Leaving on a jet plane

Ich sitze gerade im United Club am Huston Intercontinental Airport in Texas und habe Zeit, meine Gedanken zusammenzufassen. Daniel hat mir als kleines Abschiedsgeschenk einen Einmalpass für diese exklusive Lounge zukommen lassen, und da ich in Huston gut fünf Stunden Aufenthalt habe, kommt mir das wie gerufen. Es ist eine ganz andere Welt als die hinter den Türen im „proletarischen“ Bereich des Flughafens … ganz nett, aber nichts wofür ich extra Geld ausgeben würde, selbst wenn man sich den Zugang regulär erkaufen könnte.

Nun ist er also zuende, mein Ausflug in die Wildnis Montanas. Ereignisreich waren die Tage. So ereignisreich, dass mein Speicher für neue Erfahrungen erstmal randvoll ist. Ich bin wirklich froh, dass ich in einigen Stunden wieder zuhause sein werde, und das „normale“ Leben mich wiederhat.

Ich möchte keine Sekunde dieser vergangenen Tage, die sich eher wie Monate anfühlen, missen. Die Natur, die Tiere und vor allem auch die neuen Freunde, die ich hier gefunden habe lassen sich nicht mit Gold aufwiegen. Unbezahlbar war auch Daniels und Gabriels Arbeit als Wildführer. Ich weiß nicht, ob ich mich ansonsten einfach so ins „Bear Country“ gewagt hätte. Die Erfahrung hat ja bewiesen, dass einem hier jederzeit ein große Bär über die Zehen latschen kann. Und Elche und Büffel sind ebenfalls Tiere, mit denen im Zweifelsfall nicht gut Kirschen essen ist. Wenn man jedoch die Regeln kennt und sich an sie hält, ist man zu fast 100 Prozent sicher.

Der gestrige Abend brachte noch eine kuriose Erfahrung in einem italienische Restaurant in Kalispell. Neben der Tatsache, dass wir ein Zwangstrinkgeld von 18% zahlen mussten, weil unsere Gruppe mehr als sechs Personen umfasste, sahen es die Regeln des Hauses vor, dass es keine getrennten Rechnungen gibt. Nebenbei: Hätten sich zwei Leute ein Gericht geteilt, hätte das vier Dollar extra gekostet. Wir haben also als es ums Bezahlen ging einen einzelnen Bon bekommen, den wir selbst aufteilen mussten, und zu allem Überfluss noch eigenhändig das Trinkgeld draufschlagen sollten. Dank iPhone und dem eingebauten Taschenrechner ist uns das zwar gelungen, jedoch fand ich die Situation so inakzeptabel, dass ich den Manager habe kommen lassen, damit wir uns gemeinsam beschweren konnten. Und das im Mutterland der Kundenfreundlichkeit … so etwas habe ich noch nirgendwo auf der Welt erlebt. Nunja. Der Abend ist dann im Innennhof des Hotels bei eine (Gas-) Lagerfeuer mit harten Drogen (Gemüsesaft) und Gesprächen über Impfungen und andere Auswüchse der allopathischen Medizin ausgeklungen. Von den diversen Versbschiedungszeremonien brauche ich, glaube ich, nicht berichten …

Es ist wirklich wundervoll, Teil einer Gruppe gewesen zu sein, die fast zehn Tage vollkommen harmonisch rund um die Uhr aufeinander gehangen hat. Alle sind auf derselben Wellenlänge und es gab keinerlei Potenzial für Reibung oder Disharmonie. Mehr noch: Alle haben einander ins Herz geschlossen und sind als Freunde für’s Leben auseinander gegangen. Klingt vielleicht kitschig, ist aber so. Bei allem Unsinn und Chaos, die da draußen in der „normalen“ Welt herrschen tut es einfach gu zu wissen, dass es überall auf dem Planeten Gleichgesinnte gibt, die Selbstverantwortung, gesunden Menschenverstand und Liebe genauso wertschätzen wie ich. Die Gruppe bestand übrigens aus insgesam sechs Nationalitäten: USA, Australien, England, Frankreich, Schweiz und Deutschland. Cool, oder?

Somit komme ich zum Ende meines Reisetagebuchs. Ich werde in den nächsten Tagen noch Bilder ergänzen und dann an dieser Stelle den Vollzug vermelden.

