zu unterdrücken beabsichtigt. Er kann keinerlei Anordnungen treffen und sich auch keinen fügen; würde man ihm eine Botschaft an Garcia übertragen, so würde er wahrscheinlich antworten: „Tu es doch selbst!“

Heute läuft der Mann arbeitsuchend durch die Straßen, und der Wind pfeift durch seinen zerrissenen Rock. Keiner, der ihn kennt, wagt ihn anzustellen, denn er ist ein wahrhafter Feuerbrand von Unzufriedenheit. Er ist unzugänglich und taub gegen alle Vorstellungen, und selbst das Schicksal hat es nicht vermocht, ihn zur Einsicht zu bringen.

Gewiss muss man einen solchen moralischen Krüppel ebenso bemitleiden wie einen physischen, aber in unser Mitleid lasst uns auch den einschließen, der sich abmüht, ein großes Unternehmen durchzuführen, dessen Arbeitszeit nicht durch die Fabrikpfeife begrenzt ist und dessen Haare schnell ergrauen im Kampf gegen Gleichgültigkeit, Geistesschwäche und herzlose Undankbarkeit solcher, die nicht einsehen wollen, dass sie ohne ihn hungrig und heimatlos sein würden.

Habe ich mit zu starken Farben aufgetragen? Vielleicht habe ich es getan.

Zum Schluss möchte ich noch ein Wort der Teilnahme reden – dem Mann des Erfolgs, dem Mann, der allen Widerwärtigkeiten zum Trotz die Kräfte anderer geleitet hat, den Erfolg krönte und der am Ende doch einsah, dass er nur ein Nichts errungen.

Ich habe den Kittel getragen und für Tagelohn gearbeitet, und ich bin ebenso Arbeitgeber gewesen; ich weiß, dass man beiden Seiten gerecht werden muss. Armut hat keine besonderen Vorzüge, Lumpen sind keine Empfehlung, und nicht alle Brotherren sind hochfahrend und Leuteschinder, ebenso wie nicht jeder arme Mann an sich brav ist.

Meine Anerkennung gilt dem Mann, der seiner Arbeit in Pflichttreue nachgeht, gleichviel ob sein Herr in der Nähe ist oder nicht. Und der Mann, dem ein Brief an Garcia übergeben wird, der das Schreiben ruhig nimmt, ohne dumme Fragen zu stellen und ohne die heimtückische Absicht, es in die nächste Gosse zu werfen oder sonst etwas damit zu tun, und es abgibt, wird niemals aus Brot und Lohn entlassen und wird niemals nötig haben, um höherer Bezahlung willen zu „streiken“! Die Menschheit ist auf ängstlicher Suche nach eben solchen treuen Mitarbeitern. Jede Forderung, die ein solcher Mann stellt, sollte bewilligt werden. Man braucht ihn in jeder Stadt, jedem Flecken und jedem Dorf – in jeder Werkstatt, jedem Laden und jeder Fabrik. Die Welt schreit nach ihm, sie braucht ihn, sie braucht ihn nötig – den Mann, der eine Botschaft an Garcia bringen kann.

Elbert Hubbard

Ich mag Facebook

In den letzten Jahren ist es mehr und mehr in Mode gekommen, alles erst einmal schlechtzureden, sogar den aktuell niedrige Benzinpreis und seine Ursache, den extrem niedrige Ölpreis, der außer für die Ölmultis für niemanden ein Problem darstellt. Dann sollen sie halt ein paar Milliarden weniger Gewinn im Jahr machen.

Auch die sozialen Netzwerke werden gerne immer wieder als der Untergang des Abendlandes dargestellt. Sie würden die Kommunikationskultur zerstören, sagt man. Ich sehe das nicht so. Wahr ist, dass das Internet und die sozialen Netzwerke die Kommunikationskultur grundlegend verändern – aber das hat das Telefon im letzten Jahrhundert auch getan und wir haben es überlebt. Wahr ist auch, dass es Fälle gibt, in denen speziell Jugendliche, manchmal aber auch gestandene Erwachsene, es einfach übertreiben. Wahrscheinlich gibt sogar auch Fälle, in denen Menschen einer Art Internet-Sucht verfallen. Aber das sind wohl eher Einzelschicksale.

Bei Internet und sozialen Medien ist es wie mit allem im Leben: Die Dosis macht es. Wenn man sein persönliches Gleichgewicht zwischen persönlicher und elektronischer Kommunikation findet, dann sind die sozialen Netzwerke eine wirklich große Bereicherung. Kleines Beispiel: Ich habe gestern eine kurze nostalgische Notiz in Bezug auf meine alte Schule auf Facebook gepostet. Innerhalb von Minuten haben sich ehemalige Mitschüler, die inzwischen in ganz Deutschland verstreut leben, dazu geäußert. Es gab einen netten kurzen Austausch von alten Erinnerungen, der ohne das Internet vollkommen unmöglich gewesen wäre.

Für mich ist Facebook ein Mittel, um mit alten und neuen Freunden auf der ganzen Welt in Kontakt zu bleiben. Ich mag Facebook. Und alles, was ich nicht mag, blockiere, ignoriere oder entfreunde ich 😉