Mein persönliches Glaubensbekenntnis

Erst an dem Tag, an dem mir tatsächlich eine Atombombe auf den Kopf fällt, werde ich meinen Optimismus verlieren und aufhören, an meiner Überzeugung festzuhalten, dass die Menschheit die Kurve kriegen wird. Ich lebe und handle entsprechend, und trage meinen Teil zum Gelingen bei. Bis zu diesem Tag, möge er nie kommen, ist jeder Moment, den ich in Angst vor all den Schreckensbildern aus den Medien verbringe, eine verschwendete Gelegenheit, glücklich zu sein.

Mehr als nur Meinungsbildung

Demokratie setzt die freie individuelle Meinungsbildung und politische Willensbildung aller Bürgerinnen und Bürger voraus. […] Für den Prozess der Meinungsbildung spielen medial vermittelte Informationen, insbesondere die massenmedial verbreiteten Angebote des Journalismus, eine entscheidende Rolle.

(aus einem Beitrag der Bundeszentrale für politische Bildung)

Wie bereits geschrieben, bin ich der Meinung, dass man man Donald Trump sicher nicht mögen oder mit seinen Zielen übereinstimmen muss. Dennoch bin ich immer wieder verblüfft, wie selbstverständlich ein gepflegtes Trump-Bashing auf allen Ebenen geworden ist. Letztes Beispiel hierfür ist der Hype um die Rede von Meryl Streep bei der Verleihung der Golden Globes 2017.

Heute lese ich dann einen Kommentar in der Welt, der das gut auf den Punkt bringt, was mir die ganze Zeit zu diesem speziellen Thema durch den Kopf geht. Er trägt den Titel: »Nein, Donald Trump zu diffamieren ist nicht mutig«.

Mutig? Erfordert es Mut, vor einigen Hundert Gleichgesinnten etwas zu sagen; wissend, dass praktisch die ganze aufgeklärte Welt applaudieren wird? Das ist so mutig wie Dirndl tragen in Bayern – wenn man eine Frau ist. […]

Wir reden hier nicht von Lord Voldemort, wir reden von einem Mann, dem offenbar sehr viele Amerikaner zutrauen, ihre Interessen zu vertreten. Sollte man diesen Wählern das Recht absprechen, ihr Kreuz dort zu machen, wo sie es für richtig halten? Wie undemokratisch ist das eigentlich?

Die Hysterie, der blanke, unreflektierte Hass gegen eine Figur, die sicher vieles dafür getan hat, nicht gemocht, nicht mal richtig ernst genommen zu werden – sagen sie nicht mehr über die Kritiker aus als über ihn?

Als Freund einer differenzierten Betrachtung mit Hang zum Optimismus kann ich dem Gesamttenor des Kommentars nur zustimmen.

Ich wundere mich im übrigen schon seit Wochen darüber, wie selbstverständlich in den Medien herablassend, offen abwertend und verunglimpfend über einen Mann berichtet wird, den man nicht mögen muss, aber der immerhin in wenigen Tagen ein legitim gewähltes Staatsoberhaupt sein wird. Man stelle sich vor, Medien würden in einer derartigen Frequenz und Hartnäckigkeit auf solche Weise über Angela Merkel, Christian Kern oder François Hollande berichten. Der Aufschrei wäre groß und insbesondere die Kritik an der Qualität der journalistischen Arbeit würde dabei im Vordergrund stehen.

Die Meinungsmache nutzt dabei auch subtile Mittel, die nicht so auffällig sind, wie das Bashing. Nur das in den Fokus zu rücken, was ins gewünschte Bild passt (also beispielsweise Trumps eher blöde Idee vom Grenzzaun zu Mexiko) und seine guten Ideen (Einschränkung des Lobbyings in Washington) gänzlich auszusparen, ist so etwas wie das kleine 1×1 der manipulativen Berichterstattung. Doch es geht noch subtiler: In Berichten in Print- und Onlinemedien werden beispielsweise auffallend häufig Bilder von Trump abgebildet, auf denen er gerade eine unvorteilhafte Grimasse schneidet, und am besten noch aussieht wie der Teufel persönlich (siehe dazu die Google Bildersuche). Man stelle sich auch hier diese Vorgehensweise bei einem anderen Staatsoberhaupt vor.

Die Bestimmer in den Medien, der Politik und der Wirtschaft sind sich offenbar einig, dass Trump das Böse an sich verkörpert. Und sie nutzen die zur Verfügung stehenden Mittel der großflächigen Manipulation Meinungsbildung, um auch das Volk weltweit davon zu überzeugen.