Der mit dem Büffel tanzt

IMG_1191In den USA lebten einmal gut 60 Millionen Büffel. Bis zum Jahr 1908 waren alle bis auf wenige Hundert abgeschlachtet. Präsident Teddy Roosevelt hat deshalb in Montana den National Bison Range eingerichtet, ein Naturschutzgebiet speziell für die Büffel. Bis zum Jahr 1951 hatte sich der Bestand auf knapp 10.000 Exemplare „erholt“. Heute leben ca. 30.000 Büffel in und außerhalb von Schutzgebieten in den USA. Der Gedanke, wie viele dieser wunderbaren Tiere vor 1908 oft nur „zum Spaß“ abgeschlachtet wurden, macht ich sehr traurig 🙁IMG_1314

Unser letzter Trip dieser wunderbaren Reise hat uns zu eben dem National Bison Range geführt. Man kann dort mit dem Auto einen Rundweg von ca. 19 Meilen fahren und die Chance, dort Büffel zu sehen, ist außerordentlich groß. Auch uns war das Glück hold, und neben Herden, die wir aus der Ferne beobachten konnten, durften wir auch zwei Bisons, wie der offizielle Name für den Büffel lautet, aus nächster Nähr erleben – wir waren nur gut 10 Meter entfernt und ich konnte einige gute Aufnahmen machen.IMG_1233

Neben den Bisons leben in diesem Schutzgebiet zwischen sechs und zehn Schwarzbären, von denen wir tatsächlich zwei gesehen haben – ziemlich guter Prozentsatz 😉 In der Tat war es so, dass wir sowohl links als auch rechts neben der Straße gleichzeitig jeweils einen Bären hatte. Einer schlief, der andere fraß. Selbst für Daniel und seine Familie war das ein eher außergewöhnliches Erlebnis.IMG_1297

Weiterhin haben wir eine Reihe von Raubvögeln und anderen Vögeln gesehen, von denen drei sogar für den „Birdman“ Gabriel Erstsichtungen waren. Der Ausflug war also in jeder Hinsicht ein voller Erfolg. Nach einem kurzen Stop in einem Souvenirladen sind wir direkt nach Kalispell zurückgefahren.IMG_1393

Es lässt sich nun nicht länger leugnen, dass sich die Reise ihrem Ende nähert. Wir haben ns vor dem Hotel von Daniel und Mary verabschiedet, die Bordkarten ausgedruckt und werden heute unser letztes gemeinsames Abendessen mit Gabriel haben. Morgen um 4:20 klingelt dann der Wecker, damit ich rechtzeitig zum Abflug um sieben Uhr am Flughafen bin. Irgendwann gut 24 Stunden später werde ich dann vollkommen erledigt in Frankfurt wieder deutschen Boden betreten. Vielleicht gelingt es mir aber auch, im Flugzeug zu schlafen, damit ich nicht wie ein Zombie aussehen werde …

Wieder in Kalispell

IMG_1042Die Reise nähert sich ihrem Ende. Nach einem gemütlichen Frühstück und dem großen Zusammenpacken sind wir wieder in Kalispell angekommen. Zuvor durften wir noch einmal über den Logan Pass entlang der Going-To-The-Sun-Road fahren und die einmalige Aussicht dort genießen. Kurz vor vier sind wir dann wieder in der Zivilisation angekommen. Ein vermünftiges WLAN und Handyempfang sind auch ganz nett …IMG_1079

Dennoch ist es fast wie ein Kulturschock, die geschützte Natur des Glacier Nationalparks verlassen zu haben und wieder in der „normalen“ Welt zu sein. In der vergangenen Woche ist die Gruppe so sehr zusammengewachsen, dass sie viel eher einer Familie gleicht als „nur“ einer Gruppe von Freunden. Es wird schwer werden, übermorgen wieder getrennter Wege zu gehen.IMG_1136

Noch bleibt uns aber ein Tag. Morgen gehen wir zu den Büffeln. Es wird heiß werden, deswegen müssen wir früh los, damit wir nicht nur sich faul im Staub wälzende Tiere zu sehen bekommen. Es besteh auch die Möglichkeit, dass wir weitere Bären zu sehen bekommen. Vielleicht kann Gabriel seinen Rekord vom letzten Jahr noch brechen.

