Warum ich den schwarzen Freitag ignoriere

Ich bin kein Asket … nun wirklich nicht. Ich mag gerne technische Spielereien und schrecke auch nicht davor zurück, mir etwas zu gönnen, was vielleicht nicht überlebensnotwendig ist. Trotzdem finde ich den Wahn um den „Black Friday“, der dieses Jahr das erste Mal mit voller Macht über Deutschland schwappt verrückt und sogar abstoßend.

In den Medien wird viel darüber berichtet, dass dieser Tag, der in den USA seit einer Reihe von Jahren immer am letzten Freitag im November von den Jüngern der Konsumgötter zelebriert wird, der „Auftakt des Weihnachtsgeschäfts“ und ein wichtiger „Gradmesser“ für dessen Verlauf sein soll. In meinen Augen ist das jedoch nur noch ein künstlich geschaffener Anreiz, damit Menschen Dinge kaufen, die sie nicht brauchen, nur weil sie angeblich gerade super billig sind – und natürlich morgen schon wieder viel teurer.

Der schwarze Freitag bedient in psychologisch-manipulativer Reinform die „Geiz-ist-geil“-Mentalität, die wir seit vielen Jahren von den Marketingabteilungen der großen Einzelhändler eingeimpft bekommen. Der atavistische Jagdtrieb der Männer – der Black Friday konzentriert sich traditionell auf technische Geräte – wird gezielt angesprochen, um das Gehirn aus und den Geldbeutel aufzumachen. Ein ähnliches Prinzip konnte man zumindest früher oft bei eBay beobachten: Da gingen gebrauchte Artikel zu Preisen über den Tresen, die regelmäßig höher waren als die Neupreise eben dieser Produkte. Und das alles nur, weil der Nervenkitzel beim Bieten so groß war. Wie gesagt: Gehirn aus, Geldbeutel auf.

Ein weiterer Grund für mich, den schwarzen Freitag zu ignorieren ist die Respektlosigkeit, die man den Produkten auf gewisse Weise entgegenbringt, wenn man sie verschleudert. In jedem Produkt steckt Arbeit und vielleicht sogar ein wenig Liebe drin, und wenn es zum Dumpingpreis zum Zwecke des Kaufrauschs in Massen unter’s Volk gebracht wird, dann missachtet das den jedem Produkt innewohnenden Wert gehörig. Das mag ein bisschen abgefahren klingen, aber für mich ist das wichtig.

Ein etwas anderer, jedoch ebenso wichtiger Aspekt wird durch ein Zitat von John Ruskin beschrieben, dem ich in einen eigenen Post gewidmet habe. In Kurzform: Natürlich ist es unklug, für ein Produkt zu viel zu bezahlen. Es ist jedoch noch viel unklüger, für ein Produkt zu wenig zu bezahlen. Hier geht es zum vollständigen Artikel.

Aus all diesen Gründen werde ich heute außer vielleicht ein paar Lebensmitteln nichts kaufen, und ganz sicher werde ich auf unsere Essenzen heute keine verrückten Rabatte geben. Die Konsumgötter mögen es mir verzeihen, aber bei dem Quatsch mache ich einfach nicht mit.

Mind over muscle

Interessant, wenn man sich mal die philosophische Basis des Judosports zu Gemüte führt. In seinem Buch „Mind over muscle“ (frei: „Die Überlegenheit des Geistes über körperliche Kraft“) schreibt der Gründer des Judo, Jigoro Kano:

„If you win, do not boast of your victory; if you lose, do not be discouraged. When it is safe, do not be careless; when it is dangerous, do not fear – simply continue down the path ahead.“

Übersetzt bedeutet das soviel wie:

„Wenn Du gewinnst, prahle nicht mit deinem Sieg; wenn Du verlierst, werde nicht mutlos. Wenn es sicher ist, werde nicht nachlässig; wenn es gefährlich ist, habe keine Angst – folge einfach immer weiter dem Weg, der vor Dir liegt.“

Da steckt unglaublich viel Weisheit drin. Lasst es Euch auf der Zunge zergehen. Jedes Mal, wenn ich diese Sätze lese, fallen mir neue Facetten und Aspekte in diesen sehr tiefgründigen Aussagen auf.

Kanō Jigorō etwa 1937
Kanō Jigorō etwa 1937. Quelle: Wikimedia

Wer hat Angst vor „Esoterik“?

