Materielles und Sicherheit

Vor wenigen Tagen hat mich eine CD mit diversen Audiodateien von Eckhart Tolle erreicht, die mir eine liebe Freundin geschickt hat. Seine Lebensgeschichte ist wirklich faszinierend, wobei ich gerne darauf verzichte, mein Leben erst einmal komplett zusammenzubrechen zu lassen, bevor etwas Neues entsteht. Ich ziehe es vor, die Widerstände gegen die Veränderung aufzugeben und so eine mehr oder weniger sanfte Transformation zu durchleben. Wobei die Definition von „sanft“ durchaus dehnbar ist 😉

Einer der Kernpunkte in dem Material von Tolle war für mich diesmal erneut der Hinweis, dass der Glaube an Sicherheit durch Materielles (sei es Besitz, Geld, der Arbeitsplatz oder Versicherungen) eine Illusion ist. In der Welt gibt es keine Sicherheit im außen. Geld kann Wertlos werden, Besitz kann zerstört oder enteignet werden, der Arbeitsplatz kann von heute auf morgen verloren gehen und über das Thema Versicherungen („Geschäft mit der Angst“) möchte ich mich lieber gleich gar nicht auslassen. Vielleicht werde ich das später noch tun. Es ist auf jeden Fall offensichtlich, dass die Idee, dass Materielles uns irgendeine Form von Sicherheit bringt nicht mehr als eine Seifenblase ist.

Nun ist der Mensch aber in der Regel dennoch bestrebt, irgendwo das Gefühl der Sicherheit zu finden. Und hier liegt auch schon der Schlüssel zu echter Sicherheit. Sie ist nicht mehr (und nicht weniger) als ein Gefühl. Und Gefühle sind nicht an Dinge (oder Menschen) gebunden, sie existieren unabhängig von der Außenwelt in uns. Das Ziel kann also sein, die Sicherheit in uns zu finden, um uns geborgen zu fühlen, egal was draußen alles los ist. Dies ist die einzige reale Sicherheit, die es in dieser Welt gibt.

Die Frage, ob es einen Weg gibt, der uns garantiert dort hin führt kann ich leider nicht beantworten. Oder vielleicht doch: Ich bin überzeugt davon, dass es für jeden Menschen einen oder mehrere Wege gibt, die innere Sicherheit zu finden. Garantiert. Die Kunst ist lediglich, herauszufinden, wie dieser Weg aussieht. Ganz sicher wird er für die wenigsten darin bestehen, Programme à la „Zum Aufstieg in 27 Lektionen“ wie sie von diversen sektenartigen Organisationen für viel Geld angeboten werden zu machen. Tatsächlich ist der Weg zur eigenen inneren Sicherheit höchst individuell und wird von viele Seiten Impulse und Einflüsse erhalten. Der erste und wichtigste Schritt ist dabei, denke ich, für alle gleich: Erkenne, dass wahre Sicherheit nicht von außen kommen kann sondern nur von innen.

Eine weitere Aussage von Eckhart Tolle hat sich auch in meinem Gedächtnis verankert: Wenn wir versuchen, mit aller Gewalt im Außen die Sicherheit zu finden, die wir innen noch nicht gefunden haben, dann sind wir eigentlich schon tot: Stellen Sie sich einen Menschen vor, der angestellt ist, einen sicheren Job hat und mit Sicherheit weiß, dass er in 20 Jahren eine Pension erhalten wird. Dann wird er mit Sicherheit noch einige Jahre leben um anschließend mit 100 prozentiger Sicherheit zu sterben. Wie gruselig ist denn bitte diese Aussicht? Sie bietet keinerlei Platz mehr für die spannenden Mysterien des Lebens. Für Neues, für Interessantes, für Unerwartetes. Prototyp dieses Konzepts ist wohl das Lied „Ich war noch niemals in New York“ von Udo Jürgens.

Das Bild, das Tolle hier malt erzeugt vor meinem geistigen Auge einen Film mit einer sprichwörtlichen „grauen Maus“, die mit grauem Gesicht morgens zur Arbeit geht, in dem Bewusstsein, dass er oder sie um fünf die Arbeit wieder verlassen wird um nach Hause zu gehen (wo alles so ist wie immer). Nachts sehnt er/sie sich nach der Rente, um nicht mehr arbeiten zu müssen. Und wenn das Rentenalter dann endlich da ist, dann stellt der Arzt einige Monate später eine tödliche Krankheit fest, die der grauen Maus nur noch wenig Zeit gibt, die Rente zu genießen. Irgendwie ist das nicht das, was ich mir für mein Leben wünschen würde. Deshalb gilt es, die Unsicherheit und den beständigen Wandel vollständig zu akzeptieren. Aber wow … das ist ein harter Brocken! Ich arbeite daran 🙂

 

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