Über spirituelle Literatur

Wie schon geschrieben waren die Channelings von Lee Carroll und Kryon für mich der Einstieg in eine spirituelle Weltsicht. Gerade habe ich das aktuelle Buch mit Informationen über die 12 DNS-Schichten beendet. Besonders gefallen hat mir ein Teil des Nachworts, den ich hier (vom Englischen ins Deutsche übersetzt) wiedergeben möchte:

“Lasse zu, dass dieses Buch Dir dabei hilft, Dir eines großartigeren Daseinszweckes bewusst zu werden, den Schöpfer in Dir selbst zu finden und zu beginnen, glücklich, zentriert und voller Hoffnung für die Menschheit zu erwachen. Wenn Dir ein anderes Buch in die Hände fällt, das den gleichen Effekt für dich hat, dann lies es und stelle es im Regal gleich neben dieses Buch. Wenn Du einen Prozesse entdeckst, der hilft, die Prinzipien dieses Buchs zu lehren (auch wenn er nicht von mir stammt), dann benutze ihn! Benutze Deine Fähigkeit der Unterscheidung, die in Deiner DNS zuhause ist und wäge die Energien ab, die da draußen sind, denn das gibt es viel, was abgewägt werden möchte.

Wenn es zu Deinem Herzen singt, dann ist es einfach eine Fortführung dieser Lehre. Wenn es Dir dabei hilft, heil zu werden und zu verstehen, dann feiere es. Wenn Du es liest und dann sagen kannst “Es ist in Übereinstimmung mit meiner Seele”, egal was gerade passiert, dann gib es niemals wieder auf. Wenn Du vor Freude weinen kannst, weil Du Deinen Lebenszweck und Deinen Platz im Universum gefunden hast, dann lies es immer wieder. Wenn irgendwann irgendjemand 27 DNS-Schichten identifiziert, dann feiere sie alle.

Wenn ein Buch aber kritisiert, dramatische Weltuntergangsszenarien ausmalt und Dir weismachen will, dass Du etwas tun musst, um all die guten Dinge verdient zu haben, wenn es Dir den Tag Deines Todes vorhersagt, ihn in der letzten Minute wieder ändert und Dir erzählt, dass “wir es uns anders überlegt haben”, dann sieh es als das an, was es ist: reines Marketing-Geschwätz.”

Ich kann diesen Sätzen nur zustimmen. Wenn etwas sich gut anfühlt, wenn es unser Herz zum singen bringt und uns in unsere Macht und Selbstverantwortung bringt, dann kann es nur eine der vielen Facetten der Wahrheit sein.  Wenn sich etwas schlecht anfühlt, uns abhängig und machtlos macht, dann ist es sicher weit von der Wahrheit entfernt.

Urteile nie!

Es gab einmal in einem Dorf einen alten Mann, der sehr arm war, aber trotzdem von Königen beneidet wurde, denn er besaß ein schönes Pferd.

Ein Pferd von solcher Qualität war noch nie gesehen worden, solche Schönheit, solcher Stolz, solche Stärke! Könige bewarben sich um das Pferd und boten fabelhafte Preise, aber der alte Mann kannte nur eine Antwort:

“Dieses Pferd ist für mich kein Pferd, sondern ein Freund, es ist kein Besitz. Soll ich einen Freund verkaufen? Nein, das kommt nicht in Frage.”

Der Mann war arm und hatte allen Grund, der Versuchung zu erliegen, aber er verkaufte das Pferd nie.

Eines Morgens entdeckte er plötzlich, dass das Pferd nicht mehr im Stall war. Das ganze Dorf versammelte sich und alle sagten:

“Das hast du nun davon, du alter Narr! Wir haben es vorher gewusst, eines Tages musste das Pferd ja gestohlen werden! Denn wie hättest du bei deiner Armut einen solchen Schatz richtig behüten können? Du hättest besser daran getan, das Pferd zu verkaufen. Du hättest astronomische Summen dafür verlangen können, jeden Phantasiepreis! Jetzt ist das Pferd weg. Jetzt siehst du, was für ein Fluch, was für ein Unglück es für dich war.”

Der alte Mann sagte:

“Ihr müsst nicht übertreiben! Sagen wir einfach: Das Pferd ist nicht im Stall. Das ist die einzige Tatsache, alles andere ist Interpretation. Ob es nun ein Unglück ist oder nicht, wie wollt ihr das wissen? Wie könnt ihr das beurteilen?”