Zugegebenermaßen mag ich das Wort „Esoterik“ selbst nicht so, denn es hat über die Jahre ein Konnotat von abgehobener Spinnerei bis hin zu Scharlatanerie bekommen. Dabei deutet der Wortsinn (von altgriechisch ἐσωτερικός esōterikós ‚innerlich‘, dem inneren Bereich zugehörig‘) eigentlich lediglich darauf hin, dass es um eine Philosophie geht, die keine Trennung zwischen mir als Subjekt und dem Rest der Welt als Objekt sieht. Das hat spannende Konsequenzen!

Ich hatte schon einige Ausschnitte aus dem Vortrag der genialen Vera F. Birkenbihl gesehen, gestern Abend jedoch, habe ich mir die gesamten mehr als anderthalb Stunden zum Thema „Pragmatische Esoterik“ angesehen. Wow! Sie war eine begnadete Rednerin und konnte auch komplexe Zusammenhänge in solch klare Worte fassen, dass man sie keinesfalls missverstehen kann.

Meiner Meinung nach ist dieser Vortrag ein Muss für jeden, der auch nur theoretisch die Möglichkeit in Betracht zieht, dass der Mensch lernfähig ist und sich im Laufe seines Lebens entwickeln und entfalten könnte – egal welcher Religion oder philiosophischen Schule man sich nahe fühlt. Und wenn man den Vortrag gesehen hat, braucht man auch keine Angst vor dem Wort „Esoterik“ zu haben. Es ist ganz harmlos. Es will doch nur spielen 😉

John Ruskin sagte einmal …

Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht jemand ein wenig schlechter machen und etwas billiger verkaufen könnte. Und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Machenschaften.

Es ist unklug zuviel zu bezahlen, aber es ist genauso unklug zu wenig zu bezahlen. Wenn Sie zuviel bezahlen, verlieren Sie etwas Geld, das ist alles. Bezahlen Sie dagegen zu wenig, verlieren Sie manchmal alles, da der gekaufte Gegenstand die ihm zugedachte Aufgabe nicht erfüllen kann.

Das Gesetz der Wirtschaft verbietet es, für wenig Geld viel Wert zu erhalten … Das funktioniert nicht. Nehmen Sie das niedrigste Angebot an, müssen Sie für das eingegangene Risiko etwas hinzurechnen. Wenn Sie das aber tun, dann haben Sie auch genug Geld, um für etwas Besseres zu bezahlen.

Ich mache keine Werbung …

… außer wenn ich mal unbedingt Werbung machen muss. Keine Regel ohne Ausnahme 😉

Situation: Eine Dichtung an unserem Hochdruckreiniger ist porös und geht kaputt. Es ist ein Markengerät und es sollte kein Problem sein, Ersatz zu beschaffen.

Erste Anlaufstelle: der freundliche Baumarkt in der Nähe. Bevor ich da umsonst hingurke, rufe ich mal an. Die Zentrale verbindet mich, der Mitarbeiter in der Abteilung teilt mir jedoch mit, dass der zuständige Kollege erst um 10 Uhr kommt. Als ich später nochmal anrufe, erklärt mir dieser freundlich aber bestimmt in breitestem, vermutlich Kahlgrunder Dialekt (Gedächtnisprotokoll inkl. Übersetzung ins Deutsche):

Nein, die Ersatzteile haben wir nicht vorrätig und müssten sie bestellen. Aber es ist ohnehin besser, wenn Sie das gesamte Gerät zum Hersteller schicken und dort warten lassen. Nein, ich kann Ihnen nicht aus der Erfahrung sagen, was so etwas ungefähr kostet.

Wegen einer einzelnen Dichtung? Nun gut. Einigermaßen ernüchtert denke ich mir, dass ich die Ersatzteile auch selbst bestellen kann – dann inklusive Lieferung frei Haus. Auf der Seite des Herstellers finde ich beim Stöbern jedoch noch einen Hinweis auf autorisierte Service-Center. Ich folge dem Link und finde einen Händler in der Würzburger Straße – genau gegenüber des erwähnten Baumarkts.

