Über den Umgang mit Rechtsradikalen auf Demonstrationen

Dass am 29. August bei der Großdemonstration gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung auch Menschen mit extremen Ansichten – rechts wie links – dabei waren steht außer Frage. Dass ich diese Ansichten nicht teile steht für mich ebenso außer Frage. Auch wenn es in den Medien oftmals anders dargestellt wird, zweifle ich auch nicht an, dass die Anwesenheit von extremen Randgruppen keinen Einfluss auf die Grundstimmung der Zehntausenden von Demokraten während der Demonstration gehabt hat.

Wie so oft, richtet sich der Fokus der Öffentlichkeit nach der Demonstration jedoch weg von der sehr großen Masse der friedlich Demonstrierenden und hin auf die viel spektakuläreren und medienwirksameren Randgruppe, siehe “Sturm” auf den Reichstag und schwarz-weiß-rote Reichsflaggen.

Der Tenor in den entrüsteten Medien lautet: Wer gemeinsam mit Nazis demonstriert macht sich selbst schuldig. Spiegel-Kolumnist Sascha Lobo sagt sogar in einem Video:

Wenn man beginnt, solche Leute in die Debatte zu holen, solche Leute als legitime Diskurspartner zu betrachten, dann hat man das Kunststück geschafft, zwar vielleicht nichts rechts zu sein, aber trotzdem zum Teil des Nazi-Problems in Deutschland zu werden.

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Abgesehen davon, dass ich keinerlei Lust habe, mich auf einen Diskurs mit Rechtextremen einzulassen und das, soweit ich mitbekommen habe, auch in Berlin niemand getan hat – was ist denn die politisch korrekte, möglichst konkrete Handlungsempfehlung hier?

Angenommen, Zehntausende Menschen ziehen friedlich demonstrierend durch die Straßen, und auf einmal gesellen sich ein paar Nazis mit Reichflaggen dazu, sollen dann alle pikiert aufschreien und sofort die Demonstration beenden, nur, um nicht “gemeinsame Sache” mit den Rechtsextremen zu machen? Oder sollen die Normalos die Nazis so lange in Diskussionen verwickeln, bis sie ihren Irrglauben erkennen und reumütig den rechten Rand verlassen? Bitte helft mir hier. Was sollen die Zehntausende tun? Außer dem natürlich, was sie ohnehin schon getan haben, nämlich die Spinner zu ignorieren.

Ich persönlich bin der Meinung, dass das Thema und das Statement einer Demonstration sich nicht deswegen ändert, weil ein paar Spinner sich anschließen und als Trittbrettfahrer versuchen, Aufmerksamkeit zu erheischen. Wäre ich in Berlin gewesen, hätte ich es als vollkommen ausreichend empfunden, mich von den Nazis fern zu halten und weiter mein Ding zu machen. Ich war zwar nicht dort, aber dennoch empfinde ich die demonstrativ vorgetragenen, kollektiven Kopfschmerzen der politisch ach so korrekten Medien und Politiker aufgrund der unzulässigen Pauschalisierung und fehlenden Alternativen als unerträglich.

Na klar ist es notwendig nicht mit Extremisten “gemeinsame Sache” zu machen. Aber nur, weil auf einer Großdemo mit 40.000 Menschen ein paar Hundert Nazis mit ein paar Flaggen auftauchen, diskreditiert das doch nicht all die, die ihr Grundrecht zu demonstieren friedlich genutzt haben. Eine Demokratie muss auch Spinner aushalten, und die beste Art und Weise das zu tun ist, ihnen keine Bühne zu bieten. Leider macht die Öffentlichkeit gerade das exakte Gegenteil. Aber vielleicht kommt es vielen auch einfach nur gelegen, dass ein paar Nazis mal wieder über die Stränge geschlagen haben. Ist ja so schön medienwirksam.

Jehova! Jehova! Jehova!

Auch wenn ich mir gut vorstellen kann, dass wir nicht alles, was geschieht, in den Medien erfahren und das, was wir in den Medien erfahren nicht immer der (vollen) Wahrheit entspricht, bin ich kein Anhänger von Verschwörungstheorien. Auch wenn ich mir erlaube, zu vielen Themen eine eigene Meinung zu haben, die nicht unbedingt dem Mainstream entspricht, habe ich nicht das Bedürfnis, diese an die große Glocke zu hängen oder gar andere zu missionieren – es möge jeder nach seiner Façon selig werden. Das ist eines der höchsten Güter, die wir uns im Verlauf vieler Revolutionen und Kriege erarbeitet haben.

