So war Australien – eine Zusammenfassung

Noch bin ich am Airport in Sydney, aber von der Annahme ausgehend, dass mein Rückflug ähnlich glatt verläuft wie der Hinflug, schreibe ich schon einmal mein Resümee der Reise zusammen. Um es dem geneigten Leser etwas leichter zu machen, nicht unbedingt alles von vorne bis hinten lesen zu müssen, werde ich Zwischenüberschriften verwenden 😉

Hin- & Rückflug

Ich habe Lufthansa gebucht, weil ich unbedingt meine vorhandenen Prämienmeilen für ein Upgrade auf die Business Class nutzen wollte. Der Flugpreis ist dadurch ein wenig teurer geworden, jedoch hat sich das Upgrade mehr als gelohnt. Den zweiten Teil der Strecke, Hong Kong – Sydney und umgekehrt, konnte ich leider nicht upgraden, weil er von Cathay Pacific durchgeführt wurde, aber der Komfort auf der etwas längeren Strecke von und nach Frankfurt hat das so gut wettgemacht, dass ich die knapp neun Stunden in der Economy Class gut überstanden habe. Tipp: Sammelt Meilen und bucht auf Langstreckenflügen Upgrades.

Ankunft in Australien

Das Visum kann man sehr gut von zuhause aus online beantragen. Es ist kostenlos und bei mir war es innerhalb weniger Stunden ausgestellt. Die Einreise war auch völlig problemlos, allerdings legen die Aussies viel Wert darauf, das man mitgebrachtes vollständig deklariert. Bei mir waren das mehrere Tüten mit Nüssen aus meiner Wegzehrung. Sie wollen nicht, dass Pflanzen und Krankheiten aus anderen Kontinenten eingeschleppt werden. Kann man ja auch nachvollziehen.

Sprache, Kultur und Mentalität

In Australien spricht man ein English, das eher „british“ klingt, als alles andere. Es ist in der Regel gut zu verstehen, außer wenn man jemand mit einem heftigen Akzent vor sich hat, der auch noch schnell spricht. Auch ansonsten hat mich die Zeit in Australien zurückversetzt in meine Schulzeit, als wir von der 5. Klasse an alles in feinstem Oxford-English gelernt haben, einschließlich des dazu passenden Vokabulars. In Australien gibt es keine „pants“, man trägt „trousers“. Der Kofferraum wird „boot“ genannt und nicht „trunk“. In der Bahn wird man gebeten, seinen „rubbish“ doch bitte wieder mitznehmen, und wenn man Pipi muss, geht man auf’s „loo“.

Grinsen musste ich, als ich in natura erlebt habe, was mein Freund Daniel aus den USA immer scherzhaft über die Engländer sagt. Wenn sie etwas mögen, sagen sie: „ That’s not too bad.“ Und wenn etwas so toll ist, dass sie schier aus dem Häuschen sind, sagen sie „That’s not too bad at all!“ 😉

Ansonsten bin ich in Australien ausschließlich freundlichen und offenen Menschen begegnet. Die Standardbegrüßung und -verabschiedung ist „Cheers, Mate!“ oder „G’day“. Auch zwischendrin schleicht sich in die Sätze immer wieder ein „Mate“ ein, was soviel wie „Kumpel“ bedeutet und die Konversation auf angenehme Art informell macht. Nettes Völkchen, die Australier.

Bargeld oder Kreditkarte?

Bargeld wird in Sydney gern genommen, jedoch kommt man auch sehr gut ohne, also nur mit einer Kreditkarte aus. Es kommt jedoch regelmäßig vor, dass Geschäfte einen Aufschlag von 1-1,5% für Kartenzahlungen nehmen oder einen Mindestumsatz dafür verlangen. Zusätzlich sollte man bedenken, dass je nach Bank weitere Gebühren für den Auslandseinsatz der Karte anfallen. Ich habe während meiner Reise vor allem die N26 Karte genutzt, da die im Gegensatz zu Miles & More auf die Zusatzgebühr verzichten.

Ein wahres Fest war es für mich, ausgiebig Apple Pay mit der Apple Watch zu nutzen. Ich habe es kein einziges Mal erlebt, dass Apple Pay nicht funktioniert hat, einschließlich des Getränkeautomaten am Flughafen, an dem ich mir gerade noch ein Wasser geholt habe. Es ist unglaublich komfortabel, einfach die Uhr hinzuhalten und damit zu bezahlen. Und das Konzept, das Apple sich in puncto Sicherheit ausgedacht hat, überzeugt mich auch. Danke Apple!

Straßenverkehr

Ja, in Australien fährt man auf der „falschen“ Seite. Es dauert ein paar Tage, sich daran zu gewöhnen, dass auch die Fußgänger automatisch nach links gehen, wenn sie sich gegenseitig ausweichen, aber dann geht es einem schnell in Fleisch und Blut über. Wer das erste Mal in ein Auto steigt, bei dem sich das Steuer auf der Beifahrerseite befindet, der sollte sich nicht unbedingt gleich in den Großstadtverkehr von Sydney stürzen. Es ist jedoch problemlos, das auf weniger befahrenen Straßen zu tun, beispielsweise in Yulara, so wie ich das getan habe. An das Linksfahren gewöhnt man sich dann recht schnell, auch wenn es eine konstante erhöhte Aufmerksamkeit erfordert.

ÖPNV in Sydney

Im Großraum Sydney kann man alle Verkehrsmittel – Bus, Bahn, Straßenbahn, Fähren – mit der Opal Card nutzen. Das Coole ist: Man braucht die Karte inzwischen gar nicht mehr. Es reicht, eine NFC-fähige Kreditkarte zu haben, oder eben eine Apple Watch 😊 Beim Einsteigen macht man ein „Tap in“, hält also die Karte an den Leser, beim Aussteigen das Gleiche als „Tap out“ noch einmal. Fertig. Und die Fahrpreise sind bis auf die hohe Airport Fee echt sehr moderat. Bis 10 km zahlt man etwa 2 EUR für eine Fahrt und niemals mehr als 10 EUR pro Tag oder 30 EUR die Woche. Alles was drüber ist, wird gekappt. Sehr fair.

Ansonsten sind die Verkehrsmittel in Sydney super pünktlich und sauber und auch die Stationen sind gut in Schuss. Es macht wirklich Spaß, sich auf diese Art und Weise in Sydney zu bewegen.

Essen & Trinken

Restaurants sind in Sydney insgesamt sehr teuer. Für ein kleines Hauptgericht mit einem Getränk ist man schnell 35 Dollar, also etwas mehr als 20 EUR los. Auch Cafés sind recht teuer. Gleiches gilt für einen Espresso zum Mitnehmen oder, noch schlimmer, ein Bier. Ein Glas kostet schnell mal 9 Dollar (etwa 5,50 EUR). Das sollte man unbedingt mit einkalkulieren, wenn man einen Urlaub in Sydney plant.