Es ist gut, noch einen gemeinsamen Tag zu haben, bevor wir Abschied nehmen müssen. Durch Facebook und Co. ist die Welt jedoch so klein geworden, dass wir auch nach der magischen Zeit in Montana noch in Kontakt bleiben werden …

Der letzte Tag im Nationalpark

Der letzte komplette Tag im Glacier Nationalpark beginnt wieder früh. Wir müssen um 7.15 Uhr am Auto sein, um rechtzeitig bei Many Glacier Hotel anzukommen. Dort startet eine zweistündige Tour zu Pferde. Nach einer kurzen Einweisung und dem zuvor erledigten, viel längerwierigen Papierkram besteigen wir die Pferde und machen uns auf einen Rundweg zum Cracker Lake.IMG_0996

Die Pferde sind es gewohnt, immer hintereinander herzugehen, deshalb braucht es nur selten eine Ermutigung zm Anhalten oder Weitergehen. Auf gewisse Weise fühlt es sich so an, als ob man Karussell fährt, nur mit echten Pferden. Das ist auch gut so, denn außer Mary aus Australien kann keiner von uns reiten. Auf einer anderen Ebene fühlt es sich jedoch megacool an, im Sattel sitzend durch die Rocky Mountains zu reiten und ich werde das Gefühl nicht los, dass ich in einem früheren Leben genau das schon einmal getan habe. Witzig.

Unser Weg führt uns vorbei an wunderschönen Landschaften und Seen, durch den Wald und über kleine Bäche, bis wir schließlich alle wieder wolbehalten am Hotel ankommen. Eine wirklich coole Sache. Leider kann ich keine Bilder machen, weil ich zum einen vollkommen damit beschäftigt bin, mich an meinem Pferd festzuhalten, zum anderen ist es auch von Seiten der Veranstalter aus Gründen der Sicherheit verboten.IMG_0999Der Rest des Tages ist geprägt von Entspannung, den ersten Vorbereitungen zum Kofferpacken, dem obligatorischen Gang zum Moose Lakr (heute leider ohne Elche) und dem allabendliche „Bear Run“ – mit dem Auto auf der Suche nach Bear Jams. Jams sehen wir viele, jedoch nicht für Bären, sondern „nur“ für Bergziegen, die Landschaft oder auch, um eine Flasche Wasser aus dem Kofferraum zu holen.Tiere haben wir keine gesehen, Spaß hatten wir aber eine Menge.

Das Tier-Highlight des Tages war dann doch noch ein Dickhornschaf, das sich noch vor dem Bear Run an einer Bergflanke in der Ferne gezeigt hat. Somit konnten wir außer Puma, Wolf und Weißkopfseeadler alle Tiere auf unserer Wunschliste abhaken. Es steht lediglich noch der Büffel aus, den wir übermorgen besuchen werden. Morgen steht vor allem Packen und die Rückfahrt nach Kalispell an …

Die Grinnel Lake Tour

IMG_0689Es ist erstaunlich, wie leicht es einem fallen kann, früh aufzustehen, wenn es für einen „guten Zweck“ ist. 5.45 Uhr für die Wanderung zum Grinnel Lake – kein Problem 😉 Der gemeinsame Morgen beginnt damit, dass wir uns alle Sandwiches schmieren, denn die Lunchbox, die es vom Inn gibt ist weit davon entfernt, gut zu sein.IMG_1046

Die zweite große Tour des Trips beginnt um sieben Uhr und führt uns entlang des Josephine Lake, durch das Wohnzimmer von Grizzly- und Schwarzbären zum Grinnel Lake, einem wunderschönen Gletschersee. Die Bären hatten heute wohl ihren freien Tag, denn es hat sich keiner blicken lassen. Dafür gab es auf dem Weg wunderbare Orte an Bächen oder einfach nur im Wald, an denen das Verweilen so schön war, dass wir oft gar nicht weiterlaufen wollten.IMG_0690

Nachdem wir aber schließlich dennoch vom Grinnel Lake aufgebrochen sind, führte uns unser Rundweg entlang einer Querverbindung zwischen zwei Wanderwegen, die nur sehr selten begangen wird. Tatsächlich haben wir während unserer gesamten Tour nur sehr wenige andere Menschen gesehen, und die auch nur ganz am Ende. Während guter sechs Stunden waren wir vollkommen unter uns. Sehr wohltuend.IMG_0819