Ich habe lange mit mir gerungen, ob und wie ich zu dem Themenkomplex Coronavirus Stellung beziehen soll. Bis vor wenigen Tagen hatte ich vor, einfach den Mund zu halten und das Ganze auszusitzen. Aber das kann ich nun nicht mehr, denn das, was da draußen geschieht, macht mir abwechselnd eine Gänsehaut, lässt mir sich die Nackenhaare aufstellen oder auch das Blut in den Adern gefrieren. Jeder, der noch einen Funken seines gesunden Menschenverstandes übrig hat, muss doch sehen, dass gerade unglaubliche und durch nichts gerechtfertigte Dinge geschehen.

Sie waren von Anfang an da, aber inzwischen mehren sich die Stimmen von Fachleuten, die nicht verstehen können, wie man auf ein Virus, das selbst nach offizieller Datenlage des Robert Koch Instituts eher noch etwas harmloser ist als die alljährliche Influenza, so überreagieren kann. Es werden die Standards des empirischen Arbeitens, die noch bis vor kurzem der heilige Gral der Wissenschaftsgemeinde waren und an denen alles andere – beispielsweise die Homöopathie – immer gemessen wurde, leichtfertig über Bord geworfen. Es werden fahrlässig (oder vorsätzlich) bombastische Statistiken mit großen Zahlen erzeugt und verbreitet, die die Massenhysterie nur noch weiter anfeuern.

Und die Masse lechzt geradezu danach, in Hysterie zu geraten. Fast hat man den Eindruck, dass die 75 Jahre Ruhe seit der letzten großen Katastrophe, dem 2. Weltkrieg, zu lange waren und den Menschen langweilig geworden ist. Und die Medien machen das, was sie immer machen: Sie berichten nicht unbedingt das, was ist, sondern das, was Quoten bringt oder auch das, was die Menschen hören sollen – beides ist gleichermaßen gruselig.

Dafür, dass sich Wohlstand und Frieden für die Menschen abgenutzt haben spricht schon alleine die Begierde, mit der sich die Masse auf das Drama stürzt und fast wollüstig darin suhlt. Was mir jedoch tatsächlich das Blut in den Adern gefrieren lässt, ist die Bereitwilligkeit, mit der zugelassen wird, dass die mühsam erkämpften demokratischen Freiheitsrechte wieder abgeschafft werden. Klar, erstmal nur auf Zeit bis die „Pandemie“ vorbei ist. Aber der Präzedenzfall ist geschaffen und eine Lehre, die ich aus der aktuellen Situation gezogen habe ist diese: Man braucht sich nur eine leidlich gute Geschichte einfallen zu lassen und sie mit viel Angst zu würzen, um die Menschen zu fast allem bringen zu können. Diesmal ist es „nur“ der Verzicht auf Freiheiten, ich hoffe, dass es beim nächsten Mal nicht wieder ein Feind ist, gegen den man unbedingt in den Krieg ziehen muss.

Denn auch dazu wären anscheinend viele Menschen bereit. Ich finde es erschreckend, wie sich die lange tot geglaubte Blockwartmentalität in der Frühlingssonne wärmt, während sie andere, die sich nicht penibel an die Ausgangsbeschränkungen halten, verpetzt. Andere gehen noch weiter. Gerade habe ich auf Facebook einen Post des Magazins „quer“ vom Bayerischen Rundfunk gesehen. Die Bürgermeister im Tegernseer Tal sind unzufrieden, zu viele Münchner kommen nach wie vor um dort am Wochenende spazieren zu gehen und die Berge zu genießen – und das in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen. In der Kommentarspalte ist man sich einig, dass das gar nicht geht und es werden sogleich Kontrollen an den Münchener Ausfallstraßen oder auch Fahrverbote über Landkreisgrenzen gefordert. Warum nicht gleich Zäune und Selbstschussanlagen?

