Wissenschaft beim Wort genommen

Gerade bin ich über einen Artikel aus dem August 2016 gestolpert. Er trägt den Titel „Vom aussichtslosen Kampf gegen die Alternativmedizin“, wobei die Überschrift eher irreführend ist. Tatsächlich ist der Text eine sehr scharfsinnige Zusammenfassung der aktuellen Kreuzzüge gegen alles, was den Pharmaunternehmen und der Medizinerlobby mit ihrer Gerätemedizin kein Geld in die Kassen spült, also alles, was man langläuftig dem Bereich Komplementärmedizin zuordnet.

Nebenbei: Die oft benutzte Bezeichnung „Alternativmedizin“ ist eigentlich blanker Hohn, denn das entsprechende Wissen ist oft deutlich älter als die Schulmedizin.

Einige Zitate aus dem Artikel, beginnend mit der falschen Prämisse, dass man die Komplementärmedizin nach den selben Regeln beurteilen kann, wie die Schulmedizin:

Einer der Hauptvorwürfe, die Homöopathen wehrten sich gegen randomisierte Doppelblindstudien, geht genau genommen zielsicher am Punkt vorbei. Dieses Studiendesign gilt zurecht bei Medikamententests zur Wirkung chemischer Wirkstoffprofile als Goldstandard. Mit einer Verblindung des Therapeuten ergibt eine homöopathische Behandlung, bei der erst nach umfangreicher Anamnese das individuell richtige Mittel gefunden werden kann, jedoch keinen Sinn.

Der Eindruck, dass für die Hardliner der Schulmedizin nicht wahr sein kann, was nicht wahr sein darf festigt sich mit dem Zitat aus einem Artikel des Professor für Forschungsmethodik Harald Walach:

„Und daher, meine ich, haben wir ein klassisches, wissenschaftstheoretisches Anomalien-Problem: wir haben Befunde, die nicht mit konventionellen Modellen erklärbar sind. Die Befunde sind viel zu wenig robust, als dass sie von Kritikern als Belege akzeptierbar wären und vor allem kommen sie ohne eine brauchbare akzeptierte Theorie daher. Auf der anderen Seite sind die Befunde viel zu deutlich, als dass sie einfach mit einer simplen Schwankung wegerklärt werden können.“ Wissenschaftlicher Fortschritt beginne aber eigentlich damit, solche Anomalien ernstzunehmen und weitere Forschungen dazu anzustellen.

In Hinblick auf den in den Medien großflächig gepflegten Hass gegen komplementäre Therapien, der sich nur zu oft den Schafspelz des „kritischen Denkens“ überhängt, stellt der Autor fest:

Sicherlich gibt es keinen Lebensbereich, dem man sich nicht auch mit wissenschaftlicher Betrachtung nähern kann. Im Umkehrschluss jedoch etwas als nicht vorhanden zu erklären, über das es keine oder nicht ausreichende Studien gibt, erinnert unweigerlich an eine frühkindliche Betrachtungsweise von Dingen, die nicht erfasst werden können.

Die gezielte Hetze gegen natürliche Therapien hat für mich schon lange den Charakter einer Hexenjagd angenommen. Soll doch jeder, der die Schulmedizin als das einzig Wahre ansieht, dabei bleiben. Aber bitte lasst die anderen, die über den von den Lobbys verordneten Tellerrand hinausblicken, in Ruhe!

Die aktuell wieder angefeuerte Debatte, dass die Krankenkassen aus Kostengründen gefälligst keine homöopathischen Behandlungen bezahlen sollten, entlarvt dabei die Farce: Wenn man ernsthaft über Kosten reden würde, müssten zuerst bekanntermaßen überflüssige oder sogar wirkungslose schulmedizinische Behandlungen gestrichen werden, die allesamt Größenordnungen mehr kosten als die 0,06 % der Gesamtausgaben für Arzneimittel, die die Homöopathika laut Spiegel bei den Krankenkassen ausmachen.

Der Artikel ist in vollem Umfang lesenswert – insbesondere auch für diejenigen, die beim Kreuzzug gegen Homöopathie etc. meinen mitmachen zu müssen. Wer immer wieder wissenschaftliche Methoden als oberstes Dogma zitiert sollte sich auch daran halten, wenn ihm das, was er dabei findet, nicht passt. Dazu noch einmal der in diesem Kontext zentrale Satz aus dem Artikel:

Wissenschaftlicher Fortschritt beginne aber eigentlich damit, solche Anomalien ernstzunehmen und weitere Forschungen dazu anzustellen.

Ich habe fertig.

