Warum ich den schwarzen Freitag ignoriere

Ich bin kein Asket … nun wirklich nicht. Ich mag gerne technische Spielereien und schrecke auch nicht davor zurück, mir etwas zu gönnen, was vielleicht nicht überlebensnotwendig ist. Trotzdem finde ich den Wahn um den „Black Friday“, der dieses Jahr das erste Mal mit voller Macht über Deutschland schwappt verrückt und sogar abstoßend.

In den Medien wird viel darüber berichtet, dass dieser Tag, der in den USA seit einer Reihe von Jahren immer am letzten Freitag im November von den Jüngern der Konsumgötter zelebriert wird, der „Auftakt des Weihnachtsgeschäfts“ und ein wichtiger „Gradmesser“ für dessen Verlauf sein soll. In meinen Augen ist das jedoch nur noch ein künstlich geschaffener Anreiz, damit Menschen Dinge kaufen, die sie nicht brauchen, nur weil sie angeblich gerade super billig sind – und natürlich morgen schon wieder viel teurer.

Der schwarze Freitag bedient in psychologisch-manipulativer Reinform die „Geiz-ist-geil“-Mentalität, die wir seit vielen Jahren von den Marketingabteilungen der großen Einzelhändler eingeimpft bekommen. Der atavistische Jagdtrieb der Männer – der Black Friday konzentriert sich traditionell auf technische Geräte – wird gezielt angesprochen, um das Gehirn aus und den Geldbeutel aufzumachen. Ein ähnliches Prinzip konnte man zumindest früher oft bei eBay beobachten: Da gingen gebrauchte Artikel zu Preisen über den Tresen, die regelmäßig höher waren als die Neupreise eben dieser Produkte. Und das alles nur, weil der Nervenkitzel beim Bieten so groß war. Wie gesagt: Gehirn aus, Geldbeutel auf.

Ein weiterer Grund für mich, den schwarzen Freitag zu ignorieren ist die Respektlosigkeit, die man den Produkten auf gewisse Weise entgegenbringt, wenn man sie verschleudert. In jedem Produkt steckt Arbeit und vielleicht sogar ein wenig Liebe drin, und wenn es zum Dumpingpreis zum Zwecke des Kaufrauschs in Massen unter’s Volk gebracht wird, dann missachtet das den jedem Produkt innewohnenden Wert gehörig. Das mag ein bisschen abgefahren klingen, aber für mich ist das wichtig.

Ein etwas anderer, jedoch ebenso wichtiger Aspekt wird durch ein Zitat von John Ruskin beschrieben, dem ich in einen eigenen Post gewidmet habe. In Kurzform: Natürlich ist es unklug, für ein Produkt zu viel zu bezahlen. Es ist jedoch noch viel unklüger, für ein Produkt zu wenig zu bezahlen. Hier geht es zum vollständigen Artikel.

Aus all diesen Gründen werde ich heute außer vielleicht ein paar Lebensmitteln nichts kaufen, und ganz sicher werde ich auf unsere Essenzen heute keine verrückten Rabatte geben. Die Konsumgötter mögen es mir verzeihen, aber bei dem Quatsch mache ich einfach nicht mit.

5 Antworten auf „Warum ich den schwarzen Freitag ignoriere“

  1. Nicht immer können Roboter oder Maschinen stupide Arbeiten vollständig ersetzen. Sie erleichtern gewisse Arbeitsvorgänge, weswegen durch Arbeitserleichterung die Stückzahl steigt oder die Arbeitskraft billiger wird.

    Ich wollte eigentlich darauf hinaus, dass ArbeiterInnen in Billiglohnländern vielleicht so unter Arbeitsdruck stehen dass sie ein Produkt nicht mit Liebe fertigen. Noch schlimmer trifft es die Menschen die die Rohstoffe in den Minen von Hand abbauen.
     Nur um den Konsumrausch der Menschheit, für einen kurzen Moment, zu stillen.

    1. Konsumrausch ist ein Problem, Konsum an sich nicht per se. Wenn die Arbeiter fair bezahlt und unter fairen Bedingungen arbeiten würden, hätten sie wahrscheinlich die Chance, auch ihre Arbeit mit Liebe zu erledigen. Das geht jedoch nur, wenn wir von der Geiz-ist-geil-Mentalität wegkommen und nichts anderes habe ich in meinem Post gesagt. Insofern keinerlei Widerspruch.

  2. Liebe zum Detail haben bei vielen Sachen vielleicht die Entwickler. Die vielen Hände die ein Produkt, unter unmenschlichen Zuständen, zusammenbauen eher weniger.

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