Tucson 8 – Wüstenmuseum und Filmstudios

Mein letzter voller Tag beginnt mit einer Herausforderung für mich. Nachdem ich gestern ein Shuttle zum Flughafen und dort einen Mietwagen organisiert habe, muss ich den dann heute auch tatsächlich abholen. Ich bin noch nie in den USA Auto gefahren und bin deshalb etwas nervös. Am Airport klappt alles wie am Schnürchen und ehe ich mich versehe, sitze ich in einem ultraschicken, silbernen Ford Fusion. Die ersten Meter sind ein wenig holperig, aber ich gewöhne mich schnell an das Auto, die Schilder und den Verkehr in Tucson. Mit meiner USA Simkarte und Apple CarPlay habe ich sogar ein eigenes Navi, ganz ohne Mehrpreis. Zugegeben – ohne wäre ich auch vollkommen aufgeschmissen.

Mein erstes Ziel ist das Arizona-Sonora Desert Museum außerhalb von Tucson. Cynthia hat es uns quasi als Hausaufgabe mitgegeben. Dort gibt es fast alles zu sehen, was in der Sonora-Wüste lebt. Die Fahrt ist leicht und schnell wieder vorbei. Parkplätze gibt es natürlich in Hülle und Fülle und für den Eintritt habe ich eine Freikarte von Camillo, Cynthias Mann, bekommen (Danke, Camillo!)

Wie alle Sehenswürdigkeiten in den USA, die ich bis jetzt gesehen habe, ist auch das Museum perfekt organisiert. Überall sind Schilder und freundliche Mitarbeiter, die man fragen kann. Das Museum selbst ist zum größten Teil unter freiem Himmel, nur einige Ausstellungen sind in Gebäuden untergebracht. Als ich die Tiere sehe, unter anderem Großkatzen und einen Schwarzbär bin ich fast etwas entsetzt, dass diese wie im Zoo gehalten werden. Ein Mitarbeiter erklärt jedoch, dass es sich dabei ausschließlich um verletzte Tiere oder Waisen handelt, die in der Wildnis keinerlei Überlebenschance gehabt hätten. Die Gehege sind nicht wirklich groß, aber zumindest wurden die Tiere nicht eingefangen. Ansonsten ist das Museum herrlich und gibt mir noch einmal Gelegenheit, mich mit den Energien der Wüstenpflanzen zu verbinden, was ich ausführlich nutze.

Nach einem kleinen Mittagessen fahre ich dann sprichwörtlich „über die Straße“ zu den Old Tucson Studios, die in direkter Nachbarschaft zum Museum beheimatet sind. Dabei handelt es sich um ein Film-Set, das für viele sehr bekannte Westernfilme und -serien benutzt wurde. Dementsprechend ist klar, dass unsere Vorstellung in Deutschland vom „Wilden Westen“ so aussieht wie die Gegend um Tucson – ist ja schließlich alles hier gedreht worden, was wir uns als Kinder so auf der Leinwand und im Fernsehen reingezogen haben.

Seit 1939 wurden an diese Ort über 400 Filme und Serien gedreht, darunter Klassiker wie „Rio Bravo“, „Hombre“, „¡Drei Amigos!“, „Unsere kleine Farm“ und „Bonanza“. Heute wird zwar auch noch gelegentlich gedreht, jedoch ist Old Tucson vor allem ein Freizeitpark mit historischer Kulisse.

Als ich das Kassenhäuschen hinter mir gelassen habe, bekomme ich große Augen und fühle mich im meine Kindheit zurückversetzt. Ja, genau so sah das im Western immer aus. Und das Bewusstsein, dass die Filmhandlung auch oft genug genau hier stattgefunden hat, beschert mir eine Gänsehaut nach der anderen. Saucool hier! Es fällt auf, dass alles sehr professionell, jedoch nicht ganz so überschwänglich und übertrieben ist, wie man es USA oft findet. Man bekommt die volle Ladung „Wilder Westen“, jedoch in genau dem richtigen Maß.