 

 

 

Bayerische Lernindustrie aka Schule

Gestern Abend meldet Spiegel Online, dass es in Bayern (endlich) wieder das G9 geben wird und das unsägliche Menschenexperiment G8 damit beendet ist. So weit, so gut.

In einem Facebook Kommentar schreibt eine stolze Sächsin darauf, dass sie bei ihr zuhause das „deutschlandweit schwerste Abi“ haben und die Schüler es trotzdem auch nach 12 Jahren „packen“.

Kopfschüttelnd über so viel vorauseilenden Gehorsam und Leistungswillen kommentiere ich:

Nennt mich einen Träumer, aber ich bin der Meinung, dass die Qualität einer Ausbildung nicht primär daran gemessen werden sollte, wieviel Informationen man in möglichst kurzer Zeit in Kinderköpfe stopfen kann.

Innerhalb kürzester Zeit wird die Bemerkung über 200 mal mit einem Daumen nach oben versehen (geliked, geliket?) Scheint also so, als ob es selbst in Facebooks Kommentarschlachten, die üblicherweise sehr schnell unsachlich werden und unter die Gürtellinie gehen (so auch diese!) doch noch Leser mit gesundem Menschenverstand gibt 🙂

Bleibt nur zu hoffen, dass das Kultusministerium sich diesmal genügend Zeit nimmt, um ein wenigstens halbwegs sinnvolles Konzept zu erstellen. Also nicht so, wie bei der Einführung des G8.

Die Amerikanische Thronfolge

Momentan findet man im Netz fast nichts anderes mehr als Trump-Bashing. Einige machen es auf witzige Art und Weise, andere denken nur, sie seien witzig und wieder andere müssten selbst mit einem IQ, der nur unwesentlich über dem eines Steines liegt, selbst merken, dass sie einfach nur dämlich sind.

Nein, ich bin immer noch kein Unterstützer oder Fan von Donald Trump und ja, ich finde es immer noch unerträglich, wie ein Mensch, der immerhin das gewählte Staatsoberhaupt einer Weltmacht ist, auf primitivste Art und Weise angepöbelt wird. Wenn er wirklich so dumm wäre, wie viele im Netz immer wieder meinen betonen zu müssen, dann wäre er wohl kaum in seinem Leben als Geschäftsmann so erfolgreich gewesen. Wenn ihr Trump kritisieren wollt, dann macht es doch einfach sachlich …

Aber darum geht es mir heute gar nicht. Vielmehr mache ich mir darüber Gedanken, ob ich der einzige bin, dem es komisch vorkommt und sauer aufstößt, dass die Weltmacht USA in den letzten knapp 30 Jahren von Vater und Sohn Bush und (fast) von Ehermann und Ehefrau Clinton regiert wurden. Wieso klingt das für mich eher nach Thronfolge als nach Demokratie? Wenn ich nun mitkriege, dass Menschen begeistert Michelle Obama auffordern bei der nächsten Wahl 2020 anzutreten, dann frage ich mich, nach welchen Maßstäben die Eignung für das angeblich so wichtige und machtvolle Amt festgelegt wird.

Leute, denkt doch mal nach! Findet ihr es wirklich toll, wenn die Macht in den USA innerhalb einer kleinen Clique im Kreis herumgereicht wird und lediglich alle vier Jahre proforma Wahlen abgehalten werden? Einem großen Teil der Amerikaner ist das im letzten Jahr so sehr auf den Senkel gegangen, dass sie selbst einen Typen, der alles dafür getan hat, sich als Unsympath darzustellen, zum Präsidenten gewählt haben.

Und kommt mir nicht mit dem Argument, dass er ja gar nicht von der Mehrheit der Amerikaner gewählt wurde. So ist das System in den USA nun einmal und wenn es andersherum gewesen wäre, wenn also Clinton mit der Mehrheit der Wahlleute aber nicht der Mehrheit der Stimmen gewonnen hätte, dann wären alle ach so erleichtert gewesen und niemand hätte gejammert. Fakt ist, dass Trump legitim gewählt wurde und wenn ihr das Wahlsystem schlecht findet, dann ändert es bis 2020.

Viele lassen sich momentan von der Welle der Hysterie in Bezug auf Trump forttragen. Endlich haben wieder alle ein gemeinsames Feindbild. Ich persönlich konzentriere mich jedoch lieber auf andere Aspekte:

  1. Trump ist der Präsident. Daran kann ich nichts ändern.
  2. Mein fast zwanghafter Optimismus lässt mich an der Überzeugung festhalten, dass ihm irgendjemand in den Arm fallen wird, sollte er mal aus Übermut mit den Codes für die Nuklearwaffen spielen.
  3. Mir ist es lieber, jemand sagt „America first“ und redet vernünftig mit Russland, anstatt nicht mit Putin zu reden und den Kalten Krieg 2.0 heraufzubeschwören, wie es die Obama-Regierung getan hat und wie es voraussichtlich mit Clinton weitergegangen wäre. Das ist nämlich die wirklich reale Gefahr.