Trotz einiger schöner Vogelsichtungen war die Wanderung relativ frei von Tieren, was ein wenig erstaunlich war. Das hat sich erst auf der letzten Etappe entlang des Südufers des Josephine Lake geändert, als sich uns eine große und prächtige Elchkuh gezeigt hat, die vollkommen entspannt in einem Seitenarm des Sees gegrast hat. Wir haben uns die Zeit genommen, lange bei ihr zu bleiben. Ihre Präsenz war sehr sanft und berührend.IMG_0941

Irgendwann haben wir uns dann auch von ihr losgerissen und waren nach ungefähr acht Stunden wieder zurück im Camp. Jetzt nur noch duschen und ausruhen, bevor es wieder auf die Piste zur Bärenschau und anschließend zum Abendessen auf dem Picnicplatz geht.IMG_0675

Oh Canada!

Der Sonntag ist da und er stellt in Bezug auf unsere Aktivitäten keine Ausnahme dar. Um 7.30 Uhr führt uns Gabriel auf eine kurze Vogelwanderung von gut eineinhalb Stunden, danach geht es los in Richtung Kanada.IMG_0548

Der Glacier Nationalpark erstreckt sich nicht nur auf amerikanischem Gebiet, sndern reicht auch bis nach Kanada. Dort heißt er dann Waterton Lakes National Park. Wir machen uns um 10.45 Uhr mit dem Auto auf in Richtung Norden. Die Chance, dass wir an diesem Tag Tiere sehen werden liegt laut Daniel bei nur 50 Prozent – hauptsächlich gilt unser Ausflug dem kleinen Ort Waterton Lakes im gleichnamigen Park. Die Bären sehen das jedoch wieder anders. bereits auf dem Weg aus dem Glacier Nationalpark heraus stoßen wir auf einen Schwarzbären, der für uns einen Schaulauf im nahen Unterholz macht und sich mehrfach zu seiner vollen Größe aufrichtet. Imposant.

Der Weg führt uns aus dem Park heraus und zur amerikanisch-kanadischen Grenze. Der Zöllner ist wirklich gut gelaunt 🙂 Weiter geht es nach Waterton Lakes. Einem unspektakulären Mittagessen folgt eine kurze Zeit iam sehr viel spektakuläreren Gletschersee. Die Landschaft ist ein weiteres Mal unbeschreiblich.IMG_0571

Auf dem Weg beschließen die Bären dann, endlich mit den Spielereien aufzuhören und uns alles zu geben. Keine vier Meter neben der Straße zeigt sich ein weiterer Schwarzbär. Wir halten und er frisst gemütlich weiter. So haben wir die Gelegenheit, das Tier aus nächster Nähe zu beobachten. Ein Moment der sich nicht in Worte fassen lässt. Was mich jedoch interessieren würde, wären die Gedanken des Bären, der da potenzielles Futter in einer für ihn nicht zu knackenden Dose vor sich sieht … Es scheint so, als ob uns die Bären immer näher kommen würden. Wenn es mit diesem Tempo so weitergeht, dann wir uns spätestens übermorgen ein Bär über die Füße latschen 😉IMG_0601

Auf einem kleinen Abstecher, der uns zu einer Stelle führt, an der es oft Dickhornschafe zu sehen gibt, sind wir zwar in dieser Hinsicht erfolglos, dafür sehen wir einen weiteren Schwarzbären, der auf einen Baum geklettert ist, um sich dort an dessen Früchten gütlich zu tun. Ein Ereignis jagt das nächste.IMG_0545

Nach einem Grenzübergang in Richtung USA, der weit einfacher als befürchtet vonstatten ging, befinden wir uns wieder im Glacier Nationalpark und sehen neben dem vierten und fünften Bären des Tages, einem Grizzly mit Jungem, noch eine Elchkuh, die gemütlich in einem kleinen Teich badet und grast. Was für ein aufregender Tag!IMG_0668

Den Abschluss bildet ein gemütliches Abendessen im Many Glacier Hotel. Morgen geht es auf die zweite große Wanderung entlang des Josephine Lakes. Mal sehen, ob es immer noch besser werden kann …

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Ein weiterer „langweiliger“ Tag im Glacier Nationalpark

Um es gleich vorweg zu sagen: Wer glaubt, in der Überschrift das Stilmittel der Ironie gefunden zu haben, der könnte richtig liegen 😉 Heute, am Samstag, ist außer Entspannung nichts weiter geplant gewesen. Eine kleine Wanderung am Vormittag, ein Besuch beim Moose Lake am Nachmittag und das war’s. Die Bären haben das jedoch anders gesehen und unsere Pläne im wahrsten Sinne des Wortes „durchkreuzt“.

