Der Unterschied zwischen der religiösen und der spirituellen Sicht der Realität

Schon seit ich denken kann, bin ich ein spiritueller Mensch und fast ebenso lang lehne ich die institutionalisierte Religion egal welcher Konfession ab. Als Reaktion auf meine Kolumne im aktuellen Essenzenladen Newsletter hat mich der befreundete Autor Gerald Ehegartner auf ein kurzes Video von John Trudell aufmerksam gemacht, das meine Einstellung dazu geradezu perfekt zusammenfasst.

Es gibt eine religöse Sicht auf die Realität, und es gibt eine spirituelle Sicht auf die Realität. Die religiöse Sicht auf die Realität dreht sich um Schuldgefühle, Sünde und Schuldzuweisungen – und das ist die Falle. Das sind die Ketten, die alle Bürger festhalten. Bei der spirituellen Sicht der Realität geht es um Verantwortung. Wir sind alle verantwortlich, nicht schuldig, sondern verantwortlich. Und es scheint momentan die größte Herausforderung als Mensch auf diesem Planeten zu sein, unseren Weg durch diese zwei unterschiedlichen Sichtweisen auf die Realität zu finden. Denn bei der religiösen Sicht auf die Realität geht es um Dominanz. Es geht nicht um Verantwortung.  Es geht um Unterwürfigkeit und autoritäre Figuren. Und die spirituelle Sicht auf die Realität dreht sich um Leben und Respekt und Verantwortung.

Das Video ist nur knapp dreienhalb Minuten lang und es lohnt sich, es anzusehen. Danke, Gerald 🙂

Allmächtiger Gott, wir sind deine Diener

Wenn eine Religion Ihnen das Gefühl vermittelt, dass Sie weniger wertvoll sind als ihre Gottheiten, dann haben Sie sie entweder missverstanden oder die Religion übermittelt die Wahrheit nicht gut.

Wenn ein Guru, Lehrer oder Meister Ihnen das Gefühl gibt, »noch nicht« erleuchtet zu sein und noch mehr »lernen«, »aufgeben« oder »loslassen« zu müssen, bevor Sie erleuchtet werden, dann vermitteln diese Ihnen nicht gut, wer Sie in Wahrheit sind, oder Sie missverstehen sie.

(aus »Heilung im Licht: Wie ich durch eine Nahtoderfahrung den Krebs besiegte und neu geboren wurde« von Anita Moorjani)

Bin auch ich Charlie?

Unter dem Eindruck des “Je suis Charlie”-Phänomens habe ich eine ganze Weile überlegen müssen, ob ich mich dazu äußern will oder nicht. Massenbewegungen, ja man könnte fast “Hysterien” sagen, waren mir schon immer suspekt und meistens suche ich eher das Weite, wenn sich die Menge in Bewegung setzt. Ich habe mich dennoch entschieden, mein Blog dazu zu nutzen, um meinen Senf dazuzugeben. Vielleicht werde ich dafür gesteinigt, vielleicht kann ich aber auch den einen oder anderen dazu bewegen, manche Dinge kritisch zu hinterfragen, anstatt sie unreflektiert nachzuplappern.

Um Vorab eines ganz klar gesagt zu haben: Gewalt lässt sich durch nichts rechtfertigen oder entschuldigen. Das Attentat auf die Charlie Hebdo Redaktion war ein feiger Anschlag auf wehrlose Menschen. Ohne Wenn und Aber.

Was mich beschäftigt ist hingegen die Frage, ob auch ich Charlie bin. Mein Mitgefühl gilt den Opfern und vor allem auch den Hinterbliebenen und Kollegen. Aber möchte ich mich mit der Institution dieses Magazins solidarisieren oder sogar identifizieren?

Ich muss zugeben, bis gestern hatte ich mir die Inhalte des Magazins nicht wirklich angesehen. In den Medien hört man immer von “frecher Satire” – da denke ich zuerst mal an Titanic und Konsorten. Keine Frage, dass auch ich mich hinter Titanic stellen würde (alleine schon aus Gründen der Meinungs- und Pressefreiheit), wenn denen jemand ans Leder wollte.