Natürlich gibt es auch Showelemente. Die Schauspieler von Old Tucson geben kurze Szenen zum Besten, die dem Film „The Hanged Man“ nachempfunden worden sind. Und selbstverständlich ging das nicht ohne Schüsse, Prügelszenen und einen Sturz von einem Haus vonstatten. Das vorwiegend amerikanische Publikum war begeistert und für mich war es gerade ausreichend kurz, dass ich es noch genießen konnte.

Old Tucson lebt vorwiegend von seinen alten Kulissen und Gebäuden. Es gibt zwar ein Karussell und eine alte „Mine“, in der man in der Art einer Geisterbahn fachgerecht erschreckt wird, jedoch ist damit der Rummelplatzcharakter auch schon am Ende. Was bleibt ist ein großes Stück der Western-Geschichte, die man an allen Ecken und Enden spüren kann. Der Besuch hat sich wirklich gelohnt!

Gegen Nachmittag mache ich mich dann wieder mit meinem schicken Auto auf den Weg zurück. Bereits in „Old Tucson“ habe ich mich entschlossen, heute Abend erneut zum Gates Pass zu fahren und mir den Sonnenuntergang noch einmal anzusehen. Die Zeit ist ausreichend, aber ich wundere mich über mich selbst, wie sehr die Weite der USA schon auf mich abgefärbt hat. In Deutschland würde ich nie auf die Idee kommen, 30 Minuten zu fahren, mir für 20 Minuten einen Sonnenuntergang anzusehen, nur um dann wieder 30 Minuten zurückzufahren. Der Fairness halber muss man jedoch sagen, dass die Landschaft und oft auch die Sonnenuntergänge in Deutschland nicht einmal ansatzweise mit dem Spektakel am Gates Pass mithalten können.

Und so habe ich mich dann heute Abend schon einmal meditierend von Arizona verabschiedet. Morgen habe ich noch eine Menge Zeit, die ich dafür nutzen werde, mir Tucson Downtown anzusehen. Dann geht es zum Flughafen und dann via Phoenix und London nach Frankfurt.

Tucson 7 – Selbstermächtigung und klare Grenzen

… und dann ist es auch schon wieder vorbei. Zumindest für mich. Mit dem heutigen fünften Tag endet der erste Teil des „Flower Essence Therapy Course“ von Desert Alchemy. Gut die Hälfte der Teilnehmer wird in der nächsten Woche mit Teil 2 weitermachen, die anderen fahren nach Hause.

Der letzte Tag des Workshops stand unter der Überschrift „Making & Honoring Boundaries“ – Grenzen setzen und respektieren, sowie „Self-Empowerment“ – Selbstermächtigung.

„Selbstermächtigung ist das innere Gefühl, dass wir die Macht, die Motivation, die Kreativität und die Entschlossenheit besitzen, etwas zu tun, das sowohl für uns selbst als auch für andere von Vorteil ist, ohne dass wir deswegen das Bedürfnis nach oder die Abhängigkeit von externer Bestätigung haben. -Cynthia Athina Kemp Scherer

Diese Definition von Cynthia bringt meiner Meinung nach auf den Punkt, was man unter dem ansonsten recht abstrakten Begriff verstehen kann. Und zu den einzelnen Dingen, die uns im täglichen Leben oft daran hindern, selbstermächtigt zu sein, sagte sie dann immer wieder den am häufigsten gefallenen Satz des Workshops: „There’s a flower essence for that“ – Dafür gibt es eine Blütenessenz.

