Führerschein? Hab ich gar nicht …

… also das habe zumindest heute in der Führerscheinstelle erfahren. Der erst etwas abweisend wirkende aber dann doch sehr freundliche Mitarbeiter der Stadt Aschaffenburg hat mir erklärt, dass er meinen Führerschein im System nicht finden kann. Und das obwohl er noch nicht einmal gefälscht ist (ich schwör 😉 )!

Raus kam das Ganze, als ich meinen internationalen Führerschein für Australien machen lassen wollte. Hintergrund ist wohl, dass mir mein ursprünglicher Führerschein vor 17 Jahren mal geklaut wurde – wenn noch nicht geschehen, soll den Dieb auch heute noch der Blitz treffen. Grrr.

Zu der Zeit habe ich in Frankfurt gewohnt, weshalb auch die Stadt Frankfurt den neuen Führerschein ausgestellt hat. Die Daten haben sie sich brav aus Aschaffenburg geholt, jedoch fälschlicherweise eine neue Nummer vergeben. Dann haben sie es auch noch versäumt, den Führerschein in Flensburg anzumelden. Ergo: Meine aktuelle Fahrerlaubnis gibt es gar nicht.

Die mitfühlenden Worte des Aschaffenburger Beamten haben mir dann doch einen Kloß im Hals beschert: „Da haben Sie Glück gehabt, dass sie in keine Polizeikontrolle gekommen sind. Das hätte sonst Probleme gegeben.“

Siebzehn Jahre lang Glück gehabt zu haben, hat ja aber auch was Positives 🙂 Auf jeden Fall ist der neue Führerschein, diesmal mit der richtigen Nummer, nun per Express beantragt. Ob ich mich über die Kosten noch mit der Stadt Frankfurt streiten werde, überlege ich mir, wenn ich aus Australien zurück bin.

Und gleichzeitig hat das auch was von Aufräumen … mit dem in Frankfurt ausgestellten Führerschein ist ein weiteres Stück meiner Vergangenheit Geschichte und macht Platz für die Gegenwart.

Spaß mit der Lufthansa Hotline

Nachdem mir meine Reiseberaterin so kurzfristig leider kein interessantes Angebot für den Flug und Hotel machen konnte, muss ich selbst ran. Die Idee: Bei Lufthansa buchen und alles, was geht, mit Meilen auf Business upgraden.

Erster Anlauf: die Website. Leider nur eine von vier Strecken überhaupt upgradbar. Das muss doch besser gehen.

Zweiter Anlauf: die Hotline. Eine freundliche Beraterin nimmt alles auf – zwei geeignete Abschnitte zum Upgraden. Nur noch die Daten bestätigen und … tuut. Verbindung weg. Grmpf.

Dritter Anlauf: nochmal die Hotline. Eine andere, nicht minder freundliche Beraterin kann leider die Spuren ihrer Kollegin im System nicht finden, deshalb ein kompletter Neustart. Bei dem Punkt „Upgraden“ erklärt mir die Dame, für die Buchung von solchen Teilstrecken sei die Miles-and-More Hotline zuständig … und stellt mich mal eben durch: „Leider rufen Sie außerhalb unserer Geschäftszeiten an …“ Nochmal grmpf.

Vierter Anlauf: wieder die Hotline. Der wieder freundliche Kollege nimmt alles auf und reserviert mir passende Flüge für 48 Stunden. E-Mail kommt gleich.

Und ich warte …

Als Stunden später noch nichts passiert ist, entschließe ich mich, doch online zu buchen, da ich inzwischen gesehen habe, dass man eine höhere (upgradefähige) Klasse optional auswählen kann und dann der Preis in etwa dem von der Hotline entspricht. Gesagt – getan. Als ich alles unter Dach und Fach habe, kommt dann doch noch die E-Mail von der Hotline. Grmpf.

Und dann ab auf die Miles & More Seite, um die Upgrades zu buchen. Ernüchterung! Nur eine von zwei möglichen Strecken hat noch Plätze in der Businessclass frei. Aaargh! Hätte ich mir die ganze Litanei auch sparen können. Vielleicht wird ja wieder was frei. Aber ansonsten mindestens auf dem Hinflug Business … wenigstens etwas.

