Die schöne neue Welt ist fast da

Gerade eben im Internet gefunden:

Wenn Frauen ihre Eizellen einlagern wollen, um später noch ein Kind zu bekommen, wird es teuer: Bisher ließen sich die Zellen nur mit Hilfe eines komplizierten Verfahrens in flüssigem Stickstoff einfrieren. Vielleicht können wir sie aber in Zukunft einfach zu Hause lagern – in Pulverform. Die Zeugung liefe dann ganz unromantisch nach Rezept: Beutel öffnen, mit Wasser anrühren, Sperma dazu und den Embryo bei 37 Grad in die Gebärmutter geben.

Ich kann nicht verhindern, dass ich bei der Lektüre diese Artikels an den Roman “Schöne neue Welt” von Aldous Huxley erinnert werde. Dort werden die Kinder nicht mehr auf natürlichem Weg gezeugt und ausgetragen, sondern kommen in Brutmaschinen zur Welt … natürlich nachdem sie vorher mittels mehr oder weniger radioaktiver Bestrahlung in Alphas, Betas und Gammas verwandelt wurden. Alphas sind die Elite, Gammas die dumme Arbeiterklasse.

Wenn Sie jetzt in der “realen” Welt noch einen Weg finden, die lästigen lebendigen Brutkästen mit echter Gebärmutter zu ersetzen, dann sind wir so gut wie in der “Schönen neuen Welt” angekommen. Gruselig.

http://www.newscientist.de/inhalt/fortpflanzung-forscher-entwickeln-gefriergetrocknetes-eizellen-pulver-a-893155.html

Über Tun und Sein

Gerade beim Gang zur Post hat mich ein schöner Satz hinterrücks überfallen, den ich auf keinen Fall für mich behalten kann 😉

Es ist wahr, dass viele Menschen damit aufhören sollten, andauernd zu TUN und stattdessen beginnen, mehr zu SEIN. Um jedoch wahrhaft glücklich zu sein, ist es von Vorteil, wenn man die Kunst beherrscht, zu SEIN während man TUT.

Geniale a cappella Disney Parodie

Heute ist ein Tag, an dem ich nicht nur wegen meiner eigenen Affinität zu technischen Dingen dankbar für das Internet und die gegenwärtigen technisch Möglichkeiten im Bezug auf Multimedia bin. Hier ist ein Beispiel von einem vollkommen unbekannten jungen Kerl aus den USA, der sich die Mühe gemacht hat, ein ziemlich geniales Video zu drehen, in dem er ziemlich genial singt, und dabei noch ziemlich geniale Kritik an Umweltverschmutzung, Amerikas Politik, etc. anbringt.

Wer den englischen Text nicht versteht: Es geht darum, wie es den Disney Prinzessinnen nach dem jeweiligen Happy-End des Films geht. Ariell die Meerjungsfrau beschwert sich zum Beispiel darüber, dass sie nichts mehr sieht, weil der Ozean von BP so verschmutzt wird und die Japaner alle ihre Walfreunde umgebracht haben. Geniale Texte aber auch wenn man nur die Hälfte versteht, ist es es auf jeden Fall wert, das Video anzusehen.

Es ist abzusehen, dass das Video sehr schnell “viral”, also von Millionen gesehen werden wird. Und diese Millionen bekommen dann wieder einen kleinen Impuls, über den Wahnsinn, den viele hier auf der Erde fabrizieren nachzudenken. So geschehen Veränderungen: Peu á peu und in ganz gleinen Schritten. Aber steter Tropfen höhlt den Stein 🙂

One cool cat …

Unserer großer Kater ist ja ein bisschen eigen. Manchmal, wenn er vor der Terrassentür sitzt, reingelassen werden will, und nicht die richtige Person öffnet, dann dreht er sich um und geht wieder. Wenn er sich allerdings, so wie in den letzten Tagen, draußen seinen kleinen, pelzigen Arsch abfriert, dann ist er nicht mehr ganz so wählerisch … *grins*

Lichtgeschwindigkeit erreicht

Nun ist er also vorbei – der Tag an dem der Mann mit dem rosa “T” auf der Brust kam, und mir meinen treuen, kupferbasierten ISDN Anschluss genommen hat, der mich schon seit 1995 begleitet hat. Ein wenig weh hat es schon getan, als er mir sagte: “Ich ruf’ dann mal in der Zentrale an, die klemmen den alten Anschluss dann ab!”. Aber er hat mir zum Trost etwas dagelassen: Meinen state-of-the-art, nigel-nagel-neuen FTTH Glasfaseranschluss. Irgendwie klappt das mit dem Trösten 😉

Die Telekom macht, wenn sie vor Ort kommen muss, bekanntermaßen immer hochpräzise Termine. Bei mir war es ein flockiges “zwischen acht und dreizehn Uhr”, mit dem der Exekutor sich ankündigte. In der leisen Befürchtung/Hoffnung, dass er gleich um acht auf der Matte stehen würde habe ich meine digitalen Angelegenheiten geregelt, alles was gestern noch schnell erledigt werden musste, und nicht bis Mittwoch warten konnte, musste bis acht getan sein. Man weiß ja nie. Und dann begann das Warten …

Es ist erstaunlich, mit was man sich, auch wenn man ein Geschäft betreibt, die Zeit vertreibt, wenn man darauf wartet, dass einem jemand den Online-Saft abdreht. Offline-Büroarbeit, Ablage, vereinzelte Kundenanrufe, denen man dann immer schön brav sagt, dass die Telekom ggf. gleich den Anschluss lahmlegt, und dazwischen immer mal wieder eine Runde Onlinespiele.