Tatsächlich findet sich bei Desert Alchemy ein reichhaltiges Repertoire an Essenzen, die uns dabei helfen können, den Herausforderungen zu begegnen, die sich uns immer wieder in den Weg stellen. Bei 119 einzelnen Blütenessenzen und über 70 fertigen Mischungen ist das auch nicht verwunderlich. Auffallend ist, dass Cynthia, ebenso wie die von mir sehr geschätzten Sabina Pettitt, Ian White und Steve Johnson sowohl ein unglaublich fundiertes und dokumentiertes Wissen über die Essenzen, als auch eine sehr klare Sprache besitzt, mit der sie über die Qualitäten der einzelnen Blüten oder Mischungen spricht. Wenn man sie reden hört, kann man mit jeder Faser spüren, dass sie weiß und meint, was sie sagt. Diese bedingungsose Autentizität ist es, die die Voraussetzung für mich ist, um mit bestimmten Essenzen zu arbeiten und sie zu vertreiben.

Den Übergang zum Thema Grenzen bildete das nicht kleine Thema Beziehungen (jeglicher Art), und wie man sich selbst mit Essenzen unterstützen kann, um bessere Beziehungen zu führen. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass es sich jedes einzelne Mal um eine Beziehung handelt, wenn mindestens zwei Menschen miteinander interagieren. Cynthia hat für einen Workshop zu diesem Thema acht universelle Prinzipien aufgestellt, die ich gerne auch veröffentlichen werde, sobald ich mir ihr Einverständnis dazu geholt habe.

„Grenzen sind letztlich nur die Informationen, die andere Menschen benötigen, um dazu in der Lage zu sein, uns mit Respekt zu behandeln.“ -Cynthia Athina Kemp Scherer

Um gesunde Grenzen zu setzen, muss ich zuerst einmal wissen, was meine Bedürfnisse in dieser Beziehung sind. Dann kann ich beginnen, den anderen Menschen in meinem Leben mitzuteilen, wo meine Grenzen sind und in länger andauernden Beziehungen, braucht es auch hin und wieder eine Art „Wartung“, bei der man auf den Prüfstand stellt, ob sich nicht eingeschlichen hat, dass gewisse Grenzen doch immer wieder überschritten werden. Auch hier ist es so, dass das Thema viel umfangreicher ist, als es auf den ersten Blick den Eindruck macht. Es gibt unzählige Arten von Grenzen und wir tun gut daran, uns bewusst zu sein, wo sie – je nach Art der Beziehung- bei uns sitzen. Natürlich gibt es wieder eine ganze Reihe von Essenzen, die uns bei Problemen mit diesem Thema unterstützen können.

Nach der Übergabe der Zertifikate an diejenigen, die nur den ersten Teil des Workshops besuchen und der Verabschiedung machen wir uns fast hastig auf den Weg zurück zum Gates Pass, den wir am Dienstag auf dem Weg in die Wüste schon einmal gesehen haben. Diesmal machen wir jedoch hier halt, um den spektakulären Sonnenuntergang über der Sonora-Wüste zu sehen. Es windet wie verrückt, aber das, was wir präsentiert bekommen, ist es mehr als wert. Stellvertretend für die über 100 Bilder, die ich gemacht habe, habe ich meinen Favoriten als Titelbild für diesen Post ausgewählt.

Morgen fahre ich dann, wie ich es mir vorgenommen habe, tatsächlich zu den Old Tucson Studios und auch noch in das Wüstenmuseum. Dies wird mein letzter voller Tag in Arizona sein, bevor es am Sonntag Abend wieder zurück nach Hause geht.

Tucson 5 – Seelenpflege

Tag fünf meiner Reise nach Tucson ist wieder geprägt vom Lehrgang in den Räumen von Desert Alchemy. Das große Thema des heutigen war „Caring for the Soul“, also die Seelenpflege.

Was ist die Seele eigentlich? Eine nicht ganz einfache Frage. Man kann sich dem Thema nähern, indem man ausschließt, was sie schon einmal nicht ist, und das ist ganz sicher der Körper und der Verstand. Die Seele ist der Teil von uns, der Zugang zum Göttlichen und zu unserem Lebensplan hat, und der dafür verantwortlich ist, dass wir in die Situationen kommen und die Menschen treffen, die wir brauchen, um die Gelegenheit zu haben, unseren Daseinszweck zu erfüllen und uns zu entfalten. Die Emotionen sind die Sprache der Seele. Und wir tun gut daran, unsere Seele wahrzunehmen und uns um sie zu kümmern.

