Zu offensichtlich

Ich schaue gerade die letzte Staffel von „House of Cards“ auf Netflix. Eine herausragende Serie mit Kevin Spacey. Schade, dass die Serie aufgrund des Skandals um ihn wohl nicht weitergehen wird.

In der Serie wird in erstaunlicher Offenheit das politische System der USA mit seinen Lügen, Intrigen und Machtspielen dargestellt. Dem Zuschauer wird im Stakkatorhythmus vor Augen gehalten, dass es in der angeblich „ältesten“ (noch existierenden) Demokratie um alles andere geht, als um die im Wortsinne postulierte „Herrschaft des Volkes“. Selbst innerhalb des legalen Rahmens wird dasselbe belogen, über den Tisch gezogen und ständig manipuliert, um den Interessen derjenigen, die an den Schalthebeln der Macht sitzen, zu dienen.

Die Handlung der Serie mag fiktiv sein, die Strukturen und Mechanik der Macht, die in ihr dargestellt werden, lassen sich innerhalb kürzester Zeit verifizieren.

Was mich dabei von Anfang an gewundert hat: Wenn den Menschen in den USA so klar vor Augen geführt wird, dass sie letztlich nichts zu sagen haben und mehr Untertanen als Souverän sind, warum gibt es dann keine Massenproteste, wütende Zeitungsartikel und einen politischen Prozess, um dem allem einen Riegel vorzuschieben? „Panem et circenses“ funktioniert wohl immer noch zu gut.

Und nein: Ich bin nicht der Meinung, dass der Staat in Deutschland besser funktioniert oder dass wir als Bürger mehr Einfluss auf dessen Handeln haben.