Eine preiswerte Alternative zum Restaurantbesuch sind die vielen Foodcourts und kleinen Straßenimbisse, bei denen man für 7-8 EUR eine leckere und sättigende Mahlzeit kaufen kann. Alkoholische Getränke sind jedoch durch die Bank deutlich teurer als in Deutschland, auch in Läden.

Das Leitungswasser in Sydney ist zwar trinkbar, jedoch deutlich gechlort und wohl auch mit Fluoriden versetzt. Es gibt in Sydney immer wieder öffentliche Brunnen, an denen man trinken oder seine Wasserflasche auffüllen kann. Für mich war es jedoch die sinnvollere Alternative, mir Mineralwasser in Flaschen zu kaufen, auch wenn mein Herz ob der vielen Plastikflaschen geblutet hat.

Umweltschutz & Recycling

Es gibt große Kampagnen in Sydney für mehr Umweltschutz. Auch an Toiletten und Wasserhähnen finden sich immer Aufforderungen, Wasser zu sparen. Jedoch bekommt man an Imbissen in der Regel Papierbecher, Einmalteller und Plastikbesteck. Es gibt spezielle Recyclingtonnen, aber die haben auf mich keinen so vertrauenserweckenden Eindruck gemacht und sahen eher nach Augenwischerei aus. Insofern gibt es, ähnlich wie in den USA, da noch eine ganze Menge aufzuholen.

Handy & WLAN

Ich habe mir für die Reise nach Australien eine Data-only SIM-Karte gekauft. Die hat etwa 35 EUR gekostet und mich mit 3 GB an Datenvolumen ausgestattet. Für die elf Tage, die ich hier war, war das auf jeden Fall ausreichend, da es auch reichlich kostenloses WLAN gibt. Zu beachten sind jedoch zwei Punkte:

Erstens ist die Abdeckung der Mobilfunkprovider sehr stark davon abhängig, wo man sich gerade befindet. In Sydney ist alles kein Problem. In Yulara, bei Uluru und Kata Tjuta, also auf den üblichen touristischen Pfaden, gab es zwar vollen Empfang, aber der Datendurchsatz war mäßig. Am Ayers Rock/Uluru Airport war dann Schicht im Schacht, was insbesondere während meines dortigen Martyriums ein echter Nachteil war.

Zweitens habe ich zwar nicht wirklich eine australische Rufnummer gebraucht, während meiner Reise konnte ich aber aufgrund meiner Data-only Karte keine SMS empfangen, was sich in wenigen Situationen als unvorteilhaft erwiesen hat. Optimalerweise hat man ein Smartphone mit zwei Slots (oder ein iPhone mit eSIM und Slot), so dass man seine deutsche Karte aktiv lassen kann und die australische einfach dazu steckt.

Navigation & Sicherheit

Dank Apple Maps ist es ein Leichtes, sich in Sydney zu bewegen. Insbesondere, da die Karten App auch den kompletten ÖPNV in der Hauptstadt von NSW kennt und einen so perfekt von einem Ort zum nächsten leiten kann – inklusive Abfahrtszeiten und eventueller Verspätungen. Die Zeiten, in denen man mit der Karte vor der Nase herumgelaufen ist, sind endgültig vorbei. Heute erledigt man das mit dem Kopfhörer im Ohr oder alternativ der Apple Watch am Handgelenk. Dementsprechend muss man sich überhaupt keine Gedanken darüber machen, unterwegs verloren zu gehen.

Ebenfalls problemlos ist es, sich auf Sydneys Straßen zu bewegen. Ich kann mir zwar gut vorstellen, dass es auch zwielichtige Viertel gibt, jedoch habe ich mich am Hafen, in Paddington, im CDB und in Chinatown zu jeder Zeit sicher gefühlt. Nach allem, was ich von meinen einheimischen Bekannten gehört habe, ist Sydney auch allgemein eine sichere Stadt.

Aktivitäten

Sydney bietet eine Fülle von möglichen Aktivitäten – oder man erkundet die Stadt im Alleingang. Eine gute Anlaufstelle für Touren etc. ist TripAdvisor, entweder als App oder auf der Website. Dort findet sich eine Menge an Dingen, die man machen kann, vieles auch auf eigene Faust.

Die Oper und die Sydney Harbour Bridge sind auf jeden Fall ein Muss. Das nahe gelegene Viertel „The Rocks“ ist auch nett. Das Geschäftsviertel CBD ist toll zum Shoppen und um die Großstadtatmosphäre zu schnuppern. Mit der Fähre kann man eine schöne Tour nach Manly machen oder an den Cremorne Point. Und auch der berühmte Bondi Beach ist es durchaus wert, besucht zu werden. Mit dem Bus alles kein Problem.

Wer genügend Zeit hat, sollte unbedingt einen Abstecher in die Blue Mountains machen, entweder mit dem Mietwagen oder man bucht einfach eine Tour. Die Ausblicke dort sind sagenhaft!

Fazit

Sydney und Australien sind eine Reise wert. Punkt. Die elf Tage, die ich hier war, haben mir gut ausgereicht, um alles zu machen, was ich vorhatte. Auch das Thema Jetlag war gut handhabbar – vor allem wegen der Travel Essenz von den Australischen Buschblüten. Man kann sicherlich noch viel mehr Zeit hier verbringen, aber mich zieht es inzwischen tatsächlich wieder nach Hause. Das mag aber daran liegen, dass ich ohnehin nicht der ganz große Reisefreak bin. Insgesamt waren die Tage eine mehr als bereichernde Erfahrung. Amen 😉

Aufbruch nach Hause

Mein Flug geht heute wie gesagt am Nachmittag, das heißt, dass ich morgens noch etwas Zeit habe. Zum wiederholten Mal schaue ich im Kathmandu Shop vorbei, weil ich gestern vergessen habe, die praktischen Säckchen zu kaufen, die aus alten Getränkeflaschen hergestellt werden. Toll, um Socken, Unterhosen und andere Dinge zu organisieren, wenn man verreist. Kathmandu macht echt coole Sachen, insbesondere mit recycelten Materialien und wenn ich viel Platz im Koffer und einen Geldscheißer hätte, würde ich hier ordentlich zuschlagen. Diese Marke gibt es zwar inzwischen auch in Deutschland, aber die Preise dort sind jenseits von Gut und Böse.

Natürlich hole ich mir auf dem Weg wieder einen Smoothie. Der war gestern echt lecker und ist es auch heute wieder. Auch für das Mittagessen sorge ich vor – ein vegetarischer Wrap, ganz in australischer „Wir wickeln alles was sich nicht wehrt in Brot ein“ Manier 😅

Auf dem Rückweg komme ich zum wiederholten Mal an einem UGG Store vorbei. Ist in Deutschland momentan groß in Mode und kommt eigentlich aus Australien. Wusste ich gar nicht. Wahrscheinlich sind die Preise hier auch deutlich günstiger, aber mir gefallen die Dinger nicht und außerdem ist der Geldbeutel leer und der Koffer voll.