Durch einen Beitrag von Felix R. Paturi auf Facebook bin ich jedoch neugierig geworden und habe mir via Google mal die Titelbilder von Charlie Hebdo angeschaut, die so im Netz herumspuken. Oft geht es dabei um Kirchen und Religion – Christentum, Judentum und Islam sind allesamt im Zielkreuz.

Ich selbst gehöre keiner organisierten Religion an und bin kein Freund der Kirchen. In meinen Augen sind sie vor allem Institutionen der Machtausübung über die Menschen und deshalb ist es richtig und notwendig, sie für alles Kritikwürdige auch zu kritisieren. Der Papst ist mir Wurscht und wenn jemand einen guten Witz über Jesus, Mohammed oder Jahwe macht, dann bin ich der letzte, der sich bemüßigt fühlt, nicht zu lachen oder sogar den Gutmenschen heraushängen lässt.

Die Grenze zwischen einem Witz und Satire auf der einen, und Respektlosigkeit auf der anderen Seite ist jedoch fließend. Ersteres muss immer möglich sein und hilft dabei, Menschen einen Spiegel vorzuhalten, die das Thema Religion vielleicht etwas zu ernst nehmen. Letzteres muss zwar auch möglich sein (da wären wir wieder beim Thema Meinungsfreiheit), ist in meinen Augen aber überflüssig. Muss ich wirklich bewusst und immer wieder Dinge sagen oder publizieren, von denen ich schon im Voraus weiß, dass sie die Gefühle vieler Menschen verletzen?

Die Titelbilder von Charlie Hebdo (und wahrscheinlich auch die Inhalte der Hefte) sind oft vulgär und dazu geeignet und gemacht, religiöse Gefühle zu verletzen. Es werden unter anderem Dinge gezeigt wie Vater, Sohn und heiliger Geist beim Analverkehr, oder ein Muslim, der, von Kugeln durchsiebt, einen Koran vor sich hält und sagt: “Der Koran ist scheiße – er hält noch nicht einmal Kugeln ab”.

Ich bin weder Christ, noch Jude, noch Muslim. Ich glaube nicht an die Lehren der Kirchen und es gibt unendlich viele Dinge, die ich sowohl an den Religionen als auch an den Institutionen der Kirchen kritisiere. Aber ich respektiere es, wenn jemand anderes an diese Lehren glaubt, genauso wie ich erwarte, dass mein Gegenüber mein Weltbild respektiert.

Eben an diesem Respekt mangelt es Charlie Hebdo in meinen Augen. Deshalb trauere ich um die Menschen, die zu Tode gekommen sind und fühle mit den Hinterbliebenen. Aber ich solidarisiere mich nicht mit dem Magazin als Institution. Nur, weil es Ziel eines Anschlags geworden ist, wird aus einem respektlosen Blatt keine Kunst.

Bin ich also auch Charlie Hebdo? Klare Antwort: Non, je ne suis pas Charlie!

Spiritualität vs. Religion

Heute auf Facebook gesehen:

“Spirituality is a personal relationship with the Divine. Religion is crowd control.”

Übersetzt heißt das soviel wie:

“Spiritualität ist eine individuelle Beziehung zum Göttlichen. Religion dient zur Kontrolle der Masse.”

Klarer kann man es, glaube ich, nicht ausdrücken. Amen 😉

Religion ist wie ein Penis

In Bezug auf meinen Post zum fundamentalistischen Humanismus (oder humanistischen Fundamentalismus?!) möchte ich auch noch einen Spruch teilen, der mir vor einiger Zeit schon einmal auf Facebook über den Weg gelaufen ist:

religion_is_like_a_penis

Religion ist wie ein Penis.
Es ist in Ordnung eine zu haben.
Es ist in Ordnung stolz darauf zu sein.
Aber bitte hole sie nicht in der Öffentlichkeit raus und wedele damit herum.
Und BITTE versuche nicht, sie sie in den Hals meiner Kinder zu schieben.