Vor dem Virus habe ich keinerlei Angst, ebenso wie ich in den Jahren zuvor keine Angst vor der Influenza hatte. Das, was mir Gänsehaut macht, ist die Reaktion der Menschen auf die überzogenen Maßnahmen der Politik weltweit. Und die hat das eigentlich recht klug gemacht, denn hätten sie maßvoll gehandelt, was eigentlich ihre gottverdammte Aufgabe gewesen wäre, und es wäre etwas schief gegangen, hätte man die Verantwortlichen medial gelyncht und sie hätten ihren Hut nehmen müssen. Mit dem genialen Schachzug des Aktionismus und den sensationsgeilen Medien im Rücken, kann die Politik jedoch nur gewinnen. Wäre das Virus wirklich gefährlich, dann wären die Maßnahmen tatsächlich sinnvoll – geschenkt. Kommt es jedoch nicht befürchteten Katastrophe weil das Virus tatsächlich „nur“ wie eine Influenza ist, dann werden das Merkel, Söder & Co. natürlich nie öffentlich zugeben und sich stattdessen die „Rettung der Menschheit“ selbst ans Revers heften. Und gleichzeitig hat man mal ausgetestet, ob die alten Propagandamethoden noch ziehen. Genial.

Alles was bleibt ist, einen offenen Geist zu behalten. Wenn mir jemand wirklich glaubhaft macht, dass das Virus nicht nur ein Schreckgespenst ist, dann werde ich ohne zu zögern widerrufen und meinen Hut vor den Politikern ziehen. Bis dahin höre ich mir jedoch auch diejenigen Stimmen an, die eine abweichende Meinung verkünden und lege deren Aussagen genauso auf die Goldwaage, wie ich es mit dem mache, was in den Mainstream-Medien verkündet wird.

Schade nur, dass man mit den wenigsten Menschen offen darüber diskutieren kann. Sascha Lobo hat es in seiner Kolumne auf Spiegel Online „Vernunftpanik“ genannt. Ich würde es für mich so formulieren, dass die medial geschürte Angst dazu geführt hat, dass das Vernünftigsein sich zu einer neuen Religion entwickelt hat. Mit Fakten und gesundem Menschenverstand hat das schon lange nichts mehr zu tun und ebenso wie in der Vergangenheit um die anderen Religionen, wird auch hier in allen nur denkbaren Diskussionsforen Krieg geführt. Schlagt den Ketzer ans Kreuz und verbrennt die Hexe!

Ich habe für mich die Entscheidung getroffen, Stellung zu beziehen. Ich werde nicht schweigen. Stattdessen werde ich hier und auf Facebook interessante Artikel und Beiträge posten, die abweichende Meinungen vertreten. Es möge sich auf ihrer Basis bitte jeder seine eigene Meinung bilden. Und meine lasse ich mir nicht nehmen. Jehova!

Flexible Facebook Gemeinschaftsstandards

Ich bekomme seit einigen Monaten immer wieder Freundschaftsanfragen von leicht bekleideten, jungen Damen, die mich unbedingt in WhatsApp Gruppen einladen möchten, um sich mit mir auf ein Schäferstündchen zu verabreden. Meistens blockiere ich diese Nutzer einfach, in dieser Woche habe ich jedoch mal wieder den Versuch unternommen, das Fake-Profil zur Überprüfung zu melden. Nur einen Tag später teilt mir Facebook mit, dass das Benutzerkonto nicht zu beanstanden sei. Aha …Flexible Facebook GemeinschaftsstandardsIch bekomme seit einigen Monaten immer wieder Freundschaftsanfragen von leicht bekleideten, jungen Damen, die mich unbedingt in WhatsApp Gruppen einladen möchten, um sich mit mir auf ein Schäferstündchen zu verabreden. Meistens blockiere ich diese Nutzer einfach, in dieser Woche habe ich jedoch mal wieder den Versuch unternommen, das Fake-Profil zur Überprüfung zu melden. Nur einen Tag später teilt mir Facebook mit, dass das Benutzerkonto nicht zu beanstanden sei. Aha …

Nicht viel später habe ich dann einen interessanten Artikel auf Facebook verlinkt. Darin wird berichtet, dass kanadische Forscher nun endlich das böse Coronavirus isoliert haben und nun könne man damit beginnen, an Impfstoffen und validen Testmethoden zu arbeiten. Beim Lesen des Artikels bin ich stutzig geworden. Das Prinzip der gängingen PCR Tests für Viren ist, dass in den Proben Gensequenzen des Virus nachgewiesen werden. Ist das der Fall, ist die Probe positiv. Um den Test zu kalibrieren, braucht es zuerst den isolierten Erreger, damit man hinterher sicher sein kann, auch das Richtige zu testen.