Reisevorbereitungen

Nachdem ich schon länger nichts mehr zur Blogosphäre beigetragen habe, gibt es jetzt wieder einen Grund, was zu schreiben. Die Wege des Universums sind wie immer lustig, und nachdem ich die eigentlich für dieses Jahr ins Auge gefasste Geschäftsreise nach Australien eigentlich schon abgeschrieben hatte, schiebt mich nun alles, es doch zu tun.

Wie immer, wenn etwas sein soll, flutscht dann auch alles wie von selbst. Die Brocken fallen wie von selbst an die dafür vorgesehenen Orte und mir wird fast schwindlig von dem Tempo, mit dem das Ganze Fahrt aufnimmt.

Erster Schritt: Gestern neuen Reisepass beantragt – geht inzwischen per Express und kostet „nur“ 30 EUR extra. Heute: Visum online beantragt und innerhalb von 10 Minuten bestätigt bekommen. Thank you, Australia. Weiterhin To-Do-Liste geschrieben, Termin mit der Führerscheinstelle für eine internationale Fahrerlaubnis gemacht und nach Flügen geschaut.

I will keep you posted …

(Image by Walkerssk from Pixabay)

Über die scheinbaren Vorteile der versankostenfreien Lieferung

Dieser Beitrag ist ebenfalls als „Zu guter Letzt“ im Essenzenladen-Blog erschienen.

Das Thema meiner Februar-Kolumne stimmt mich persönlich ambivalent, weil es mich gleich doppelt betrifft, einmal als Kunde und einmal als Händler. Gemeint sind die Versandkosten, mit denen wir in unserer Welt, in der immer mehr online bestellt wird, fast täglich konfrontiert sind. Die großen Versandhändler, allen voran Amazon, locken mit versandkostenfreier Lieferung, und auch mittlere und kleinere Händler sind aufgrund des Preisdrucks voll auf diesen Zug aufgesprungen.

Meine Position ist dabei, wie schon gesagt, sehr ambivalent. Natürlich fühlt es sich als Kunde gut an, wenn man für etwas, was einem an die Haustür geliefert wird, keine zusätzlichen Versandkosten zahlen muss. Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, dass sich nicht auch bei mir dabei ein Wohlgefühl einstellt. Jedoch hat die ganze Sache gleich mehrere Pferdefüße, und das nicht nur auf finanzieller Ebene.

Ich bekomme in meiner Rolle als Versandhändler immer wieder Anfragen, ab welchem Betrag wir denn versandkostenfrei liefern würden. Na klar, die Leute sind daran gewöhnt, dass das ab 20 EUR, aber mindestens ab 50 EUR der Fall ist. Wenn ich dann von unserer Grenze, die bei 500 EUR liegt, erzähle, dann schlucken die meisten. Wenn ich dann noch ergänze, dass unsere Versandkosten auf sehr niedrigem Niveau liegen, dafür aber halt von (fast) jedem bezahlt werden müssen, mindert das den Schock meistens etwas, es gibt jedoch Kunden, die davon überzeugt sind, dass sie das Recht auf versandkostenfreie Lieferung haben.

Das ist in meinen Augen jedoch Selbstbetrug. Ähnlich wie bei der Schnäppchenjagd im Geschäft, bei der die großen Rabatte hauptsächlich auf Produkte gegeben werden, die vorher entsprechend verteuert wurden (oder ohnehin schon überteuert waren), verlieren wir aus den Augen, dass Händler ja auch nicht von Luft und Liebe leben können. Die Versandkosten, die dem Kunden angeblich geschenkt werden, sind selbstverständlich im Preis der Ware von vornherein mit einkalkuliert. Wir zahlen also sehr wohl für die Lieferung, wir merken es nur nicht.