Die Leute sagten:

“Uns kannst du nichts vormachen. Wir mögen zwar keine großen Philosophen sein, aber hier braucht man auch keine Philosophie. Es ist eine klare Tatsache, dass ein Schatz verloren gegangen ist, und das ist ein Unglück.”

Der alte Mann erwiderte:

“Ich bleibe dabei: Die einzige Tatsache ist, dass der Stall leer ist und das Pferd fort ist. Darüber hinaus weiß ich nicht, ob Unglück oder Segen, denn so ein Urteil ist begrenzt und niemand weiß, was noch kommt. “

Er wurde ausgelacht.

Die Leute hielten den alten Mann für verrückt, Sie hatten es schon immer gewusst, dass er nicht richtig im Kopf war, sonst hätte er ja sein Pferd verkauft und in Saus und Braus gelebt… Stattdessen fristete er sein Leben als Holzfäller. Obwohl er sehr alt war, fällte er immer noch Bäume, brachte das Holz aus dem Wald und verkaufte es. Er lebte jetzt von der Hand in den Mund, hatte nur das Nötigste und nie wirklich genug. Aber jetzt war ihnen das endgültig klar, dass er verrückt war.

Nach vierzehn Tagen kam plötzlich eines Nachts das Pferd zurück. Es war nicht gestohlen worden, es war nur in die Wildnis gelaufen. Es kam nicht nur zurück, sondern es brachte auch noch zwölf andere Wildpferde mit.

Und wieder kamen die Leute zusammen und sagten:

“Alter, du hast Recht gehabt, wir haben uns geirrt. Es war kein Unglück, sondern ein Segen. Es tut uns leid, dass wir dir Vorwürfe gemacht haben.”

Und der alte Mann sagte:

“Ihr geht schon wieder zu weit. Könnt ihr nicht einfach sagen, dass das Pferd zurück ist und dass es zwölf andere Pferde mitgebracht hat? Warum urteilt ihr? Wer will wissen, ob es ein Segen ist oder nicht? Es ist nur ein Bruchstück, und wenn man den ganzen Zusammenhang nicht kennt, wie kann man dann urteilen? Wie könnt ihr über ein Buch urteilen, wenn ihr nur eine Seite gelesen habt? Wie könnt ihr über eine ganze Seite urteilen, wenn ihr nur einen Satz gelesen habt? Wie könnt ihr über einen Satz urteilen, wenn ihr nur ein Wort davon gelesen habt? Und was ihr in der Hand haltet, ist weniger als ein Wort – das Leben ist so unendlich! Ihr habt nur das Bruchstück eines Wortes in der Hand und habt über die ganze Welt geurteilt. Sagt also nicht, dass dies ein Segen ist, denn wer weiß…. Und ich bin völlig damit zufrieden, dass ich es nicht weiß. Lasst mich also bitte in Ruhe.”

Dieses Mal hielten die Leute den Mund. Vielleicht hatte der alte Mann ja wieder Recht.

Also sagten sie nichts, aber im Stillen wussten sie natürlich, dass er sich irrte.

Zwölf herrliche Pferde waren mit dem einen Pferd zurückgekommen! Wenn sie ein bisschen eingeritten wurden, könnten sie bald alle verkauft werden und massenhaft Geld einbringen.

Der alte Mann hatte einen jungen Sohn, es war sein einziger. Dieser Sohn begann nun die Wildpferde zu zähmen. Eine Woche später stürzte er von einem der Pferde und brach sich beide Beine.

Wieder kamen die Leute zusammen. Und die Leute sind überall die “Leute” und überall sind sie wie ihr. Und wieder urteilten sie sofort. Wie schnell so ein Urteil feststeht!

Sie sagten:

“Du hattest Recht. Was du geahnt hast, hat sich wieder einmal bestätigt. Es war kein Segen, es war doch ein Unglück. Dein einziger Sohn hat seine Beine verloren! Wer soll jetzt die Stütze deiner alten Tage sein? Jetzt bist du ärmer denn je.”

Der alte Mann sagte:

“Könnt ihr denn nicht ein Mal aufhören mit eurem Urteil? Ihr geht schon wieder zu weit…sagt einfach, dass mein Sohn seine Beine gebrochen hat. Keiner weiß, ob das nun ein Glück oder ein Unglück ist. Keiner! Es ist wieder nur ein Bruchstück, und wir bekommen nie mehr als ein Bruchstück zu sehen. Das Leben zeigt sich nur in Fragmenten, aber unsere Urteile fällen wir immer über das Ganze.”