Vom Camp sind wir eine gute halbe Stunde zum Lake Josephine gewandert und waren gerade dabei, die Schönheit dieses Platzes zu genießen, als das Wort „Bear“ die Runde machte. Nach kurzem Suchen konnten wir eine Schwarzbären ca. 100 m von uns entfernt am Ufer ausmachen. Offensichtlich war ihm heiß, denn er hat sich direkt ins kühle Wasser des Sees begeben um dort ausgiebig, man könnte fast sagen demonstrativ zu baden. Wir hatten gute 10 Minuten während derer wir ihn gut beobachten konnten. Die Wanderer, die nur wenige Meter von seinem Badeplatz entfernt dem Weg folgten, haben ihn meistens gar nicht bemerkt. Irgendwann hat er dann sein Bad beendet, sich an den Blüten und Blättern am Ufer gütlich getan und ist schließlich im Unterholz verschwunden.Swimming bear at lake Josephine

Unser weiterer Weg hat uns zu einem sehr speziellen Ort auf dem Wanderweg entlang des Sees geführt – der Ort an dem Gabriel seine erste eigene Essenz hergestellt hat. In einer kleinen Zeremonie macht er für jeden von uns eine weitere Flasche der Grashüpfer Essenz. Ich bin gespannt, für was sie gut ist …IMG_0316

Kurz darauf erzählt uns ein vorbeikommender Wanderer, dass ca. eine halbe Meile weiter ein Grizzly gesehen wurde. Keine Frage, dass wir uns sofort auf den Weg machen. Wir laufen einige hundert Meter und je näher wir der besagten Stelle kommen, desto intensiver rufen wir, um dem Bären unsere Anwesenheit zu signalisieren. Eine der Grundregeln in der Wildnis ist: Überrasche niemals einen Bären, besonders keinen Grizzly. Die andere Grundregel lautet übrigens, dass man niemals vor einem Bären davonrennt – er hält einen sonst für Beute und er ist garantiert schneller als ein Mensch.

Als wir um eine Biegung kommen, ist Daniel noch damit beschäftigt, den Berghang rechts von uns abzusuchen, während Gabriel und ich den großen Grizzly links neben uns am Seeufer sehen. keine 15 Meter entfernt von uns. Es dauert einige Sekunden bis Gabriel und ich Daniel warnende Worte zurufen können. Daniel macht sich sofort groß indem er die Hände nach oben streckt und laut ruft. Es gelingt mir, einige Schnappschüsse von dem beeindruckend großen Bären zu machen, während wir uns langsam zurückziehen und der Grizzly gemächlich das Ufer erklimmt und in gut 10 Metern Entfernung vor uns über den Wanderweg läuft, um im Unterholz des Berghangs zu verschwinden. Wow! Von allen Begegnungen mit Tieren war dies bisher die intensivste. Ein wirklich heiliger Moment.IMG_0323

Der Rückweg ist davon geprägt, dass wir entgegenkommende Wanderer vorwarnen und schließlich in der nahen Ranger Station eine Meldung machen, damit diese ggf. Warnschilder anbringen kann.IMG_0342

Das Mittagessen nehmen wir im Many Glacier Hotel mit einem einmaligen Blick über den Lake Josephine ein. Anschließend geht es zurück zum Camp, um rechtzeitig mit Gabriel zum Moose Lake aufzubrechen, wo wir hoffen, einen Elchbullen zu sehen. Und auch hier ist uns das Glück hold. Entgegenkommende Wanderer berichten von einem großen männlichen Elch, der im See grast. Wir beeilen uns, den kurzen Weg zum Seeufer hinter uns zu bringen und kommen rechtzeitig, um den beeindruckenden Bullen gemächlich fressen zu sehen und ihn ausgiebig zu beobachten und zu fotografieren.IMG_0381

Ich habe das Gefühl, dass unsere Erlebnisse mit den Tieren von Tag zu Tag intensiver werden. Vor meinem geistigen Auge sehe ich schon, wie auf unserer letzten Wanderung der Reise drei Grizzlybären für uns eine Stepptanz aufführen 😉