Aber momentmal … wenn die Forscher erst jetzt den Virus isolieren konnten, mit was sind dann die Tests kalibriert, die aktuell millionenfach verwendet werden und wesentlich dazu beitragen, die Massenhysterie immer weiter zu befeuern.

Genau diese Frage habe ich auf Facebook gestellt. Natürlich habe ich direkt einige Flames bekommen, was mich aber nicht überrascht hat. Heute morgen habe ich dann festgestellt, dass dieselben Facebook Gemeinschaftsstandards, die offensichtlich Fake-Profile für Betrüger und Trolle erlauben, es nicht zulassen, kritische Fragen zu stellen – auch wenn sie vielleicht nicht dem politisch korrekten Mainstream entsprechen. Interessante Erkenntnis.

Warum empfinden wir so viel Lust am Drama?

Als ich heute morgen das erste Mal ins Internet geschaut habe, sah ich verwundert direkt den Facebook Post einer Bekannten aus Hanau, dass sie “in Sicherheit” sei. Kurz darauf habe ich dann gelesen, was gestern Abend in Hanau geschehen ist. Tragisch – keine Frage. Wenn der (mutmaßliche) Täter sich nicht schon selbst gerichtet hätte, müsste man ihn mit aller Härte des Gesetzes bestrafen.

Bereits heute morgen schwante mir auch, dass hier das nächste “große Ding” für die Medien und die Politik passiert ist. Und erwartungsgemäß ist die Welle der Verurteilungen, Beileidsbekundungen, Facebook Bildern mit schwarzem Hintergrund etc. direkt losgegangen. Gleichzeitig wurde jedoch selbst von Menschen aus dem Mitte-Links-Spektrum in den Kommentaren und Posts ein Ton angeschlagen, der an Intensität fast ebenso radikal ist, wie das mutmaßliche Gedankengut des mutmaßlichen Täters.

Lange bevor selbst die Ermittler Klarheit haben, was genau warum geschehen ist, fällt das Wort “rassistischer Hintergrund” woraufhin vehement die Einschränkung der Anonymität im Internet a.k.a. “Klarnamenpflicht” gefordert wird. Mein recht neutral formulierter Hinweis darauf, dass es vielleicht besser wäre, erstmal die Ermittlungen abzuwarten, bevor man an Grundrechten herumschraubt, wird entsprechend der etablierten Diskussionskultur im Internet vorwiegend mit persönlichen Anfeindungen quittiert. Ein bisschen fühlt sich das an wie ein Lynchmob, der auf Blut aus ist. Und das ist die linke Mitte? Das sind die Leute, die studiert haben und eigentlich zur intellektuellen Oberschicht zählen sollten? Mir wird Angst und Bange!

Gleichzeitig sind die (sozialen) Medien voll von ausführlich zelebrierter Lust am Drama. Jedes Detail wird mikroskopiert, jede Vermutung bis zur ihrer Widerlegung als Fakt dargestellt. Es hat fast den Anschein, als hätte die Meute der Medienmacher und ihrer Konsumenten nur darauf gewartet, endlich wieder ein Drama vor die Füße geworfen zu bekommen, an dem sie ihre Sensationslust befriedigen können. Es ekelt mich an.

Wenn am Ende herauskommt, dass der Täter tatsächlich ein Fremdenhasser war, dann muss man über das Thema reden. Wenn sich herausstellen sollte, dass er nicht alleine war, dann muss der Staat Maßnahmen ergreifen, um seine Komplizen dingfest zu machen. Bis dahin halte ich jedoch Mäßigung für angebracht.

Und nur so am Rande gesagt: Wer glaubt, dass man extreme Einstellungen mit diametral entgegengesetzten extremen Einstellungen bekämpfen kann, der hat nichts verstanden. Das entspricht genau der Einstellung, dass man in den Krieg ziehen muss, um den Frieden zu wahren. In der “Liste der psychischen und Verhaltensstörungen nach ICD-10” findet man das unter F20-F29: Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen.

Panem et circenses im 21. Jahrhundert

Ich war letztens in Rom und konnte das Kolosseum bewundern, in dem die Mächtigen damals, dem Prinzip “Panem et circenses” (Brot und Spiele) folgend, das Volk beschäftigten, um es vom Revoltieren abzuhalten.