Dann zurück ins Hotel, auschecken, mit dem Bus und der Bahn zum Airport und dann erstmal warten, denn ich bin viel zu früh. Ich nutze die Zeit, um zu bloggen. Es wird ein vielleicht ein wenig ausführlicheres Resümee meiner Reise werden. Davor jedoch noch einige Gedanken zu meinem letzten Hotel.

Das Arts Hotel in der Oxford Street in Paddington ist empfehlenswert. Es ist nicht luxeriös oder super modern, aber sauber und mit allem ausgestattet, was man braucht. Ich habe für drei Nächte 329 EUR bezahlt. Für die Lage und australische Verhältnisse ist das eher ein Schnäppchen. Airbnb wäre sicher günstiger gewesen, aber auf den Komfort eines eigenen Zimmers mit eigenem Bad wollte ich dann doch nicht verzichten. Insofern eine Empfehlung für zukünftige Reisende.

Der letzte Tag … ganz ohne Wale

Heute schaffe ich es, etwas früher wach zu sein. Das Mittagessen von gestern war so reichlich gewesen, dass ich abends nur einige Nüsse gegessen und heute auch noch keinen richtigen Hunger habe. Mir steht der Sinn nach einem Smoothie, deshalb wandere ich die Oxford Street entlang, bis meine Augen einen Laden mit der Aufschrift „Boost Juice“ finden, der genau das im Angebot hat, was ich haben will. Einmal „Power Plant Protein“ zum Mitnehmen bitte. Macht dann $9.30, etwa 5,75 EUR. Geht sogar.

Heute morgen habe ich mir vorgenommen, noch einmal im Kathmandu Shop im Geschäftsviertel von Sydney vorbeizuschauen. Die, die ich letzte Woche gekauft hatte ist so super bequem, dass ich sie mir nochmal in einer anderen Farbe holen will. Insbesondere, da es gerade 40% Rabatt für „Members“ gibt. Praktischerweise ist es ganz leicht, Mitglied zu werden – man muss nur seine Daten da lassen. Die E-Mail Flut hinterher werde ich dann hoffentlich wieder abbestellen können und Briefe nach Deutschland werden sie mir wohl nicht schicken. Was macht man nicht alles, aber 40 Prozent sind halt ein Wort. Rechne ich den Wechselkurs ein, kostet mich so eine Hose nur 59 EUR – so günstig bekomme ich das in Deutschland garantiert nicht.

Mein nächster Weg führt mich – wieder zu Fuß – noch einmal in den Souvenirshop am Circular Quay, weil ich ein Mitbringsel vergessen habe. Da kann ich dann auch gleich im Foodcourt wieder preiswert zu Mittag essen, bevor ich mich auf den Weg zum Darling Harbour für meine Whale Watching Tour mache. Diesmal ist mir nach Arabisch … echt lecker.

Als ich gerade am Mampfen bin, erreicht mich eine E-Mail des Veranstalters. Der Wellengang ist zu hoch, die Tour wurde abgesagt. So ein Mist! Ich hatte mich echt auf die Wale gefreut. Da ich keinen anderen Termin wählen kann, weil ich morgen schon wieder nach Hause fliege, lasse ich mir den Betrag erstatten, was mit einem Anruf erledigt ist. Nun brauche ich ein Alternativprogramm. In meiner TripAdvisor App finde ich den Vorschlag für einen Spaziergang vom Cremorne Point, einer Landzunge, zur Mosman Bay. Klingt gut.

Ich nehme die Fähre und unterhalte mich dabei mit einer Einheimischen, die mit ihrer Familie früher schon x-mal in Europa war und Deutschland liebt. Als sie mich fragt, was ich so tue und ich ihr von den Essenzen erzähle, schaut sie, als ob sie in eine Zitrone gebissen hätte und wechselt das Thema. Später erzählt sie mir noch, dass ihre Tochter Apothekerin ist – wohl eine Hardcore Anhängerin der Schulmedizin 🤷🏻‍♂️

Cremorne Point ist wirklich schön. Der beschriebene Spaziergang ist zwar etwas kürzer als ich mir das vorgestellt habe, aber ich sehe eine Menge hübscher Blüten und tolle Ausblicke auf die Bucht. Ich bin etwas hin- und hergerissen, ob ich einfach weiterlaufen soll, oder zurückfahre, im Hotel einen Zwischenstopp einlege und zum berühmten Bondi Beach fahre. Mit dem Hintergedanken, dort in einem Café am Strand zu bloggen entscheide ich mich für Letzteres. Wale gab es zwar keine, aber der Spaziergang war trotzdem schön.

Mit dem Bus geht es dann nach Bondi. Der Strand ist Wegen seiner Wellen eines der berühmtesten Surfreviere der Welt. Doch bevor ich dort ankomme, zeigen mir die Verkehrbetriebe von Sydney noch alles, was sie zu bieten haben. Unser Busfahrer zitiert Fahrgäste, die hinten (statt wie vorgeschrieben vorne) einsteigen zu sich und faltet sie nach allen Regeln der Kunst vor versammelter Mannschaft zusammen. Muss wohl das sein, was man ein „Original“ nennt. Als nächstes kommen die Kontrolleure, die alle Fahrkarten überprüfen – natürlich mit einem Smartphone, denn die Opal Card bzw. Kreditkarten sind ja das übliche Zahlungsmittel und so etwas wie Fahrscheine gibt es hier nur noch für technologisch Zurückgebliebene, von denen ich mit eigenen Augen in meiner Zeit in Sydney keinen einzigen erblicken konnte.

Als ich schließlich am Bondi Beach ankomme, bläst mir der Wind schon entgegen und der Wellengang ist fulminant. Nur Surfer sehe ich keine. Vielleicht ist es zu früh in der Saison? Oder zu früh am Tag? Keine Ahnung. Ich genieße auf jeden Fall erst einmal den feinen Salzwassernebel, der mir an der Uferpromenade fortwährend ins Gesicht bläst. Dann setze ich mich auf eine Bank und blogge … ich habe ein bisschen was aufzuholen. Als ich irgendwann den Laptop zuklappe, sehe ich einzelne Surfer, die sich in die wilde Brandung wagen. Bei den Temperaturen und dem Wind braucht es da schon Überwindung und gute Neoprenanzüge. Respekt. Aber sie scheinen Spaß zu haben.

Auf dem Rückweg will ich eigentlich wieder einen Smoothie, stelle aber fest, dass mein Smoothie-Tempel schon zu hat. Scheint aber eine Kette zu sein, denn es gibt noch eine Reihe von weiteren Filialen in Sydney. Dank des hervorragenden ÖPNV hier, komme ich problemlos dorthin – nur um dann noch in einer Grill’d Filiale einen Burger zu essen. Smoothie gibt es dann morgen früh wieder.

