Jehova! Jehova! Jehova!

Auch wenn ich mir gut vorstellen kann, dass wir nicht alles, was geschieht, in den Medien erfahren und das, was wir in den Medien erfahren nicht immer der (vollen) Wahrheit entspricht, bin ich kein Anhänger von Verschwörungstheorien. Auch wenn ich mir erlaube, zu vielen Themen eine eigene Meinung zu haben, die nicht unbedingt dem Mainstream entspricht, habe ich nicht das Bedürfnis, diese an die große Glocke zu hängen oder gar andere zu missionieren – es möge jeder nach seiner Façon selig werden. Das ist eines der höchsten Güter, die wir uns im Verlauf vieler Revolutionen und Kriege erarbeitet haben.

Ich habe lange mit mir gerungen, ob und wie ich zu dem Themenkomplex Coronavirus Stellung beziehen soll. Bis vor wenigen Tagen hatte ich vor, einfach den Mund zu halten und das Ganze auszusitzen. Aber das kann ich nun nicht mehr, denn das, was da draußen geschieht, macht mir abwechselnd eine Gänsehaut, lässt mir sich die Nackenhaare aufstellen oder auch das Blut in den Adern gefrieren. Jeder, der noch einen Funken seines gesunden Menschenverstandes übrig hat, muss doch sehen, dass gerade unglaubliche und durch nichts gerechtfertigte Dinge geschehen.

Sie waren von Anfang an da, aber inzwischen mehren sich die Stimmen von Fachleuten, die nicht verstehen können, wie man auf ein Virus, das selbst nach offizieller Datenlage des Robert Koch Instituts eher noch etwas harmloser ist als die alljährliche Influenza, so überreagieren kann. Es werden die Standards des empirischen Arbeitens, die noch bis vor kurzem der heilige Gral der Wissenschaftsgemeinde waren und an denen alles andere – beispielsweise die Homöopathie – immer gemessen wurde, leichtfertig über Bord geworfen. Es werden fahrlässig (oder vorsätzlich) bombastische Statistiken mit großen Zahlen erzeugt und verbreitet, die die Massenhysterie nur noch weiter anfeuern.

Und die Masse lechzt geradezu danach, in Hysterie zu geraten. Fast hat man den Eindruck, dass die 75 Jahre Ruhe seit der letzten großen Katastrophe, dem 2. Weltkrieg, zu lange waren und den Menschen langweilig geworden ist. Und die Medien machen das, was sie immer machen: Sie berichten nicht unbedingt das, was ist, sondern das, was Quoten bringt oder auch das, was die Menschen hören sollen – beides ist gleichermaßen gruselig.

Dafür, dass sich Wohlstand und Frieden für die Menschen abgenutzt haben spricht schon alleine die Begierde, mit der sich die Masse auf das Drama stürzt und fast wollüstig darin suhlt. Was mir jedoch tatsächlich das Blut in den Adern gefrieren lässt, ist die Bereitwilligkeit, mit der zugelassen wird, dass die mühsam erkämpften demokratischen Freiheitsrechte wieder abgeschafft werden. Klar, erstmal nur auf Zeit bis die „Pandemie“ vorbei ist. Aber der Präzedenzfall ist geschaffen und eine Lehre, die ich aus der aktuellen Situation gezogen habe ist diese: Man braucht sich nur eine leidlich gute Geschichte einfallen zu lassen und sie mit viel Angst zu würzen, um die Menschen zu fast allem bringen zu können. Diesmal ist es „nur“ der Verzicht auf Freiheiten, ich hoffe, dass es beim nächsten Mal nicht wieder ein Feind ist, gegen den man unbedingt in den Krieg ziehen muss.

Denn auch dazu wären anscheinend viele Menschen bereit. Ich finde es erschreckend, wie sich die lange tot geglaubte Blockwartmentalität in der Frühlingssonne wärmt, während sie andere, die sich nicht penibel an die Ausgangsbeschränkungen halten, verpetzt. Andere gehen noch weiter. Gerade habe ich auf Facebook einen Post des Magazins „quer“ vom Bayerischen Rundfunk gesehen. Die Bürgermeister im Tegernseer Tal sind unzufrieden, zu viele Münchner kommen nach wie vor um dort am Wochenende spazieren zu gehen und die Berge zu genießen – und das in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen. In der Kommentarspalte ist man sich einig, dass das gar nicht geht und es werden sogleich Kontrollen an den Münchener Ausfallstraßen oder auch Fahrverbote über Landkreisgrenzen gefordert. Warum nicht gleich Zäune und Selbstschussanlagen?

