Handeln tut gut

Flashmob-Demo in Aschaffenburg

Die Coronazeit zeichnet sich vor allem durch zwei Dinge aus: Eintönigkeit und schlechte Nachrichten. Nicht, dass die Welt vor einem wirklichen Problem stünde – die Welt ist so, wie sie auch vorher war: ein wunderschöner Ort, der halt auch Gefahren birgt. Es wird der breiten Masse lediglich mit allen Mitteln verkauft, dass der Weltuntergang unmittelbar bevorsteht. Das nutzen die Strippenzieher dann aus, um mit Lockdown & Co. Eintönigkeit zu erzeugen und die Menschen so mürbe zu machen, dass sie hübsch parieren. Perfide.

Gestern Abend durfte ich erleben, wie gut es tut, zu handeln, auch wenn es diesmal nur symbolisch war. Gegen 21 Uhr hörten wir laute Musik von draußen. Lustig – vor 18 Monaten hätten wir uns noch darüber beschwert, gestern war es eine willkommene Abwechslung, die mich sofort hat rausgehen lassen. Dort lief mir dann ein Zug von an die hundert Menschen in die Arme (oder ich ihm), die schwarz gekleidet waren und ihre Gesichter als Totenköpfe geschminkt hatten. Zusammen mit einem batteriebetriebenen Lautsprecher- (Boller-) Wagen zogen sie durch die Stadt und haben dabei Banner mit links-rassistischen, braunen Aluhut-Parolen geschwenkt. Also halt sowas wie „Frieden“, „Freiheit“, „Wir sind das Leben“ und „Wir sind Kultur“ und weiterer vollkommen geschmackloser Kram.

Als stadtbekannter Covidiot habe ich mich natürlich sofort angeschlossen und bin mitgelaufen. Irgendwann konnte man dann sogar Jürgen Herzing, seines Zeichens Oberbürgermeister der Stadt Aschaffenburg, beobachten, wie er abseits neben dem Demonstrationszug lief und telefonierte. Entgegen anders lautender Vermutungen war es wohl nicht seine Intention, mit uns zu demonstrieren – er machte eher den Eindruck eines verzweifelten Schäferhundes, der seine fehlgeleiteten Schafe wieder auf den rechten Weg bringen wollte, und dabei war, daran zu verzweifeln. Vielleicht hat er aber auch nur die Polizei angerufen.

Die kam dann natürlich auch mit mehr als zehn Autos und Bussen. Ein bisschen doof haben sie geschaut, als der Zug dann kurzerhand ins Schöntal abgebogen ist. Dort kann man aus offensichtlichen Gründen keine Wege mit Streifenwagen zustellen.

Genauso schnell, wie sich die Versammlung in der Art eines Flashmobs gebildet hat, hat sie sich auch wieder aufgelöst. Gerade rechtzeitig, bevor die vielen anwesenden Polizisten auf komische Gedanken gekommen sind. Ganz so leicht wollten die sich dann aber auch nicht geschlagen geben, und haben noch lange Zeit verzweifelt versucht, irgendjemanden zu finden, dem sie seine Personalien ab- äh aufnehmen konnten.

Und was hat das mit mir gemacht? Nachdem ich den ehemaligen Demonstrationszug verlassen habe, war ich guter Stimmung wie schon lange nicht mehr. Fast aufgekratzt. Alleine die Tatsache, dass ich ein wenig mit offensichtlich Gleichgesinnten durch die Stadt gezogen bin und dabei beobachtet habe, wie der Lautsprecherwagen ordentlich Remmidemmi gemacht hat, hat mir das gute Gefühl gegeben, etwas getan zu haben. Und jetzt freue ich mich auf die ersten Versammlungen der Basispartei, bei denen wir dann auch anfangen, ernsthaft etwas zu tun.

Die Geschichte vom Esel

Charlie ChaplinEs war einmal ein Ehepaar, das einen 12-jährigen Sohn und einen Esel hatte. Sie beschlossen zu verreisen, zu arbeiten und die Welt kennenzulernen. Zusammen mit ihrem Esel zogen sie los.

Im ersten Dorf hörten sie, wie die Leute redeten: „Seht Euch den Bengel an, wie schlecht er erzogen ist… er sitzt auf dem Esel und seine armen Eltern müssen laufen.” Also sagte die Frau zu ihrem Mann: „Wir werden nicht zulassen, dass die Leute schlecht über unseren Sohn reden.” Der Mann holte den Jungen vom Esel und setzte sich selbst darauf.