Als ich heute den Post eines öffentlich-rechtlichen Senders auf Facebook gesehen habe, der, hart an der Grenze zum Boulevardjournalismus, auf einen Vollpfosten hinweist, der mit einem dummen Video einen Shitstorm ausgelöst hat, konnte ich nicht anders, als mich wieder an eben dieses Prinzip erinnert zu fühlen. Nachdem wir zumindest in der westlichen Welt inzwischen “Panem” im Überfluss haben, ist es wohl wieder an der Zeit für “Circenses”, um die Emotionen des Volkes in eine für die Mächtigen ungefährliche Richtung abzuleiten.

Wenn Menschen ihre Energie immer wieder darauf verwenden, ihren Emotionen aufgrund von vollkommen irrelevanten Dingen in den sozialen Medien in Shitstorms freien Lauf zu lassen, dann sind sie den Rest der Zeit schön brav und regen sich nicht über die wirklich bösen Dinge auf, die ihnen von Seiten der Politik und der Wirtschaft angetan werden. Ziel erreicht.

Der Teil von mir, der sich vorstellen kann, dass an Verschwörungstheorien auch immer ein wahrer Kern ist, sieht dann vor seinem inneren Auge bezahlte Meinungsmacher und Brandbeschleuniger vor ihren Tastaturen sitzen, die mit gelangweiltem Blick Öl ins Feuer gießen – so wie man das in den schlechten Filmen früher immer bei den Damen von der Telefonsex-Hotline gesehen hat.

Jetzt ist mal wieder richtig Sommer

Hier ein kleiner musikalischer Gruß von Rudi Carell an alle, die schon wieder in den Startlöchern stehen, um wegen des wunderbaren Sommers die Klimakatastrophen-Sau durch’s Dorf zu treiben:

Ja, das Klima verändert sich. Das hat es schon immer getan und wird es auch weiterhin tun, solange es die Erde gibt.

Nein, ich glaube nicht, dass wir aufgrund des Klimawandels morgen absaufen, gegrillt werden oder verdursten. Das lasse ich mir auch dann nicht einreden, wenn es von Menschen mit akademischen Titeln in den Medien rauf und runter gebetet wird.

Doch, wir müssen noch viel mehr tun, um vor allem die Verschmutzung der Atmosphäre durch Abgase und Gifte zu verringern. Jeder einzelne kann dazu beitragen, der Fokus muss jedoch auch auf die wirklich massiven Verschmutzer wie z.B. Schwerindustrie und Kreuzfahrtschiffe gelenkt werden.

Und wer jetzt das Bedürfnis hat, mich verbal zu  kreuzigen, dem schmettere ich noch trotzig entgegen: JEHOVA!

Zu offensichtlich

Ich schaue gerade die letzte Staffel von “House of Cards” auf Netflix. Eine herausragende Serie mit Kevin Spacey. Schade, dass die Serie aufgrund des Skandals um ihn wohl nicht weitergehen wird.

In der Serie wird in erstaunlicher Offenheit das politische System der USA mit seinen Lügen, Intrigen und Machtspielen dargestellt. Dem Zuschauer wird im Stakkatorhythmus vor Augen gehalten, dass es in der angeblich “ältesten” (noch existierenden) Demokratie um alles andere geht, als um die im Wortsinne postulierte “Herrschaft des Volkes”. Selbst innerhalb des legalen Rahmens wird dasselbe belogen, über den Tisch gezogen und ständig manipuliert, um den Interessen derjenigen, die an den Schalthebeln der Macht sitzen, zu dienen.

Die Handlung der Serie mag fiktiv sein, die Strukturen und Mechanik der Macht, die in ihr dargestellt werden, lassen sich innerhalb kürzester Zeit verifizieren.

Was mich dabei von Anfang an gewundert hat: Wenn den Menschen in den USA so klar vor Augen geführt wird, dass sie letztlich nichts zu sagen haben und mehr Untertanen als Souverän sind, warum gibt es dann keine Massenproteste, wütende Zeitungsartikel und einen politischen Prozess, um dem allem einen Riegel vorzuschieben? “Panem et circenses” funktioniert wohl immer noch zu gut.

Und nein: Ich bin nicht der Meinung, dass der Staat in Deutschland besser funktioniert oder dass wir als Bürger mehr Einfluss auf dessen Handeln haben.

Nicht zuende gedacht, liebe Stadt Aschaffenburg

Seit es das Bürgerservicebüro im Rathaus gibt, funktioniert der Behördengang in Aschaffenburg eigentlich recht gut, muss man sagen. Man kann inzwischen sogar online Termine machen, und auch das klappt wie am Schnürchen.