Seelenpflege bedeutet, dass wir aktiv hören, was sie uns zu sagen hat, dass wir ihre Impulse wahrnehmen und bestmöglich umsetzen. Es bedeutet auch, dass wir uns die Zeit für die Dinge nehmen, die unser Herz zum Singen bringen, und dass wir es ernst nehmen, wenn uns unsere Emotionen deutlich sagen, dass wir auf dem Holzweg sind.

Im Detail hat Cynthia heute das Thema Transformation und Veränderung anhand der Transitions Formula, sowie das Thema Überwindung von Sucht und Abhängigkeit anhand der Harmonizing Addictive Patterns Formula besprochen. Auch hier gab es wieder keine überraschend neuen Erkenntnisse für mich, jedoch ist des ein Genuss, die Klarheit und Tiefe zu sehen, mit der Cynthia über diese Themen spricht. Eine wirklich weise Frau.

Eine der Konsequenzen des heutigen Tages ist, dass ich den umfangreichen Artikel, den Cynthia schon 1997 zum Thema Transformationsprozesse geschrieben hat, als Teil des Essenzenladen Newsletters und Blogs in vier Etappen veröffentlichen werde (Danke für die Genehmigung!). Eine weitere Konsequenz ist, dass ich beschlossen habe, einen Anlauf zu nehmen, um Cynthia innerhalb der nächsten 12 bis 18 Monate für einen Workshop nach Deutschland zu holen. Es gibt so viele Menschen die von dem profitieren könnten, was sie zu sagen hat – mit oder ohne Essenzen.

Fotos gab es heute keine, wie gesagt, wir saßen den ganzen Tag im Seminarraum. Dafür geht es morgen Vormittag in den Tucson Botanical Garden, wo es all die Pflanzen zu sehen gibt, die wir gestern in der Wüste nicht erleben konnten. Es ist wieder Sonnenschutz angesagt, diesmal jedoch in Verbindung mit einer wärmenden Jacke, denn es steht ein Temperatursturz bevor.

Tucson 4 – Die Wüste

Tucson selbst ist eine Stadt, die selbst in der Sonora-Wüste liegt. Um dieselbe jedoch wirklich zu erfahren, muss man in den Saguaro Nationalpark fahren, der nach seinem prägnantesten Bewohner, dem Riesensäulenkaktus benannt ist. Nach nur etwa 40 Minuten ist man auch Tucson City raus und mitten in der Wüste.

Auf dem Weg dorthin kommt man an zwei, wie ich mir habe sagen lassen, sehenswerten Orten vorbei: Dem Arizona-Sonora Desert Museum, dem größen Wüstenmuseum der Welt, und an den Old Tucson Studios. Dabei handelt es sich um alte Filmstudios, in denen so ziemlich alles, was mit Western zu tun hat, gedreht worden ist – inklusive Bonanza und alles mit John Wayne. Am kommenden Samstag habe ich noch einen Tag frei und es juckt mich wirklich in den Fingern, mir einen Wagen zu mieten und dorthin zu fahren. But first things first …

Die Vorbereitung auf den Tag in der Wüste ließ wie gesagt erahnen, dass es sich dort um eine außergewöhnlich herausfordernde Umgebung handelt. Glücklicherweise haben wir den perfekten Tag erwischt – sonnig, angenehme Lufttemperatur und kein Wind. Der Spätwinter in der Wüste hat doch etwas für sich. Scherzhalber erwähne ich den Einheimischen Workshopteilnehmern gegenüber, dass der Winter hier in etwa dem Sommer in Deutschland entspricht. Dennoch ist es wichtig, dass wir viel trinken und den Sonnenschutz nicht vergessen.