Gegen elf ist er dann tatsächlich erschienen. Netter Mensch, der Telekom Techniker. Er hat kurzen Prozess gemacht: Glasfaserdose überprüft, Modem angeschlossen, kurz gezittert, ob die grüne Leuchte auch wirklich angeht, erleichtertes Seufzen als das dann nach einigen Sekunden der Fall war, und die Anweisung an mich, ich könnte nun den Router anschließen. Eben noch den Techniker wieder in den Keller gelassen, damit er die Telekom-Dingelchen, die dort an den Wänden hängen, wieder ordnungsgemäß verschließen und seinen Anruf an die Zentrale absetzen kann, und dann mache ich mich an die Arbeit, den Speedport W931Fiber anzuschließen. Für einen alten IT Hasen wie mich kein Problem. Verbindungskabel, Strom, Quick-Start-CD für die automatische Konfiguration eingelegt und dann kam der große Moment … an dem leider nichts passiert ist 🙁

Ok. Der Mann hat gesagt, es kann fünf bis zehn Minuten dauern, bis der Anschluss umgeschaltet ist. Der alte ISDN geht noch, also heißt es, noch ein wenig mehr Geduld zu haben. Interessehalber versuche ich mal die Konfigurationsoberfläche des Speedport Routers aufzurufen. Nichts passiert. Ich fühle ein flaues Gefühl im Magen. Die webbasierte Oberfläche sollte eigentlich da sein, egal ob der Anschluss nun schon aktiv ist oder nicht. Hmmm …

Zwischendurch probiere ich immer wieder die Autokonfiguration und die Weboberfläche aufzurufen. Beides scheitert mit Timeouts. Nach einer halben Stunde frage ich mich, ob hier alles mit rechten Dingen zugeht. Der Techniker ist nicht mehr aufgetaucht. Klar … ich hatte ihm im Keller noch gesagt, er solle einfach die Tür hinter sich zuziehen. Hat er offensichtlich getan und sich dann still und leise vom Acker gemacht ohne sich zu verabschieden. Und mein Anschluss geht immer noch nicht. Ich fühle mich betrogen.

Nach weiteren 10 Minuten erfolglosen Testens, inzwischen ist die halbe Netzwerkverkabelung durch improvisierte Strippen ersetzt, die ausschließen sollen, dass irgendwo in einem Switch oder sonstwo eine mögliche Fehlerquelle sitzt, rufe ich das Glasfaserteam in Magdeburg an. Wie denn der Status sei, möchte ich wissen. Die freundliche Dame verweist mich an die technische Glasfaser-Hotline. Sobald ich da einen Ansprechpartner am Rohr habe, was erfreulich schnell geht (klar, weil die Glasfaserkunden noch eine relativ seltene Spezies sind), sagt er mir zu, den Techniker anzurufen und sich bei mir zu melden.

Gemeldet hat er sich dann letztlich nie, aber nach erneuten 10-15 Minuten kommt auf einmal Leben in meine Konfigurationsversuche, die Weboberfläche des Routers beginnt auf einmal zu antworten und auch die Autokonfiguration scheint zu funktionieren. Da zuerst die manuelle Konfiguration reagiert hat, habe ich gleich mal meine Zugangsdaten eingegeben, was dann dafür sorgt, dass die Autokonfiguration mit dem Hinweis abbricht, ich hätte den Router schon von Hand konfiguriert. Danke auch. Weil mir die Lust fehlt, die Reset-Funktion des Routers zu suchen, bringe ich das Werk halt manuell zuende.

Die Internetverbindung steht, die Telefonnummern sind schnell eingegeben und auch das Anmelden des Mobilteils geht in wenigen Sekunden vonstatten. Der erste Testanruf und … Schauer von Glücksgefühlen durchfließen meinen Körper. Ich hatte nie gedacht, dass mich ein einfaches Telefonklingeln einmal so glücklich machen würde. Nun funktioniert er also, mein FTTH Anschluss und ich kann mich dem Mittagessen widmen, zu dem mich meine Frau schon vor geraumer Zeit gerufen hatte.

Nach dem Essen und dem obligatorischen Espresso gehe ich wieder ins Büro und schaue dem Speedport Router tief in die Augen. Schick sieht er schon aus, aber ihm fehlen wichtige innere Werte: Die integrierte Fax- und Anrufbeantworterfunktion, die meine FRITZ!Box zum unentbehrlichen Helfer im Büro macht. Nach kurzem Zögern beschließe ich, meine guten Vorsätze über Bord zu werfen, und mein Glück herauszufordern: Wird die FRITZ!Box auch so leicht zu konfigurieren sein?