Beim ersten Telefonat waren alle Verkäufer belegt, es wurde jedoch freundlich meine Nummer aufgenommen und mir ein Rückruf versprochen. Dieser erfolgte dann auch in angemessener Zeit. Die erste Aussage, dass das gewünschte Teil nicht da sein revidiert der Verkäufer noch einmal („Moment, ich lege sie noch mal auf mein schnurloses Telefon und schaue nach, ob wir das in der Ausstellung haben.“) Schlussendlich ist das Teil da, kostet genauso viel wie online (ohne Versandkosten) und ich kann es direkt abholen.

Mache ich dann auch. Der Kollege, der mir vor das Ersatzteilset zeigt, runzelt die Stirn, geht halbwegs kommentarlos weg, um nach wenigen Sekunden wieder mit meiner Dichtung zurückzukommen. Er lächelt mich an, drückt mir das Ding in die Hand und sagt: „Vielen Dank, das war’s“.

Resumée: Wer jemand mal ein Musterbeispiel für Kundenfreundlichkeit irgendwo braucht – das hier ist eines. Die Firma hat zwar heute mit mir keine gut 10 Euro Umsatz gemacht, dafür werde ich, wenn ich etwas aus dem Bereich Heim & Garten brauche, demnächst sicher dort vorstellig werden. Kundenservice zahlt sich aus. Immer.

Und nun die Werbung: Dieses positive Erlebnis wurde gesponsort von der Firma imaCenter, Würzburger Str. 155, 63743 Aschaffenburg.

Mein persönliches Glaubensbekenntnis

Erst an dem Tag, an dem mir tatsächlich eine Atombombe auf den Kopf fällt, werde ich meinen Optimismus verlieren und aufhören, an meiner Überzeugung festzuhalten, dass die Menschheit die Kurve kriegen wird. Ich lebe und handle entsprechend, und trage meinen Teil zum Gelingen bei. Bis zu diesem Tag, möge er nie kommen, ist jeder Moment, den ich in Angst vor all den Schreckensbildern aus den Medien verbringe, eine verschwendete Gelegenheit, glücklich zu sein.

Über das innere Kind

Das innere Kind ist, anders als viele denken, nichts Esoterisches. Es ist ein sehr realer Ort in uns, an dem wir immer noch Kind sind und immer Kind sein werden. Es ist der Ort, an dem die spielerische Leichtigkeit, Ausgelassenheit und Freude zuhause sind, es ist aber auch der Ort, an dem all die ungeheilten Verletzungen aus unserer tatsächlichen Kindheit immer noch vorhanden sind und sich so anfühlen, wie in dem Moment, als sie passiert sind. Im Laufe unseres Lebens haben wir lernen müssen, die damit verbundenen Gefühle zu unterdrücken – entweder weil wir niemanden hatten, der uns das sichere Umfeld gegeben hat, um sie auszudrücken, oder weil uns immer wieder gesagt wurde, dass sich das nicht gehört, dass es nicht angemessen ist etc.

Der Weg zu einem erfüllten und glücklichen Leben führt zwangsläufig immer über die Heilung des inneren Kindes, denn solange wir seelische Verletzungen mit uns herumtragen, ist der Zugang zur kindlichen Leichtigkeit und Lebensfreude schwer oder sogar ganz verwehrt. Wenn wir jedoch beginnen, uns um unser inneres Kind zu kümmern, dann wir mit jedem Schritt den wir gehen, egal wie groß oder klein, ein Brocken aus dem Weg geräumt und wir kommen ein Stück mehr heraus aus dem Schmerz und finden ein wenig mehr Leichtigkeit und Freude.

Manchmal reagieren wir auf kleine Ereignisse mit scheinbar unangemessen großem Schmerz. Was hier passiert, ist, dass das Ereignis eine alte Verletzung getriggert hat. Das was wir gerade fühlen, hat dann nur zum kleinsten Teil mit der aktuellen Situation zu tun. Wenn wir in der Lage sind, das rechtzeitig zu erkennen, dann können wir vermeiden, mit unserer, für den äußeren Betrachter unangemessen großen Reaktion, einen großen Streit vom Zaun zu brechen. Stattdessen können wir uns beispielsweise zurückziehen und mit den angetriggerten Emotionen arbeiten.