In der Sonora-Wüste sieht es, wenig überraschend, wenn man an die oben erwähnten  Old Tucson Studios denkt, aus wie im Western. Dominiert wird alles von den riesigen Saguaros, die mehrere hundert Jahre alt werden können und alleine schon etwa 80 Jahre brauchen, bis sie die ersten Arme entwickeln. Die Vielfalt an Kakteen und anderen Wüstenpflanzen ist jedoch groß. Von kleinen, harmlosen niedlichen Mammilaria bis zu großen Paloverde Bäumen. Dabei gilt: Je größer die Stacheln, desto harmloser. Manche Arten haben mikroskopisch kleine Nadeln mit Widerhaken, die man nur schwer wieder los wird.

Besonders mies sind dabei die Kakteen der Cholla (sprich: Tschoja) Familie, mit botanischem Namen Cylindropuntiae. Man kann die Stacheln gut sehen, jedoch enden sie in so feinen Widerhaken, dass sie sich schon festkrallen, wenn man glaubt, noch in sicherem Abstand zu sein. Am eigenen Körper durfte ich das mithilfe eines „Jumping Cholla Cactus“ erfahren, der diesen fiesen Trick bis zur Perfektion beherrscht. Ich hatte hinterrücks ein Segment dieses Kaktus in der Hand stecken, und obwohl die Stacheln so aussahen, als ob sie nur darauf lägen, saß das Ding mit einer ganze Reihe von ihnen so fest in meiner Haut, dass ich es alleine nicht mehr losgeworden bin. Ich musste Cynthia und ihr High-Tech-Hilfsmittel (=Kamm) bemühen. Dieser wird auf der Haut angesetzt und dann wird das Kaktussegment mit einer eleganten Handbewegung weggeschnickt. Ja, manchmal fließt dabei auch etwas Blut. Gottseidank haben die Blutung und der Schmerz relativ schnell wieder nachgelassen. Meine Lektion hatte ich gelernt: Halte Dich von den Cholla-Kakteen fern.

Die erste Station unserer Tour war Signal Hill, eine heilige Stätte der Indianer mit Felszeichnungen. Dort hatten wir dann auch die Gelegenheit, uns auf die Pflanzen einzustimmen und mit ihnen in Verbindung zu treten. Obwohl äußerlich unspektakulär, habe ich das Gefühl, dass es sehr wichtig war, dort gewesen zu sein, und dass ziemlich viel passiert ist. Was genau, ist jedoch nicht in Worte zu fassen.

An zwei weiteren Stationen, unter anderem dem relativ bekannten Gates Pass, konnten wir noch einmal voll in die Alchemie der Wüste eintauchen, was ein einmaliges Erlebnis, jedoch auch sehr, sehr anstrengend war. Dementsprechend platt sind wir dann irgendwann wieder im Hotel angekommen. An dieser Stelle lasse ich dann jetzt einfach mal die Fotos für sich sprechen …

Tucson 3 – Einstieg in den Workshop

Der dritte Tag der Reise (und der erste Tag des Workshops) ist vor allem vom gegenseitigen Kennenlernen und grundlegenden Informationen über die Auswahl von Blütenessenzen geprägt. Eigentlich ist nichts dabei, was ich nicht schon einmal gehört hatte, jedoch ist es interessant, die unterschiedlichen Facetten zu bemerken, die jeder Hersteller diesem Thema gibt.

Die Gruppe ist klein – nur sieben Teilnehmer mit mir als einzigem Nicht- Amerikaner. Der Workshop findet in den Räumen von Desert Alchemy statt, einem kleinen, unscheinbaren Gebäude in Tucson, das jedoch innen drin mit viel Liebe eingerichtet ist. Jetzt kenne ich also auch den Ort, an dem diese Essenzen abgefüllt und verschickt werden.  Gut, auf allen Ebenen zu wissen, dass auch diese Essenzen „aus gutem Hause kommen“.