Umgestöpselt ist schnell. Der FRITZ!Box mitgeteilt, dass sie ab sofort ein externes Modem verwenden soll, Zugangsdaten können recycelt werden. Übernehmen und Test der Internetverbindung … erneute Glücksgefühle. Nun kommt der knifflige Teil: Das Einrichten der IP-basierten Rufnummern. Rückblickend gesehen ist auch das trivial, aber währenddessen war mir schon ein wenig mulmig. Nachdem die erste Rufnummer anstandslos akzeptiert wurde weiß ich: Ich habe gewonnen. Der Rest ist nur noch solide Handarbeit: Die restlichen Rufnummern einrichten, die Mobilgeräte sind ja noch da. Rufnummernzuordnung neu eingetragen und der Fall ist erledigt. Meine FRITZ!Box ist online, die Telefone und das Fax funktionieren und obwohl das Büro wie ein Schlachtfeld aussieht weiß ich, dass ich wieder zu 100 % arbeitsfähig bin. Ein erfolgreicher Tag.

Die ersten Momente des Surfens auf der Glasfaserwelle fühlen sich tatsächlich deutlich flotter an, als es mit meinem lahmen und total veralteten VDSL Anschluss noch vor wenigen Stunden der Fall war. Ein Testdownload eines Gentoo ISO Images bringt jedoch erst einmal kurzzeitige Ernüchterung: Nur gut 30 MBit/s … was soll das denn? Ein Upload auf den eigenen Webserver zeigt jedoch solide 50 MBit/s im Upstream. So soll es ein.

Die Erkenntnis, das der Server bei meinem Downloadversuch evtl. in den USA stand, trifft mich wie ein Blitz. Vielleicht ist die Strecke nach Amiland ja einfach zu dünn für meinen Kraftprotz von Internetanschluss? Aber es gibt ja Websites in Deutschland, die die Geschwindigkeit von Breitbandanschlüssen halbwegs seriös messen. Also flugs speedtest.net aufgerufen und nach kurzer Zeit weiß ich: Alles ist gut. Mit einem Server in Frankfurt erreiche ich gute 93 MBit/s im Downstream und nahezu 50 MBit/s im Upstream. Heute ist ein schöner Tag.

Nun ist also der Zeitpunkt für ein kleines Resümee gekommen. Unter dem Strich muss ich sagen, dass der gesamte Prozess zwar lange gedauert hat, aber für mich ziemlich glatt gelaufen ist. Dass die Telekom gefühlte 25 Mitarbeiter geschickt hat, um die Kabel zu legen, umzulegen, zurückzuziehen und wieder neu zu legen, Kästchen an die Wand zu schrauben, die sie dann wieder abmacht, um sie anschließend wieder aufzuhängen und deren Innenleben zu tauschen, bevor zwei Rudel von Technikern sie unabhängig voneinander mehrfach überprüfen, habe ich mit Humor genommen. Es hat mich nichts gekostet und eigentlich ist eh immer jemand bei uns zuhause. Mit den Hotlines habe ich fast ausschließlich gute Erfahrungen gemacht, die Zusendung von Router und Installationsmaterial hat geklappt, der Techniker für die Umschaltung war auch innerhalb des angegebenen Zeitfensters da, und dass er sich einfach vom Acker gemacht hat, war wohl nur ein Kommunikationsproblem.

Die FRITZ!Box ließ sich sehr einfach konfigurieren und es waren keinerlei “Schweinereien” oder Kunstgriffe notwendig. Bisher läuft sie ohne jedes Murren hinter dem Glasfasermodem, und beschert mir einen Geschwindigkeitsrausch nach dem anderen. So kann ich also nur zu dem Schluss kommen, dass ich das Prädikat “Empfehlenswert” für den FTTH Glasfaseranschluss in Verbindung mit der FRITZ!Box 7390 von AVM vergeben kann. Besser kann man momentan in Deutschland nicht surfen.

Zu gegebener Zeit werde ich an dieser Stelle wieder berichten, wie sich die Kombination im Dauereinsatz bewährt hat, heute bin ich einfach ein glücklicher Kunde der Telekom.

FTTH: T minus 5 Tage

Nun sind es nur noch fünf Tage, bevor mir die Telekom meinen bewährten ISDN Anschluss wegnimmt, und ihn durch einen brandneuen, schicki-micki FTTH Glasfaseranschluss mit VoIP und allem Drum und Dran ersetzt. Die Nervosität steigt. Insbesondere, wenn heute ein Telekom Techniker anruft und den noch nicht geschalteten Anschluss “reparieren” will.