„Mundus vult decipi (ergo decipitur).“ – Die Welt will betrogen sein, also soll sie betrogen werden

aus „Das Narrenschiff“ von Sebastian Brant, 1457-1521

Meine persönliche Meinung dazu ist, dass eine faire Preisgestaltung besser in die neue Energie passt, als die alten Verschleierungsmanöver, die nur oberflächlich dafür sorgen, dass wir uns einen kurzen Moment gut fühlen. Deshalb kalkulieren wir im Essenzenladen unsere Preise so, wie es nach unserem Ermessen für alle fair ist, mit der Konsequenz, dass kein Raum für zusätzliche Rabatte oder geschenkte Versandkosten ist. Jeder soll transparent wissen, was wieviel kostet.

Ähnlich macht es auch die GLS Bank, bei der wir schon lange Kunde sind. Die hat vor einigen Jahren die Kosten auch transparent gemacht und Quersubventionierungen für die Bankdienstleistungen – die Regel bei den allermeisten „kostenlosen“ Banken – eingestellt. Auch hier musste ich ordentlich schlucken, als ich das erste mal die tatsächlich anfallenden Gebühren gezahlt habe. Jedoch ist das ein Preis, den ich für den ethischen Standard dieser Bank und die Transparenz gerne zahle – und ich fühle mich gut dabei, weil ich für eine ehrliche Dienstleistung einen ehrlichen Preis zahle.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum in der Vorweihnachtszeit Briefe und Pakete immer gefühlt doppelt so lange brauchen, bis sie beim Empfänger sind? Ja, natürlich steigt das Sendungsvolumen in dieser Zeit stark an, jedoch können die Transportunternehmen ihre Leistungsfähigkeit nicht beliebig hochskalieren, weil sie schlicht keine Menschen finden, die willig sind, für den geringen Lohn, den die Unternehmen zahlen, Pakete zu schleppen. Auch das ist eine Konsequenz des immensen Preisdrucks, der nicht zuletzt durch das Konzept der versandkostenfreien Lieferung entsteht.

Und haben sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, dass Ihr Zusteller den ganzen Tag schwere Pakete schleppt und dafür nur mager bezahlt wird? Natürlich ist es unwahrscheinlich, dass man als Paketfahrer reich wird, aber eine faire Bezahlung für die Arbeit würde wohl auch dafür sorgen, dass sich mehr Menschen finden würden, die diesen Job tun. Damit würde die Belastung für die einzelnen Fahrer sinken und letztlich auch die Qualität der Zustellung wieder steigen.

Auf einer ganz anderen Ebene ist die versandkostenfreie Lieferung ebenfalls problematisch. Je mehr es zum Usus wird, dass der Versand einer Bestellung nichts kostet, desto mehr sinkt der gefühlte Wert der Dienstleistung, die all die Menschen erbringen, wenn sie unsere Bestellungen vom Versender zu uns bringen. „Was nichts kostet, ist nichts wert“ sagt der Volksmund, und damit trifft er den Nagel auf den Kopf. Der Trend zur kostenlosen Lieferung sorgt auf energetischer Ebene dazu, dass ein gesamter Wirtschaftszweig weniger und weniger „gesehen“ wird. Und es ist keine unwichtige Branche, sondern eine, die für den Luxus und die Bequemlichkeit, in der wir das Glück haben zu leben, von wesentlicher Bedeutung ist.

Obwohl wir uns mit dem Essenzenladen in einer ziemlich kleinen Nische befinden und das Glück haben, mit tollen Kunden gesegnet zu sein, ist es auch für uns manchmal anstrengend dem Druck der „Geiz ist geil“ Mentalität standzuhalten. Wenn andere mit Rabatten werben bei denen ich mich fragen muss, wovon sie eigentlich leben, kostet es mich manchmal viel Kraft, weiterhin zu meiner Überzeugung zu stehen, dass gute Produkte einen fairen Preis verdienen. Und auch wenn der ein oder andere Kunde vielleicht woanders bestellt hat, weil er bei uns (aktuell) 3,50 EUR Versandkosten zahlen muss, bleibe ich bei meiner Überzeugung, dass es transparenter und angemessener ist, die Kosten dort auszuweisen, wo sie entstehen, anstatt sie zu verschleiern und mit scheinbaren Rabatten zu werben.

