Bayerische Lernindustrie aka Schule

Gestern Abend meldet Spiegel Online, dass es in Bayern (endlich) wieder das G9 geben wird und das unsägliche Menschenexperiment G8 damit beendet ist. So weit, so gut.

In einem Facebook Kommentar schreibt eine stolze Sächsin darauf, dass sie bei ihr zuhause das „deutschlandweit schwerste Abi“ haben und die Schüler es trotzdem auch nach 12 Jahren „packen“.

Kopfschüttelnd über so viel vorauseilenden Gehorsam und Leistungswillen kommentiere ich:

Nennt mich einen Träumer, aber ich bin der Meinung, dass die Qualität einer Ausbildung nicht primär daran gemessen werden sollte, wieviel Informationen man in möglichst kurzer Zeit in Kinderköpfe stopfen kann.

Innerhalb kürzester Zeit wird die Bemerkung über 200 mal mit einem Daumen nach oben versehen (geliked, geliket?) Scheint also so, als ob es selbst in Facebooks Kommentarschlachten, die üblicherweise sehr schnell unsachlich werden und unter die Gürtellinie gehen (so auch diese!) doch noch Leser mit gesundem Menschenverstand gibt 🙂

Bleibt nur zu hoffen, dass das Kultusministerium sich diesmal genügend Zeit nimmt, um ein wenigstens halbwegs sinnvolles Konzept zu erstellen. Also nicht so, wie bei der Einführung des G8.

Mittelstufe plus

Im Main-Echo vom Donnnerstag steht auf der ersten Seite ein kurzer Artikel über die Mittelstufe plus (= Wiedereinführung des G9 durch die Hintertür). Es seien sowohl das Kulturministerium als auch die als Pilotschulen ausgewählten Gymnasien in Stadt und Landkreis Aschaffenburg überrascht, dass zwischen 80 und 90 Prozenz der Schüler lieber ein Jahr länger in der Schule bleiben, und das Abitur in neun Jahren machen, als im Eiltempo durch das Gymnasium zu rennen und schon mit 17 an der Uni zu studieren.

„Damit haben wir nicht gerechnet“, berichtet Direktor Lummel [vom Friedrich-Dessauer-Gymnasium].“

Wie konnte er auch … nachdem das G8 in Bayern ja damals auf vielfachen Wunsch der Elternschaft und nach intensiver und ausführlicher Konzeption und Erprobung eingeführt worden war …

Für die Damen und Herren im Kultusministerium ist es offensichtlich nicht vorstellbar, dass Schüler neben der Schule lieber Instrumente lernen, Sport machen oder sich mit Freunden treffen, anstatt zwei bis drei Nachmittage in der Penne zu pauken.

Echt überraschend …