Die Art und Weise, wie wir auf die Welt reagieren wird öfters als wir denken davon bestimmt, „wie alt wir gerade sind“, oder anders ausgedrückt: aus der Perspektive welches Alters wir gerade die Welt sehen. Wenn wir als Erwachsene uns gerade die Schnürsenkel binden und uns eine unerklärliche Welle von Stolz überfällt, dann sind wir wahrscheinlich gerade so um die sechs Jahre alt. Andere, scheinbar grundlose, Emotionen in verschiedenen Situationen können Hinweise darauf sein, dass wir die Welt gerade aus der Perspektive eines anderen Alters wahrnehmen. Wenn wir uns das bewusst machen und unseren Verstand nutzen, um die automatisierten Reaktionsmuster des jeweiligen Alters zu durchbrechen und stattdessen eine aus Sicht eines Erwachsenen angemessene Reaktion wählen, dann können wir oft vermeiden, in den sprichwörtlichen Sandkasten zu steigen und uns mit anderen Erwachsenen auf der Ebene von Dreijährigen zu streiten. Stattdessen werden reife und angemessene Lösungen möglich.

Auch in der Beziehung zu unseren eigenen Kindern passiert es oft genug, dass wir aus unserer Position als Erwachsene fallen und uns plötzlich emotional auf dem Schulhof wiederfinden, um uns mit unserem Kind zu streiten. Oder wir sind beleidigt wie ein Zehnjähriger, anstatt den Konflikt aus der Perspektive des Erwachsenen zu sehen, der wir sind.

In Paarbeziehungen ist es besonders wichtig, sich des inneren Kindes und seines Einflusses auf unsere Sicht der Welt bewusst zu sein. Nirgendwo sonst ist das Potenzial für Sandkastenschlachten größer – und nirgendwo sonst kann man gemeinsam kindliche Freude so intensiv erleben.

Die Erforschung und Heilung des inneren Kindes ist etwas, für das jeder selbst die Verantwortung übernehmen muss. Das heißt nichht, dass man alles alleine tun muss, aber es heißt, dass niemand anderes dafür Verantwortung trägt als man selbst. Dies gilt insbesondere auch für die Bedürfnisse des eigenen inneren Kindes. Nur wir selbst können für unser inneres Kind ein Vater/eine Mutter sein – niemand sonst. Eine Beziehung, in der man vom jeweiligen anderen Partner erwartet, dass er sich um die Bedürfnisse des eigenen inneren Kindes kümmert, steht auf keiner stabilen Basis.

Es gibt viele Wege, wie man den Weg zum inneren Kind finden kann. Eine Reihe von hilfreichen Methoden und Fallbeispielen findet sich im Buch „Aussöhnung mit dem inneren Kind“ von Erika Chopich und Margaret Paul. Sehr hilfreiche Essenzen sind die Wild Child Essences von Daniel Mapel.

Das Wissen um die Existenz und die Bedürfnisse des eigenen inneren Kindes ist kein Allheilmittel für alle unsere Probleme und Herausforderungen. Aber es fügt unserer Sicht auf die Welt eine neue Perspektive hinzu und ist ein effektives Werkzeug für den eigenen Weg der Heilung und des Wachstums.

 

Versuchen ist out – zulassen ist in

Der folgende Text von Michael Roads auf Facebook trifft aus meiner Sicht eine ganze Reihe von Nägeln auf den Kopf …

Jedem ist das Konzept vertraut, etwas zu „versuchen“; Menschen versuchen dieses zu tun oder jenes zu erreichen. Jedoch entstammt dieses Konzept der alten Energie – es ist weder gut noch schlecht, sondern einfach nur alt. Dem Bewusstsein der neuen Energie hingegen entspringt die Idee des „Zulassens“.

Beim „Versuchen“ wird das Timing nicht miteinbezogen, während sich beim „Zulassen“ alles darum dreht. Versuchen ist eine Herangehensweise an das Leben, die von der linken Gehirnhälfte gesteuert wird, während beim Zulassen die rechte Gehirnhälfte und das Herz zum Zuge kommen.

Das Jahr geht zuende und ich ich bin gerade dabei mir zu betrachten, was in meinem Leben ebenfalls enden sollte – Timing! Dabei ist mir aufgefallen, dass das „Versuchen“ in diesem Jahr wieder ein Teil meines Lebens geworden ist. Es hat sich irgendwie eingeschlichen, denn normalerweise ist es nicht meine Art, Dinge auf diese Weise zu tun. Aber jetzt bin ich fertig damit. Das „Versuchen“ ist sehr alte Energie, aber dennoch wird es für viele angemessen in ihrer Beziehung zum Leben bleiben. Das ist eine Sache des Bewusstseins.