Warenpost Teil 2: Klagelied an die Deutsche Post AG

Liebe Deutsche Post AG, wie bereits ausführlich geschrieben, finde ich es toll, dass ihr mit der Zeit geht und ein modernes und sinnvolles Produkt wie die Warenpost eingeführt habt. Ebenfalls wie bereits geschrieben, hat das Produkt noch eine ganze Reihe von Unzulänglichkeiten, die vermieden hätten werden können, wenn diejenigen, die das alles geplant haben, mit der Zielgruppe im Auge zuende gedacht hätten.

Ich sehe auch ein, dass ein neues Produkt noch so seine Kinderkrankheiten hat. Aber wie kann es sein, dass annähernd die Hälfte aller Warenpost-Sendungen gar nicht gescannt wird? Nicht im Briefzentrum und nirgendwo sonst. Wenn man auf die Sendungsverfolgung geht, findet man nur gähnende Leere. Das widerspricht doch ein wenig dem Sinn des Ganzen, meint ihr nicht auch?

Ein wenig verwirrt war ich, als ich einmal unseren Postboten dabei erwischt habe, wie er eine Warenpost bei uns in den Briefkasten geworfen hat, ohne sie zu scannen. Von wegen „Zustellnachweis“ und so. Der tat erstmal so als ob er von nichts wüsste. Man hätte ihm gesagt, er muss die Sendungen nur scannen, wenn er sie nicht zustellen kann. „Das macht doch keinen Sinn“, sage ich zu ihm. „Wie funktioniert das denn dann mit dem Nachweis der Zustellung?“ Das wüsste er jetzt auch nicht so genau, sagte er. Meine Nachfrage bei unserem, im Gegensatz zu den Callcenter-Drohnen sehr erfahrenen, zuverlässigen und hilfsbereiten Geschäftskundenberater hat mich dann ein wenig desillusioniert. Tatsächlich sollen die Warenpost Sendungen nur vom Zusteller gescannt werden, wenn sie nicht zustellbar sind. Wenn das nicht passiert, dann gelten sie ab 18.00 Uhr automatisch als zugestellt.

Habt Ihr noch alle Latten am Zaun? Und was ist mit Sendungen die auf dem Weg vom Briefzentrum zum Zusteller oder unterwegs beim Ausliefern verloren gehen? Die sind dann automatisch „zugestellt“, obwohl sie es auch irgendwie nicht sind. Unter einem ZustellNACHWEIS stelle ich mir irgendwie etwas anderes vor. So ist es, nett formuliert, eine Mogelpackung. Auch die Worte „Lüge“ oder „Täuschung“ sind mir schon in den Sinn gekommen.

Natürlich verstehe ich, dass insbesondere in Zeiten zunehmenden Versandhandels der Zusteller aus Kostengründen für 2,60 EUR nicht jede kleine Warenpost scannen kann. Vermutlich würde er dann deutlich länger für seinen Job brauchen. Aber ganz ehrlich: Lieber würde ich ein wenig mehr für ein funktionierendes, stimmiges Produkt mit echtem Zusatznutzen zahlen, als denselben alten Preis für eine Augenwischerei. Hatte ich schon erwähnt, dass der Servicelevel mit der Warenpost um Vergleich zum guten alten Maxibrief auch noch gesunken ist? Wir haben heute deutlich mehr verlorene Warenpost Sendungen als letztes Jahr Maxibriefe.

Liebe Deutsche Post, Stand heute muss ich sagen, dass ihr mit dem gut gemeinten Produkt Warenpost nicht nur nicht zuende gedacht habt, ihr habt ein funktionierendes System sogar leider noch spürbar schlechter gemacht.

Wer sich mal mit dem Postkonzern (oder Konzernen im Allgemeinen) beschäftigt hat, weiß, dass so ein Unternehmen ungefähr so beweglich ist wie ein Mega-Containerschiff. Deshalb bleibt mir als kleiner Kunde mangels Alternativen momentan nichts anderes übrig, als immer wieder jede schief gelaufene Warenpost zu reklamieren. Mein Kundenberater freut sich sogar ehrlich darüber, denn der ist in der Tat näher am Kunden als die Produktarchitekten der Warenpost. Und die Hoffnung stirbt zuletzt.