Wie wahr …

Das Bild stammt von hier: http://www.eyesaiditbefore.de/2010/09/12/das-wort-zum-sonntag-2/. Danke 🙂

Humanistischer Fundamentalismus

Ich bin wahrlich kein Freund organisierter Religionen, und habe das auch schon des öfteren in diesem Blog zum Ausdruck gebracht. Gerade ist mit jedoch auf Facebook eine Seite mit dem Titel “Religioten & Co.” über den Weg gelaufen – ein Kunstwort für “religiöse Idioten” – die mich dazu veranlasst, eine diese kurze Notiz zu schreiben.

Ich habe mich schon länger gefragt, ob es so etwas wie fundamentalistische Humanisten gibt … und hier scheine ich die Antwort gefunden zu haben. Ja, es gibt sie. Auf dieser Seite wird keine Gelegenheit ausgelassen, über die organisierten Religionen herzuziehen und sie lächerlich zu machen. Ich finde es in Ordnung, wenn man sich selbst entscheidet, nicht Teil einer Religionsgemeinschaft zu sein. Ist es aber wirklich notwendig, gegen dieselben zu hetzen?

Zwei weitere Fragen bleiben: Was genau soll jetzt “besser” daran sein, unter dem Deckmäntelchen des Humanismus auf ziemlich militante Weise Religionen abzulehnen und die Überzeugungen anderer lächerlich zu machen? Und ist nicht die organisierte Ablehnung von Religionen auch nur eine weitere Form von Religion, nur ohne einen Gott?

Die Glaubenskongregation der katholischern Kirche

Heute hat eine kleine Meldung auf Spiegel Online mein Interesse geweckt:

Spekulationen gab es seit langem, nun ist es offiziell: Der umstrittene Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller wird eines der höchsten Ämter in der katholischen Kirche übernehmen. Papst Benedikt XVI. ernannte den 64-Jährigen zum neuen Präfekten der Glaubenskongregation.

Nun will ich mich nicht über den Bischof und seine unumstrittene Umstrittenheit (oder seine umstrittene Unumstrittenheit) auslassen. Das, was mein Interesse eigentlich geweckt hat ist das Wort “Glaubenskongregation”. Natürlich habe ich das Wort schon des öfteren gehört und habe auch eine Vorstellung davon, worum es sich dabei handelt. Spätestens seit “wir Papst sind” hat jeder dieses Wort schon einmal gehört, denn der Guru der katholischen Sekte Papst Benedikt XVI. bekleidete als Kardinal Ratzinger dieses Amt selbst über viele Jahre.

Ist aber doch mal interessant, herauszufinden, was genau sich hinter dieser “Behörde” innerhalb des katholischen Machtapparates verbirgt. Der erste Weg führt zu Wikipedia, wo man direkt im Kopf des entsprechenden Artikels folgende Definition findet:

Die Kongregation für die Glaubenslehre […] ist eine […] Zentralbehörde der römisch-katholischen Kirche. Ihre Aufgabe ist der Schutz der Kirche vor Häresien, also abweichenden Glaubensvorstellungen.

Na, das ist doch mal ehrlich. Die katholische Kirche beschäftigt also eine ganze Behörde (bestehend insgesamt aus 30 hohen kichlichen Würdenträgern – unter “Bischof” geht da nix), die dafür zuständig sind, die Kirche vor abweichenden Glaubensvorstellungen zu schützen. Erste Frage, die mir in den Sinn kommt: Warum muss man sich vor abweichenden Vorstellungen schützen? Aber egal.

Eine kurze weitere Recherche im Internet führte mich zum Dokument mit dem Titel “Ordnung für die Lehrüberprüfung” – offensichtlich so etwas wie das Regelwerk, wie in der Kirche die Zensur zu funktionieren hat. Dort finden sich einige interessante Formulierungen, die ich spaßeshalber gerne kommentieren möchte (meine Anmerkungen finden sich in den Klammern und sind kursiv).

