Warum “Pink Slips” auch in “Suits” keine rosafarbenen Schlüpfer sein sollten

Da sitzt man ahnungslos bei der abendlichen Entspannungsserie und dann passiert so etwas. Zugegeben, “Suits” ist nicht immer wirklich entspannend, aber der gute Wille zählt. Da sitzt man also da, und bekommt mitten in einer Folge – Staffel 5, Folge 7 bei 10:00 wen es interessiert – folgenden Dialog präsentiert:

“Ich kenne jeden in meiner Kanzlei. Und damit Sie wissen, was Ihnen bevorsteht: Sollte ich je an Unruhestifter pinkfarbene Schlüpfer verteilen, dann werden Sie den ersten kriegen.”

Nein, die Serie spielt nicht im Rotlichtmilieu und die Schauspielerin, die sie sagt, ist auch keine zwielichtige Puffmutter. Stattdessen ist sie eine knallharte Anwältin, die einen Angestellten zusammenstaucht.

Warum sollte sie ihm aber mit “rosafarbenen Schlüpfern” drohen? Sicher, es wäre eine Strafe, wenn er den im Büro tragen müsste, aber den interessierten Zuschauer beschleichen leise Zweifel, ob das von den Drehbuchautoren tatsächlich so gemeint war.

Als Kenner und Liebhaber der englischen Sprache ist mir bei der Szene natürlich alles aus dem Gesicht gefallen und ich gebe gerne zu, dass ich einen Whisky gebraucht habe, um mich wieder einzukriegen. Es bleibt jedoch die Frage, wie sich ein so eklatanter Fehler untendeckt bis auf die Streamingserver von Netflix schleichen konnte. Wäre ich der Inhaber der Rechte an der Serie, würde ich die mit der Übersetzung beauftragte Firma jedenfalls wegen nachgewiesenem Dilettantismus fristlos feuern.

Der Vollständigkeit halber: “Pink Slip” ist in der amerikanischen Geschäftswelt der saloppe Ausdruck für ein Kündigungsschreiben. Ergibt in einer Anwaltsserie auch irgendwie mehr Sinn als rosa Unterhosen. Für mich klar die Facepalm des Jahres … 🤦🏻‍♂️

Zu offensichtlich

Ich schaue gerade die letzte Staffel von “House of Cards” auf Netflix. Eine herausragende Serie mit Kevin Spacey. Schade, dass die Serie aufgrund des Skandals um ihn wohl nicht weitergehen wird.

In der Serie wird in erstaunlicher Offenheit das politische System der USA mit seinen Lügen, Intrigen und Machtspielen dargestellt. Dem Zuschauer wird im Stakkatorhythmus vor Augen gehalten, dass es in der angeblich “ältesten” (noch existierenden) Demokratie um alles andere geht, als um die im Wortsinne postulierte “Herrschaft des Volkes”. Selbst innerhalb des legalen Rahmens wird dasselbe belogen, über den Tisch gezogen und ständig manipuliert, um den Interessen derjenigen, die an den Schalthebeln der Macht sitzen, zu dienen.

Die Handlung der Serie mag fiktiv sein, die Strukturen und Mechanik der Macht, die in ihr dargestellt werden, lassen sich innerhalb kürzester Zeit verifizieren.

Was mich dabei von Anfang an gewundert hat: Wenn den Menschen in den USA so klar vor Augen geführt wird, dass sie letztlich nichts zu sagen haben und mehr Untertanen als Souverän sind, warum gibt es dann keine Massenproteste, wütende Zeitungsartikel und einen politischen Prozess, um dem allem einen Riegel vorzuschieben? “Panem et circenses” funktioniert wohl immer noch zu gut.

Und nein: Ich bin nicht der Meinung, dass der Staat in Deutschland besser funktioniert oder dass wir als Bürger mehr Einfluss auf dessen Handeln haben.