Kurzsichtigkeit ist nicht nur eine Frage der Augen

Pacta sunt servanda (lat.; dt. Verträge sind einzuhalten) – keine Frage. Wo kämen wir denn auch hin, wenn keiner sich an Absprachen halten würde. Auf der anderen Seite steht jedoch der gesunde Menschenverstand und vielleicht sogar ein wenig guter Wille. Wenn man blind auf die Buchstaben der Verträge pocht, ist der Schaden oft größer, als wenn man gesundes Geben und Nehmen praktiziert. Die meiste Zeit funktioniert das mit den Partnern, mit denen ich zusammenarbeite sehr gut. Und dann gibt es trotzdem immer wieder Ausreißer.

So geschehen heute mit der Firma INTERSEROH Dienstleistungs GmbH, die unter der Domain lizenzero.de ein Portal betreiben, bei dem man Entsorgungsdienstleistungen im Rahmen des Dualen Systems buchen kann.

Zugegeben, der ursprüngliche Fehler liegt bei mir. Ich habe einen neuen Entsorgungsvertrag für den Essenzenladen geschlossen, ohne die Kündigungsbestätigung des alten Dienstleisters abzuwarten. Der hat mir dann prompt eine lange Nase gedreht und die Kündigung wegen einer nicht eingehaltenen Frist nicht akzeptiert. Dumm gelaufen, selbst dran schuld.

Was macht der Geschäftsmann? Er versucht mit dem neuen Dienstleister zu sprechen und entweder den Vertrag rückgängig zu machen oder auf das übernächste Jahr vorzutragen. Schließlich zahle ich ungern zweimal für dieselbe Dienstleistung. Klar geht das nur mit Goodwill, denn Verträge sind einzuhalten.

Viele versprochene, jedoch nie erfolgte Rückrufe später habe ich dann heute schließlich die Auskunft bekommen, dass die Firma auf den Vertrag besteht und nicht mit sich reden lässt. Das ist ihr Recht – denn Pacta sunt servanda.

Mein Recht ist jedoch, in den sauren Apfel zu beißen, das unnötig gezahlte Geld abzuschreiben und in Zukunft einen weiten Bogen um diese Firma zu machen. Und falls mich jemand fragt, welches Entsorgungsunternehmen ich empfehlen kann, werde ich ein anderes nennen.

Merke: Wer kurzfristig blindlings auf die Buchstaben des Vertrags besteht, wird langfristig mindestens einen Kunden verlieren. Schade.

Wir fahren jetzt japanisch

Bisher war es mein Ziel, im Sinne der Förderung der heimischen Wirtschaft, auch nur heimische Autos zu fahren. Bei unserem Fiat haben wir schon eine Ausnahme gemacht, aber immerhin kommt der noch aus der EU. Nachdem die Finanzierung unseres VW nun ausgelaufen ist, haben wir ernsthaft über einen Nachfolger nachgedacht, am liebsten wieder aus Deutschland.

Man sagt, dass Inspektion & Co. bei VW teurer sind als anderswo. Aus der Zeit, als ich noch BMW gefahren bin, weiß ich, dass das tatsächlich so ist – leider ohne nachvollziehbaren Grund, den Qualität und Service sind bei BMW noch eine Ecke besser als bei VW. Aber was nimmt man nicht alles in Kauf für ein Auto aus Deutschland. Dazu kommt, dass wir mit dem Service unseres VW Händlers auch nicht immer zu 100 Prozent zufrieden waren. Qualität ist gut, jedoch kommt man sich als Kunde gelegentlich wie ein Bittsteller vor. Für den Preis erwarte ich jedoch, besonders zuvorkommend behandelt zu werden.

Der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war dann die Episode, in der die Werkstatt auf die Frage nach Optionen bei einer in den Reifen gefahrenen Schraube hochnäsig antwortete: „Reifen flicken wir grundsätzlich nicht – ein neuer kostet 200 € und es sind zwei notwendig.“ Hmpf. Mag sein, dass es gute Gründe dafür gibt, aber die Art und Weise …

Ein kurzer Besuch bei einer bekannten Werkstattkette ergab dann, dass der Reifen tatsächlich nicht sinnvoll geflickt werden kann und dass aufgrund des Restprofils in der Tat auch zwei neue Reifen notwendig sind. Vernünftig erklärt ergibt das auch Sinn. Unnötig zu erwähnen, dass der Preis, der dort aufgerufen wurde, bei weniger als der Hälfte dessen war, was VW haben wollte.