“Die Kongregation für die Glaubenslehre hat die Aufgabe, die Glaubens- und Sittenlehre in der ganzen katholischen Kirche zu fördern und zu schützen. (An sich klingt das gut. Aber auch hier taucht die Frage auf, wovor man sich schützen muss) In der Erfüllung dieser Aufgabe leistet sie einen Dienst an der Wahrheit (Aha! Hier haben wir schon direkt im zweiten Satz das Dogma der Unfehlbarkeit. Was die katholische Kirche sagt ist also die Wahrheit. Den Gesetzen der Logik folgend muss also jeder, der etwas Abweichendes sagt, lügen.) und schützt sie das Recht des Volkes Gottes auf die getreue und vollständige Verkündigung des Evangeliums. (Auch wieder eine nette Formulierung. Das Volk Gottes – die Katholiken – haben ein Recht auf die getreue und vollständige Verkündigung des Evangeliums. Zwei Fragen: Wenn die Katholiken das Volk Gottes sind, dann sind alle Nichtkatholiken dementsprechend gottlos. Nichts Neues, aber man kann es sich ja nochmal auf der Zunge zergehen lassen. Die getreue und vollständige Verkündigung bezieht sich im Übrigen natürlich auch nur auf das, was die Kirche als getreu und vollständig erachtet. Stichwort Apokryphen.) Damit Glaube und Sitten durch verbreitete Irrtümer keinen Schaden leiden (Warum sollten sie das tun? Nur weil jemand etwas anderes behauptet?), hat sie auch die Pflicht, Schriften und Meinungen zu überprüfen, die dem rechten Glauben entgegengesetzt oder gefährlich scheinen. (Und an dieser Stelle findet sich dann mal die Definition von Zensur)

Nach der Lektüre dieses sehr kurzen Absatzes war ich wieder einmal sehr erstaunt und habe – ebenfalls zum wiederholten Male – erkannt, dass ich tatsächlich in einer Art Paralleluniversum lebe, in denen es so etwas wie die Unfehlbarkeit und den Besitz der absoluten Wahrheit nicht gibt. Es fällt mir in der Tat sehr schwer zu glauben, dass es tatsächlich Menschen gibt, die solche Standpunkte ernsthaft vertreten und noch viel mehr Menschen, die einfach so akzeptieren, dass sie auf solche Art und Weise bevormundet werden. Insofern komme ich mir in solchen Situationen manchmal sprichwörtlich wie “im falschen Film” vor.

Glücklicherweise ist jedoch die Zahl derer, die sich entschieden haben, ebenfalls in ein Paralleluniversum zu kommen, im Steigen begriffen. Konsequenterweise kommen diese Menschen nicht alle in mein Paralleluniversum (würde ja auch ganz schön voll werden darin), sondern bauen sich ihr eigenes. Was für eine wundervolle Vorstellung, dass es vielleicht irgendwann annähernd sieben Milliarden verschiedenen Paralleluniversen geben könnte, die alle friedlich nebeneinander koexistieren.

Religionskritik – Philip Möller bei Disput\Berlin

Wie schon an anderer Stelle beschrieben halte ich jede institutionalisierte Form von Glauben (also, das, was man gemeinhin als “Religion” bezeichnet) für nicht konstruktiv, sogar letztlich destruktiv. Eine wunderbare und nur vier Minuten lange Rede zu diesem Thema finden wir auf YouTube von Philipp Möller bei “Disput\Berlin”. Mehr muss man zu dem Thema nicht mehr sagen.

Was mir besonders bei dieser Rede gefällt ist, dass sie ganz klar zwischen Religion (Institution) und Glaube (Privatsache) differenziert. Wie schon gesagt: Jeder glaube was er will und gestehe dies auch allen anderen zu.