Nach kurzem Gespräch stellt sich heraus, dass er die Reparatur meint, die seine Kollegen schon vor drei Wochen gemacht haben. Ich hoffe, sie haben ihre technischen Prozesse besser im Griff als die logistischen … *schluck*

Inzwischen ist der Speedport W921Fiber Router sowie das Willkommenspaket für den Entertain Tarif angekommen. Ich habe mich entschlossen, am Dienstag zuerst den Telekomrouter in Betrieb zu nehmen, um so schnell wie möglich wieder erreichbar zu sein – schließlich läuft ja meine Firma über diesen Anschluss. Die FRITZ!Box werde ich entweder am Dienstag Abend oder, wenn es Probleme gibt, in Ruhe am Wochenende konfigurieren und in Betrieb nehmen.

I’ll keep you posted …

Kumon – ein erster Erfahrungsbericht

Das Schulsystem in Deutschland ist nicht optimal, darüber sind sich wohl alle einig. Manche verteufeln es, manche rebellieren dagegen, manche nehmen es einfach hin. Ich persönlich bin kein Freund davon, gegen Windmühlen zu kämpfen, deshalb akzeptiere ich alles, was mir gerade noch akzeptabel erscheint, und konzentriere mich darauf, die Unzulänglichkeiten der Schule zuhause auszugleichen.

Vor einiger Zeit wurde ich auf eine Methode mit dem Namen Kumon aufmerksam. Auf der Website wird das System wie folgt umschrieben:

“KUMON ist eine einzigartige Lernmethode, die Kinder und Jugendliche dabei unterstützt, ihre Selbstlernfähigkeit zu entfalten. Das gesamte Konzept und die Lernmaterialien werden dabei als Werkzeug verstanden, um diese Fähigkeit zu entwickeln.”

Ich bin normalerweise kein Freund von derartigen “Systemen”, dennoch haben die Berichte einer Bekannten und ihrer Kinder mein Interesse geweckt, so dass ich mich ein wenig mehr damit beschäftigt habe. Kumon ist eine Methode, die schon in den 50er Jahren von einem japanischen Lehrer mit eben diesem Namen (Toru Kumon) entwickelt wurde, um seinem eigenen Sohn zu helfen, den Schulstoff besser zu verinnerlichen. In meinen Augen sind darin schon zwei Pluspunkte enthalten: Wenn die Methode über 50 Jahre alt ist, dann existieren Erfahrungswerte in rauher Menge, und wenn der Erfinder sie für seinen eigenen Sohn entwickelt hat, dann sehe ich das auch als Qualitätsmerkmal an.

Die Kumon Lernförderung gibt es für die Fächer Mathematik und Englisch. Das Konzept besteht aus zwei Bausteinen: Der Verinnerlichung von Konzepten, bis sie ins Rückenmark übergegangen sind, und zusätzlich das Training von Konzentrationsspanne, Lerntechniken und der Fähigkeit, sich selbst neues Wissen zu erschließen. Und über allem steht die Intention, dass die Schüler dabei auch noch Spaß haben. Klingt wie ganz schön viel auf einmal.

Das Grundprinzip von Kumon ist das kontinuierliche Dranbleiben. Es wird jeden(!) Tag – auch am Wochenende und in den Ferien – ein Arbeitsblatt bearbeitet. Das ganze soll nicht mehr als ca. 20 Minuten dauern. Korrigiert werden die Arbeitsblätter von den Eltern, indem Fehler nur angestrichen werden, so dass das Kind selbst herausfinden muss, was falsch ist, und seinen Fehler auch selbständig korrigiert. Zweimal in der Woche wird das Arbeitsblatt im Kumon Lerncenter unter Aufsicht bearbeitet und dort korrigiert. Die zuhause gemachten Blätter werden dann ebenfalls angesehen.

Das Kumon System ist in eine vielzahl von Stufen mit zunehmender Schwierigkeit aufgeteilt. Wenn ein Kind alle Arbeitsblätter einer Stufe erfolgreich bearbeitet hat, kommt die nächste Stufe dran. Für die Entscheidung, ob eine Stufe erfolgreich abgeschlossen wurde werden die gemachten Fehler, aber auch die benötigte Zeit, sowie ein kurzer “Abschlusstest” herangezogen. Sollte eine Stufe mal nach den regulären Arbeitsblättern noch nicht sitzen, wird so lange wiederholt, bis das jeweilige Ziel erreicht ist.

Was mich bei Kumon besonders angesprochen hat, ist die Tatsache, dass die Kinder nicht mit ihrem aktuellen Schulstoff beginnen. Stattdessen wird ganz zu Beginn ein ca. 10 -minütiger Einstufungstest gemacht, aufgrunddessen man in einer bestimmten Stufe startet, die auch bei einer Viertklässlerin durchaus aus einfachen Addidtions- und Subtraktionsaufgaben der zweiten Klasse bestehen kann (so geschehen bei meiner Großen). Ziel ist es (und hier wird es richtig spannend), all die Lücken, die in der Schule nicht geschlossen werden konnten, nachträglich so zu reparieren, dass die Kinder die Fähigkeiten der jeweiligen Stufe aus dem Effeff beherrschen. Zu Lücken oder Unsicherheiten kommt es unserer Erfahrung nach in der Schule zwangläufig, weil nicht alle Schüler mit allen Themen gleich gut zurechtkommen, und inzwischen selbst in der Grundschule der Lehrplan so straff ist, dass man in Zeitdruck gerät, wenn man nicht ein (für manche Schüler zu) schnelles Temp einschlägt. Aus diesen Unsicherheiten folgen dann in späteren Klassen weitere Unsicherheiten und vor allem eines: Frust.