Heute musste ich mal wieder auf’s Rathaus, und weil ich gerade in der Nähe war, bin ich einfach hingegangen, ohne Termin. Es war recht voll, also habe ich mir eine Nummer gezogen und mal beobachtet, wie es vorangeht. Die Sachbearbeiter waren flott und die 46 Nummern, die vor mir dran waren, ratterten in sehenswertem Tempo durch, so dass ich beschloss zu warten. Nach meinem Erlebnis in der Post gestern, begann ich sogar darüber nachzusinnieren, ob die Behörden in Deutschland inzwischen tatsächlich nicht doch besser organisiert sind, als die privaten Unternehmen.

Doch dann schlug das Schicksal zu, und zwar in Gestalt des mittaglichen Glockengeläuts. Dieses nahm gut die Hälfte der Sachbearbeiter zum Anlass, den Stift fallen- und das Bürgerservicebüro zu verlassen. Inzwischen waren 40 Nummern vor mir durch, so dass es nur noch sechs verbleibende waren. Selbstverständlich wollte ich die bereits investierte Wartezeit nicht in den Wind schießen und hoffte, dass es dennoch halbwegs zügig weitergehen würde. Diese Hoffnung zerplatzte nach einigen Minuten jedoch wie eine Seifenblase. Die letzten lumpigen sechs Nummern haben mich, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, noch einmal genauso lange gekostet, wie die 40 davor!

Liebe Stadt Aschaffenburg, ich verstehe, dass Sachbearbeiter auch mal was Essen müssen und Anrecht auf eine Mittagspause haben. Aber müssen die das (fast) alle gleichzeitig tun? Und wenn, wäre es dann nicht konsequenter, das Servicebüro über Mittag zu schließen?

So, wie es momentan ist, ist es auf jeden Fall extrem frustrierend. Man nimmt Wartezeiten inkauf, es geht gut voran und dann auf einmal kommt alles zum Stillstand. Wenn es von Anfang an absehbar gewesen wäre, dass es so lange dauert, wäre ich nach Hause gegangen und hätte mir einen Termin für morgen gemacht. So musste ich wegen der letzten sechs Nummern eine weitere halbe Stunde warten.

Die Organisation des Bürgerservicebüros ist meiner Meinung nach vorbildlich – aber hier habt ihr nicht zuende gedacht. Und nicht nur ich war frustriert. Im Wartebereich kam es zu ziemlich genervten Gesprächen.

Mein Vorschlag: Entweder, ihr macht über Mittag zu, oder aber ihr sorgt dafür, dass die Sachbearbeiter nicht alle gleichzeitig in die Mittagspause gehen. Das würde den Bürgern auf jeden Fall den Frust, den ich heute erlebt habe, ersparen.

Wissenschaft beim Wort genommen

Gerade bin ich über einen Artikel aus dem August 2016 gestolpert. Er trägt den Titel “Vom aussichtslosen Kampf gegen die Alternativmedizin”, wobei die Überschrift eher irreführend ist. Tatsächlich ist der Text eine sehr scharfsinnige Zusammenfassung der aktuellen Kreuzzüge gegen alles, was den Pharmaunternehmen und der Medizinerlobby mit ihrer Gerätemedizin kein Geld in die Kassen spült, also alles, was man langläuftig dem Bereich Komplementärmedizin zuordnet.

Nebenbei: Die oft benutzte Bezeichnung “Alternativmedizin” ist eigentlich blanker Hohn, denn das entsprechende Wissen ist oft deutlich älter als die Schulmedizin.

Einige Zitate aus dem Artikel, beginnend mit der falschen Prämisse, dass man die Komplementärmedizin nach den selben Regeln beurteilen kann, wie die Schulmedizin:

Einer der Hauptvorwürfe, die Homöopathen wehrten sich gegen randomisierte Doppelblindstudien, geht genau genommen zielsicher am Punkt vorbei. Dieses Studiendesign gilt zurecht bei Medikamententests zur Wirkung chemischer Wirkstoffprofile als Goldstandard. Mit einer Verblindung des Therapeuten ergibt eine homöopathische Behandlung, bei der erst nach umfangreicher Anamnese das individuell richtige Mittel gefunden werden kann, jedoch keinen Sinn.

