Mein Ellenbogen gehört mir

oder: Warum ich aus Prinzip niemanden per Ellenbogen (oder Faust) begrüße

Ich finde die neue (Un-) Sitte, sich mit Ellenbogen oder Faust zu begrüßen, offen gesagt ziemlich gräßlich. Sie ist ein äußerst misslungener Spagat zwischen “Ich habe Angst vor Dir, weil ich mich anstecken könnte” und “Ich möchte meine Wertschätzung und Sympathie dennoch nach wie vor per Körperkontakt auszudrücken”.

Diesem künstlich erzeugten Dilemma verweigere ich mich. Vollständig. Meinen Ellenbogen bekommt niemand und – das sage ich zumindest scherzhaft denjenigen, die mich schon kennen – meine Faust kannst Du im Zweifelsfall nur mit Schwung ins Gesicht bekommen, aber nicht zur Begrüßung.

Dabei ergibt es aus hygienischer Sicht wahrscheinlich gar keinen Sinn, statt der Handfläche die Faust des anderen zu berühren. Das erinnert mich ein wenig an die 5-Sekunden-Regel: Wenn etwas auf den Boden fällt und du es innerhalb von fünf Sekunden wieder aufhebst, kannst Du es noch essen, weil die Bakterien und Viren noch keine Zeit hatten, vom Boden auf das Essen zu laufen.

Das heißt nicht unbedingt, dass ich das Bedürfnis habe jeden zur Begrüßung zwanghaft zu umarmen und (um die Aussage zu pointieren) abzulecken. Wenn jemand keine Berührung möchte, dann respektiere ich das. Es gibt ja so viele Möglichkeiten, sich zu begrüßen, ohne sich dabei zu berühren. Die mir höchst vertraute japanische Verbeugung, die ich im Judo seit Jahren praktiziere, wäre nur eine davon.

Wer unbedingt in der Angst leben will, dass alle andere Menschen potenziell gefährlich sind, der möge das tun. Aber bitte lasst mich in Ruhe mit euren komischen und verqueren Ersatzritualen für den ehrlichen Handschlag.

(Bild von Petr “Elvis” auf Pixabay)

Alles richtig gemacht

Die Politik hat aktuell mit dem neuerlichen Lockdown alles richtig gemacht. Zumindest, wenn es darum geht, die eigene Haut zu retten. Denn egal was passiert – der Lockdown lässt sich als gerechtfertigt darstellen. Jedenfalls wenn man davon ausgeht, dass jeder einzelne positiv Getestete auch tatsächlich infiziert ist, krank wird und letztlich auf der Intensivstation landet.

Zugegeben, was hier gerade passiert ist schon ein Meisterstück oppressiver Politik im demokratischen Gewand, und es gibt einen Teil von mir, der sich ehrfurchtsvoll vor diesem fast diabolisch anmutenden Vorgehen verneigt. Der andere, weitaus überwiegende Teil ist jedoch immer noch und jeden Tag aufs Neue fassungslos über das, was da draußen geschieht.

Aber zurück zum Thema. Warum hat die Politik (aus eigener Sicht) alles richtig gemacht? Nun ja … die Zahl der positiven PCR-Tests kann machen was sie will, die Maßnahmen zum Lockdown waren immer „begründet und angemessen“.

  • Sinkt die Anzahl der positiven Tests, haben die Maßnahmen gegriffen und die Politik hat alles richtig gemacht.
  • Bleibt die Anzahl der positiven Tests gleich, haben die Maßnahmen gegriffen, uns vor Schlimmerem bewahrt und die Politik hat alles richtig gemacht.
  • Steigt die Anzahl der positiven Tests, haben die Maßnahmen zwar gegriffen, waren jedoch nicht weitreichend genug. Dennoch haben sie uns vor (noch) Schlimmerem bewahrt und die Politik hat auch in diesem Fall alles richtig gemacht.

Wie gesagt: diabolisch clever.

Funfact am Rande: Die reguläre Grippewelle scheint dieses Jahr auszufallen, wenn man den Zahlen des Robert-Koch-Instituts glaubt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

(Bild von GraphicMama-team auf Pixabay)

Corona war gestern – die virile Gestation ist das wirkliche Problem!

Ein typischer Schwangerschaftstest hat eine Genauigkeit von >= 99%. Wenn man eine Million Männer damit testet, werden erwartungsgemäß etwa 1.000 von ihnen positiv sein. Tut man das jede Woche, zeigt die Statistik im Jahresmittel etwa 50.000 neue Fälle von Männerschwangerschaft (“viriler Gestation”, ICD-10 N50.9).

Ich mache mir große Sorgen, dass das Gesundheitssystem, besonders die Geburtsabteilungen der Krankenhäuser, nicht auf diese außergewöhnliche Herausforderung vorbereitet sind und zwangsläufig überlastet werden, wenn wir nicht sofort drastische Maßnahmen ergreifen.