Unsere Große hat wie gesagt bei Kumon mit Additions- und Subtraktionsaufgaben aus der ersten und zweiten Klasse begonnen. Die Arbeitsblätter bestehen aus ca. 60 Rechenaufgaben wie z.B. 11 + 5 = ?, 11 + 6 = ?, 11 + 7 = ?, etc. Auch wenn unsere Tochter natürlich Addition und Subtraktion beherrscht, gab es sichtbare Unsicherheiten in Form eines kurzen Zögerns, wenn sie Aufgaben jenseits der 10 bearbeitete – der feine Unterschied besteht darin, ob man die Aufgabe sieht und die Lösung einfach “aus dem Rückenmark” hinschreibt, oder ob man für Aufgaben auf diesem Niveau tatsächlich noch im Kopf einen Rechenvorgang ausführen muss. Ersteres ist natürlich die bessere Variante, weil es einfach effektiver ist, besonders unter Zeitdruck und in Prüfungssituationen.

Durch die vielen Wiederholungen und das kontinuierliche Dranbleiben gehen solche einfachen Rechenoperationen in relativ kurzer Zeit in Fleisch und Blut über. So ist es auch nicht verwunderlich, dass unsere Tochter, ausgehend vom Zweitklassniveau, jeden Tag zwei statt einem Arbeitsblatt bearbeitet, und die ersten zwei Stufen innerhalb von gut vier Wochen durchlaufen hat. Wie gesagt: gelernt die Aufgaben zu lösen hat sie schon in der Schule – in Fleisch und Blut übergegangen ist es jedoch erst jetzt. Nun geht es weiter mit dem schriftlichen Addieren und Subtrahieren …

Ein weiterer spannender Aspekt bei Kumon ist, dass der Schüler nicht halt macht, wenn er auf dem Niveau der aktuellen Klasse angekommen ist. Tatsächlich ist es die Regel, dass die Kumon Schüler irgendwann damit beginnen, dem Stoff der Schule vorauszusein. Und jetzt mal ganz ehrlich: Gerade bei Mathe ist das ein paradiesischer Zustand. Auf den weiterführenden Schulen, insbesondere auf dem Gymnasium, haben die Schüler so viel um die Ohren, dass es extrem hilfreich ist wenn man sich um das für viele mit Stress verbundene Fach Mathematik quasi nicht mehr kümmern muss, oder?

Bevor wir Kumon ausprobiert haben, habe ich im Internet recherchiert und neben vielen positiven auch einige kritische Stimmen gesehen. Der hauptsächliche Kritikpunkt bestand dabei darin, dass Kumon angeblich stumpfes Auswendiglernen sei, und die Abstraktionsfähigkeiten nicht fördert, sondern sogar verkümmern lässt. Nachdem ich mir die Kumon Arbeitsblätter der höheren Stufen (Lineare Algebra, Analytische Geometrie, Stochastik, etc.) angesehen habe, habe ich mir dazu jedoch eine andere Meinung gebildet.

Ja, am Anfang ist es stumpfes Einüben, solange bis gewisse Dinge aus dem Effeff beherrscht werden. Aber mal ehrlich: Was will man mit dem kleinen Einmaleins und Additionen und Subtraktionen im Zahlenraum bis 100 auch anderes machen? Es gibt gewisse Dinge, die müssen einfach auswendig sitzen. Schon beim schriftlichen Multiplizieren und Dividieren ist es jedoch so, dass die Schüler auf dem Arbeitsblatt eine Beispielaufgabe finden und die darauf folgenden Aufgaben selbständig rechnen müssen. In späteren Stufen steht dann eine Anleitung zum Lösen der Aufgabe (zusammen mit Hintergrundwissen) auf dem Arbeitsblatt, und die Schüler haben die Aufgabe, sich das Thema selbständig zu erarbeiten, was ihnen auch nicht schwer fällt, denn sie werden ja von Anfang an dorthin geführt. In meinen Augen ist das eine sehr gute Methode, außerhalb des starren Korsetts der Schule die Fähigkeit zum selbständigen Lernen und Wissenserwerb zu trainieren.