„Zulassen“ ist nicht so passiv, wie es sich für viele anhört. Es ist eine Dynamik, die Hand in Hand mit perfektem Timing geht. Vertrauen und Geduld gehören ebenfalls untrennbar dazu, während das „Versuchen“ voller Ungeduld und oft auch mit Drängeln und Anstrengung verbunden ist.

Vielleicht gehen Sie mit meinen Worten in Resonanz, vielleicht auch nicht … es ist alles eher eine Angelegenheit des Timings als des „Versuchens“. Mit der Liebe ist es dasselbe. Man kann nicht „versuchen“ zu lieben – man lässt zu, dass das Leben einen für die Liebe öffnet. Das ist ein großer Unterschied. Und gleichzeitig lassen wir zu, dass wir stets und ‚bewusst‘ … die Liebe wählen!

Michael Roads

Allmächtiger Gott, wir sind deine Diener

Wenn eine Religion Ihnen das Gefühl vermittelt, dass Sie weniger wertvoll sind als ihre Gottheiten, dann haben Sie sie entweder missverstanden oder die Religion übermittelt die Wahrheit nicht gut.

Wenn ein Guru, Lehrer oder Meister Ihnen das Gefühl gibt, »noch nicht« erleuchtet zu sein und noch mehr »lernen«, »aufgeben« oder »loslassen« zu müssen, bevor Sie erleuchtet werden, dann vermitteln diese Ihnen nicht gut, wer Sie in Wahrheit sind, oder Sie missverstehen sie.

(aus »Heilung im Licht: Wie ich durch eine Nahtoderfahrung den Krebs besiegte und neu geboren wurde« von Anita Moorjani)

Der Weg zur Meisterschaft

IMG_0582Der Begriff „Meisterschaft“ im persönlichen Sinne kann sich auf viele verschiedene Bereiche beziehen – immer jedoch ist er erstrebenswert. Nachdem ich vor einigen Jahren wieder mit Judo, dem Sport meiner Kindheit, begonnen hatte, wurde für mich immer klarer, dass die „Meisterschaft“ im Judo – aka schwarzer Gürtel – etwas war, was ich für mich erreichen wollte.

Im Gegensatz zu Fußball und Konsorten ist Judo eine Einzelsportart. Ohne einen Partner, kann es jedoch nicht funktionieren. Ich schreibe diesen Beitrag zwar aus meiner persönlichen Sicht (weswegen statt dem „wir“ viel häufiger das „ich“ vorkommt), jedoch bin ich diesen Weg zu keinem Zeitpunkt alleine gegangen. Die Danksagungen kommen dann am Ende des Beitrags 😉

Nach mehr als 20 Jahren Pause, war der Einstieg nicht leicht. An der Freude am Judo mangelte es nach meinem Neubeginn nicht, wohl aber anfangs an Kraft, Kondition und Technik. Nach meinem allerersten Training konnte ich – und das meine ich nicht bildlich sondern wörtlich – kaum noch laufen, und meine Frau wird sich auf ewig an den Moment erinnern, als ich an diesem Abend mein Bierglas mit zwei Händen heben musste, weil es mit einer alleine einfach nicht ging 😉

Während der ersten Monate habe ich jedes Mal einige Tage benötigt, um mich von den Strapazen des Trainings zu erholen. Doch es war eine stetige Verbesserung zu erkennen. Angespornt von der fantastischen Gruppe, in der Jung und Alt zusammen trainieren, bin ich heute soweit, dass ich mit über 40 in Sachen Judo und Akrobatik Dinge tue, die ich als Jugendlicher nicht gekonnt habe … und auch das Laufen und das einhändige Bierglasheben nach dem Training klappt inzwischen wieder einwandfrei 🙂

Heute vor zwei Jahren habe ich dann, viel schneller als eigentlich gedacht, meine Prüfung zum Braungurt gemacht und bestanden: ein riesiger Motivationsschub. Nach knapp 25 Jahren in „blau“ (wenn auch die meiste Zeit nur passiv), endlich einen Schritt weiter.  Das nächste Ziel, der schwarze Gürtel, schien in realistische Nähe gerückt zu sein.