Morgen geht es dann endlich in die Wüste. Die Vorbereitungen und Hinweise bestätigen nochmals, dass sie ein extremer Ort ist. Natürlich wusste ich das auch schon vorher, aber zwischen „wissen“ und „erleben“ ist halt doch ein großer Unterschied. Geschichtete Kleidung, Sonnenschutz, geeignete Schuhe und eine ausreichende Kopfbedeckung sind Pflicht. Für Wasser und Essen wird gesorgt. Beim Thema Kopfbedeckung kommen mir Zweifel, ob die vorhandene Baseballkappe mit Nackenschutz ausreicht. Deshalb geht es nochmal kurzfristig einkaufen. Strohhüte (made in China) findet man hier in vielen Geschäften. Jetzt fühle ich mich gewappnet.

Zeit für Fotos war heute nicht wirklich, deshalb muss es das Bild von den Strohhüten tun. Aber ich bin mir sicher, dass ich morgen Abend mit einer reichen fotografischen Beute im Hotel sein werde. Nun heißt es zeitig ins Bett zu gehen, denn der Tag morgen beginnt früh.

 

Tucson 2 – Der wilde Westen heute

Heute ist mein persönlicher „Brückentag“. Ein Tag, um mich zu akklimatisieren und die nähere Umgebung zu erkunden. Außerdem ist mir heute immer wieder eine Brücke über ein ausgetrocknetes Flussbett begegnet. Doch dazu gleich.

Ich befinde mich gerade im „Wilden Westen“, da wo die einsamen Cowboys mit Vorliebe in den Sonnenuntergang geritten sind. Die Landschaft, zumindest das, was ich bisher gesehen habe, schaut auch genauso aus wie im Film. Riesige Kakteen, viel Sand und Steine und ganz wenig Wasser. Der Vollständigkeit halber muss man sagen, dass ich bisher nur von Tucson aus „nach draußen“ geschaut habe. Aber der Trip in die Wüste kommt ja noch.

Das Prägnanteste in meiner Umgebung ist neben der mexikanischen Architektur (die Grenze zu Mexico ist nur etwa eine Stunde entfernt) das riesige ausgetrocknete Flussbett, dass nur einmal im Jahr zur Monsunzeit Wasser führt. Dafür aber dann auch gleich richtig viel.

Um wieder auf das Thema Brücken zurückzukommen: Wenn der Monsun mal richtig zuschlägt, überspült der Fluss sogar die Brücken. Schwer vorstellbar, wenn man die Bilder sieht.

Ein besonderes Schauspiel wird mir wahrscheinlich nicht vergönnt sein. Unter einer der Brücken leben Tausende von Fledermäusen, die sich um den Sonnenuntergang herum in Schwärmen auf den Weg machen, um Insekten zu fressen und Kakteenblüten zu bestäuben. Nur halt noch nicht so früh im Jahr. Das Schauspiel ist hier in Tucson so bekannt, dass sich Einheimische und Besucher mit Klappstühlen und einem kalten Bier in der Nähe der Brücke platzieren, um sich das Schauspiel in geselliger Runde anzusehen.

Insgesamt sieht Tucson als Stadt im „wilden“ Westen der USA genauso und ganz anders aus. Genau so, wie man es aus den Filmen kennt und ganz anders als in Europa. Die Häuser sind allesamt ziemlich niedrig, dafür verteilt sich die Stadt mit ihren 530.000 Einwohnern über eine fast unanständig große Fläche. Aber Platz hat es hier ja genug. Der Grund für die niedrigen Gebäude ist nach Aussage eines Einheimischen übrigens, dass die Leute gerne den Himmel und die Landschaft sehen und beides deshalb nicht mit Häusern zubauen. Nicht der schlechteste Grund, finde ich.