Nach mehr als einem Monat Kumon kann ich für meine große Tochter folgende Zwischenbilanz ziehen:

  • Das Bearbeiten der Aufgaben hat ihr vom ersten Moment an Spaß gemacht, weil es ihr aufgrund der niedrigen Eingangsstufe leicht gefallen ist. So haben wir quasi jeden Tag Erfolgserlebnisse mit Mathe produziert. Der Spaßfaktor ist auch heute immer noch da.
  • Sie macht die Aufgaben, entgegen ihrer ansonsten manchmal recht überschaubaren Motivation, freiwillig und selbständig – oft muss man sie sogar nicht einmal daran erinnern.
  • In der täglichen Arbeit mit Kumon erleben wir, wie vermeidbare Fehler (mangelnde Konzentration, Sauklaue, etc.), die in Proben zu schlechteren Noten führen, langsam aber sicher ausgewetzt werden, weil es ihr irgendwann zu doof wird, die Aufgaben nur deshalb nochmal rechnen zu müssen, weil sie nicht sauber geschrieben oder die Aufgabenstellung nicht sorgfältig gelesen hat – vor allem das Letztere ist bisher ein Problem gewesen.
  • Die Besuche im Kumon Lerncenter machen ihr ebenso nach wie vor Spaß und die bestandenen Abschlusstests machen sie stolz wie Oskar.

Meine Konklusion: Für uns und unsere Tochter ist Kumon ideal – sie braucht einfach ein paar Wiederholungen mehr als ihr die Schule liefern kann, und wenn diese Wiederholungen auch noch in einer entspannten Atmosphäre und (bei uns ganz wichtig!) nicht durch Mama oder Papa geschehen, dann ist die Welt in Ordnung.

Ach ja: Der Preis. Kumon ist nicht billig, aber seinen Preis wert. Für 90 EUR im Monat (für das erste Kind und das erste Fach) bekommt man für jeden Tag mindestens ein Arbeitsblatt und zweimal in der Woche die Betreuung im Center. Weitere Fächer oder die Geschwister kosten dann nur noch 50 EUR im Monat. Für uns geht das in Ordnung.

 

OPCD – die neue psychische Erkrankung

Weiß jemand, an wen ich mich wenden muss, wenn ich ein neues Krankheitsbild in den ICD Katalog eintragen lassen will? Konkret handelt es sich um eine Störung, der ich das nette, englischsprachige Akronym OPCD geben möchte, alternativ gerne auch “Sann’s Disease” (benannt nach dem Entdecker, also mir). Wofür OPCD steht? Ist doch klar: für “Obsessive Political Correctness Disorder”, oder auf deutsch “Zwanghafte Politische Korrektheit”. Bei all denn netten Dingen, die schon heute im ICD-10 über sogenannte “psychische und Verhaltensstörungen” stehen, habe ich sicher eine gute Chance, aufgenommen zu werden.

Zur Begründung: In meinem Beitrag über die angeblich ausgrenzende Frage “Woher kommen Sie?” hatte ich bereits vorgeschlagen, den latent rassistischen und fremdenfeindlichen Terminus “Mensch mit Migrationshintergrund” durch folgende Version zu ersetzen: “Mensch mit von mir aufgrund oberflächlicher Beobachtung angenommenem Migrationshintergrund”. Was offensichtlich als satirische Überspitzung gemeint war, wird schneller als ich gedacht habe von der Realität eingeholt. In einem (gottseidank ironischen) Artikel der FAZ lief mir der (vom Urheber leider nicht ironisch gemeinte) Begriff “Person mit Migrationshintergrund ohne eigene Migrationserfahrung” über den Weg. Oh mein Gott.

Die Nationale Armutskonferenz (NAK), ein Verband, dem so illustre Organisationen wie die Caritas, das Deutsche Rote Kreuz und der Bundesverband Deutsche Tafel e.V. angehören, hat sich offensichtlich die Zeit genommen, eine “Liste der sozialen Unwörter” zusammenzustellen. Dort finden sich  Begriffe wie “alleinerziehend”, “arbeitslos” und (man höre und staune) auch das schlichte “Missbrauch” – natürlich nur im sozialen Zusammenhang.

Besonders haarsträubend (ähm … interessant) sind die Begründungen, warum bestimmte Begriffe sozial nicht akzeptabel sein sollen. Ich erlaube mir einige genüssliche Zitate:

“Ehrenamtspauschale” (=Richtig müsste es Ehrenamtseinkommensteuerpauschale heißen, denn besagte Pauschale kann nur entgegennehmen, wer eine Steuererklärung abgibt. Gerade arme Menschen können dies aber nicht, weshalb sie auch diese Entschädigung nicht erhalten)

“Alleinerziehend” (=Sagt nichts über mangelnde soziale Einbettung oder gar Erziehungsqualität aus. Beides wird jedoch häufig mit “alleinerziehend” assoziiert)

“Flüchtlingsfrauen” (=Überflüssig, weil das Wort Flüchtlinge beide Geschlechter umfasst. Ansonsten: ähnlich diskriminierend wie Arztgattin)

Letztlich läuft es darauf hinaus, dass die NAK, ebenso wie all die anderen potenziell an der OPCD erkrankten Menschen und Gruppierungen, alles aus der deutschen Sprache entfernen wollen, was nur irgendwie, bei Vollmond um Mitternacht, und wenn im Jahr zuvor an Weihnachten um 11:25 Uhr Schnee gefallen ist, jemanden verletzen könnte.