Mehr als nur Meinungsbildung

Demokratie setzt die freie individuelle Meinungsbildung und politische Willensbildung aller Bürgerinnen und Bürger voraus. […] Für den Prozess der Meinungsbildung spielen medial vermittelte Informationen, insbesondere die massenmedial verbreiteten Angebote des Journalismus, eine entscheidende Rolle.

(aus einem Beitrag der Bundeszentrale für politische Bildung)

Wie bereits geschrieben, bin ich der Meinung, dass man man Donald Trump sicher nicht mögen oder mit seinen Zielen übereinstimmen muss. Dennoch bin ich immer wieder verblüfft, wie selbstverständlich ein gepflegtes Trump-Bashing auf allen Ebenen geworden ist. Letztes Beispiel hierfür ist der Hype um die Rede von Meryl Streep bei der Verleihung der Golden Globes 2017.

Heute lese ich dann einen Kommentar in der Welt, der das gut auf den Punkt bringt, was mir die ganze Zeit zu diesem speziellen Thema durch den Kopf geht. Er trägt den Titel: »Nein, Donald Trump zu diffamieren ist nicht mutig«.

Mutig? Erfordert es Mut, vor einigen Hundert Gleichgesinnten etwas zu sagen; wissend, dass praktisch die ganze aufgeklärte Welt applaudieren wird? Das ist so mutig wie Dirndl tragen in Bayern – wenn man eine Frau ist. […]

Wir reden hier nicht von Lord Voldemort, wir reden von einem Mann, dem offenbar sehr viele Amerikaner zutrauen, ihre Interessen zu vertreten. Sollte man diesen Wählern das Recht absprechen, ihr Kreuz dort zu machen, wo sie es für richtig halten? Wie undemokratisch ist das eigentlich?

Die Hysterie, der blanke, unreflektierte Hass gegen eine Figur, die sicher vieles dafür getan hat, nicht gemocht, nicht mal richtig ernst genommen zu werden – sagen sie nicht mehr über die Kritiker aus als über ihn?

Als Freund einer differenzierten Betrachtung mit Hang zum Optimismus kann ich dem Gesamttenor des Kommentars nur zustimmen.

Ich wundere mich im übrigen schon seit Wochen darüber, wie selbstverständlich in den Medien herablassend, offen abwertend und verunglimpfend über einen Mann berichtet wird, den man nicht mögen muss, aber der immerhin in wenigen Tagen ein legitim gewähltes Staatsoberhaupt sein wird. Man stelle sich vor, Medien würden in einer derartigen Frequenz und Hartnäckigkeit auf solche Weise über Angela Merkel, Christian Kern oder François Hollande berichten. Der Aufschrei wäre groß und insbesondere die Kritik an der Qualität der journalistischen Arbeit würde dabei im Vordergrund stehen.

Die Meinungsmache nutzt dabei auch subtile Mittel, die nicht so auffällig sind, wie das Bashing. Nur das in den Fokus zu rücken, was ins gewünschte Bild passt (also beispielsweise Trumps eher blöde Idee vom Grenzzaun zu Mexiko) und seine guten Ideen (Einschränkung des Lobbyings in Washington) gänzlich auszusparen, ist so etwas wie das kleine 1×1 der manipulativen Berichterstattung. Doch es geht noch subtiler: In Berichten in Print- und Onlinemedien werden beispielsweise auffallend häufig Bilder von Trump abgebildet, auf denen er gerade eine unvorteilhafte Grimasse schneidet, und am besten noch aussieht wie der Teufel persönlich (siehe dazu die Google Bildersuche). Man stelle sich auch hier diese Vorgehensweise bei einem anderen Staatsoberhaupt vor.

Die Bestimmer in den Medien, der Politik und der Wirtschaft sind sich offenbar einig, dass Trump das Böse an sich verkörpert. Und sie nutzen die zur Verfügung stehenden Mittel der großflächigen Manipulation Meinungsbildung, um auch das Volk weltweit davon zu überzeugen.

