Der Impfreflex

Mein Post von gestern war offensichtlich ein Griff ins Wespennest. Nicht, dass ich nicht damit gerechnet hätte, dass es kontroverse Reaktionen gibt, aber das, was da an Kommentaren gekommen ist, hat mich teilweise schon etwas verwundert den Kopf schütteln lassen.

Viel wichtiger ist jedoch, dass ich dabei wieder etwas gelernt habe: Wenn die Emotionen derart hochgepeitscht sind, dann ist es fast egal, was man sagt. Selbst wenn man gar keine Diskussion anzetteln will, ob Impfen sinnvoll/gefährlich/effektiv/nutzlos ist, sondern eigentlich nur sagen wollte, dass eine Impfpflicht ethisch und moralisch fragwürdig ist und dass man sich über die achtlosen Bemerkungen mancher Zeitgenossen in dieser Hinsicht wundert – sobald das Wort „impfen“ in einem Zusammenhang darin vorkommt, der auch nur den geringsten Interpretationsspielraum dafür lässt, dass man selbst kein jubelnder Befürworter ist, wird von manchen reflexartig versucht einen gnadenlos gegen die Wand zu diskutieren. Mit sprichwörtlichem Geifer vor dem Mund werden da die bekannten Argumente hervorgezogen und als Erwiderungen wie Kanonenkugeln auf Aussagen gefeuert, die nicht wirklich etwas mit dem Argument zu tun haben.

Der Eifer, mit dem die fanatischen Befürworter das tun, hätte Glaubenskriegern  vergangener Jahrhunderte wohl definitiv zur zweifelhaften „Ehre“ gereicht …

Werde ich deswegen fürderhin schweigen? Wahrscheinlich nicht. Aber ich werde mir beim nächsten Mal gut überlegen, ob ich mir die wilde Meute an den Hals holen will – und wenn ja, dann werde ich es bewusst und mit Freude tun 😉

2 Antworten auf „Der Impfreflex“

  1. Armer Carsten! Jetzt hamse Dich ferdisch gemacht… Aber ich muss sagen: so eifrig wie die Befürworter Argumentieren, so eifrig bist Du halt Gegner.
    Ich bin, wahrscheinlich wie Du auch, damals gegen einiges geimpft worden – manche Sachen nicht mehr (z.B. Pocke), in manchen Fällen wurden wir durch den Ausbruch der Krankheit immunisiert.
    Impfen ist wie eine Versicherung. Manche sind vorgeschrieben, manche sind nützlich und manche machen nur bei Risikogruppen Sinn. Eine Private Haftpflicht (da steht schon Pflicht drin) hat aber auch nicht jeder und das kann gerne mal zum Risiko für andere werden. Als mich das Fernweh in fremde Länder packte gehörte für mich die HepA+B (Twinrix) zur Pflichtübung, gerade weil ich auch gerne alles Esse was aus dem Wasser kommt und man sich dadurch gerne mal die Hepatitis A einfängt. Auch bin ich gegen Tollwut geimpft, da wir uns in Afrika in Regionen aufgehalten haben, wo im Radius von über 1000km kein Krankenhaus war, das einem bei einem entsprechenden Tierbiss hätte helfen könnte. Dennoch würde ich niemanden empfehlen, der nicht in so eine abgelegene Region fährt, sich gegen Tollwut zu impfen. Impfung gegen Gelbfieber ist in manchen Ländern Pflicht – bei uns völlig überflüssig.
    Die Malariaprophylaxe (z.B. Lariam) würde ich niemals mehr machen und niemanden raten. Dazu ist der wirklich tödliche Malariaerreger zu selten und Lariam hat übelste Nebenwirkungen. Dann doch lieber Gin-Tonic!
    Also, was ich sagen will: Impfung ist nicht gleich Impfung, man muss sich wirklich mit der Thematik ernsthaft auseinandersetzen und sich selbst einschätzen wie hoch das Risiko und wie schädlich die Nebenwirkungen sind.
    Der Masernhype in Berlin relativiert sich auch wieder wenn man die Zahlen mal faktisch betrachtet: es gab seit Oktober letzten Jahres etwa 600 gemeldete Masernfälle. Das entspricht etwa 0,01% der Bevölkerung. Davon ein einziges Todesopfer… Bei 40 Verkehrstoten und weit über 400 Selbstmorden in Berlin, jedes Jahr.
    Ich denke wir sollten Impfungen nicht generell stigmatisieren, müssen diese aber auch nicht verherrlichen. Je nach eigener und entsprechend gesellschaftlicher Risikoabschätzung, in objektiver Beratung durch den Arzt des Vertrauens, sollte es dem mündigen Bürger überlassen bleiben selbst für sich und das Risiko für Andere einzuschätzen.
    Auf keinem Fall sollte es wegen 0,01% Krankheitsfälle in einem Ballungsraum und einem einzigen Todesfall zu eine Hysterie kommen, die dann irgendwelchen findigen Pharmakonzerne einen schnellen Euro beschert.
    Ruhig bleiben – an allen Fronten! Alles im Lot! Keine Panik. Gin-Tonic hilft! 😉

    1. *hihi* … fertig gemacht fühle ich mich jetzt gerade nicht. Ansonsten hast Du aber vollkommen Recht: Beim Impfthema geht es darum, sich selbst zu informieren und dann auf Basis der verfügbaren Informationen eine persönliche Entscheidung zu treffen. Das ist genau das, was ich auch sage. Wenn es dann auch noch auf beiden Seiten breiter Konsens wird, dass man die persönlichen Entscheidungen anderer akzeptiert und respektiert, dann sind wir auf einem guten Weg.

      Und bezüglich des aktuellen Masern Hypes: 100 % d’Accord – aus einem einzigen Todesfall – so tragisch er auch für die betroffene Familie ist und ich möchte nicht an deren Stelle sein – eine allgemeine Impfpflicht ableiten zu wollen ist reine, von den Medien und der Politik geschürte Hysterie.

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