Iceberg Lake

IMG_9996Nach einer Wanderung von 10 Meilen, also ca. 16 km weiß man, was man geschafft hat. Ziemlich genau so lange war unser Weg heute zum Iceberg Lake, einem kleinen Gletschersee mitten in den Rocky Mountains. Bereits um sieben Uhr haben wir uns auf den Weg gemacht, um den Menschenmassen auf diesem bekannten Wanderweg zu entgehen. Und das hat perfekt geklappt. Vor uns waren nur zwei Wanderer, und die sind uns kurz vor unserem Ziel wieder begegnet, während sie schon auf dem Rückweg waren.IMG_0064

Fünf Meilen, also die enfache Strecke, können sich ganz schön ziehen, wenn man in den Bergen unterwegs ist. Belohnt wurden wir jedoch mit Aussichten, derengleichen ich noch nie gesehen habe. Bilder werden folgen, sobald ich wieder zuhause bin. Der Hammer ist jedoch der Gletschersee selbst. Unberührte Natur, deren Idylle fast kitschig ist, und die von einem atemberaubenden Panorama umgeben ist. Dazu der See, in dem Unmengen von Gletschereis schwimmen, das darauf wartet zu schmelzen und irgendwann im Atlantik zu landen. Dies muss einer der schönsten Plätze auf der Erde sein. Und weil wir so früh dran sind, haben wir diesen Ort ganz für uns alleine …IMG_0103 IMG_0137 IMG_0998

Viel zu früh machen wir uns wieder auf den Rückweg und begegnen dabei den Massen, die sich Stunden nach uns auf den Weg gemacht haben. Wir schwitzen schon ordentlich auf unserem Rückweg in der Sonne. Die anderen werden von der Nachmittagssonne regelrecht gegrillt werden. außer einigen Eichhörnchen sehen wir auf dieser Wanderung nur einen Golden Eagle über den Berggipfeln kreisen. Nach gut sechseinhalb Stunden erreichen wir müde aber glücklich wieder das Camp.

Der Rest des Tages ist geprägt von Erholung, einem kurzen Nickerchen und einer kleinen Tour mit dem Auto entlang der Straße durch drn Park, die uns die Sichtung eines wunderschönen Schwarzbären bringt. Wieder war es ein „Bear Jam“ der uns darauf aufmerksam gemacht hat. Den krönenden Abschluss des Tages bringt ein Grizzlybär, den wir vom Picnicplatz aus beim Fressen von Beeren beobachten. Nach unserem Abendessen klingt der Tag gemütlich auf der Terrasse des Inns aus. Morgen können wir ausschlafen.IMG_0221

Elch und Grizzly

Der erste volle Tag im Glacier Nationalpark ist um. Es war ein anstrengender und ereignisreicher Tag. Von der virtuellen Checkliste der zu erwartenden Tiere kann ich Elch und Adler streichen – Schwarzbär, Grizzlybär und Bergziege haben wir ja gestern schon „abgehakt“.

Der Tag beginnt um 7.30 Uhr mit einer Kurzwanderung zum „Moose Lake“, so lautet der richtige Name, der von Daniel und seiner Familie vergeben wurde, weil man an diesem See oft Elche sehen kann. Es gibt noch einen anderen, offiziellen Namen, aber der ist falsch 😉 Die Stille am See und die Schönheit der Natur sind unglaublich und nicht in Worte zu fassen. Alle sind mehr als berührt von diesem Erlebnis. Alleine die Elche fehlen noch an diesem Morgen.Moose Lake

Nach unserer Rückkehr zum Camp und einer kurzen Verschnaufpause geht es auf das erste Stück des Weges zum Iceberg Lake – er wird das Ziel unsere morgigen langen Wanderung sein und heute schnuppern wir schon einmal in den Weg hinein. Auf dem Weg begegnen uns verschiedene Tiere, das Highlight ist jedoch zweifelsfrei ein Golden Eagle, den wir hoch oben in den Lüften sehen und den Gabriel für und identifiziert.