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Trump zwar der diametrale Gegenentwurf eines Diplomaten ist und einige seiner Ideen falsch und gefährlich sind. Jedoch ist die Tatsache, dass er eben nicht Teil der alten Machteliten der USA ist, höchst spannend und wenn er es schafft, auch nur einen Teil seiner Pläne in Bezug auf die Beschneidung des wild wuchernden Lobbyings in Washington durchzubringen, dann werden die USA am Ende seiner Amtszeit zumindest wieder ein Stückchen mehr vom Volk und weniger von den Eliten beherrscht.

Trump, die USA und der Weltuntergang … oder doch nicht?

Den nachfolgenden Beitrag habe ich ursprünglich für meine Kolumne „Zu guter Letzt …“ geschrieben. Ich halte das Thema jedoch für so wichtig, dass ich ihn auch in meinem privaten Blog poste.

Die Welt ist in Aufruhr. Das ist sie schon seit einiger Zeit, aber jetzt ist das eingetreten, was viele für unmöglich gehalten haben: Ein Mann, der in den Medien aussieht, wie ein chauvinistischer, aggressiver Neandertaler, wurde zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt, ein Amt, dem nachgesagt wird, dass es das mächtigste auf der ganzen Welt sei. Die Medien sind voll von schockierten Kommentaren, Häme und Hassbotschaften gegen Donald Trump – erstaunlicherweise auch von Seiten der „seriösen“ Politik.

Was das Thema des Fortbestandes der Welt angeht, bin ich ein unverbesserlicher Optimist. Es ist meine unerschütterliche Überzeugung, dass der Weltuntergang frühestens in fünf Milliarden Jahren ansteht, wenn unsere Sonne einmal zu einem weißen Zwerg wird. Deshalb habe ich keine Angst und sehe auch die Wahl Trumps mehr als Zeichen der Transformation als den Anfang des Endes.

Allen, die immer noch kurz vor dem Hyperventilieren sind, möchte ich zurufen: „Beruhigt Euch!“ Selbst wenn Trump der böseste Mensch auf der Welt ist – objektiv betrachtet ist bis jetzt noch nichts passiert, außer dass er gewählt wurde. Was die Zukunft bringt, weiß niemand. Vielleicht stirbt er morgen an einem Herzinfarkt, vielleicht wird er auch auf wundersame Weise vom Saulus zum Paulus und der Präsident, der das Ruder in eine positive Richtung herumreißt. Wir wissen es nicht!

Nachdem ich selbst den kleinen Schock überwunden hatte, den ich am Morgen nach der US Wahl hatte, habe ich angefangen nachzudenken und zu recherchieren. Und je mehr ich für mich herausgefunden habe, desto ruhiger bin ich geworden. Nein, Donald Trump ist kein Kandidat, den ich jemals gewählt hätte. Er steht für viele Dinge, die ich immer ablehnen werde. Da gibt es jedoch noch andere Aspekte, die mir verständlich gemacht haben, warum die Amerikaner ihn zum Präsidenten gemacht haben. Dinge, die er gesagt hat, die aber in den Medien so konsequent ignoriert wurden, dass er tatsächlich in den Augen der meisten wie ein Neandertaler aussehen muss.

Gestern habe ich mir bewusst eine seiner Wahlkampfreden („Gettysburg Address“ vom 22. Oktober 2016) angesehen. Neben den abstrusen Vorstellungen in Bezug auf Umwelt und Einwanderung stand überraschenderweise ein Thema im Vordergrund, dem ich uneingeschränkt zustimmen kann: Das Aufbrechen der starren Machtstrukturen des Establishments und des kaputten Systems in Washington und den USA insgesamt. Genau das ist es, was die Menschen in Amerika gewählt haben. Abgesehen von denjenigen, die tatsächlich die kruderen seiner Ideen unterstützen, haben ihn offensichtlich auch viele gemäßigt denkende Menschen (Männer und Frauen) gewählt. Die Quintessenz ist: Lieber einen Berserker wie Trump als weiter wie bisher.

Wie groß der Leidensdruck in den USA diesbezüglich ist, zeigt folgender flapsiger Spruch, der momentan auf Facebook die Runde macht: „Wenn Du die Medien, Stars, den amtierenden US Präsidenten und die Regierung auf deiner Seite hast und trotzdem gegen Trump verlierst, dann bist du vielleicht wirklich totale Kacke.“

Trump wird zweifellos dafür sorgen, dass Dinge in Bewegung kommen, wenn auch vielleicht (noch) nicht in eine gesunde Richtung. Michael Roads, Autor des bekannten Buchs „Mit der Natur reden“, schreibt einen Tag nach der Wahl auf Facebook:

„Okay, das unglaubliche ist geschehen, Trump wird der neue US Präsident. Bitte versteht diesen Kommentar auf Facebook nicht als politische Äußerung, aber es ist offensichtlich, dass dies nicht wirklich eine Wahl für Trump ist, sondern vielmehr eine gigantische und dröhnende Abwahl des Establishments. Sobald ein Establishment einmal festzementiert ist, ist es sehr schwer, es wieder aufzubrechen. Hillary IST das Establishment. Im Verlauf der nächsten 20 Jahre werden wir erleben, wie „starre und festgefahrene“ Gleichförmigkeit aufgebrochen werden und „offene und flexible“ Frische Einzug hält. Trump muss noch zeigen, ob er offen oder flexibel ist. Aber er ist auf jeden Fall der Hammer, der das Establishment zertrümmert hat. Er kann uns positiv überraschen oder sich als Katastrophe herausstellen – die nächsten vier Jahre werden es zeigen. Bereitet Euch aber auf jeden Fall darauf vor, dass auf der Welt Flexibilität entstehen und das Festgefahrene zerfallen wird. Seid bereit für VERÄNDERUNG. Und damit meine ich, dass wir alle in der Lage sein müssen, uns auch selbst zu verändern. Jeder, den ich lese oder höre, jammert immer nur darüber, was für eine Katastrophe dieser Wahlausgang ist. Woher wollt Ihr das WISSEN? Für mich redet da der festgefahrene Verstand und blökt seine festgefahrenen Werturteile in die Welt! Je starrer und festgefahrener wir, die Öffentlichkeit, sind, desto länger wird das starre und festgefahrene Establishment weiter existieren. Wir müssen der Welt offen und flexibel begegnen und nicht immer weiter daran festhalten, dass WIR Recht haben – dabei spricht doch ausschließlich die linke Gehirnhälfte. Je mehr wir den ECHTEN Veränderungen Widerstand leisten, desto härter wird uns der Hammer treffen. Veränderung geht nur leicht vonstatten, wenn wir offen und flexibel sind. Es ist nicht Trump den ich begrüße, sondern die VERÄNDERUNG. Ich hoffe nur, dass er diesen Prozess am Laufen halten kann. Und es ist die perfekte Gelegenheit für alle unter Euch, die Trump und das, wofür er steht, hassen, herauszufinden, ob ihr wirklich und bewusst in der Lage seid … die Liebe zu wählen!“

Dieser Aussage möchte ich mich anschließen. Jeder, der mit offenen Augen durch die Welt geht, wird früher oder später erkennen, dass wir nicht auf ewig so weitermachen können wir bisher. Es braucht massive Veränderungen. Und um festgefahrene Strukturen zu verändern, deren Fundament über die Jahrhunderte immer nur noch stärker gemacht wurden, braucht es eine ziemlich große Abrissbirne. Momentan fühlt es sich so an, als ob Donald Trump diese Abrissbirne wäre. Sicher, er ist laut, manchmal vulgär und destruktiv. Aber stellen Sie sich einmal die Frage, ob die alten, dysfunktionalen Strukturen sich freiwillig oder durch nettes „bitte, bitte“ Sagen ändern würden …

Mein persönliches Fazit aus der US Wahl lautet: Ich habe keine Angst. Ich bin davon überzeugt, dass die Welt weiterbestehen wird, und dass die Atombomben in den Arsenalen bleiben werden, auch wenn Trump gerne mit dem Säbel rasselt. Und ich begrüße die massiven Veränderungen, die der neue US Präsident hoffentlich in Gang bringen wird, auch wenn sie für mich bedeuten, dass ich an der einen oder anderen Stelle meine eigenen eingetretenen Pfade verlassen muss. Manchmal muss man, wenn man sich festgefahren hat, alles einmal ordentlich durchschütteln, damit die Einzelteile letztlich an ihren bestmöglichen Platz fallen.

Brexit: Der große Katalysator

Als ich heute morgen im Radio die Nachricht gehört habe, dass die Mehrheit der Briten tatsächlich dafür gestimmt hat, die EU zu verlassen, war ich erstmal wie betäubt. Ich hatte bis zuletzt gehofft, dass die Vernunft siegen würde. Manchmal ist es jedoch so, dass es einschneidende Ereignisse braucht, um eine Kettenreaktion in Gang zu bringen, die letztlich zum Positiven führt.