Manchmal fällt es einem im Nachhinein schwer, sich daran zu erinnern, welcher Teufel einen bei der einen oder anderen Entscheidung geritten hat. Wenn ich heute versuche, mich an den Moment zu erinnern, als ich mich entschloss, aktiv an die Vorbereitung zur Danprüfung zu gehen, dann weiß ich inzwischen, dass ich damals keine Ahnung davon hatte, worauf ich mich einlassen würde …

„Mal locker mit der Kata einsteigen“, das war meine Vorstellung. In Bayern hat man seit einigen Jahren die Möglichkeit, die Danprüfung aufzuteilen – Kata und Technik also zu trennen. In der DJK Aschaffenburg haben wir das große Privileg, mit Klaus Richter einen wahren Meister vor Ort zu haben, der außer seinem immensen Wissen und Können auch noch eine Liebe zum Judo mitbringt, die mich bei jedem Training aufs Neue inspiriert. Gepaart mit einer nahezu unerschöpflichen Geduld und dem perfekten Händchen, die Dinge so zu erklären, dass der andere sie auch verstehen kann, konnte und kann ich mir keinen besseren Trainer wünschen.

Die Nage-no-kata ist eine Übungsform, bei der es um die möglich exakte Ausführung einer Folge von 15 Wurftechniken geht. Ziel ist, es die verschiedenen Prinzipien zu verstehen und umzusetzen. Ich möchte nicht behaupten, dass ich damals als Jugendlicher ein besonders tiefes Verständnis von Wurfprinzipien gehabt habe – und die über 20 Jahre Pause haben es sicher auch nicht besser gemacht. In der Zeit als wir uns die Kata unter Anleitung von Klaus erarbeitet haben, habe ich das sehr deutlich gespürt. Und gleichzeitig war es für mich sehr motivierend zu sehen, dass es mir zunehmend besser gelang, Techniken auszuführen, die ich noch Wochen zuvor für nahezu unmöglich gehalten hatte. Besonders zu Beginn ging ich oft durch ein Wechselbad der Gefühle zwischen Euphorie und Niedergeschlagenheit, je nachdem wie es im Training gelaufen war.

Während meiner Vorbereitungsphase für die Kata gelang es der DJK Judoabteilung, einer der zentralen bayerischen Danprüfung im Winter 2015 nach Aschaffenburg zu holen. Wenn es mir gelänge, bis dahin bereit zu sein, wäre es ein Heimspiel für mich. Zusätzlich würden die anderen Judoka aus der Trainingsgruppe auf jeden Fall im Dezember ihre Kataprüfung ablegen – insgesamt eine sehr kraftvolle Kombination aus Motivation und Druck.

Bis wenige Wochen vor der Prüfung war unklar, ob ich antreten würde oder nicht. Als sich dann jedoch abzeichnen zu begann, dass ich es hinbekommen würde, habe ich mein Herz in die Hand genommen und mich angemeldet. Die folgenden Wochen waren von intensivem und konzentriertem Training geprägt – teilweise fast täglich. Wenn ich beschreiben wollte, was in dieser Zeit und auch während der Prüfung in mir alles vorgegangen ist, würde ich wahrscheinlich ein ganzes Buch damit füllen. Deshalb beschränke ich mich darauf zu sagen, dass die komplette Trainingsgruppe, inklusive meiner Person, die Prüfung bestanden haben. Uff. Erster Teil geschafft.

Vom Deutschen Judobund, der für das Prüfungswesen zuständig ist, wird eine Vorbereitungszeit von zwei Jahren für den 1. Dan vorgeschrieben. Als wir in der Gruppe im September 2015 mit der Vorbereitung begannen, waren für mich eineinviertel Jahre seit dem Braungurt vergangen. Nach der ersten Teilprüfung hatte ich insgesamt 12 Monate Zeit, den zweiten Teil abzulegen – das Zeitfenster dafür war also klar vorgegeben: Zwischen Juli und Dezember 2016 musste es über die Bühne gehen. In Bayern sind zweimal im Jahr Danprüfungen und eine Prüfung im Juli würde abermals in Aschaffenburg stattfinden. Damit war das Ziel gesteckt. Ohne Wenn und Aber.