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass Trump zwar der diametrale Gegenentwurf eines Diplomaten ist und einige seiner Ideen falsch und gefährlich sind. Jedoch ist die Tatsache, dass er eben nicht Teil der alten Machteliten der USA ist, höchst spannend und wenn er es schafft, auch nur einen Teil seiner Pläne in Bezug auf die Beschneidung des wild wuchernden Lobbyings in Washington durchzubringen, dann werden die USA am Ende seiner Amtszeit zumindest wieder ein Stückchen mehr vom Volk und weniger von den Eliten beherrscht.

Katastrophenvoyeurismus

Wieder ist etwas Schreckliches passiert und wieder überschlägt sich das Netz. Schon wenige Minuten nach den Explosionen sind die ersten Bilder und Videos in den Social Networks zu finden. Trümmer, Qualm, verstörte Menschen.

Die Journalisten sind nur allzu begierig, die angeborene Sensationslust der Menschen im Stakkato mit Livestreams und Tweets aus Brüssel zu befriedigen. Da werden Bilder von Menschen gepostet, die entgegen jeder Vernunft zu Fuß auf der Autobahn vom Anschlagsort fliehen, nur um zu belegen, dass sich Belgiens Hauptstadt im Ausnahmezustand befindet. Als ob wir das nicht auch so gewusst hätten. Spiegel Online postet auf seiner Facebook Seite ein direkt nach der Explosion aufgenommenes Amateurvideo, das vorab eine Warnung enthält: „Warnung: Das folgende Bild- und Tonmaterial kann auf manche Zuschauer verstörend wirken“. Fast hat man den Eindruck, das sowohl die Berichtenden als auch die Konsumierenden nur darauf gewartet haben, endlich wieder den Nervenkitzel einer Katastrophe zu spüren. Wahrscheinlich ist auch deshalb kaum etwas von sachlicher, unaufgeregter Berichterstattung zu spüren. Alle sind im Katastrophenfieber.

Im Verlauf des Tages kommen dann im TV die „Experten“ zu Wort, die uns erklären, warum wir alle jederzeit und überall potenzielle Anschlagsopfer sind, während sich in Facebook, Twitter & Co. die in solchen Fällen immer zu findenden Hauptströmungen austoben: Plakativ demonstrierte Betroffenheit à la „Je suis …“ und rechthaberische Hetze im Stil von „Ich hab’s ja gesagt: Der Islam ist gefährlich“ – und alle dunkelhäutigen Menschen mit Bart sollte man am besten gleich wegschließen, ausweisen oder noch Drastischeres.

Reflexartig geschieht nach Anschlägen, Naturkatastrophen oder anderen Ereignissen mit großem „medialen Potenzial“ immer das Gleiche: Wir werden überflutet mit Bildern und Tönen vom Ort des geschehens – in Farbe und wahrscheinlich demnächst auch 3D – und viel zu viele sitzen vor ihren Geräten, lassen sich berieseln und genießen den Nervenkitzel mit dem wohligen Gefühl im Bauch, dass es sie ja (wieder) nicht erwischt hat.

Auf meinen Kommentar zu einem Bild, das ein zum Tatort eilender Reporter getwittert hatte und das mich zu der Aussage „Katastrophenvoyeurismus“ verleitete, erhielt ich die Antwort, dass es dokumentiert werden müsse, wenn die Situation eine solche Dimension erreicht habe, dass es offensichtlich keine funktionierenden Verkehrsverbindungen mehr gibt. „Muss“ das wirklich von Journalisten in den sozialen Netzwerken dokumentiert werden? Nutzt das den Menschen? Oder würde es nicht ausreichen, wenn man, nachdem sich die ersten Wogen geglättet haben, im Nachhinein reflektiert und sachlich darüber berichtet. Auf jeden Fall zeigt es, dass die Berufsjournalisten die Lust an der Katastrophe leider bereits genauso verinnerlicht haben, wie ihr sensationsgieriges Publikum.

Ich selbst bin ein großer Fan von Internet und sozialen Netzwerken. Ich denke, dass die heute nahezu unbegrenzten Möglichkeiten der Kommunikation das Potenzial haben, die Welt zum Besseren zu verändern. Wie bei jeder neuen Technologie braucht es jedoch Zeit, bis sich die Gesellschaft mit ihren Wertvorstellungen daran angepasst hat, bis etabliert ist, was akzeptabel und was nicht mehr akzeptabel ist. Momentan sind die meisten im Rausch der sekundenaktuellen Bilder und Töne, einfach nur, weil es jetzt möglich ist. Es gibt jedoch Situationen in denen es besser wäre, das multimediale Ventil ein wenig zu drosseln, bis sich die Lage beruhigt hat. Brüssel wäre ein solcher Fall gewesen.