Im zweiten Dorf hörten sie die Leute folgendes sagen: „Seht Euch diesen unverschämten Mann an… er lässt Frau und Kind laufen, während er sich vom Esel tragen lässt.” Also ließen sie die Mutter auf das Lastentier steigen und Vater und Sohn führten den Esel.

Im dritten Dorf hörten sie die Leute sagen: „Armer Mann! Obwohl er den ganzen Tag hart gearbeitet hat, lässt er seine Frau auf dem Esel reiten. Und das arme Kind hat mit so einer Rabenmutter sicher auch nichts zu lachen!” Also setzten sie ihre Reise zu dritt auf dem Lastentier fort.

Im nächsten Dorf hörten sie die Leute sagen: „Das sind ja Bestien im Vergleich zu dem Tier, auf dem sie reiten. Sie werden dem armen Esel den Rücken brechen!” Also beschlossen sie, alle drei neben dem Esel herzugehen.

Im nächsten Dorf trauten sie ihren Ohren nicht, als sie die Leute sagen hörten: „Schaut euch die drei Idioten mal an. Sie laufen, obwohl sie einen Esel haben, der sie tragen könnte!”

Die anderen finden immer etwas zum kritisieren wenn sie wollen, und es ist nicht einfach jemanden zu treffen, der Dich so akzeptiert, wie Du bist. Deshalb:

Lebe so, wie Du es für richtig hältst und geh, wohin Dein Herz dich führt …

Charlie Chaplin

Das Leben

“Du solltest verstehen, dass absolute Freiheit die Grundlage des Lebens ist. Absolute Freude sein Sinn. Und absolutes Wachstum sein Ergebnis.”

Abraham

Detachment

Das Wort “detachment” ist ein wunderschöner englischer Begriff für den es im Deutschen leider keine hunderprozentig treffende Übersetzung gibt. Er sagt soviel aus, dass man sich von etwas, an dem man vorher festhing oder festgehalten hat (“attachment”) löst oder trennt. Nun ist das Wort “Trennung” in den Zeiten von “alles ist eins” ein böses Wort ;-), jedoch ist nach meinem Empfinden keinerlei negativer Beigeschmack bei der englischen Variante “detachment”. Sie sagt vielmehr aus, dass wir uns von dem, an dem wir uns festgeklammert haben, nun lösen und damit frei machen.

Dinge an denen wir uns festklammern gibt es zuhaufe … alte, nicht mehr funktionierende Beziehungen, Jobs, die uns keinen Spaß machen, Orte, an denen wir uns nicht mehr zuhause fühlen. Üblicherweise tun wir dies, weil wir Angst vor dem haben, was dann kommt, wenn wir diese nicht mehr unterstützende Situation ändern … Angst vor dem Unbekannten. Je nach dem Bereich, in dem sich das ganze abspielt kommen die Angst vor Armut/Hunger/nicht Überleben oder die Angst vor Einsamkeit dazu. Und das sind die Urängste, mit denen wir schon seit Äonen zu kämpfen haben.

In den letzten Monaten ist es jedoch immer wichtiger – geradezu überlebenswichtig – geworden, dass wir den Mut fassen und uns von den Dingen lösen, die uns nicht länger dienlich sind. Und dies ist mit vielen Ängsten und Schmerzen verbunden … oh mein Gott. Letztlich gibt es jedoch keine Alternative. Momentan existieren nur zwei Richtungen in die man sich bewegen kann: Entweder den anstrengenden, holprigen Weg bergauf um den Gipfel zu erreichen oder aber sang- und klanglos bergab, was in Richtung Unzufriedenheit, Unglück, Krankheit oder sogar Tod führt. Dazwischen gibt es nichts.

Die Aufgabe lautet also, die Ärmel hochzukrempeln, allen Mut zusammenzunehmen und die Dinge, von denen wir tief im Herzen schon länger wissen, dass sie geändert werden müssen, zu ändern – auch wenn wir keine Ahnung haben, wohin uns der Weg führen wird. Es ist meine feste Überzeugung, dass das Leben auf der Erde nicht dazu gedacht ist, zu leiden. Dementsprechend können wir, wenn wir den Weg der persönlichen Freiheit und Entfaltung gehen, nur gewinnen.