Morgen beginnt dann der Workshop. Der erste Tag findet voraussichtlich zum größten Teil drinnen statt, dafür geht es dann am Dienstag in die Wüste. Wie gesagt: Ich freue mich drauf 🙂

On the road again … Tucson, AZ

Wenn der Jetlag einen zur Unzeit wach sein lässt, kann man auch mal um kurz vor fünf Uhr morgens einen Blogpost schreiben. Kurz vor fünf ist es jetzt gerade in Tucson, Arizona, USA. Dorthin bin ich gestern gereist, um an einem Workshop von Cynthia Athina Kemp Scherer von den Desert Alchemy Blütenessenzen teilzunehmen.

Nach all dem Hickhack um die USA, ihren „Kampf“ gegen den „Terror“ und die Eskapaden ihres Präsidenten war mir schon etwas mulmig, in das Land der grenzenlosen Überwachung Möglichkeiten zu fliegen. Erstaunlicherweise ging die Einreise jedoch sehr stressfrei, und, anders als bisher, auch ohne „Verhör“ durch einen Immigraton Officer, denn das funktioniert jetzt alles automatisch, also mit Automaten und so. Nachdem ich ja bereits im Vorfeld für mein ESTA Visum datenmäßig die Hosen runterlassen musste und im Internet sicherlich genügend Spuren hinterlassen habe, gibt es eigentlich auch keinen Grund mehr, das nicht zu automatisieren … George Orwell lässt grüßen.

Aber zumindest konnte sich Uncle Sam von meinen heeren Absichten überzeugen, so dass ich nun hier im Hotel in Tucson Sitze, den Sonntag noch frei habe und ab Montag am Desert Alchemy Workshop teilnehme. Ich freue mich schon drauf, besonders auf den Tag, den wir in der Wüste verbringen werden 🙂

P.S. Das Bild zeigt mich, vollkommen verstrahlt nach 20 Stunden Reisezeit vor dem Wahrzeichen der Wüste, einem Saguaro Kaktus.

Zu offensichtlich

Ich schaue gerade die letzte Staffel von „House of Cards“ auf Netflix. Eine herausragende Serie mit Kevin Spacey. Schade, dass die Serie aufgrund des Skandals um ihn wohl nicht weitergehen wird.

In der Serie wird in erstaunlicher Offenheit das politische System der USA mit seinen Lügen, Intrigen und Machtspielen dargestellt. Dem Zuschauer wird im Stakkatorhythmus vor Augen gehalten, dass es in der angeblich „ältesten“ (noch existierenden) Demokratie um alles andere geht, als um die im Wortsinne postulierte „Herrschaft des Volkes“. Selbst innerhalb des legalen Rahmens wird dasselbe belogen, über den Tisch gezogen und ständig manipuliert, um den Interessen derjenigen, die an den Schalthebeln der Macht sitzen, zu dienen.

Die Handlung der Serie mag fiktiv sein, die Strukturen und Mechanik der Macht, die in ihr dargestellt werden, lassen sich innerhalb kürzester Zeit verifizieren.

Was mich dabei von Anfang an gewundert hat: Wenn den Menschen in den USA so klar vor Augen geführt wird, dass sie letztlich nichts zu sagen haben und mehr Untertanen als Souverän sind, warum gibt es dann keine Massenproteste, wütende Zeitungsartikel und einen politischen Prozess, um dem allem einen Riegel vorzuschieben? „Panem et circenses“ funktioniert wohl immer noch zu gut.

Und nein: Ich bin nicht der Meinung, dass der Staat in Deutschland besser funktioniert oder dass wir als Bürger mehr Einfluss auf dessen Handeln haben.