In diesem Zusammenhang (und um die potenziell Erkrankten nicht mit zu vielen Widerworten auf einmal zu stressen) schlage ich gleich noch einige weitere Wörter vor, die dringend einer Überprüfung in Bezug auf ihre politische Korrektheit bedürfen:

  • “Häuslebauer” (=Impliziert, dass der Bauherr aus Schwaben stammt, was in Bezug auf das mancherorts (z.B. in Berlin) geringe Ansehen des schwäbischen Dialekts diskriminierend ist).
  • “Weihnachtsmann” (=Ist in Hinblick auf die lange Geschichte der Gleichstellung von Mann und Frau ein unerträglicher, chauvinistischer Anachronismus. Es ist nicht bewiesen, dass die Geschenke von einem Mann gebracht werden).
  • “Deutschland-Achter” (=Wird zwar aktuell nicht mehr so häufig verwendet – gemeint ist das Achter-Boot der deutschen Ruder-Nationalmanschaft – ist jedoch diskriminierend, da mit dem Wort “Achter” üblicherweise eine Verbiegung eines Rades, z.B. beim Fahrrad, und damit ein Defekt/Schaden bezeichnet wird.)

Bleibt nur zu hoffen, dass mein Vorschlag für die OPCD baldmöglichst in den ICD Katalog aufgenommen wird, und die Pharmaindustrie schnell ein passendes Medikament aus der Schublade zieht. Bis dahin rate ich, Erkrankten mit Nachsicht zu begegnen, ihnen in der direkten Kommunikation einfach Recht zu geben, und sich im übrigen nicht um ihre Vorschläge zu kümmern.

 

Kleines Glasfaser Update

Nun ist es soweit: Ich kenne den Termin für die Umstellung auf Glasfaser (FTTH) meines Telefon- und Internetanschlusses. Am 12. März 2013 soll es so weit sein. Bis dahin war es allerdings ein weiter Weg (siehe hier und hier). Was lange währt, wird (hoffentlich) endlich gut.

Letzte Woche ist hier die Ultima-Ratio-Truppe der Telekom aufgeschlagen. Das sind die Jungs, die die Fehler der anderen ausbügeln, und die niemanden haben, auf den sie es schieben können, wenn es nicht funktioniert. Bei unserem FTTH Kabel mussten sie dann gleich nochmal den kompletten Anschlusspunkt (AP) austauschen, weil die Kollegen einen falschen verbaut hatten …

Bei einem netten Plausch mit den Herren, in dessen Verlauf ich erwähnte, dass ich ungefähr fünf oder sechs Mitarbeiter der Telekom oder derer Subunternehmer kennenlernen durfte, erfuhr ich dann, dass es in Aschaffenburg richtig gut läuft, im Vergleich zu anderen Städten. Dort gäbe es Häuser, die im Rahmen der Verlegung des Glasfasernetzes an die 20 (!) Besuche bekommen hätten. Ein Hausbesitzer mit einem besonders großen Sinn für Humor hatte sogar schon Filzpantoffeln für die diversen Techniker im Eingangsbereich bereitgestellt, und trug sich mit dem Gedanken, das Telekom Logo darauf anzubringen 🙂

Nach einer guten halben Stunde Arbeit war mein FTTH Anschluss, wenn man den Messgeräten trauen kann, auf jeden Fall technisch einsatzbereit. Auskunft der Monteure: Es geht dann automatisch eine E-Mail an die Vertriebler, die sich mit mir wegen eines Umschalttermins in Verbindung setzen. Und tatsächlich ist das schon am nächsten Tag geschehen. Ein freundlicher Herr aus dem FTTH Kompetenzcenter in Magdeburg hat die letzten Details abgefragt und den Termin bestätigt. Nun heißt es Daumendrücken, dass die Umstellung einwandfrei funktioniert.

Ich habe mich übrigens entschlossen, mit dem Standard-Telekom-Router Speedport W921 zu starten, um sicherzustellen, dass der Übergang so reibungslos wie möglich funktioniert. Die FRITZ!Box werde ich erst am Wochenende danach in Betrieb nehmen …

Das setzt dem Fass die Krone auf

Gerade habe ich einen Artikel auf www.migazin.de gelesen, der den bezeichnenden Titel trägt:

Ausgrenzende Frage: “Woher kommen Sie?“ – ein Beispiel für den alltäglichen Rassismus

Ähm, wie bitte? Zugegeben … als ich den Artikel gelesen habe, habe ich erwartet, dass sich am Ende Hape Kerkeling als eigentlicher Autor outet und das ganze als Satire entlarvt. Diese Hoffnung wurde leider bitter enttäuscht. Es hat sich auch kein anderer bekannter Spaßvogel zu diesem Artikel bekannt. Mir fehlen fast die Worte, diese (was ist die Steigerung von obsessiv?) Political Correctness noch zu kommentieren. Ich habe schon alle meine Superlative für die Debatte um das politisch korrekte Redigieren von Kinderbüchern verbraucht. Ich versuche es dennoch einmal. Ach ja … wer in meinen Kommentaren die eine oder andere Ironie findet, darf sie behalten 😉

„Menschen mit Migrationshintergrund“ werden in Deutschland durch die Frage „woher sie denn kommen“ zu „Fremden„ gemacht. Durch den unkritischen Umgang mit dieser Frage tragen viele von uns – auch Betroffene – zu dem Kreislauf des alltäglichen Rassismus und „Unterordnung“ der „Menschen mit Migrationshintergrund“ bei.