Der Technikteil der Prüfung ist aus meiner Sicht gleichzeitig leichter und schwerer als die Kata. Einerseits lässt er mehr Raum, um Fehler selbst zu korrigieren, andererseits ist er jedoch um ein Vielfaches umfangreicher. Das habe ich spätestens dann gemerkt, als ich mit der Vorbereitung begann. Boden, Stand, Übungsformen, Spezialtechnik und Theorie, plus Vorkenntnisse aus allen Kyu-Graden … wenn man alles zusammenzählt kommt man auf an die 100 verschiede Aktionen, die man für die Prüfung beherrschen muss. Einen Teil davon hatte ich bereits parat, ein anderer Teil lag verstaubt von früher irgendwo im (Muskel-) Gedächtnis und manches war für mich auch vollkommen neu.

Im Januar haben wir in der Gruppe dann aktiv mit der Vorbereitung begonnen. In seiner unendlichen Weisheit hat Klaus darauf bestanden, dass wir uns die Techniken, die wir in der Prüfung demonstrieren würden, weitestgehend selbst erarbeiten. Für mich war das aufgrund meiner 20-jährigen Abstinenz durchaus eine Herausforderung. Mich intuitiv richtig zu bewegen und der Instinkt für den rechten Moment waren mir in vielen Bereichen abhanden gekommen. Mit Hilfe meines Ukes und der anderen Mitglieder der Trainingsgruppe gelang es mir jedoch, ein Programm zusammenzustellen, das für mich funktionieren würde. Ich denke, ich kann ohne zu übertreiben sagen, dass ich im letzten halben Jahr mehr über Judo gelernt habe, als während den acht Jahren meiner aktiven Zeit als Jugendlicher.

Auch die Vorbereitung auf die Technikprüfung war zwischendurch eine emotionale Achterbahn – einige Wochen vor der Prüfung kam für mich jedoch der Moment, an dem ich das Gefühl bekam, gut vorbereitet zu sein. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ich gut daran tue, ab diesem Punkt konzentriert weiter zu arbeiten, denn zwischen dem „Gefühl“ gut vorbereitet zu sein und dem Moment, an dem man es tatsächlich ist, liegt noch einiges an Schweiß 😉  Die letzten Wochen vor der Prüfung waren also von intensivem Training geprägt, so dass mir die Techniken irgendwann begannen aus den Ohren zu kommen und ich teilweise mit dem Gefühl auf die Matte ging: „Wenn ich das Bodenprogramm jetzt noch ein einziges Mal durchnudeln muss, dann kotze ich …“ Ab diesem Zeitpunkt wusste ich dann, dass ich tatsächlich bereit für die Prüfung war 🙂

Am 16. Juli 2016 war es dann soweit – Prüfungstag. Nach netto etwa einer Stunde Prüfung mit Pausen und einer Gesamtdauer von sechs Stunden war es schließlich geschafft. Wieder hat die gesamte Trainingsgruppe bestanden, und das nicht nur einfach so – es wurde von allen Prüfern hervorgehoben, dass Klaus uns richtig gut vorbereitet hat. Beim direkt anschließenden Sommerfest der DJK Judoabteilung (geniales Timing!) haben wir es dann ordentlich krachen lassen. Was für ein Tag – was für ein Abend!

Nun sitze ich also hier und habe einen schwarzen Gürtel vor mir liegen. Mein gestecktes Ziel habe ich erreicht – und gleichzeitig ist es für mich ein neuer Beginn. Als frischgebackener Träger eines Meistergrades bin ich mir sicher, dass letztlich von der vollen Bandbreite des Judo noch kaum eine Ahnung habe. Aber das ist für mich nur umso mehr die Motivation an diesem bedauerlichen Zustand etwas zu ändern 🙂

Mein Dank gilt heute den Judoka der DJK Aschaffenburg – was für eine geile Truppe. Ein großer Teil der Freude am Judo, die ich nach all den Jahren wiedergefunden habe, geht auf Euer Konto. Ich danke Andrea dafür, dass wir den Weg vom Judo-Legastheniker zum (hoffentlich irgendwann) wahren Judo-Meister gemeinsam gehen. Mein Dank geht insbesondere an Jonas, meinen Uke, von dem ich viel lernen konnte und der trotz seines jugendlichen Alters auch dann mit mir altem Sack Geduld hatte, wenn ich mal wieder länger gebraucht habe, um eine Technik auf die Reihe zu kriegen. Ich danke Detlef, für seine unglaubliche Fähigkeit, aus all den jungen und alten Chaoten ein Team zu schmieden und natürlich Klaus, meinen Judo-Gott 😉