Mein persönliches Glaubensbekenntnis

Erst an dem Tag, an dem mir tatsächlich eine Atombombe auf den Kopf fällt, werde ich meinen Optimismus verlieren und aufhören, an meiner Überzeugung festzuhalten, dass die Menschheit die Kurve kriegen wird. Ich lebe und handle entsprechend, und trage meinen Teil zum Gelingen bei. Bis zu diesem Tag, möge er nie kommen, ist jeder Moment, den ich in Angst vor all den Schreckensbildern aus den Medien verbringe, eine verschwendete Gelegenheit, glücklich zu sein.

Die Amerikanische Thronfolge

Momentan findet man im Netz fast nichts anderes mehr als Trump-Bashing. Einige machen es auf witzige Art und Weise, andere denken nur, sie seien witzig und wieder andere müssten selbst mit einem IQ, der nur unwesentlich über dem eines Steines liegt, selbst merken, dass sie einfach nur dämlich sind.

Nein, ich bin immer noch kein Unterstützer oder Fan von Donald Trump und ja, ich finde es immer noch unerträglich, wie ein Mensch, der immerhin das gewählte Staatsoberhaupt einer Weltmacht ist, auf primitivste Art und Weise angepöbelt wird. Wenn er wirklich so dumm wäre, wie viele im Netz immer wieder meinen betonen zu müssen, dann wäre er wohl kaum in seinem Leben als Geschäftsmann so erfolgreich gewesen. Wenn ihr Trump kritisieren wollt, dann macht es doch einfach sachlich …

Aber darum geht es mir heute gar nicht. Vielmehr mache ich mir darüber Gedanken, ob ich der einzige bin, dem es komisch vorkommt und sauer aufstößt, dass die Weltmacht USA in den letzten knapp 30 Jahren von Vater und Sohn Bush und (fast) von Ehermann und Ehefrau Clinton regiert wurden. Wieso klingt das für mich eher nach Thronfolge als nach Demokratie? Wenn ich nun mitkriege, dass Menschen begeistert Michelle Obama auffordern bei der nächsten Wahl 2020 anzutreten, dann frage ich mich, nach welchen Maßstäben die Eignung für das angeblich so wichtige und machtvolle Amt festgelegt wird.

Leute, denkt doch mal nach! Findet ihr es wirklich toll, wenn die Macht in den USA innerhalb einer kleinen Clique im Kreis herumgereicht wird und lediglich alle vier Jahre proforma Wahlen abgehalten werden? Einem großen Teil der Amerikaner ist das im letzten Jahr so sehr auf den Senkel gegangen, dass sie selbst einen Typen, der alles dafür getan hat, sich als Unsympath darzustellen, zum Präsidenten gewählt haben.

Und kommt mir nicht mit dem Argument, dass er ja gar nicht von der Mehrheit der Amerikaner gewählt wurde. So ist das System in den USA nun einmal und wenn es andersherum gewesen wäre, wenn also Clinton mit der Mehrheit der Wahlleute aber nicht der Mehrheit der Stimmen gewonnen hätte, dann wären alle ach so erleichtert gewesen und niemand hätte gejammert. Fakt ist, dass Trump legitim gewählt wurde und wenn ihr das Wahlsystem schlecht findet, dann ändert es bis 2020.

Viele lassen sich momentan von der Welle der Hysterie in Bezug auf Trump forttragen. Endlich haben wieder alle ein gemeinsames Feindbild. Ich persönlich konzentriere mich jedoch lieber auf andere Aspekte:

  1. Trump ist der Präsident. Daran kann ich nichts ändern.
  2. Mein fast zwanghafter Optimismus lässt mich an der Überzeugung festhalten, dass ihm irgendjemand in den Arm fallen wird, sollte er mal aus Übermut mit den Codes für die Nuklearwaffen spielen.
  3. Mir ist es lieber, jemand sagt „America first“ und redet vernünftig mit Russland, anstatt nicht mit Putin zu reden und den Kalten Krieg 2.0 heraufzubeschwören, wie es die Obama-Regierung getan hat und wie es voraussichtlich mit Clinton weitergegangen wäre. Das ist nämlich die wirklich reale Gefahr.