Relative Realitätstheorie …

Leider haben wir uns bereits daran gewöhnt, dass Ereignisse in Presse und TV in letzter Zeit oft anders aussehen, als sie von den Beobachtern vor Ort wahrgenommen wurden. Ob das jetzt böser Wille oder nur journalistische Unfähigkeit ist, sei dahingestellt. Aufgrund der Häufigkeit, mit der derartige Dinge in den letzten Monaten auftreten, lehne mich jedoch mal soweit aus dem Fenster, dass ich den “Zufall” als Ursache ausschließe.

Ein besonders ansehnlicher Fall von relativer Realität in den Medien, nicht nur aufgrund der räumlichen Nähe, hat sich am Wochenende in Aschaffenburg zugetragen. Dort hatte bereits im April eine im verborgenen agierende Gruppe – man munkelt, es wären lokale Unternehmer – einen Flashmob organisiert. Im Stil des mexikanischen “Día de los Muertos” verkleidete Menschen zogen zu lauter, rhythmischer Musik durch die Innenstadt und schwenkten Fahnen mit Aufschriften wie “Freiheit”, “Gemeinschaft”, “Gastronomie”, “Kultur”, “Sport” etc.

In den Medien wurde die Aktion, die deutschlandweit Aufsehen erregte, umgehend auf das Schärfste verurteilt. Besonders die dunklen, “martialischen” Kostüme wurden den Teilnehmern zum Vorwurf gemacht. Wenn man schon demonstrieren müsse, dann doch bitteschön nicht so morbide und traurig.

Soll mal keiner sagen, dass die Kritiker der Maßnahmen nicht selbst kritikfähig wären. Vermutlich aus diesem Grund ist eine, erneut anonyme, Gruppe von Menschen am Samstagmorgen durch Aschaffenburg gezogen. Diesmal jedoch mit bunten Hippiekostümen, lachend, und zu fröhlicher Musik. Ein Video fängt die Stimmung vor Ort sehr gut ein.

Aber wie man es auch macht, man macht es immer falsch. Selbstverständlich wird auch diese, in meinen Augen ungeheuer kreative und dringend notwendige Aktion, von den Medien umgehend geächtet. Bevor Sie weiterlesen, schauen Sie bitte unbedingt kurz in das Video …

Einige Pressestimmen zum Flashmob:

Erneut hat es in Aschaffenburg zwei nicht genehmigte Aufzüge von Gegnern der Corona-Maßnahmen gegeben. Die Polizei sah sich Teilnehmern mit äußerst aggressiver Grundstimmung gegenüber. Zwei Beamte wurden verletzt.

Internetportal “inFranken.de”

Rund 50 Menschen hatten sich am Samstag gegen 10.00 Uhr in Aschaffenburg versammelt, um durch die Innenstadt zu ziehen. Die Demonstranten waren Gegner der Corona-Maßnahmen, was sie auf entsprechenden Plakaten kenntlich machten. Ihre Stimmung sei laut Polizei aggressiv gewesen – Corona-Regeln, wie etwa die Kontaktbeschränkungen seien nicht eingehalten worden.

Bayerischer Rundfunk

Auch die Lokalpresse berichtet ausführlich über den Flashmob und stellt in den Vordergrund, dass sich der zufällig anwesende Oberbürgermeister von den bunt gekleideten Menschen bedroht gefühlt hätte. Man könnte fast auf die Idee kommen, dass das mehr mit ihm selbst als mit den Demonstranten zu tun hat, aber das steht auf einem anderen Blatt.

Was ich damit sagen will? Nichts. Ich nehme lediglich wahr und ziehe meine eigenen Schlüsse daraus. Mögen alle Leser dieses Beitrags dasselbe tun.

Handeln tut gut

Flashmob-Demo in Aschaffenburg

Die Coronazeit zeichnet sich vor allem durch zwei Dinge aus: Eintönigkeit und schlechte Nachrichten. Nicht, dass die Welt vor einem wirklichen Problem stünde – die Welt ist so, wie sie auch vorher war: ein wunderschöner Ort, der halt auch Gefahren birgt. Es wird der breiten Masse lediglich mit allen Mitteln verkauft, dass der Weltuntergang unmittelbar bevorsteht. Das nutzen die Strippenzieher dann aus, um mit Lockdown & Co. Eintönigkeit zu erzeugen und die Menschen so mürbe zu machen, dass sie hübsch parieren. Perfide.

Gestern Abend durfte ich erleben, wie gut es tut, zu handeln, auch wenn es diesmal nur symbolisch war. Gegen 21 Uhr hörten wir laute Musik von draußen. Lustig – vor 18 Monaten hätten wir uns noch darüber beschwert, gestern war es eine willkommene Abwechslung, die mich sofort hat rausgehen lassen. Dort lief mir dann ein Zug von an die hundert Menschen in die Arme (oder ich ihm), die schwarz gekleidet waren und ihre Gesichter als Totenköpfe geschminkt hatten. Zusammen mit einem batteriebetriebenen Lautsprecher- (Boller-) Wagen zogen sie durch die Stadt und haben dabei Banner mit links-rassistischen, braunen Aluhut-Parolen geschwenkt. Also halt sowas wie „Frieden“, „Freiheit“, „Wir sind das Leben“ und „Wir sind Kultur“ und weiterer vollkommen geschmackloser Kram.

Als stadtbekannter Covidiot habe ich mich natürlich sofort angeschlossen und bin mitgelaufen. Irgendwann konnte man dann sogar Jürgen Herzing, seines Zeichens Oberbürgermeister der Stadt Aschaffenburg, beobachten, wie er abseits neben dem Demonstrationszug lief und telefonierte. Entgegen anders lautender Vermutungen war es wohl nicht seine Intention, mit uns zu demonstrieren – er machte eher den Eindruck eines verzweifelten Schäferhundes, der seine fehlgeleiteten Schafe wieder auf den rechten Weg bringen wollte, und dabei war, daran zu verzweifeln. Vielleicht hat er aber auch nur die Polizei angerufen.

Die kam dann natürlich auch mit mehr als zehn Autos und Bussen. Ein bisschen doof haben sie geschaut, als der Zug dann kurzerhand ins Schöntal abgebogen ist. Dort kann man aus offensichtlichen Gründen keine Wege mit Streifenwagen zustellen.

Genauso schnell, wie sich die Versammlung in der Art eines Flashmobs gebildet hat, hat sie sich auch wieder aufgelöst. Gerade rechtzeitig, bevor die vielen anwesenden Polizisten auf komische Gedanken gekommen sind. Ganz so leicht wollten die sich dann aber auch nicht geschlagen geben, und haben noch lange Zeit verzweifelt versucht, irgendjemanden zu finden, dem sie seine Personalien ab- äh aufnehmen konnten.

Und was hat das mit mir gemacht? Nachdem ich den ehemaligen Demonstrationszug verlassen habe, war ich guter Stimmung wie schon lange nicht mehr. Fast aufgekratzt. Alleine die Tatsache, dass ich ein wenig mit offensichtlich Gleichgesinnten durch die Stadt gezogen bin und dabei beobachtet habe, wie der Lautsprecherwagen ordentlich Remmidemmi gemacht hat, hat mir das gute Gefühl gegeben, etwas getan zu haben. Und jetzt freue ich mich auf die ersten Versammlungen der Basispartei, bei denen wir dann auch anfangen, ernsthaft etwas zu tun.

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