Glücklicherweise haben erste Pharmafirmen bereits reagiert und in schnell, jedoch äußerst sorgfältig durchgeführten Studien nachgewiesen, dass modifizierte Antibabypillen auch bei Männern wirken. Durch den erhöhten Forschungsaufwand sind sie jedoch leider viel teurer als bisherige handelsübliche Pillen.

Die Bundesregierung ist bereits dabei einen Nachtragshaushalt vorzubereiten, über den mehr als 40 Mio. Dosen der neuen “Pille” als Sofortmaßnahme angeschafft und allen männlichen Bundesbürgern zur Verfügung gestellt werden. Um einer Überlastung des Gesundheitssystems vorzubeugen, wird gleichzeitig an einer Gesetzesvorlage gearbeitet, die alle Männer verpflichtet, entweder die Pille zu nehmen, oder sich selbst freiwillige Enthaltsamkeit aufzuerlegen (“sexual distancing”).

Natürlich werde ich mitmachen und ab sofort die Pille nehmen. Die Nebenwirkungen nehme ich gerne in Kauf!

#flattenthecurve

Über den Umgang mit Rechtsradikalen auf Demonstrationen

Dass am 29. August bei der Großdemonstration gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung auch Menschen mit extremen Ansichten – rechts wie links – dabei waren steht außer Frage. Dass ich diese Ansichten nicht teile steht für mich ebenso außer Frage. Auch wenn es in den Medien oftmals anders dargestellt wird, zweifle ich auch nicht an, dass die Anwesenheit von extremen Randgruppen keinen Einfluss auf die Grundstimmung der Zehntausenden von Demokraten während der Demonstration gehabt hat.

Wie so oft, richtet sich der Fokus der Öffentlichkeit nach der Demonstration jedoch weg von der sehr großen Masse der friedlich Demonstrierenden und hin auf die viel spektakuläreren und medienwirksameren Randgruppe, siehe “Sturm” auf den Reichstag und schwarz-weiß-rote Reichsflaggen.

Der Tenor in den entrüsteten Medien lautet: Wer gemeinsam mit Nazis demonstriert macht sich selbst schuldig. Spiegel-Kolumnist Sascha Lobo sagt sogar in einem Video:

Wenn man beginnt, solche Leute in die Debatte zu holen, solche Leute als legitime Diskurspartner zu betrachten, dann hat man das Kunststück geschafft, zwar vielleicht nichts rechts zu sein, aber trotzdem zum Teil des Nazi-Problems in Deutschland zu werden.

https://www.instagram.com/p/CEhVOe4nAcG/

Abgesehen davon, dass ich keinerlei Lust habe, mich auf einen Diskurs mit Rechtextremen einzulassen und das, soweit ich mitbekommen habe, auch in Berlin niemand getan hat – was ist denn die politisch korrekte, möglichst konkrete Handlungsempfehlung hier?

Angenommen, Zehntausende Menschen ziehen friedlich demonstrierend durch die Straßen, und auf einmal gesellen sich ein paar Nazis mit Reichflaggen dazu, sollen dann alle pikiert aufschreien und sofort die Demonstration beenden, nur, um nicht “gemeinsame Sache” mit den Rechtsextremen zu machen? Oder sollen die Normalos die Nazis so lange in Diskussionen verwickeln, bis sie ihren Irrglauben erkennen und reumütig den rechten Rand verlassen? Bitte helft mir hier. Was sollen die Zehntausende tun? Außer dem natürlich, was sie ohnehin schon getan haben, nämlich die Spinner zu ignorieren.

Ich persönlich bin der Meinung, dass das Thema und das Statement einer Demonstration sich nicht deswegen ändert, weil ein paar Spinner sich anschließen und als Trittbrettfahrer versuchen, Aufmerksamkeit zu erheischen. Wäre ich in Berlin gewesen, hätte ich es als vollkommen ausreichend empfunden, mich von den Nazis fern zu halten und weiter mein Ding zu machen. Ich war zwar nicht dort, aber dennoch empfinde ich die demonstrativ vorgetragenen, kollektiven Kopfschmerzen der politisch ach so korrekten Medien und Politiker aufgrund der unzulässigen Pauschalisierung und fehlenden Alternativen als unerträglich.

Na klar ist es notwendig nicht mit Extremisten “gemeinsame Sache” zu machen. Aber nur, weil auf einer Großdemo mit 40.000 Menschen ein paar Hundert Nazis mit ein paar Flaggen auftauchen, diskreditiert das doch nicht all die, die ihr Grundrecht zu demonstieren friedlich genutzt haben. Eine Demokratie muss auch Spinner aushalten, und die beste Art und Weise das zu tun ist, ihnen keine Bühne zu bieten. Leider macht die Öffentlichkeit gerade das exakte Gegenteil. Aber vielleicht kommt es vielen auch einfach nur gelegen, dass ein paar Nazis mal wieder über die Stränge geschlagen haben. Ist ja so schön medienwirksam.