Meine eigene Konsequenz gestern war es, darauf zu verzichten, die mediale Flut zu konsumieren. Wenn sich die große Aufregung gelegt hat, werde ich mir eine Quelle suchen, in der ich die Fakten nachlesen kann. Und in der Zwischenzeit werde ich mein Leben leben, ohne meine Betroffenheit (die ich durchaus spüre) in die Welt zu schreien oder rechte Parolen (die ohnehin nicht meinem Weltbild entsprechen) zu verbreiten. Ich habe schon vor langer Zeit für mich entschieden, dass es oft gesünder ist, Medien dosiert zu konsumieren – vor allem hilft es mir aber dabei, mein Leben mit viel weniger Angst zu leben, denn (wie ein schöner Spruch auf Facebook letztens proklamiert hat): 99% der Dinge, um die wir uns Sorgen machen, werden niemals geschehen.

P.S.: Da ich persönlich nichts tun kann, um den betroffenen Menschen in Brüssel direkt zu helfen, leiste ich meinen Beitrag, indem ich dafür sorge, dass ich keine Angst habe, denn das ist eines der Hauptziele solcher Attentäter.

Schwachsinniges oder Tiefsinniges

Ein Interview mit den Kindern von Will Smith hat in den USA und auch in Deutschland so viel Interesse geweckt, dass sich sogar der Spiegel bemüßigt sah, darüber zu berichten. Freilich geht es sowohl in der amerikanischen als auch in der deutschen Presse vor allem darum, das Interview zu zerreißen, weil das, was die 14 und 16 Jahre alten Teenager da von sich gegeben haben natürlich vollkommener Quatsch ist.

Tatsächlich?

Ich weiß natürlich nicht, ob die beiden auch verstehen, was sie da so sagen, aber wenn man sich mit Philosophie, Quantenphysik und Spiritualität beschäftigt, dann wirken die Aussagen alles andere als „verrückt“, wie der Spiegel so schön titelt. Der Eindruck hat sich mir jedenfalls beim Lesen des zusammenfassenden Verrisses von Mashable aufgedrängt.

Der Link zum vollständigen Interview findet sich übrigens hier: http://tmagazine.blogs.nytimes.com/2014/11/17/jaden-and-willow-smith-exclusive-joint-interview

Nachtrag zum Netzgemüse

Im Epilog (e-Pilog) des soeben von mir zuende gelesenen Buchs findet sich eine Analogie, die so klar, eindrücklich und offensichtlich ist, dass ich hier noch teilen möchte:

„Der private Nahverkehr in Deutschland wird nicht eingestellt, wenn ihm knapp 4000 Menschen (2011) zum Opfer fallen, und wir verbieten unseren Kindern trotz der potenziellen Gefahr nicht, am Verkehr teilzunehmen, sondern bereiten sie, im Gegenteil, auf die aktive Teilnahme vor. Vernünftigerweise bekommen sie in der Schule Verkehrsunterricht, machen ihren Fahrradführerschein und werden privat von ihren Eltern verkehrsfit gemacht. Auch wenn wir wissen, dass der Straßenverkehr eine potenzielle Bedrohung darstellt, erklären wir ihnen, kaum dass sie laufen können, die Funktion einer Ampel, damit sie lernen, selbständig eine Straße sicher zu überqueren. […]

Seine Kinder nicht so früh wie möglich an die Nutzung digitaler Medien zu gewöhnen, sondern sie so lange wie möglich vom Computer fernzuhalten ist ebenso unverantwortlich, wie das andere Extrem, ihnen einen Rechner mit Internetanschluss ins Kinderzimmer zu stellen und sie damit sich selbst zu überlassen.“

(Tanja & Johnny Haeusler in „Netzgemüse„)

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen 🙂

Hellseher, Wahrsager, Kartenleger

Nachdem ich die Überschrift eines Artikels im Main-Echo zum ungebrochenen Trend zur Esoterik in Deutschland gelesen habe (berichtet wurde über eine moderne „Hexe“ und Kartenlegerin), bin ich nicht umhingekommen, mir einige Gedanken über dieses Thema zu machen und sie niederzuschreiben.

Vorab: Ich bin der Überzeugung und weiß aus eigener Erfahrung, dass es so etwas wie „übersinnliche Fähigkeiten“ gibt, und dass auch Kartenlegen durchaus das Potenzial hat, zu Erkenntnissen und Informationen zu führen. Ich weiß auch, dass es in diesem Bereich Betrüger, etc. gibt – die will ich hier aber von vorneherein ausblenden.