Nachdem ich dann auf dem Weg zurück ins Hotel noch in den falschen Bus einsteige, in einem Vorort umkehre und eine Weile zu Fuß gehen muss, komme ich dann doch noch an, aber nicht bevor ich mir in einem Laden ein Bier gekauft habe. In Australien brauchen Geschäfte eine gesonderte Lizenz, um Alkohol verkaufen zu dürfen, so wie in den USA. Dementsprechend wird mein Bier auch stilecht in eine Papiertüte verpackt, ganz so, wie man es aus amerikanischen Filmen kennt. Aber wenigstens wurde ich nicht auch noch nach meinem Ausweis gefragt 😂

Auf dem Rückweg komme ich in Straßen vorbei, die mit ihren Reihenhäusern sehr an Großbritannien erinnern. Wieder einmal fällt auf, dass Australien immer noch sehr „british“ ist . Heute Abend ist dann noch Packen angesagt. Mein Flug geht um Viertel nach drei und ich werde gegen Mittag in Richtung Flughafen aufbrechen. Mal sehen, was mir der Vormittag noch so bringt. Auf jeden Fall mal mindestens einen Smoothie …

Paddington, Darling Harbour & Sydney Souvenir Shopping

Nach dem ganzen Wandern gestern ist heute erst einmal Ausschlafen angesagt. Als ich gegen zehn irgendwann wieder gesellschaftsfähig bin, gehe ich die Oxford Street entlang, um mir etwas zu Essen zu fangen. Fündig werde ich in einem der vielen kleinen Läden und Cafés im hippen Paddington Viertel von Sydney, in dem sich auch mein Hotel befindet. Das preisgekrönte Sandwich im Sandoitchi Café mit Avocado, gegrillter Aubergine und geschmolzenem Käse wurde vollkommen zu Recht ausgezeichnet. Lecker.

Die Whale Watching Tour habe ich für morgen gebucht, deshalb wäre heute Zeit für den Sydney Harbour Bridge Climb, aber als ich mir die Preise ansehe, beschließe ich, dass es doch nicht so wichtig ist. Für eine geführte Klettertour auf den höchsten Bogen werden etwa 350 australische Dollar (mehr als 200 EUR) aufgerufen. Finde ich ein wenig unverschämt, auch wenn man mit Kletterequipment ausgerüstet wird. Wahrscheinlich ist die Versicherung so teuer, weil sich immer wieder irgendwelche unsportlichen Touristen überschätzen und wehtun. Schade.

Stattdessen laufe ich die Stadt zu Fuß ab. Von Paddington über Chinatown zum Darling Harbour, von wo ich morgen meine Whale Watching Tour starten werden. Schadet ja nicht, wenn man schon mal weiß, wo man hin muss. Danach zum Circular Quay, wo ich meine Mitbringsel für die Familie besorge. Tipp an zukünftige Reisende: Der Souvenirshop „Australia the Gift“ hat wirklich schöne Sachen – kitschige und vor allem auch nicht so kitschige. Mein persönliches Highlight dabei ist der Flaschenöffner mit pelzigen Känguruhoden (sic!) als Griff. Die spinnen, die Aussies 😂 Ich kann mich jedoch gerade so zurückhalten, sie jemandem mitzubringen.

Das späte Mittagessen hole ich mir in einem indischen Kebabhaus, wieder auf der Oxford Street. Man kann in Sydney viel Geld in Restaurants lassen, man kann sich aber auch relativ preiswert in Food Courts und kleinen Imbissen entlang der Straßen ernähren. Und das noch nicht einmal ungesund. Ja, es gibt McDoof & Co., aber auch viele internationale Imbisse – indisch, arabisch, japanisch, chinesisch etc. Und es hat den Anschein, als würden die Australier alles, was man essen kann, auch rollen wollen. So gut wie jede Art von internationaler Spezialität kann man als gerollten Kebab, als Wrap oder sonst irgendwie mit Brot umwickelt kaufen. Einerseits praktisch, lässt aber darauf schließen, dass die Großstädter hier vor allem beim Laufen essen.

Den Nachmittag verbringe ich dann mit weiterer Entspannung im hoteleigenen Courtyard, dem Innenhof mit einem kleinen Pool. Zum Baden ist es leider deutlich zu frisch – das Thermometer zeigt nicht einmal 20 Grad. Aber die Sonne ist sehr angenehm. Nach allem, was ich in den vergangenen Tagen so erlebt habe, tut es richtig gut, auch einmal nichts zu tun. Morgen geht es dann weiter. Vielleicht mache ich nach der Tour noch einen Abstecher an den berühmten Bondi Beach …

The Blue Mountains

Nach dem Aufstehen nimmt mich Ian mit an den Strand, wo er morgens gerne eine Runde Bodysurfen geht. Und er ist nicht der Einzige. Mit Neoprenanzügen, Flossen und einen kleinen Board, das nur etwa so groß wie ein Blatt Papier ist, stürzen sich eine ganze Reihe Menschen, vorwiegend reifere Männer, in die beeindruckend hohen Wellen. Ich selbst ziehe es vor, nur mit den Füßen ins Wasser zu gehen, da es nicht wirklich Badetemperaturen hat und ich keinen Neoprenanzug habe. Dennoch ist der Blick auf den Pazifischen Ozean fantastisch.

Ian hat mich vorgewarnt, dass gerade die Zeit ist, in der die Buckelwale an Australien vorbei in Richtung Antarktis ziehen und tatsächlich sehe ich in weiter Ferne einige Fluken ins Wasser klatschen. Neuer Eintrag in meiner Bucket List: Wale sehen. In Sydney gibt es Whale Watching Touren. Ist gebongt 🙂

Nachdem Ian mit dem Plantschen fertig ist, geht es schnell zurück in sein Haus, wo wir seine Frau aufsammeln und nach Terrey Hills fahren, um den anderen beiden die Gelegenheit zum Einsteigen zu geben. Sandra ist Ians Distributorin in Mexico, Joanna ist Therapeutin in Portugal.

Die Fahrt in die Blue Mountains dauert etwa zwei Stunden und unser erstes Ziel ist die „Red Hands Cave“. In dieser Höhle haben die Aborigines vor sehr langer Zeit ihre Hände an den Wänden verewigt. Obwohl es ein Ort ist, der viele Touristen anzieht, bin ich etwas enttäuscht. Die Höhle ist winzig und die Hände sind, ehrlich gesagt, zwar irgendwie cool, aber nicht übermäßig spannend. Deshalb packen wir uns auch gleich wieder ins Auto, und fahren zum Jellybean Pool, einem kleinen See in den Bergen.

Hier gefällt es mir schon besser. Die Sonne scheint, es ist warm und die Landschaft hat schon einiges zu bieten. Wir ruhen uns kurz aus, genießen den Blick und tauschen Bilder aus – Airdrop sei dank. Wieder so eine Sache, die das Leben echt ein wenig leichter macht. Danke, Apple.