Über die EU kann man viel schimpfen. Sie besteht aus einem Haufen Bürokraten, die nichts Besseres zu tun haben, als Glühbirnen zu verbieten und zweimal im Jahr mit Sack und Pack von der einen Stadt in die andere Stadt umzuziehen und damit Millionen an Steuergeldern zu verprassen. Das ist zweifellos wahr – wer jedoch die Europäische Union auf ihre negativen Seiten reduziert, schießt am Thema vorbei. Für mich ist die EU vor allem eines: der Garant, dass es auf europäischem Boden nie wieder Krieg geben wird. Neben den völkerrechtlichen Auswirkungen der EU Verträge ist es vor allem die immense wirtschaftliche Verflechtung und die einheitliche Währung, die dafür sorgt, dass es undenkbar ist, dass die europäischen Staaten untereinander Krieg führen. Die EU ist eine direkte Konsequenz der Erfahrungen aus dem 2. Weltkrieg. Unsere Eltern und Großeltern haben ein europäisches Haus gebaut und es ist unsere Aufgabe, es stabil und in Schuss zu halten. Dafür bin ich gerne bereit, die Schattenseiten inkauf zu nehmen.

Der bevorstehende Austritt der Briten aus der EU stimmt mich einerseits sehr traurig, denn er ist ein Sieg der ewig Gestrigen, die mit Parolen wie „Ausländer raus“ den Prototypen der alten Energie repräsentieren. Andererseits fühlt sich der Brexit jedoch auch wie ein Katalysator an, der Beginn einer beschleunigten Entwicklung, die nur in eine Richtung führen kann: Den Zusammenbruch alter, verkrusteter politischer, gesellschaftlicher und finanzieller Systeme. Daraus erwachsen können neue Strukturen, die mehr dem entsprechen, wonach sich die Menschen sehnen – Transparenz, Ehrlichkeit, Integrität.

Eigentlich hatte ich darauf gehofft, dass die Veränderung ohne den großen Paukenschlag vonstatten gehen wird, doch wie es aussieht, haben wir diesen heute vernommen. Die nächsten Tage, Wochen und Monate werden sehr spannend. Es ist unsere Aufgabe, dabei stabil zu bleiben und mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln dafür zu sorgen, dass die Strukturen, die in Bewegung geraten werden, sich zum Besseren verändern. Dabei hat jeder Mensch einen unterschiedlich großen Einflussbereich. Bei dem einen ist es „nur“ die eigene Familie, andere können als Berater, Therapeuten oder Geschäftsleute wie Multiplikatoren wirken und ein paar von uns sitzen recht nah an den Schalthebeln der Macht in Wirtschaft und Politik. Doch egal wie groß unsere Einflusssphäre ist – wichtig sind wir dabei alle. Es geht darum, jetzt in die richtige Richtung zu steuern anstatt in Panik und Weltuntergangsstimmung zu verfallen.

Normalerweise betätige ich mich nicht als Orakel, heute scheinen mir einige potenzielle Auswirkungen des Brexit jedoch so unvermeidlich, dass ich das Bedürfnis habe, sie niederzuschreiben. Die „Allwissende Müllhalde“ (wer kennt sie noch? 😉 ) spricht also:

Nordirland und Schottland haben klar pro EU abgestimmt und wollen ohnehin schon lange von Großbritannien unabhängig sein. Schon bevor der Brexit politisch vollzogen ist, wird das Vereinigte Königreich auf eine extreme Zerreißprobe gestellt, die damit enden wird, dass sich Schottland abspaltet und EU Mitglied wird, Nordirland könnte entweder dasselbe tun oder sich der Republik Irland anschließen.

Der Finanzplatz London wird in seinen Grundfesten erschüttert werden, was auch massive Auswirkungen auf die anderen Bankenzentren der Welt haben wird, vor allem Frankfurt, aber auch New York. Wir werden massive Veränderungen im Bereich der Großbanken und Investmentfirmen erleben. Die gesamte Branche, die ohnehin auf tönernen Füßen steht, wird so durchgeschüttelt, dass (bildlich gesprochen) aus den Ritzen des bis dato undurchdringlichen Asphalts, neue kleine Pflänzchen wachsen – alternative Optionen für den Umgang mit Geld, Immobilien und Werten.

Ich bin davon überzeugt, dass die Geschichtsschreibung den 23. Juni 2016 irgendwann als den Tag ansehen wird, an dem eine große Veränderung ihren Anfang genommen hat. Ich selbst bin einerseits ein bisschen nervös, andererseits bin ich aber auch auf tiefster Ebene davon überzeugt, dass wir sicher sind und dass die Veränderung notwendig ist und in die richtige Richtung führen wird. Wenn wir alle Verantwortung für unser eigenes Leben, unser Wohlergehen und unser Glück übernehmen, dann kann die Welt nur besser werden.

Katastrophenvoyeurismus

Wieder ist etwas Schreckliches passiert und wieder überschlägt sich das Netz. Schon wenige Minuten nach den Explosionen sind die ersten Bilder und Videos in den Social Networks zu finden. Trümmer, Qualm, verstörte Menschen.

