Ausstieg aus der Jauchegrube

Wenn man das Glück hat, ein großes Thema, vielleicht sogar ein Lebensthema abgeschlossen haben zu können, dann bringt das eine Reihe von neuen Erkenntnissen. Eine davon könnte wie folgt lauten:

Wenn Du es geschafft hast, aus Deiner persönlichen Jauchegrube herauszuklettern, dann gibt es keinen, aber auch gar keinen Grund, für andere wieder hineinzuklettern.

Anders ausgedrückt: Wenn ich es geschafft habe, eine ordentliche Portion Wackersteine aus dem Rucksack meines seelischen Ballastes herauszuwerfen, dann tue ich gut daran, mich nicht in den Dramen anderer zu verheddern. Das hat nichts mit Verschlossenheit, Hartherzigkeit oder Abschottung zu tun. Es ist einfach die bewusste Entscheidung, selbst stabil zu bleiben, wenn andere aufgrund ihrer eigenen Themen unten in deren Jauchegruben waten.

Bei jedem Stück Drama, was in mein Leben tritt, frage ich mich: Wieviel davon gehört mir, und wieviel dem oder den anderen? Alles, was nicht meins ist, hat bei mir nichts verloren!

Und das ergibt Sinn: Nur wenn ich oben bleibe, kann ich die anderen unterstützen, ein Seil oder eine Leiter anbieten oder auch nur gute Ratschläge zurufen. Wenn ich zum anderen hinabsteige, dann kann ich von dort aus nicht helfen, denn die Entscheidung, einen Weg aus dem Loch zu suchen und nach oben zu kommen, muss jeder Mensch selbst treffen – nicht meine Verantwortung, nicht meine Aufgabe. Alles, was ich tun kann, ist mein Möglichstes an Hilfe anzubieten.

Manchmal, wenn man erst kurz wieder heraus und noch dabei ist, die letzten Reste Gülle abzustreifen, seine Kleider zu ordnen und sich da oben umzusehen, ist es jedoch nicht leicht, stabil zu bleiben. Dann muss man die Entscheidung treffen, ob man wieder hinunterstürzen will, oder ob man seine Unterstützung so dosiert, dass man trotzdem noch stabil bleiben kann. Das mag manchmal wie Verschlossenheit oder Ablehnung aussehen, ist jedoch einfach nur das, was für das eigene Wohl notwendig ist.

Wenn ich mich selbst opfere, um mit anderen in deren Jauchegruben zu plantschen, dann hat letztlich niemand etwas davon …

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