Es geht Schlag auf Schlag weiter. Nächster Stop: Hargraves Lookout. Hier zieht es mir dann, gelinde gesagt, die Socken aus. Ein weiter Blick über den Busch und die Blue Mountains. Atemberaubend. Man kann sich gar nicht satt sehen, so weit und schön ist die Landschaft. Ein leichter Sprühregen sorgt für das Tüpfelchen auf dem I – einen Regenbogen über dem Tal. Wow.

Die Australier machen es mit ihren Nationalparks ganz ähnlich wie die Amerikaner. Sie gelten als die Juwelen des Landes und werden entsprechend geschützt. Gleichzeitig sind sie touristisch so erschlossen, dass man die unberührte Natur genießen kann, und da sich auch noch alle daran halten, keinen Müll zu hinterlassen, bleiben diese Juwelen hoffentlich noch vielen Generationen erhalten.

Wir fahren weiter ins Megalong Valley. Auch hier wieder atemberaubende Ausblicke und die Wolken, die über den Himmel ziehen, lassen uns ein Schauspiel von Schatten und Licht erleben. Obwohl in New South Wales gerade Frühlingsferien sind, sind wir die meiste Zeit unter uns und können die Natur ungestört genießen.

Obwohl die Wege alle erschlossen sind, gibt es genügend Stellen, an denen es entweder auf einer oder auf beiden Seiten steil bergab geht. Nicht nur einmal wird mir dabei etwas mulmig, weil gleichzeitig ein ordentlicher Wind geht. Die Lookouts, zu denen wir gelangen, sind jedoch die Mühe wert. Wie gesagt: atemberaubend schön.

Den Sonnenuntergang wollen wir uns dann bei den „Three Sisters“, einer Bergformation in der Nähe von Katoomba ansehen. Ian will es aber wissen, deshalb fahren wir vorher noch zum Govetts Leap Lookout, Anders als die vorherigen Aussichtspunkte, aber nicht weniger spektakulär. Man sieht besonders gut die einzelnen Sedimentschichten, die über die Jahrmillionen durch Erosion freigelegt worden sind.

Als wir endlich bei den Three Sisters ankommen, können wir gut verstehen, warum man sie die drei Schwestern genannt hat. Allerdings gibt es auf der rechten Seite noch eine weitere, deutlich kleinere Erhebung. Wir beschließen daher, diese Formation für uns umzubenennen in „Three Sisters and their dog“ 😉

Ach ja: zwischendrin sehen wir auch unsere ersten Kängurus – nur ganz aus der Ferne, aber immerhin. Die sollen es ja ohnehin nicht so mögen, wenn man sie streichelt, wie übrigens auch die Koalas.

In Katoomba, von wo aus man die Formation aus einem anderen Blickwinkel sehen kann, gibt es den „Queen Elizabeth Lookout“, der so benannt wurde, weil die Monarchin von England an just dieser Stelle in den fünfziger Jahren die Blue Mountains mit ihrem königlichen Augenlicht gesegnet hat. Man muss wohl Engländer oder Mitglied im Commonwealth sein, um dabei nicht grinsen zu müssen 🤷🏻‍♂️

Dennoch: Der Blick und das Licht sind spektakulär. Deshalb fällt es uns ein wenig schwer, wieder ins Auto zu steigen und zurück nach Sydney zu fahren. Für mich wird es der Abschied von Ian und den anderen sein, denn die letzten Tage meiner Reise bin ich wieder auf mich gestellt. In Sydney gibt es noch eine ganze Menge zu sehen und die Wale stehen ja auch noch auf meiner Liste. Nach einem sehr leckeren japanischen Abendessen mit den in Australien üblichen, gesalzenen Preisen verabschieden wir uns. Danke Ian für alles. Ich freue mich schon auf unser nächstes Wiedersehen.

Mein Hotelzimmer im Arts Hotel ist klein aber bequem und ich habe erstmal eine Menge Schlaf nachzuholen, denn die letzten Tage waren mega intensiv. Gute Nacht.

Seminarausklang mit Gackern und Trompeten

Der dritte Tag des Seminars beginnt wie der zweite mit einem angenehmen Frühstück im „Tastebuds“. Dank Renee aus Melbourne müssen wir die 1,5 km zur Booralie Road nicht laufen, sondern dürfen bei ihr mitfahren. Ein großes Dankeschön dafür 🙂

Der Bushwalk des Tages führt uns nur wenige Autominuten weg vom Seminarort. Dort gibt es prächtige Waratahs zu sehen. Diese eindrucksvollen Blüten sind nicht nur im Logo der Australischen Buschblüten zu finden, sie sind auch das Emblem des Bundesstaates New South Wales, dessen Hauptstadt Sydney ist. Die Dinger sind recht groß und knallrot. Kein Wunder, dass sie auf jeden, der sie sieht, einen nachhaltigen Eindruck machen.

Eine der Essenzen, die an diesem Tag ausführlich besprochen wird, ist Little Flannel Flower. Diese winzige Blüte haben wir schon reichlich an den vergangenen zwei Tagen gesehen. Die Hauptwirkung ihrer Essenz besteht darin, die Fähigkeit zu spielen und auch mal kindisch zu sein wieder ans Tageslicht zu bringen, denn mal ehrlich: Erwachsene sind viel zu ernsthaft die ganze Zeit, oder?

Während der Raum für die Abschlusszeremonie vorbereitet wird, gehen wir nochmal nach draußen in einen nahegelegenen „Park“, der eigentlich nur ein unbebautes Grundstück mit Rasen und einer Schaukel ist. Ian hat angekündigt, dass wir dort eine „Little Flannel Flower Experience“ machen dürfen. Diese besteht aus einem Orientierungsspiel: Die Mitglieder von sechs verschiedenen Gruppen müssen sich mit geschlossenen Augen anhand von Tiergeräuschen zusammenfinden. Ich war bei den Elefanten. Keine leichte Aufgabe 😉 Die anwesenden Kinder mit ihren Eltern haben auf jeden Fall recht komisch geschaut, als 34 Erwachsene laut gackernd, bellend, trompetend und was weiß ich noch alles mit geschlossenen Augen auf dem Rasen umhertappen.

Danach zurück in den Seminarraum, in Kerzen, ein Blumenbouquet und viele kleine Fläschchen auf uns warten. Jeder bekommt beim Betreten des Raumes eine kleine Kerze in die Hand gedrückt und wir stehen schweigend im Kreis um das Arrangement in der Mitte herum. Jeder der Teilnehmer bekommt die Gelegenheit, seine Kerze anzuzünden, eventuell einige kurze Worte zu sagen, und sich dann ein Fläschchen zu nehmen. Darin befindet sich, wie ich erwartet hatte, die von uns hergestellten Flannel Flower Essenz als Muttertinktur. Ein wirklich schönes Geschenk, um es mit nach Hause zu nehmen.