Die Journalisten sind nur allzu begierig, die angeborene Sensationslust der Menschen im Stakkato mit Livestreams und Tweets aus Brüssel zu befriedigen. Da werden Bilder von Menschen gepostet, die entgegen jeder Vernunft zu Fuß auf der Autobahn vom Anschlagsort fliehen, nur um zu belegen, dass sich Belgiens Hauptstadt im Ausnahmezustand befindet. Als ob wir das nicht auch so gewusst hätten. Spiegel Online postet auf seiner Facebook Seite ein direkt nach der Explosion aufgenommenes Amateurvideo, das vorab eine Warnung enthält: „Warnung: Das folgende Bild- und Tonmaterial kann auf manche Zuschauer verstörend wirken“. Fast hat man den Eindruck, das sowohl die Berichtenden als auch die Konsumierenden nur darauf gewartet haben, endlich wieder den Nervenkitzel einer Katastrophe zu spüren. Wahrscheinlich ist auch deshalb kaum etwas von sachlicher, unaufgeregter Berichterstattung zu spüren. Alle sind im Katastrophenfieber.

Im Verlauf des Tages kommen dann im TV die „Experten“ zu Wort, die uns erklären, warum wir alle jederzeit und überall potenzielle Anschlagsopfer sind, während sich in Facebook, Twitter & Co. die in solchen Fällen immer zu findenden Hauptströmungen austoben: Plakativ demonstrierte Betroffenheit à la „Je suis …“ und rechthaberische Hetze im Stil von „Ich hab’s ja gesagt: Der Islam ist gefährlich“ – und alle dunkelhäutigen Menschen mit Bart sollte man am besten gleich wegschließen, ausweisen oder noch Drastischeres.

Reflexartig geschieht nach Anschlägen, Naturkatastrophen oder anderen Ereignissen mit großem „medialen Potenzial“ immer das Gleiche: Wir werden überflutet mit Bildern und Tönen vom Ort des geschehens – in Farbe und wahrscheinlich demnächst auch 3D – und viel zu viele sitzen vor ihren Geräten, lassen sich berieseln und genießen den Nervenkitzel mit dem wohligen Gefühl im Bauch, dass es sie ja (wieder) nicht erwischt hat.

Auf meinen Kommentar zu einem Bild, das ein zum Tatort eilender Reporter getwittert hatte und das mich zu der Aussage „Katastrophenvoyeurismus“ verleitete, erhielt ich die Antwort, dass es dokumentiert werden müsse, wenn die Situation eine solche Dimension erreicht habe, dass es offensichtlich keine funktionierenden Verkehrsverbindungen mehr gibt. „Muss“ das wirklich von Journalisten in den sozialen Netzwerken dokumentiert werden? Nutzt das den Menschen? Oder würde es nicht ausreichen, wenn man, nachdem sich die ersten Wogen geglättet haben, im Nachhinein reflektiert und sachlich darüber berichtet. Auf jeden Fall zeigt es, dass die Berufsjournalisten die Lust an der Katastrophe leider bereits genauso verinnerlicht haben, wie ihr sensationsgieriges Publikum.

Ich selbst bin ein großer Fan von Internet und sozialen Netzwerken. Ich denke, dass die heute nahezu unbegrenzten Möglichkeiten der Kommunikation das Potenzial haben, die Welt zum Besseren zu verändern. Wie bei jeder neuen Technologie braucht es jedoch Zeit, bis sich die Gesellschaft mit ihren Wertvorstellungen daran angepasst hat, bis etabliert ist, was akzeptabel und was nicht mehr akzeptabel ist. Momentan sind die meisten im Rausch der sekundenaktuellen Bilder und Töne, einfach nur, weil es jetzt möglich ist. Es gibt jedoch Situationen in denen es besser wäre, das multimediale Ventil ein wenig zu drosseln, bis sich die Lage beruhigt hat. Brüssel wäre ein solcher Fall gewesen.

Meine eigene Konsequenz gestern war es, darauf zu verzichten, die mediale Flut zu konsumieren. Wenn sich die große Aufregung gelegt hat, werde ich mir eine Quelle suchen, in der ich die Fakten nachlesen kann. Und in der Zwischenzeit werde ich mein Leben leben, ohne meine Betroffenheit (die ich durchaus spüre) in die Welt zu schreien oder rechte Parolen (die ohnehin nicht meinem Weltbild entsprechen) zu verbreiten. Ich habe schon vor langer Zeit für mich entschieden, dass es oft gesünder ist, Medien dosiert zu konsumieren – vor allem hilft es mir aber dabei, mein Leben mit viel weniger Angst zu leben, denn (wie ein schöner Spruch auf Facebook letztens proklamiert hat): 99% der Dinge, um die wir uns Sorgen machen, werden niemals geschehen.