Der Eindruck, dass für die Hardliner der Schulmedizin nicht wahr sein kann, was nicht wahr sein darf festigt sich mit dem Zitat aus einem Artikel des Professor für Forschungsmethodik Harald Walach:

“Und daher, meine ich, haben wir ein klassisches, wissenschaftstheoretisches Anomalien-Problem: wir haben Befunde, die nicht mit konventionellen Modellen erklärbar sind. Die Befunde sind viel zu wenig robust, als dass sie von Kritikern als Belege akzeptierbar wären und vor allem kommen sie ohne eine brauchbare akzeptierte Theorie daher. Auf der anderen Seite sind die Befunde viel zu deutlich, als dass sie einfach mit einer simplen Schwankung wegerklärt werden können.” Wissenschaftlicher Fortschritt beginne aber eigentlich damit, solche Anomalien ernstzunehmen und weitere Forschungen dazu anzustellen.

In Hinblick auf den in den Medien großflächig gepflegten Hass gegen komplementäre Therapien, der sich nur zu oft den Schafspelz des “kritischen Denkens” überhängt, stellt der Autor fest:

Sicherlich gibt es keinen Lebensbereich, dem man sich nicht auch mit wissenschaftlicher Betrachtung nähern kann. Im Umkehrschluss jedoch etwas als nicht vorhanden zu erklären, über das es keine oder nicht ausreichende Studien gibt, erinnert unweigerlich an eine frühkindliche Betrachtungsweise von Dingen, die nicht erfasst werden können.

Die gezielte Hetze gegen natürliche Therapien hat für mich schon lange den Charakter einer Hexenjagd angenommen. Soll doch jeder, der die Schulmedizin als das einzig Wahre ansieht, dabei bleiben. Aber bitte lasst die anderen, die über den von den Lobbys verordneten Tellerrand hinausblicken, in Ruhe!

Die aktuell wieder angefeuerte Debatte, dass die Krankenkassen aus Kostengründen gefälligst keine homöopathischen Behandlungen bezahlen sollten, entlarvt dabei die Farce: Wenn man ernsthaft über Kosten reden würde, müssten zuerst bekanntermaßen überflüssige oder sogar wirkungslose schulmedizinische Behandlungen gestrichen werden, die allesamt Größenordnungen mehr kosten als die 0,06 % der Gesamtausgaben für Arzneimittel, die die Homöopathika laut Spiegel bei den Krankenkassen ausmachen.

Der Artikel ist in vollem Umfang lesenswert – insbesondere auch für diejenigen, die beim Kreuzzug gegen Homöopathie etc. meinen mitmachen zu müssen. Wer immer wieder wissenschaftliche Methoden als oberstes Dogma zitiert sollte sich auch daran halten, wenn ihm das, was er dabei findet, nicht passt. Dazu noch einmal der in diesem Kontext zentrale Satz aus dem Artikel:

Wissenschaftlicher Fortschritt beginne aber eigentlich damit, solche Anomalien ernstzunehmen und weitere Forschungen dazu anzustellen.

Ich habe fertig.

 

 

 

Bayerische Lernindustrie aka Schule

Gestern Abend meldet Spiegel Online, dass es in Bayern (endlich) wieder das G9 geben wird und das unsägliche Menschenexperiment G8 damit beendet ist. So weit, so gut.

In einem Facebook Kommentar schreibt eine stolze Sächsin darauf, dass sie bei ihr zuhause das “deutschlandweit schwerste Abi” haben und die Schüler es trotzdem auch nach 12 Jahren “packen”.

Kopfschüttelnd über so viel vorauseilenden Gehorsam und Leistungswillen kommentiere ich:

Nennt mich einen Träumer, aber ich bin der Meinung, dass die Qualität einer Ausbildung nicht primär daran gemessen werden sollte, wieviel Informationen man in möglichst kurzer Zeit in Kinderköpfe stopfen kann.

Innerhalb kürzester Zeit wird die Bemerkung über 200 mal mit einem Daumen nach oben versehen (geliked, geliket?) Scheint also so, als ob es selbst in Facebooks Kommentarschlachten, die üblicherweise sehr schnell unsachlich werden und unter die Gürtellinie gehen (so auch diese!) doch noch Leser mit gesundem Menschenverstand gibt 🙂

Bleibt nur zu hoffen, dass das Kultusministerium sich diesmal genügend Zeit nimmt, um ein wenigstens halbwegs sinnvolles Konzept zu erstellen. Also nicht so, wie bei der Einführung des G8.