Kurzsichtigkeit ist nicht nur eine Frage der Augen

Pacta sunt servanda (lat.; dt. Verträge sind einzuhalten) – keine Frage. Wo kämen wir denn auch hin, wenn keiner sich an Absprachen halten würde. Auf der anderen Seite steht jedoch der gesunde Menschenverstand und vielleicht sogar ein wenig guter Wille. Wenn man blind auf die Buchstaben der Verträge pocht, ist der Schaden oft größer, als wenn man gesundes Geben und Nehmen praktiziert. Die meiste Zeit funktioniert das mit den Partnern, mit denen ich zusammenarbeite sehr gut. Und dann gibt es trotzdem immer wieder Ausreißer.

So geschehen heute mit der Firma INTERSEROH Dienstleistungs GmbH, die unter der Domain lizenzero.de ein Portal betreiben, bei dem man Entsorgungsdienstleistungen im Rahmen des Dualen Systems buchen kann.

Zugegeben, der ursprüngliche Fehler liegt bei mir. Ich habe einen neuen Entsorgungsvertrag für den Essenzenladen geschlossen, ohne die Kündigungsbestätigung des alten Dienstleisters abzuwarten. Der hat mir dann prompt eine lange Nase gedreht und die Kündigung wegen einer nicht eingehaltenen Frist nicht akzeptiert. Dumm gelaufen, selbst dran schuld.

Was macht der Geschäftsmann? Er versucht mit dem neuen Dienstleister zu sprechen und entweder den Vertrag rückgängig zu machen oder auf das übernächste Jahr vorzutragen. Schließlich zahle ich ungern zweimal für dieselbe Dienstleistung. Klar geht das nur mit Goodwill, denn Verträge sind einzuhalten.

Viele versprochene, jedoch nie erfolgte Rückrufe später habe ich dann heute schließlich die Auskunft bekommen, dass die Firma auf den Vertrag besteht und nicht mit sich reden lässt. Das ist ihr Recht – denn Pacta sunt servanda.

Mein Recht ist jedoch, in den sauren Apfel zu beißen, das unnötig gezahlte Geld abzuschreiben und in Zukunft einen weiten Bogen um diese Firma zu machen. Und falls mich jemand fragt, welches Entsorgungsunternehmen ich empfehlen kann, werde ich ein anderes nennen.

Merke: Wer kurzfristig blindlings auf die Buchstaben des Vertrags besteht, wird langfristig mindestens einen Kunden verlieren. Schade.

Über das Geschäftsleben

Dieser Text ist eine Übersetzung eines Artikels von Eckhart Tolle. Den Originaltext kann man hier sehen: http://communicate.eckharttolle.com/news/?p=570. In diesem kurzen Artikel kommen einige sehr interessante (und meiner Meinung nach wahre) Aspekte des Geschäftslebens und wie man es besser machen kann zur Sprache.

Frage: Ich habe gerade mein BWL-Studium beendet. Kannst Du etwas über den gegenseitigen Austausch sagen und wie man auf geschäftlicher Ebene ein ehrliches „nein“ kommunizieren kann?

Antwort: Ja. Egal ob es ums Geschäft oder etwas anderes geht – die Frage ist immer, ob die transzendente Dimension immer noch im Hintergrund wirkt, während ihr im Vordergrund über das Geschäft redet. Wenn die transzendente Dimension nicht dabei ist, dann wir das Geschäft problematisch und eigennützig. Das gerät sogar in Konflikt mit dem, was ein viel effizienterer Weg sein könnte, wie man Geschäfte machen kann. Wenn man den eigenen Vorteil auf Kosten der anderen Person sucht, dann wird das Geschäftsleben schnell krank.

Wahrscheinlich ist es einfacher, wenn ich Euch ein Beispiel gebe. Lasst uns annehmen, ihr wollt etwas verkaufen. Wenn ihr etwas verkaufen wollt, dann kommt ihr immer in Kontakt mit einem anderen Menschen. Ihr besprecht das Geschäft auf der praktischen Ebene. Das ist auch nötig. Ihr erklärt, was ihr anzubieten habt und der andere hört zu, stellt Fragen und ihr erklärt noch mehr. Die Frage ist dann, könnt ihr den anderen empathisch spüren? Könnt ihr das Bewusstsein, das dem anderen Menschen Leben einhaucht fühlen, das Bewusstsein hinter den bloßen Worten? Könnt ihr die Essenz dieser Person wahrnehmen? Ihr spürt das gemeinsame Bewusstsein von Euch und dem anderen. Wenn der andere  dagegen für Euch ein Mittel zum Zweck wird, dann entstehen negative Gefühle. Man kann das bei vielen Menschen beobachten. Wenn man das Geschäft nicht abschließen kann, werden sie zornig und negativ. Sie waren nicht an Dir als Mensch interessiert. Sie waren nur an der Rolle interessiert, die Du gespielt hast, denn dadurch wollten sie ihre eigene Rolle verbessern.

Diejenigen, die – auch in der Geschäftswelt – sehr erfolgreich sind, sind üblicherweise diejenigen, die nicht primär am Ergebnis ihres Rollenspiels interessiert sind, sondern vielmehr am anderen Menschen. Sie genießen es, mit jemandem zusammen zu sein. In der Tat bedeutet das, das man die Gesellschaft anderer Menschen nur wirklich genießen kann, wenn man in der Lage ist, die Begrenzungen der eigenen Persönlichkeit zu überwinden, wenn man, anders gesagt, die transzendente Dimension erreichen kann. Und das gilt für jede Art von Beziehung, egal ob es sich um eine intime oder eine geschäftliche Beziehung handelt. Ist die transzendente Dimension miteinbezogen? Das ist die Frage.

Ich habe gelegentlich Menschen im Geschäftsleben getroffen, die dir etwas verkaufen wollen. Und wenn Du sagst: „Nein, ich bin nicht interessiert. Ich werde mir mal die Konkurrenz ansehen“, dann ist ihre Antwort: „In Ordnung. Schau Dich nur um.“ Es macht ihnen tatsächlich nichts aus, denn sie lieben es einfach, mit anderen Menschen in Kontakt zu sein. Und die Menschen kommen wieder zu ihnen zurück. Sie genießen die Interaktion im gegenwärtigen Moment ohne dass sie dich als Mittel zum Zweck sehen.

Wenn es Dir gelingt, im Geschäftsleben die transzendente Dimension in eine Beziehung miteinzubringen, dann existiert die Angst, dass der andere dich vielleicht betrügen könnte, nicht mehr. Misstrauen ist ein wesentlicher Teil der egoistischen Selbstwahrnehmung. Wenn Du im Jetzt lebst, dann stellst du die Beweggründe der Menschen noch nicht einmal mehr in Frage. Du schaust nur und sprichst. Die Beweggründe sind dir egal. Ich bin immer überrascht, wenn Menschen über die Beweggründe anderer Menschen sprechen. Ich nehme diese niemals wahr. Vielleicht haben sie recht aber ich nehme sie nicht wahr. Ich will sie nicht wahrnehmen.