Ein paar Wochen später geschah es, dass ein Krieg mit dem Nachbarland ausbrach, und alle jungen Männer wurden zur Armee eingezogen. Nur der Sohn des alten Mannes blieb zurück, weil er ein Krüppel war. Die Leute kamen zusammen, weinend und klagend, denn aus jedem Haus wurden die jungen Männer mit Gewalt abgeholt. Und es bestand keine Aussicht, dass sie je wiederkämen, denn das Land mit dem Krieg geführt wurde, war ein sehr großes Land, und die Schlacht war von vorneherein verloren. Also würden sie nicht zurückkommen… Das ganze Dorf weinte und klagte und sie kamen zu dem alten Mann und sagten:

“Wie Recht du hattest Alter! Weiß Gott, wie Recht du hattest, es war ein Segen: Dein Sohn mag zwar ein Krüppel sein, aber wenigstens bleibt er bei dir. Unsere Söhne werden wir nie wieder sehn. Er wenigstens lebt und ist bei dir, und nach und nach wird er schon wieder das Laufen lernen. Vielleicht wird er noch ein bisschen humpeln, aber er wird wieder in Ordnung kommen.”

Der alte Mann wehrte ab:

“Es ist einfach unmöglich, mit euch Leuten zu reden. Ihr könnt es einfach nicht lassen – ewig diese Urteile. Niemand weiß etwas! Sagt doch nur, dass eure Söhne in die Armee geholt worden sind und mein Sohn nicht. Aber ob das nun ein Segen ist, oder ein Unglück, das weiß niemand. Kein Mensch wird das je wissen. Nur Gott allein weiß es.”

Und wenn wir sagen: “Nur Gott weiß es”, dann heißt das, dass nur das Ganze es weiß.

Urteile nicht, sonst wirst du dich nie mit dem Ganzen vereinigen können. Dann wirst du immer nur an den Bruchstücken kleben und aus den geringsten Anlässen große Schlüsse ziehen. Wie leicht vergisst du, dass es Dinge gibt, die über deinen eigenen Horizont hinausgehen.

Also urteile nie!

Laotse

Sokrates zum Thema Klatsch & Tratsch

Sokrates (Photo by Eric Gaba, July 2005)Ein Freund kam aufgeregt zu Sokrates und sagte:”Sokrates, hast du schon gehört? Ich muss dir dringend erzählen von…!”

“Halt, mein Freund”, sagte Sokrates beruhigend, “Hast du dir schon die drei Fragen vorgelegt, bevor du sprichst?”

Freund: “Welche drei Fragen, Sokrates?”

Sokrates: “Die erste Frage: Ist es wahr, was du mir berichten willst?”

Freund: “Nun, ich habe es zwar nicht selbst gesehen. Aber die Leute erzählen es sich!”

Sokrates: “Die zweite Frage: Ist es etwas Gutes?”

Freund: “Nein, das nicht. Im Gegenteil, aber das ist’s gerade ..!”

Sokrates: “Also die dritte Frage: Ist es notwendig, mein Freund, dass du es mir berichtest?”

Freund: “Notwendig wohl nicht, Sokrates, aber es dürfte doch so unterhaltsam zu hören sein.”

Sokrates: “Dann, mein Freund, lass uns schnell den Göttern Dank sagen, dass wir der Gefahr entronnen sind, unbekannte Fehler eines Nächsten ohne Not zu offenbaren oder zu vergrößern, meinst du nicht auch?”

Channelings und was daraus gemacht wird

Der Einstieg in meine Spiritualität waren vor über 10 Jahren die Bücher von Lee Carroll, der die Wesenheit Kryon channelt. Gleich vorab: Bitte nicht verwechseln mit Sekten wie der Kryonschule in Rosenheim und ihren Ablegern. Ich spreche von den ursprünglichen Informationen und nicht dem was “geschäftstüchtige” Menschen daraus gemacht haben.

Kleine Nebenbemerkung: In den ersten Kryon Büchern ist sehr klar die Rede davon, dass die gechannelten Informationen jedermann als Anregung dienen und insbesondere keine Kirchen, Schulen, Gruppen oder ähnliche Organisationen gegründet werden sollen. Als ich dann das erste Mal von der “Kryonschule” gehört habe musste ich schon schmunzeln.