Doch es kam anders.

Aufgrund eines Prospektes im lokalen Revolverblatt haben wir einen Mitsubishi Outlander probegefahren, vor allem weil er als Plug-in Hybrid Auto extrem charmant ist, gut aussieht und allen möglichen Schnickschnack hat, den man bei den dagegen altbacken wirkenden deutschen Modellen teuer dazukaufen muss. Zwar wollte ich nie im Leben eine Reisschüssel fahren, aufgrund meiner Affinität zu Japan, habe ich dem Outlander doch eine Chance gegeben.

Der Rest ging dann wie als Wink des Universums wie von selbst: Mittwoch Probefahrt mit dem alten Modell. Donnerstag kam das neue Modell beim Händler an, nach einer kurzen Begutachtung haben wir uns für dieses entschieden und direkt unterschrieben. Freitag wurde er zugelassen und am Nachmittag habe ich ihn abgeholt. Auf der Fahrt nach Hause ging mir dann der Gedanke durch den Kopf, dass ich am Montag noch nicht gewusst habe, dass ich am Freitag ein neues Auto fahren würde …

Den Reifen haben wir dann erst gar nicht mehr tauschen lassen, weil der Mitsubishi Händler den VW (Diesel!) für einen niedrigen aber noch akzeptablen Preis in Zahlung genommen hat.

Inzwischen haben wir unseren Japaner seit zwei Wochen und sind noch immer von seiner Eleganz und Bequemlichkeit. Wenn es etwas zu berichten gibt, werde ich es tun, aber bisher haben wir keinen Grund zur Klage, lediglich die versprochenen Verbrauchswerte hält er (erwartungsgemäß) nicht ein …

Panem et circenses im 21. Jahrhundert

Ich war letztens in Rom und konnte das Kolosseum bewundern, in dem die Mächtigen damals, dem Prinzip „Panem et circenses“ (Brot und Spiele) folgend, das Volk beschäftigten, um es vom Revoltieren abzuhalten.

Als ich heute den Post eines öffentlich-rechtlichen Senders auf Facebook gesehen habe, der, hart an der Grenze zum Boulevardjournalismus, auf einen Vollpfosten hinweist, der mit einem dummen Video einen Shitstorm ausgelöst hat, konnte ich nicht anders, als mich wieder an eben dieses Prinzip erinnert zu fühlen. Nachdem wir zumindest in der westlichen Welt inzwischen „Panem“ im Überfluss haben, ist es wohl wieder an der Zeit für „Circenses“, um die Emotionen des Volkes in eine für die Mächtigen ungefährliche Richtung abzuleiten.

Wenn Menschen ihre Energie immer wieder darauf verwenden, ihren Emotionen aufgrund von vollkommen irrelevanten Dingen in den sozialen Medien in Shitstorms freien Lauf zu lassen, dann sind sie den Rest der Zeit schön brav und regen sich nicht über die wirklich bösen Dinge auf, die ihnen von Seiten der Politik und der Wirtschaft angetan werden. Ziel erreicht.

Der Teil von mir, der sich vorstellen kann, dass an Verschwörungstheorien auch immer ein wahrer Kern ist, sieht dann vor seinem inneren Auge bezahlte Meinungsmacher und Brandbeschleuniger vor ihren Tastaturen sitzen, die mit gelangweiltem Blick Öl ins Feuer gießen – so wie man das in den schlechten Filmen früher immer bei den Damen von der Telefonsex-Hotline gesehen hat.

Warenpost ist ein tolles Produkt – aber leider nutzlos

Normalerweise werfe ich die Werbebriefe der Deutschen Post immer ungelesen weg. Ich will weder Adressen noch überteuertes Büromaterial kaufen, und meine Briefe kann ich immer noch selbst ausdrucken. Diesmal habe ich jedoch einen Blick riskiert und war positiv überrascht. Das angebotene Produkt „Warenpost“ ist genau das, was wir brauchen: Warenversand mit Sendungsverfolgung zum kleinen Preis. Super. So können wir endlich auch für kleinere Bestellungen ein Tracking für unsere Kunden anbieten.