IMG_9845Zurück zum Camp, Mittagessen und um drei geht es weiter zu einem neuen Versuch am Moose Lake. Doch schon der Weg dahin wird spannend, denn plötzlich ruft Gabriel „Grizzly Bear“, packt sein Fernglas aus und zeigt uns den großen Grizzly, den er mit bloßem Auge in der Ferne am Berghang erspäht hat. Zu unserer großen Freude berichten uns danach uns entgegenkommende Wanderer von einer Elchkuh, die gemütlich im Moose Lake grast. Wir packen also schnell unsere Siebensachen wieder ein und marschieren los.

Dort angekommen sehen wir sofort die riesige Elchkuh gemütlich im flachen See grasen. Sie ist vollkommen enspannt und lässt sich durch die größer werdende Zahl von Menschen nicht von ihrer Mahlzeit abbringen. Andere Beobachter sagen, dass sie ein Kalb dabei hat, das sich im Uferdickicht versteckt. Wir bekommen es aber leider nicht selbst zu Gesicht.IMG_9929

Ich entscheide mich, für den Rest des Nachmittags Mary bei den Vorbereitungen für das Abendessen zu helfen, die anderen ziehen nochmal mit dem Auto los und sehen insgesamt sueben Bären – wow. Das Abendessen selbst findet dann auf dem nahegelegenen Picnicplatz statt. Lecker 🙂IMG_9971

Morgen ist der Tag für die große Wanderung zum Iceberg Lake. Ich freue mich schon!

Swiftcurrent Motor Inn

Angekommen! Nach einem ganzen Tag unterwegs sind wir endlich am Ziel der Reise angekommen: dem Swiftcurrent Motor Inn im Glacier Nationalpark. Aber was für ein Tag das war!IMG_9774

Abfahrt um 7:30 Uhr in Kalispell und ab in den Park. Wir überqueren die Rocky Mountains von West nach Ost und nutzen die Gelegenheit, auf dem Logan Pass eine Wanderung zu einem der berühmtesten Aussichtplätze der Rocky Mountains zu machen … und zwar auf dem Hidden Lake Trail. Was für eine Aussicht! Es ist zu perfekt um real zu sein. Fast vermutet man, dass irgend ein Special Effects Studio aus Hollywood seine Finger im Spiel hat. Auf dem Weg zum Aussichtspunkt sehen wir auch die ersten“wilden“ Tiere: Eichhörnchen und Bergziegen, die es sich auf einem Schneefeld mit ihren Jungen gemütlich gemacht haben.IMG_9635

Nach der Überquerung der Rockies machen wir auf einem Picnicplatz halt, um ein spätes Mittagessen zu uns zu nehmen. Lecker war es – das eigentliche Highlight war jedoch der Besuch eines ungeladenen Gastes, eines ca. zweijährigen Schwarzbären. Der kann dann tatsächlich als wildes Tier durchgehen und er war nur ca. 15 m von uns entfernt. Nachdem wir den Meister Petz freundlich vom Platz geleitet haben sind alle etwas aufgekratzt. Wir das Abenteuer hat noch nicht einmal richtig begonnen und wir haben schon den ersten Bären gesehen. Ein vielversprechender Beginn.IMG_9699

Auf dem weiteren Weg Richtung unsere Ziels bekomme ich dann den Eindruck, dass die wilden Tiere für uns ein Schaulaufen veranstalten. Eine Ansammlung von geparkten Auto am Straßenrand verrät Daniel, dass hier gerade ein Bär gesehen wurde („Bear Jam“). Wir steigen aus und innerhalb kürzester Zeit sehe ich den zweiten Bären des Tages, diesmal jedoch einen Grizzlybären. Wow. Er ist zwar weit weg von uns, jedoch klar zu erkennen.

Ein weiterer Bear Jam auf dem Weg erweist sich als Ente, weil sich der Bär schon wieder verdrückt hat, und kurze Zeit später kommen wir im Swiftcurrent Motor Inn an. Mein Domizil für die nächsten sieben Nächte wird eine kleine Hütte sein. Keine Dusche, keine Toilette, dafür aber zumindest fließendes Wasser und elektrischer Strom. Willkommen in der Steinzeit. Ganz zu schweigen davon, dass es hier weder WLAN noch Handyempfang gibt. Die einzige Verbindung zur Außenwelt ist ein Münztelefon.

IMG_9763Heute Abend bin ich erstmal platt. Keine Ahnung, was der Tag morgen bringen, aber ich freue mich drauf 🙂