Aber zurück zum Thema: Was mich an den Büchern fasziniert hat ist einerseits die Botschaft, dass alles an Informationen, Channelings und ähnlichen Dingen was uns Angst macht nicht authentisch ist und letztlich dazu dient, Kontrolle über uns zu erlangen. Ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr das in Resonanz mit mir geht, denn im Umkehrschluss lautet die Botschaft, dass die Wahrheit immer reine Liebe ist. Ich finde dies eine sehr hilfreiche Vorstellung, denn das befreit einen von der Angst, die man glaubt vor “gefallenen Engeln”, übersinnlichen Angriffen oder sonstigen Dämonen haben zu müssen. Ich bin tatsächlich zu der Überzeugung gekommen, dass es so etwas nicht gibt und wenn ich das Gefühl habe, dass mich jemand energetisch angreift oder aussaugt, dann ist es an mir dafür zu sorgen, dem ein Ende zu bereiten indem ich “einfach” meine Grenzen klar setze und meine unterschwellig gegeben Einwilligung zu dem Spielchen zurückziehe. Das Wort “einfach” steht dabei in Anführungszeichen, weil es natürlich keineswegs immer einfach ist. Der Punkt ist aber ein anderer: Es gibt niemanden auf der Welt, der die Macht hat, mich ohne mein auf irgendeiner Ebene gegebenes Einverständnis energetisch anzugreifen. Dementsprechend habe ich die vollständige Macht über meine energetische Unversehrtheit. Und schwupps … schon sind auch Opferbewusstsein und Selbstmitleid die Zähne gezogen 🙂

Ein weiterer wesentlicher Punkt in den Channelings von Lee Carrol ist die Tatsache, dass er zu keiner Zeit dazu aufruft, die Informationen zu “glauben”. Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass jeder selbst dafür verantwortlich ist, die Worte auf den Prüfstand zu stellen und für sich selbst zu entscheiden, was davon stimmig ist und was nicht. So in etwa ist meine Vorstellung von einer aufgeklärten Spiritualität (siehe dazu auch meinen ersten Post). Jeder nehme sich das aus jeder Quelle, was er mag und was in sein Weltbild passt.

Dementsprechend finde ich es auch lustig, wie findige Geschäftemacher eine solche Aussage in kürzester Zeit in das genaue Gegenteil verdrehen (siehe oben, Kryonschule) … in 48 Schritten zur Erleuchtung. Garantiert 😉 Und natürlich geht das auch keinesfalls mit deinem Namen, den Du schon so viele Jahre trägst. Du brauchst natürlich noch einen Ursprungsnamen, der Dir für nur 40 EUR vom Sektenguru mitgeteilt wird. Hallo!? Ich finde meinen Namen gut und wenn er für die Jungs (und Mädels) auf der anderen Seite des Schleiers nicht gut genug ist, dann ist das deren Pech 🙂 Quintessenz zur Kryonschule: Jeder mache was er will … ich habe mich jedoch entschieden da einen großen Bogen herum zu machen.

Noch einmal zurück zum Original von Lee Carroll. Ich folge den Channelings nicht dauernd sondern nur phasenweise. Was mich jedoch in den letzten Wochen wieder sehr an die ursprünglichen Gründe erinnert hat, warum mich die Botschaften von Kryon so ansprechen, war ein kurzes Channeling über die “shoulds”, also die Dinge von denen andere Menschen behaupten, wir sollten dies oder jenes tun. Dort fand ich besonders die Aussage über die Schulmedizin interessant: Wenn Menschen sagen, dass der Körper sich ja letztlich vollständig selbst heilen kann (was er kann!) wieso sollte man dann noch zu Ärzten gehen oder Medikamente nehmen. Die Antwort: Weil wir offensichtlich einfach noch nicht so weit sind, dass wir mit dem reinen Bewusstsein uns selbst immer heilen können. In meinen Worten: Wer aus lauter spiritueller Verbohrtheit darauf verzichtet dann, wenn es angebracht ist die Hilfe der Schulmedizin in Anspruch zu nehmen, der ist selbst dran Schuld wenn er letztlich früh stirbt und die einzige wirkliche göttliche Aufgabe auf dieser Erde, nämlich möglichst lange am Leben zu bleiben um zu lernen und unser Licht leuchten zu lassen, vermasselt. Aber natürlich ist auch das wieder die Entscheidung eines jeden selbst 😉