Ok, verstanden. Wenn ich also einen Menschen frage, woher er kommt, dann bin ich zumindest latent ein Rassist und am besten auch gleich ein Nazi, weil ich ja den Wert des anderen durch diese hinterhältige und nur scheinbar harmlose Frage herabsetze. So habe ich das noch nicht gesehen …

„Woher kommen Sie?“ ist in den meisten Fällen, eine versteckte Form, Information über die ethnische Herkunft einer Person einzuholen. Sie sollen ihre ethnische Herkunft offenlegen!

Man beachte das Ausrufezeichen am Schluss. Wie kann ein politisch korrekter Mensch nur allen Ernstes von einem anderen fordern, seine ethnische Herkunft offenzulegen. Das steht direkt auf einer Stufe mit der Frage an eine Frau nach ihrer Körbchengröße … ach nee, das war ja Sexismus. Und selbstverständlich ist der Grund, warum ich einen “Menschen mit Migrationshintergrund” (früher durfte man ja noch einfach “Ausländer” sagen) nach seiner Herkunft frage der, dass ich ihn im Hinterkopf schon in eines der vielen neuen Konzentrationslager sortiere, die wir sofort errichten werden, wenn der (noch) latente Rassimus wieder aus uns hervorbricht.

Außerdem: Wir in Deutschland sind nicht gerade bekannt dafür, dass wir eine offene und neugierige Kultur pflegen. Wieso sind wir aber in Hinsicht auf diese spezielle Frage so „offen“? „Menschen mit Migrationshintergrund“ werden doch selten etwas gefragt.

Ah ja … da gibt es natürlich die tief in unseren Genen verwurzelte Regel, dass man nicht mit “Menschen mit Migrationshintergrund” spricht. Wahrscheinlich, weil wir Angst haben, unrein zu werden oder uns mit was ganz Fiesem anzustecken.

Ein weißer Deutscher darf diese Frage wörtlich verstehen und hat das Privileg, den „Ort, woher er kommt“, selbst zu „bestimmen“. Ein Privileg, dass dem „Menschen mit Migrationshintergrund“ selten eingeräumt wird. Bei ihm wird die „Befragung“ mit hoher Wahrscheinlichkeit so lange fortgesetzt, bis aus seiner Antwort auch sein ethnischer Hintergrund hervorgeht bzw. der Fragesteller eine Antwort erhält, der sein Vorurteil befriedigt.

Mir fehlt die Kraft, das zu kommentieren …

Die Frage „Woher kommen Sie?“ ist nicht nur eine Frage, die den Teufelskreis vom Rassismus verstärkt. Sie bietet dem vermeintlichen Fremden auch eine Gelegenheit, den Teufelskreis vom Rassismus und Inferiorization zu brechen. Ihm wird eine Gelegenheit geboten, eine unerwartete Antwort zu geben und diese kulturell tief verwurzelte und gesellschaftlich akzeptierte Form des Rassismus herauszufordern.

Aha … das ist also die Lösung für das Problem. Einfach eine unerwartete Antwort geben. Wenn ich also einen Schwarzen (Entschuldigung: “Menschen mit Migrationshintergrund”) frage, wo er herkommt und er mit “Gelsenkirchen” antwortet, dann bin ich sofort geläutert und der in mir wohnende, latente Rassismus, wird sofort getilgt. Ach ja: Inferiori … wie war das Wort? Oh Mann …

Zum Schluss fällt mir ein, dass die Bezeichnung “Mensch mit Migrationshintergrund” eigentlich an sich auch schon abwertend ist. Sie unterstellt, dass das Gegenüber entwurzelt, aus seiner Heimat vertrieben, geflohen oder zumindest doch weggezogen ist – selbstverständlich mit allen negativen Folgen für die Psyche. So gesehen ist diese Bezeichnung eine gar nicht so latente Diskriminierung (und bestimmt auch Inferiorization, danke für das Wort) des anderen. Mein Lösungsvorschlag hierfür lautet, die Bezeichnung “Mensch mit Migrationshintergrund” ebenso zu ächten wie schon alle ihre Vorläufer inklusive “Ausländer”, “Neger”, etc. und stattdessen auf das politisch noch viel korrektere “Mensch mit von mir aufgrund oberflächlicher Beobachtung angenommenem Migrationshintergrund” umzustellen.

Das wird wohl dazu führen, dass solche unsäglichen Artikel noch ein wenig länger werden, aber man muss halt für die Political Correctness auch Opfer bringen.