Zur Vorbereitung waren die notwendigen Barcodes auf den Adressetiketten schnell erstellt – die Portomarke hat ja schon einen schicken 2D Datamatrix Code drauf. Bevor ich damit begonnen habe, unsere Software anzupassen, habe ich mich dann mal tiefer mit diesem beschäftigt. Also zuerst: Scanner aussuchen und kaufen, dann den 1D Barcode für die Rechnungsnummer testen – funktioniert. Der Datamatrix Code der Post bringt jedoch nur Müll. Mist! Hätte so leicht sein können.

Meine Recherche im Internet hat zuersteinmal im Wesentlichen gar nichts ergeben. Liest denn niemand sonst die 2D Codes der Deutschen Post aus? Nach einer mittleren Odyssee über diverse Hotlines lande ich schließlich bei jemanden, der sich mit dem Thema auskennt. Der erzählt mir was von USB-CDC, der Emulation einer seriellen Schnittstelle, und dass er keine Ahnung von macOS hat. „Kriege ich schon hin“, denke ich mir und forsche weiter. Tagelang. Ergebnislos. Nach weiteren Telefonaten mit dem Support des Scannerherstellers und dem Fachmann von der Deutschen Post, muss ich leider vorerst folgendes Resumée ziehen:

Warenpost ist eine tolle Produktidee – die Umsetzung macht sie jedoch für die Zielgruppe vollkommen nutzlos.

Die technischen Hintergründe für alle, die irgendwann einmal vor demselben Problem stehen:

  1. Der Datamatrix Code enthält keinen Klartext, sondern ein Feld aus hexadezimalen Werten, die alle Informationen zur Freimachung enthalten und von der Deutschen Post verwendet werden, um die Sendung zu bearbeiten.
  2. Wenn ich den Code mit einem als HID Gerät angeschlossenen Scanner lese, also einem Scanner, der eine Tastatur emuliert, werden alle Daten wie Tastendrücke interpretiert und es kommen auch nicht-druckbare Zeichen (ASCII Codes < 32) dabei heraus, die die Applikation und das OS tüchtig durcheinanderbringen können.
  3. Um die nicht-interpretierten Daten auslesen zu können, muss ich den Scanner so umkonfigurieren, dass er eine serielle Schnittstelle (COM Port) emuliert. Das kann mein Scanner zwar, jedoch gibt es für macOS keine geeigneten Treiber – weder vom Scannerhersteller, noch von irgendwem sonst. (Der von Apple mitgelieferte Treiber funktioniert offensichtlich nur mit Modems).
  4. Selbst wenn ich den virtuellen COM Port zum Laufen brächte, bräuchte ich immer noch eine Software/Terminalemulation, die mir die Daten entgegennimmt, interpretiert und weiterreicht. Diese gibt es zwar für Windows, jedoch nicht für macOS.
  5. Wäre ich so verzweifelt, mir einen Windows Rechner nur für das Einscannen der Warenpost Sendungen hinzustellen (würg), müsste ich, nachdem ich den USB-CDC Treiber (die COM Port Emulation) installiert habe, eine kleine Software der Deutschen Post nutzen, die sich „Matrixcode Checker“ nennt, um die Daten auslesen und interpretieren zu können.
  6. Der „Matrixcode Checker“ hat zwei die Möglichkeit, die gescannten Daten über die virtuelle serielle Schnittstelle entgegenzunehmen und die Sendungsnummer über den Tastaturpuffer weiterzureichen, jedoch muss dazu die empfangende Software den Fokus haben – nicht sehr elegant und sehr fehleranfällig.

Wenn ich meine Odyssee in einem Satz zusammenfassen müsste, würde ich sagen: Note 1 für die Idee, Note 6 für die Umsetzung. An diesem Beispiel kann man perfekt sehen, wie ein Projekt vollkommen an der Zielgruppe vorbeischießt.