Materielles und Sicherheit

Vor wenigen Tagen hat mich eine CD mit diversen Audiodateien von Eckhart Tolle erreicht, die mir eine liebe Freundin geschickt hat. Seine Lebensgeschichte ist wirklich faszinierend, wobei ich gerne darauf verzichte, mein Leben erst einmal komplett zusammenzubrechen zu lassen, bevor etwas Neues entsteht. Ich ziehe es vor, die Widerstände gegen die Veränderung aufzugeben und so eine mehr oder weniger sanfte Transformation zu durchleben. Wobei die Definition von “sanft” durchaus dehnbar ist 😉

Einer der Kernpunkte in dem Material von Tolle war für mich diesmal erneut der Hinweis, dass der Glaube an Sicherheit durch Materielles (sei es Besitz, Geld, der Arbeitsplatz oder Versicherungen) eine Illusion ist. In der Welt gibt es keine Sicherheit im außen. Geld kann Wertlos werden, Besitz kann zerstört oder enteignet werden, der Arbeitsplatz kann von heute auf morgen verloren gehen und über das Thema Versicherungen (“Geschäft mit der Angst”) möchte ich mich lieber gleich gar nicht auslassen. Vielleicht werde ich das später noch tun. Es ist auf jeden Fall offensichtlich, dass die Idee, dass Materielles uns irgendeine Form von Sicherheit bringt nicht mehr als eine Seifenblase ist.

Nun ist der Mensch aber in der Regel dennoch bestrebt, irgendwo das Gefühl der Sicherheit zu finden. Und hier liegt auch schon der Schlüssel zu echter Sicherheit. Sie ist nicht mehr (und nicht weniger) als ein Gefühl. Und Gefühle sind nicht an Dinge (oder Menschen) gebunden, sie existieren unabhängig von der Außenwelt in uns. Das Ziel kann also sein, die Sicherheit in uns zu finden, um uns geborgen zu fühlen, egal was draußen alles los ist. Dies ist die einzige reale Sicherheit, die es in dieser Welt gibt.

Die Frage, ob es einen Weg gibt, der uns garantiert dort hin führt kann ich leider nicht beantworten. Oder vielleicht doch: Ich bin überzeugt davon, dass es für jeden Menschen einen oder mehrere Wege gibt, die innere Sicherheit zu finden. Garantiert. Die Kunst ist lediglich, herauszufinden, wie dieser Weg aussieht. Ganz sicher wird er für die wenigsten darin bestehen, Programme à la “Zum Aufstieg in 27 Lektionen” wie sie von diversen sektenartigen Organisationen für viel Geld angeboten werden zu machen. Tatsächlich ist der Weg zur eigenen inneren Sicherheit höchst individuell und wird von viele Seiten Impulse und Einflüsse erhalten. Der erste und wichtigste Schritt ist dabei, denke ich, für alle gleich: Erkenne, dass wahre Sicherheit nicht von außen kommen kann sondern nur von innen.

Eine weitere Aussage von Eckhart Tolle hat sich auch in meinem Gedächtnis verankert: Wenn wir versuchen, mit aller Gewalt im Außen die Sicherheit zu finden, die wir innen noch nicht gefunden haben, dann sind wir eigentlich schon tot: Stellen Sie sich einen Menschen vor, der angestellt ist, einen sicheren Job hat und mit Sicherheit weiß, dass er in 20 Jahren eine Pension erhalten wird. Dann wird er mit Sicherheit noch einige Jahre leben um anschließend mit 100 prozentiger Sicherheit zu sterben. Wie gruselig ist denn bitte diese Aussicht? Sie bietet keinerlei Platz mehr für die spannenden Mysterien des Lebens. Für Neues, für Interessantes, für Unerwartetes. Prototyp dieses Konzepts ist wohl das Lied “Ich war noch niemals in New York” von Udo Jürgens.

Das Bild, das Tolle hier malt erzeugt vor meinem geistigen Auge einen Film mit einer sprichwörtlichen “grauen Maus”, die mit grauem Gesicht morgens zur Arbeit geht, in dem Bewusstsein, dass er oder sie um fünf die Arbeit wieder verlassen wird um nach Hause zu gehen (wo alles so ist wie immer). Nachts sehnt er/sie sich nach der Rente, um nicht mehr arbeiten zu müssen. Und wenn das Rentenalter dann endlich da ist, dann stellt der Arzt einige Monate später eine tödliche Krankheit fest, die der grauen Maus nur noch wenig Zeit gibt, die Rente zu genießen. Irgendwie ist das nicht das, was ich mir für mein Leben wünschen würde. Deshalb gilt es, die Unsicherheit und den beständigen Wandel vollständig zu akzeptieren. Aber wow … das ist ein harter Brocken! Ich arbeite daran 🙂