Nachdem der formelle Teil vorbei ist, gehen alle zum informellen Abschied mittels Umarmungen über. War eine schöne Gruppe mit vielen internationalen Teilnehmern. Sehr harmonisch und konzentriert.

Nach dem Seminar habe ich noch die Gelegenheit mich mit dem CEO, der die administrativen Dinge für Ian regelt, über geschäftliche Dinge zu unterhalten, was etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt als gedacht, dafür aber extra interessant ist und mir viel Inspiration mit auf den Weg gibt. Anschließend habe ich die Ehre, mit Ian nach Hause zu fahren, und bei ihm und seiner wunderbaren Frau Jane übernachten zu dürfen.

Morgen geht es dann mit Ian, Jane und zwei der Teilnehmerinnen aus der Gruppe in die Blue Mountains. Ich bin gespannt, was es dort alles zu sehen geben wird.

Meine eigene Flannel Flower Essenz

Flannel Flower ist die Essenz die wir heute als Gruppe in Ian Whites Level 3 Workshop zusammen herstellen werden. Das wurde festgelegt, als ich noch auf dem Weg vom Flughafen zum Seminar war. Nach einer halbwegs erholsamen Nacht treffe ich mich mit einigen Seminarteilnehmern zum Frühstück in einem kleinen Café mit dem passenden Namen „Tastebuds“ – Geschmacksknospen. Passend deswegen, weil es sich in einem Gartencenter befindet. Die Preise sind, wie bisher überall auf meiner Reise, deutlich höher als in Deutschland, dafür ist mein Frühstück inkl. Woombye Smoothie aber auch sehr gut.

Frisch gestärkt fahren wir dann die paar hundert Meter bis zum Seminarort. Nach einer kurzen Einheit drinnen geht es dann relativ schnell raus zum zweiten Bushwalk, der einer der Höhepunkte des Workshops ist, weil wir, wie gesagt, als Gruppe eine Blütenessenz herstellen werden. Wir laufen kurze Zeit, bis wir auf einem Plateau über dem Busch ankommen. Dort verteilen Ian und sein Team, bestehend aus Peta und Adriana, letzte Instruktionen. Rundherum sind reichlich Flannel Flowers und jeder der Teilnehmer soll sich eine aussuchen, die ihn ruft, sie zeichnen, mit ihr meditieren und sie dann um Erlaubnis bitten, sie zu pflücken. Anschließend gehen alle Blüten in drei Schalen mit reinem Wasser. Die Sonne wird während der nächsten knapp zwei Stunden dafür sorgen, dass die Energie der Blüten auf das Wasser übertragen wird – das ist die klassische Methode nach Dr. Bach.

In der Zwischenzeit essen wir unser mitgebrachtes Mittagessen und machen noch eine kurze Wanderung zu einem noch höher gelegenen Plateau mit atemberaubender Aussicht. Als wir zurückkehren, ist die Essenz so gut wie fertig. Zeit, die Blüten wieder aus dem Wasser zu fischen. So wie beim Pflücken der Blüte, ist es laut Ian auch hier wichtig, sie nicht mit bloßen Fingen zu berühren, sondern beispielsweise Blätter einer anderen oder derselben Blume zu benutzen, um den direkten Kontakt zu vermeiden.

Als die Blüten aus den Schalen sind, wird die Mutteressenz in vorbereitete Flaschen mit Weinbrand gegossen. Ian erzählt, dass dieser Moment die Geburt der Essenz ist, während die Konzeption stattfand, als wir die Blüten ins Wasser gelegt haben. Nun, da die Muttertinktur fertig ist, fragt sich, was man mit dem restlichen Wasser in der Schale macht. Ian erzählt, dass er es gerne benutzt, um etwas davon auf das Kronenchakra zu gießen und die Energie zu spüren. Selbstverständlich will das jeder in der Gruppe ausprobieren. Eine interessante Erfahrung, die sich fast ein wenig wie eine Taufe anfühlt. Wir scherzen, dass wir nun Mitglieder der Kirche der heiligen Flannel Flower sind.

Der Rückweg führt uns wieder vorbei an Unmengen von Blüten und Pflanzen, darunter Mountain Devil und eine schöne Black-eyed Susan, und der Rest dieses Tages ist wieder Informationen über einzelne Blüten gewidmet. Zum Abendessen gehen wir in die nahe gelegene „Taverna“, wo es halbwegs gutes Bier und leckeres Essen gibt. Dann zurück ins Hotel und ab ins Bett. Diesmal gibt es keine Hochzeit draußen, aber dafür die Gäste einer drinnen stattfindenden Hochzeit, die ordentlich Lärm auf dem Flur machen. Gottseidank habe ich meine Ohrstöpsel parat und kann relativ schnell einschlafen.

Der Bushwalk

Das Universum wollte wohl nicht, dass ich mal Uber ausprobieren. Die App runterzuladen hat (natürlich) noch gut funktioniert, aber gescheitert bin ich dann letztlich an der Tatsache, dass ich aktuell meine deutsche SIM nicht im Handy habe und mit der australischen keine SMS empfangen kann. Memo an mich selbst: Die deutsche SIM muss bis zur nächsten Reise als eSIM im Handy hinterlegt werden, damit ich die ausländische SIM in den Slot stecken kann … Problem gelöst.

Uber ging also nicht, Bus und Bahn dauern zu lange – bleibt nur noch ein Taxi, auch wenn es teuer wird. Die Kosten dafür werde ich aber auf jeden Fall bei der Fluggesellschaft geltend machen, ebenso wie die Kosten für die Nacht im Hotel in Terrey Hills, die ich stattdessen in Melbourne verbringen musste. Mal sehen, wie weit ich damit komme.

Am Flughafen schnappe ich mir also ein Taxi, lasse mich die paar hundert Meter zum ibis Hotel fahren, wo mein Koffer auf mich wartet. Dann weiter nach Terrey Hills. Mein Fahrer ist Filipino, spricht nur gebrochen englisch, und ist recht nett. Während wir aus Sydney herausfahren, kläre meine neue Ankunftszeit mit dem Hotel, lasse die Seminarorganisatoren wissen, dass ich später komme und versuche, runter- und in Sydney anzukommen.

Etwa 50 Minuten später sind wir am Ziel: 45 Booralie Road, Terrey Hills. Das Hauptquartier von Bush Biotherapies, dem Hersteller der Australischen Buschblüten. Ein nicht allzu großes Gebäude, für die kleine Branche der Blütenessenzen-Hersteller jedoch sehr stattlich.

Der Seminarraum befindet sich im Gebäude und ich komme noch rechtzeitig zur vormittäglichen Kaffeepause, oder in Australien besser gesagt Teepause. Sowohl sprachlich als auch kulturell ist Australien sehr viel näher an Großbritannien, als es die USA sind. Das mag auch daran liegen, dass Australien offiziell noch Mitglied des Commonwealth ist. Formell ist die englische Königen deshalb auch das Staatsoberhaupt von Australien und ihr Konterfei befindet sich auf allen Banknoten. Ein ziemlich schrulliger Anachronismus.