Was hat es also mit der Hellseherei auf sich? Zuallererst möchte ich feststellen, dass es Teil meines Weltbildes ist, dass jeder Mensch zusätzlich zu seinen fünf Sinnen weitere, also  „übersinnliche“, Wege der Wahrnehmung hat, die Intuition ist zum Beispiel so einer. Derartige Fähigkeiten sind also nicht einzelnen, „besonderen“ Menschen vorbehalten, es handelt sich vielmehr um ein Talent wie Musikalität oder handwerkliches Geschick, etc. – dem einen fällt es leicht, dem anderen nicht. Dennoch kann jeder Mensch seine übersinnlichen Antennen schulen und trainieren, und sie dafür nutzen, sein Leben eleganter und leichter zu leben.

Manchmal gibt es Situationen, in denen es hilfreich ist, auf die Fähigkeiten eines anderen zurückzugreifen, der ein gewisses Thema, z.B. das Hellsehen, viel besser beherrscht als man selbst. Auch hier bemühe ich wieder den Vergleich zu den anderen Talenten: Wenn der Tank meines Autos leer ist, dann kann ich mir selbst helfen. Wenn es aber kaputt ist, versuche ich es normalerweise nicht selbst zu reparieren, sondern suche jemanden auf, der sich damit auskennt, also einen KFZ-Mechaniker. In diesem Licht betrachtet sind Medien, Hellseher und Kartenleger nur Dienstleister, wie alle anderen auch.

Ein wesentlicher Punkt für mich ist, dass ich vollständig davon überzeugt bin, dass wir unser Leben selbst gestalten. Im Umkehrschluss heißt das, dass niemand (niemand!) in der Lage ist, die Zukunft exakt vorauszusagen, denn ich kann mich in jedem Moment umentscheiden. Dennoch gibt es Potenziale für eine mögliche Zukunft, und manche von den Potenzialen sind kraftvoller (oder „wahrscheinlicher“) als andere. Wenn mir ein Hellseher oder Kartenleger etwas über meine Zukunft sagt, dann beziehen sich die Aussagen immer nur auf Potenziale, und die haben jederzeit die Möglichkeit, eben auch nicht einzutreffen. Zumindest für mich macht das den Umgang mit übersinnlichen Informationen sehr viel entspannter 🙂

Das Wichtigste bei alledem ist jedoch, wie man mit den Informationen, die man in Bezug auf zukünftige Potenziale erhält, umgeht. Auch dieses Thema lässt sich, wie so vieles im Leben, wieder auf den Begriff „Eigenverantwortung“ zurückführen. Wenn ich die Informationen nutze, um eigenverantwortlich mündige Entscheidungen für mein Leben zu treffen, dann ist die Nutzung übersinnlicher Quellen eine echte Bereicherung. Wenn ich jedoch die Verantwortung abgebe, dann schade ich mir selbst.

Ein Beispiel: Ich trage mich mit dem Gedanken, mich selbständig zu machen und habe auch schon einen Plan, wie das funktionieren soll. Weil ich mir unsicher bin, ziehe ich ein Medium zu Rate, welches mir sagt, dass das Projekt unter keinem guten Stern steht. An dieser Stelle habe ich zwei Möglichkeiten: Entweder, ich verwerfe meinem Plan, ziehe mich in mein Schneckenhaus zurück und werde depressiv, weil ich glaube, dass die Wahrsagerin gesagt hat, dass mein Plan zum Scheitern verurteilt ist. Oder ich übernehme die Verantwortung für mein Leben, meinen Plan und das, was ich in der Sitzung erfahren habe. Wenn ich das tue, dann lasse ich die gewonnenen Informationen in meine Betrachtungen einfließen, überprüfe meine eigene Intuition und verändere ggf. meinen Plan entsprechend. Nur weil das Potenzial für das Gelingen einer Idee mit bestimmten Rahmenbedingungen vielleicht nicht optimal ist, heißt das nicht, dass das Projekt als Ganzes schlecht ist. Manchmal genügt es, Details oder bestimmte Parameter zu verändern, um einen Weg, der bisher steinig und voller Hindernisse war, in eine Autobahn zu verwandeln 🙂

Meine Einstellung zum Thema Hellseher, Wahrsager und Kartenleger ist also kurz gesagt die folgende: Wenn man jemanden hat, mit dem die Chemie stimmt und dem man vertraut, dann kann man diese Informationsquelle durchaus nutzen. Man sollte jedoch die Informationen a) nicht wörtlich nehmen, sondern als das, was sie sind: Potenziale, und b) keine Entscheidungen treffen, die ausschließlich oder auch nur zum überwiegenden Teil auf diesen Informationen beruhen. Ich selbst nutze hellsichtige Berater im wesentlichen, um mir die Dinge, die mir meine eigene Intuition ohnehin schon eingegeben hat, bestätigen zu lassen. So betrachtet ist das Ganze ein wunderbares Spiel.