Warenpost ist nichts, was Konzerne mit eigener IT und einer Herde Programmierer verwenden werden. Das Produkt ist prädestiniert für kleine Versandhändler, die für einen fairen Preis den Luxus einer Sendungsverfolgung haben wollen. Um jedoch per Barcode Scanner an die Daten zu kommen, muss man sich drei Beine brechen, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass man auf Windoof angewiesen ist.

Mein Traum von „mal eben zwei Barcodes einscannen“ und den Kunden eine Sendungsverfolgung anzubieten ist damit vorerst geplatzt. Jetzt bleibt mir nur noch, die Kundenbestellungen händisch (also per Kuli) den Sendungsnummern zuzuordnen, aber davon haben die Kunden nichts. Oder ich bastle irgendetwas drumrum, was aber immer die manuelle Erfassung der Sendungsnummer im Rechner beinhaltet, da ja der tolle 2D Datamatrix Code für mich vorerst nutzlos ist. Herzlich willkommen in der künstlich erzwungenen IT Steinzeit 🙁

Kleine Nachbemerkung: Deswegen liebe ich Apple so sehr. Die sind zwar auch Banditen und weit davon entfernt, perfekt zu sein. Aber wenn sie Produkte entwickeln, dann denken sie sie zumindest zu 99 % durch, so dass sie am Ende auch benutzbar sind. Beim Projekt „Warenpost“ haben die Verantwortlichen der Deutschen Post leider nur zu geschätzen 50 % zuende gedacht. Schade.

Erster Härtetest für N26: Italien

Nachdem das mit der Benutzung des N26 Kontos und der Mastercard in Deutschland ja bisher reibungslos funktioniert hat, muss sie gerade ihren ersten Härtetest im Ausland bestehen: wir sind in Italien.

Zuvor noch eine Rückblende nach Deutschland: Bei einem Einkauf mit der transparenten Mastercard in einem Onlineshop wurde ich statt der PIN, dem Sicherheitscode oder irgend einem anderen Feature gebeten, die Transaktion über die App freizugeben. Schicke Zwei-Faktor-Lösung und sie hat einwandfrei funktioniert.

Doch zurück nach Italien. Erste Herausforderung: Eintrittskarten für das Kolosseum kaufen. Die Transaktion am Terminal funktioniert mit der PIN einwandfrei – Check.

Zweite Herausforderung: Bargeld abheben. In Deutschland gilt eine Fair Use Policy – ich kann theoretisch fünfmal im Monat kostenlos Geld am Automaten abholen, danach wird eine Gebühr von aktuell 2,00 EUR pro Abhebung fällig. Da N26 keine eigene Infrastruktur betreibt, finde ich das schlüssig und fair. Im EU Ausland jedoch kann ich laut der App unbegrenzt Geld an Automaten abheben, und das komplett kostenfrei. Ganz nachvollziehen kann ich das Konzept zwar nicht, aber ich wehre mich natürlich auch nicht dagegen.

Die App zeigt mir vorbildich, wo in meiner Nähe Geldautomaten sind. Der erste, den ich aufsuche nimmt meine Karte auch willig entgegen, jedoch verweigert er, das Geld auszuspucken, nachdem ich meine PIN eingegeben habe. Hmpf, der erste Dämpfer. Wenige Augenblicke später fällt mir jedoch ein, dass ich die Bargeldabhebungen für das Ausland ja in der App gesperrt hatte – #facepalm. Also rein in die App, den Schalter umgelegt und (inzwischen bei einer anderen Bank in der Nähe) noch einmal probiert. Der Automat rückt diesmal willig die Kohle raus. Nettes Detail am Rande: In dem Moment, in dem mir der Bildschirm des Geldautomaten ankündigt, dass die Transaktion erfolgreich war, vibriert es auch in meiner Hosentasche und die App meldet mir das Gleiche. Es lebe das Internet!

Wir sind noch ein paar Tage in Rom, mal sehen, was ich mit dem N26 Konto noch so anstellen kann. Bis jetzt hat es auf jeden Fall seinen Härtetest mit Bravour bestanden und der einzige Fehler saß wieder einmal, wie so oft, vor der Tastatur.