Das Highlight dieses Tages ist für mich zweifellos der erste „Bushwalk“. Wir fahren wenige Minuten mit dem Auto, bevor wir aussteigen und im Ku-Ring-Gai Chase Nationalpark stehen. Das, was sich uns da bietet, ist nicht weniger als ein Schaulauf der der Australischen Buschblüten Essenzen – nur, dass wir es sind, die laufen, und nicht die Blüten. Innerhalb weniger Minuten sehen wir an die 20 der Blüten, aus denen die Essenzen hergestellt werden, in ihrem natürlichen Lebensraum. Wow! Genau deshalb bin ich hergekommen. Man hat fast das Gefühl, dass die Blüten für uns posieren – und die (ich wiederhole mich) fantastische Kamera meines neuen iPhones tut ihr Übriges.

Auf einem Plateau haben wir einen famosen Blick über den Nationalpark. Genauso habe ich mir den Australischen Busch vorgestellt, nur etwas trockener, denn das hier hat auch etwas von Regenwald. Nach etwa zwei Stunden bin ich von der Masse der Pflanzen und ihrer Energie überwältigt und froh, dass es wieder zurückgeht. Den Rest des Tages verbringen wir wieder im Seminarraum.

Abends checke ich im Hotel ein, genieße ein leichtes Abendessen mit zwei anderen Kursteilnehmerinnen und falle dann, wie tot in mein Bett. Neben der ausgeprägten Müdigkeit ist es gut, dass ich auch Ohrstöpsel dabei habe, denn im zum Hotel gehörenden Event-Centre findet eine Hochzeit statt. Irgendwie müssen Araber beteiligt sein, wie die sehr laute Musik vermuten lässt. Und sie haben viel Spaß dabei. Was mich normalerweise um den Verstand bringen würde, lässt mich heute kalt, denn trotz des Chaos da draußen bin ich innerhalb weniger Minuten eingeschlafen.

Drei Bundesstaaten in 24 Stunden

Sturt Desert Pea

Bis jetzt ist meine Reise durch Australien wie geschmiert gelaufen. Alles hat wie am Schnürchen geklappt. Bis jetzt. Das Jetzt von gerade eben ist die Vergangenheit des neuen Jetzt. Denn jetzt kommt es gerade ganz dicke.

Nach dem Einsteigen in den Jetstar Flieger nach Sydney beobachte ich abwesend das Stewardessen-Ballett a.k.a. Sicherheitseinweisung. Dann warte ich darauf, dass es losgeht. Und warte, und warte … und es geht nicht los. Irgendwann meldet sich der 1. Offizier: „As you can see we are not yet on our way …” Beim Durcharbeiten der Checklisten ist ein technisches Problem aufgefallen. Er bittet kurz um Geduld, sie würden gerade mit der Basis in Melbourne sprechen. Wenige Minuten später der Kapitän: „Wir brauchen einen Ingenieur, der sich gerade in Alice Springs in eine Chartermaschine gesetzt hat. Alle wieder aussteigen.“

Oh je … das kann ja lustig werden. Alle wieder zurück ins Gate und warten. Nach einer gefühlten Ewigkeit dann die neuerliche Durchsage: Dieses Flugzeug wird heute nicht mehr fliegen. Eine Ersatzmaschine ist angefordert – alle Reisenden werden zurück ins Hotel gefahren und dort mit Essen versorgt. Geschätzte neue Abflugzeit: 19.30 Uhr. Der Start war ursprünglich für 14:15 geplant!

Im Ayers Rock Resort angekommen bildet sich vor dem von der Airline vorgegebenen Restaurant eine lange, eine sehr lange Schlange. In weiser Voraussicht habe ich dafür gesorgt, ziemlich weit vorne zu stehen. Ich gehe rein, bestelle, bekomme mein Essen, verspeise es in Ruhe, stehe auf und gehe wieder raus. Die Schlange vor der Tür scheint dennoch genauso lange zu sein, wie zuvor. Arme Schweine …

In der Zwischenzeit erkunde ich noch ein wenig die Gegend und entdecke einen der Gründe, warum ich überhaupt nach Australien gekommen bin: eine der Australischen Buschblüten, Sturt Desert Pea. Direkt vor meinem (ehemaligen) Hotel. Das muss dann wohl das Gute im Schlechten, das Glück im Unglück sein.

Sturt Desert Pea
Sturt Desert Pea

Um 18.30 Uhr werden wir wieder aufgesammelt und zum Flughafen gefahren. Nochmal durch die Security, und dann heißt es wieder warten. Ein Ersatzflugzeug ist auf dem Rollfeld noch nirgends zu sehen. Die Zeit zieht sich wie Kaugummi. Irgendwann um die ursprünglich geplante neue Abflugzeit herum bekommen die ersten Mitreisenden verwirrende Kurznachrichten, dass sie auf einen Flug morgen früh um 8 Uhr umgebucht seien. Ich bekomme nichts, denn die Netzversorgung am Flughafen ist unterirdisch. Gestrandet und ohne Netz. In Zeiten der modernen Telekommunikation fühlt sich das an wie kurz vor dem Fegefeuer.

Wieder etwas später dann eine offizielle Durchsage. Der Ersatzflieger schafft es nicht, rechtzeitig genug da zu sein, damit wir noch vor dem nächtlichen Flugverbot in Sydney ankommen werden. Deshalb wird er uns nach Melbourne bringen, wo wir übernachten und am nächsten Morgen mit einer Quantas Maschine nach Sydney weiterfliegen. Abflug nach Melbourne wird gegen 20.30 Uhr sein. Eine kurze Überschlagrechnung lässt Böses ahnen: Wenn alles gut läuft, landen wir gegen Mitternacht, bis wir im Hotel sind wird es ein Uhr werden und um acht startet der Flieger nach Sydney – das heißt Airport um sechs und Aufstehen um kurz nach fünf. Das gibt mir, nachdem mein Tag dann 20 Stunden lang gewesen sein wird, etwa vier Stunden Schlaf.

Der Ersatzflieger kommt und startet „pünktlich“. Im Endeffekt wird jedoch aus der vorhergesehenen späten Ankunft im Hotel eine noch spätere Ankunft. Erst um zwei Uhr nachts kann ich das Licht aus und die Augen zu machen. Zuvor musste ich mich noch mit diversen Angestellten diverser beteiligter Firmen rumschlagen, um eine verbindliche Abfahrtszeit für das Shuttle am nächsten Morgen zu bekommen. Um sechs geht es wieder los, also Schlafen bis 5:15 Uhr. Ist wohl irgendwie meine Uhrzeit hier in Australien.