P.S.: Da ich persönlich nichts tun kann, um den betroffenen Menschen in Brüssel direkt zu helfen, leiste ich meinen Beitrag, indem ich dafür sorge, dass ich keine Angst habe, denn das ist eines der Hauptziele solcher Attentäter.

Die Schattenseiten der Plutokratie

Spiegel Online berichtet gerade darüber, dass Ex-Porsche-Boss Wiedeking und sein damaliger Komplize Finanzvorstand Härter vom Vorwurf der Marktmanipulation im Zuge der versemmelten VW-Übernahme freigesprochen wurden. Mal abgesehen davon, dass ich als Porsche Aktionär den Typ für den entstandenen Schaden in Regress nehmen würde, gibt es eine Formulierungsänderung, die den Artikel deutlich ehrlicher machen würde, und die ich hiermit offiziell vorschlage. Der Satz

Daraufhin stieg der Wert einer VW-Aktie binnen zwei Tagen etwa um das Fünffache. Investoren, die auf fallende Kurse gesetzt hatten, verloren riesige Summen.

sollte ehrlicherweise wie folgt geändert werden:

Daraufhin stieg der Wert einer VW-Aktie binnen zwei Tagen etwa um das Fünffache. Investoren Zocker, die auf fallende Kurse gesetzt hatten, verloren riesige Summen.

Wenn diejenigen, die damals riesige Summe verloren haben, wobei es sich vermutlich noch nicht einmal um ihr eigenes Geld gehandelt hat … wenn also diese Zocker etwas Sinnvolleres mit ihrer Zeit angestellt hätten, statt auf fallende Kurse zu wetten, dann müssten sie im Nachhinein nicht jammern. Wenn man wettet, dann gibt es eine große Chance, dass man verliert – das weiß jeder, der schon einmal auf der Pferderennbahn war. Unter einem Investor stelle ich mir jedoch einen Menschen vor, der Kapital besitzt und es in eine Firma, eine Idee oder (ganz abgefahren) in etwas steckt, das dem Gemeinwohl dient. Aber vielleicht bin ich einfach zu naiv.

Ich habe jedenfalls schon lange den Eindruck, dass das Finanzsystem sich zu einer Art Parallelwelt entwickelt hat, die mit der realen Welt nichts mehr zu tun hat und die sich selbst genug ist. Grund genug für mich, mich da komplett rauszuhalten.

Bye bye Bargeld

Ein Beitrag auf Spiegel Online ist scheinbar seriös betitelt mit „Kriminalitätsbekämpfung: EZB-Rat will offenbar 500-Euro-Schein abschaffen„. Wer sich jedoch nur ein bisschen gesunden Menschenverstand bewahrt hat, durchblickt die wahren Gründe dafür sofort. Nachdem immer wieder in verschiedenen EU Ländern auf nationaler Ebene mit unschuldigem Blick darüber diskutiert wurde, das Bargeld ganz abzuschaffen, hat die EZB jetzt den ersten Schritt dazu eingeleitet.

Angeblich will man es Kriminellen schwerer machen, ihre illegalen Geschäfte mit Bargeld abzuwickeln. Der wirkliche Grund dürfte jedoch sein, dass man die vollständige Übersicht und im Zweifelsfall auch Kontrolle über die Vermögen der EU Bürger haben möchte.

Der einzige Lichtblick bei dieser gruseligen Nachricht ist ein Kommentar von Max Kolditz auf Facebook zu dem Artikel:

Wer kennt es nicht: Man will einen großen Drogendeal abwickeln, 5kg feinster kolumbianischer Schnee, aber überlegt es sich dann noch mal anders, weil das mit 200€ Scheinen so umständlich ist.

😐

Demokratieverständnis

Ich verstehe gar nicht, warum alle, wie eine Schar aufgeregter Hühner herumflattern, nur, weil die AfD „Jehova“ gesagt hat. Nach meinem Verständnis funktioniert Demokratie so:

Die AfD sagt: „Wir wollen Flüchtlinge notfalls mit Waffengewalt daran hindern, nach Deutschland zu kommen.“

Die Mehrheit sagt: „Wir aber nicht.“

Zack, Fall erledigt.

Die AfD hat ein Recht auf ihre Meinung, wie krude sie auch sein mag. Demokatie ist aber immer noch die Diktatur der Mehrheit.