Vor dem Virus habe ich keinerlei Angst, ebenso wie ich in den Jahren zuvor keine Angst vor der Influenza hatte. Das, was mir Gänsehaut macht, ist die Reaktion der Menschen auf die überzogenen Maßnahmen der Politik weltweit. Und die hat das eigentlich recht klug gemacht, denn hätten sie maßvoll gehandelt, was eigentlich ihre gottverdammte Aufgabe gewesen wäre, und es wäre etwas schief gegangen, hätte man die Verantwortlichen medial gelyncht und sie hätten ihren Hut nehmen müssen. Mit dem genialen Schachzug des Aktionismus und den sensationsgeilen Medien im Rücken, kann die Politik jedoch nur gewinnen. Wäre das Virus wirklich gefährlich, dann wären die Maßnahmen tatsächlich sinnvoll – geschenkt. Kommt es jedoch nicht befürchteten Katastrophe weil das Virus tatsächlich „nur“ wie eine Influenza ist, dann werden das Merkel, Söder & Co. natürlich nie öffentlich zugeben und sich stattdessen die „Rettung der Menschheit“ selbst ans Revers heften. Und gleichzeitig hat man mal ausgetestet, ob die alten Propagandamethoden noch ziehen. Genial.

Alles was bleibt ist, einen offenen Geist zu behalten. Wenn mir jemand wirklich glaubhaft macht, dass das Virus nicht nur ein Schreckgespenst ist, dann werde ich ohne zu zögern widerrufen und meinen Hut vor den Politikern ziehen. Bis dahin höre ich mir jedoch auch diejenigen Stimmen an, die eine abweichende Meinung verkünden und lege deren Aussagen genauso auf die Goldwaage, wie ich es mit dem mache, was in den Mainstream-Medien verkündet wird.

Schade nur, dass man mit den wenigsten Menschen offen darüber diskutieren kann. Sascha Lobo hat es in seiner Kolumne auf Spiegel Online „Vernunftpanik“ genannt. Ich würde es für mich so formulieren, dass die medial geschürte Angst dazu geführt hat, dass das Vernünftigsein sich zu einer neuen Religion entwickelt hat. Mit Fakten und gesundem Menschenverstand hat das schon lange nichts mehr zu tun und ebenso wie in der Vergangenheit um die anderen Religionen, wird auch hier in allen nur denkbaren Diskussionsforen Krieg geführt. Schlagt den Ketzer ans Kreuz und verbrennt die Hexe!

Ich habe für mich die Entscheidung getroffen, Stellung zu beziehen. Ich werde nicht schweigen. Stattdessen werde ich hier und auf Facebook interessante Artikel und Beiträge posten, die abweichende Meinungen vertreten. Es möge sich auf ihrer Basis bitte jeder seine eigene Meinung bilden. Und meine lasse ich mir nicht nehmen. Jehova!

Humanistischer Fundamentalismus

Ich bin wahrlich kein Freund organisierter Religionen, und habe das auch schon des öfteren in diesem Blog zum Ausdruck gebracht. Gerade ist mit jedoch auf Facebook eine Seite mit dem Titel „Religioten & Co.“ über den Weg gelaufen – ein Kunstwort für „religiöse Idioten“ – die mich dazu veranlasst, eine diese kurze Notiz zu schreiben.

Ich habe mich schon länger gefragt, ob es so etwas wie fundamentalistische Humanisten gibt … und hier scheine ich die Antwort gefunden zu haben. Ja, es gibt sie. Auf dieser Seite wird keine Gelegenheit ausgelassen, über die organisierten Religionen herzuziehen und sie lächerlich zu machen. Ich finde es in Ordnung, wenn man sich selbst entscheidet, nicht Teil einer Religionsgemeinschaft zu sein. Ist es aber wirklich notwendig, gegen dieselben zu hetzen?

Zwei weitere Fragen bleiben: Was genau soll jetzt „besser“ daran sein, unter dem Deckmäntelchen des Humanismus auf ziemlich militante Weise Religionen abzulehnen und die Überzeugungen anderer lächerlich zu machen? Und ist nicht die organisierte Ablehnung von Religionen auch nur eine weitere Form von Religion, nur ohne einen Gott?

Religionskritik – Philip Möller bei Disput\Berlin

Wie schon an anderer Stelle beschrieben halte ich jede institutionalisierte Form von Glauben (also, das, was man gemeinhin als „Religion“ bezeichnet) für nicht konstruktiv, sogar letztlich destruktiv. Eine wunderbare und nur vier Minuten lange Rede zu diesem Thema finden wir auf YouTube von Philipp Möller bei „Disput\Berlin“. Mehr muss man zu dem Thema nicht mehr sagen.

Was mir besonders bei dieser Rede gefällt ist, dass sie ganz klar zwischen Religion (Institution) und Glaube (Privatsache) differenziert. Wie schon gesagt: Jeder glaube was er will und gestehe dies auch allen anderen zu.