Über die Konsequenzen meines Schlenkers nach Melbourne mag ich noch gar nicht so recht nachdenken. Ians Workshop startet um neun, um 11:15 Uhr geht es auf zum Bushwalk, einem der Hauptgründe für meine Reise nach Australien. Zuvor muss ich erstmal in Sydney ankommen (9:25 Uhr), meinen großen Koffer im ibis Hotel abholen, zum Bahnhof kommen und dann mit dem Bush nach Terrey Hills fahren. Objektiv nicht machbar. Mal sehen, wie ich das Beste draus machen kann.

Über das Thema Entschädigungen werde ich mich dann später noch mit Jetstar unterhalten müssen. Bisher hattee ich weder Zeit noch die Gelegenheit, denn die Mitarbeiter machen sich ziemlich rar.

Aktuell sitze ich gerade übermüdet im Quantas Flieger nach Sydney. Mein aktueller „Masterplan“ sieht vor, zum ibis zu laufen (ca. 10 Minuten), mir unterwegs die Uber App runterzuladen und zu hoffen, dass ich so kurzfristig eine Fahrgelegenheit nach Terrey Hills bekommen werde. Für Bus und Bahn habe ich gerade keinen Nerv. Mal schauen, was das Universum so davon hält …

Mala Walk um Uluru

Nachdem ich gestern Nachmittag und Abend einfach zu fertig war, um mir (nochmal) den Sonnenuntergang am Uluru anzusehen, habe ich mich lieber ausgeruht, damit ich heute nochmal „früher Vogel“ spielen kann. Meine letzten Stunden im roten Zentrum will ich für eine Wanderung rund um Uluru, den Mala Walk (https://parksaustralia.gov.au/uluru/do/walks/mala-walk/) nutzen. Laut Webseite dauert die etwa dreieinhalb Stunden (schaffe ich schneller!). Da mein Flieger erst um 14:15 Uhr Ortszeit startet, müsste das mit der Fahrt zum Flughafen und der Abgabe des Mietwagens hinhauen.

5:15 Uhr aufstehen, dann zusammenpacken. Ein Late Checkout war leider nicht möglich, weil das Hotel ausgebucht ist, deshalb muss ich gleich, wenn die Rezeption aufmacht um 6:00 Uhr auschecken. Meinen Koffer kann ich dort deponieren und eine Dusche für solche Fälle wie mich, gibt es auch. Dann kann ja nichts mehr schief gehen.

Diesmal ist es schon ein wenig hell, ans Linksfahren habe ich mich inzwischen etwas gewöhnt und den Weg kenne ich schon. Die Fahrt ist deshalb relativ stressfrei – zumindest, bis ich am Parkplatz für den Mala Walk ankomme. Menschen. VIELE MENSCHEN. Mit vielen Autos. Alles voll. Und eine riesig lange Schlange, die ansteht. Nach der Menschenleere gestern bin ich etwas konsterniert, beschließe aber, mich davon nicht unterkriegen zu lassen, weil es mir wichtig ist, mit Uluru auf „Tuchfühlung“ zu kommen. Ein wenig seltsam finde ich es aber schon, dass sie da, wie mir ein Mitwartender erzählt, erst um sieben aufmachen. Gestern konnte ich ja auch schon viel früher den Valley of the Winds Walk starten.

Um Punkt sieben tut sich etwas. Die Ranger öffnen ein Tor, in dem sich aber zuerst einmal ein Fernsehteam positioniert. Hä? Da ist doch was faul! Mein Gehirn scheint zu dieser frühen Stunde noch nicht so ganz zu funktionieren, deshalb brauche ich auch fast eine Minute, bevor ich kapiere, was hier los ist, nachdem die ersten Menschen losgegangen, um nicht zu sagen losgestürmt sind. Die rennen alle den Uluru hoch! Darauf haben sie gewartet.

Ameisenstraße auf dem Uluru – noch legal.

Dazu eine Hintergrundinformation: Wie viele wissen, ist Uluru eine heilige Stätte der Aborigines, die erst 1985, genauer gesagt am 26. Oktober dieses Jahres an die eigentlichen Besitzer, die australischen Ureinwohner zurückgegeben wurde. Menschenmassen und heilige Stätten sind nur bedingt kompatibel, weswegen es die Aborigines nicht besonders cool finden, wenn man auf ihrem heiligen Berg herumkraxelt. Kann man nachvollziehen. Die weißen Touristen tun es aber trotzdem. Noch! Denn am 26. Oktober 2019, also in 24 Tagen, tritt eine Regelung in Kraft, nach der es zukünftig verboten sein wird, Uluru zu besteigen. Damit erklärt sich dann, warum die Menschenmassen hier gewartet haben. Die wollten alle noch mal eben einen heiligen Berg mit ihren respektlosen Füßen treten. Muss ich glaube ich nichts weiter zu sagen …

Da es mir ohnehin nicht in den Sinn gekommen wäre, die Wünsche der Aborigines zu missachten, schüttele ich nur den Kopf, sowohl über die Besucher, die nun scharenweise den Berg hochrennen, als auch über mich und meine lange Leitung. Wenige Meter neben dem Tor befindet sich dann auch mein eigentliches Ziel: Der Anfang des Mala Walks.

Etwas mehr als 10 km ebene Schotterstrecke, das müsste ich in gut zwei Stunden machen können. Dann haut mit meinem Zeitplan alles super hin. Da ich mich, wie gesagt im roten Zentrum Australiens befinde, ist hier auch wirklich alles rot: Der Berg, der Sand, meine Schuhe und meine Hose von gestern …

Habe ich schon mein Fliegennetz erwähnt? Nach dem Desaster gestern habe ich mir natürlich stante pede eines gekauft … und es ist ein Traum. Ich kann die Enttäuschung in den Augen der vielen kleinen Fliegen sehen, die sich so gerne auf mein Gesicht setzen würden, aber vom Netz aufgehalten werden. Ätsch! Memo an mich selbst und alle die dies lesen: Niemals ohne Fliegennetz zu Uluru oder nach Kata Tjuta. NIEMALS!

Nach den Menschenmassen zu Beginn meiner Tour bin ich hier nun fast wieder alleine unterwegs. Immer mal wieder begegnet mir jemand, aber das stört mein Zwiegespräch mit Uluru nicht wirklich. Eine beeindruckende Existenz ist er, dieser Kerl. Uralt und mit Sicherheit dementsprechend weise. Zwischendurch kommen immer mal wieder Schilder, die die Besucher dazu auffordern, an bestimmten Stellen keine Bilder zu machen, da sie den Ureinwohnern als besonders heilig gelten. Eine schöne Art und Weise, respektvoll miteinander umzugehen.

In der Hitze und im Schatten umrunde ich Uluru in den angepeilten gut zwei Stunden. Reichlich Zeit, um zurück zum Hotel zu gelangen, zu duschen, meinen Kofferaufzusammeln und zum Flughafen zu fahren, was ich auch tue. Mehr als rechtzeitig bin ich dort, checke mein Gepäck ein und warte auf den Abflug. Aber ist noch eine ganz andere Geschichte …