The Blue Mountains

Nach dem Aufstehen nimmt mich Ian mit an den Strand, wo er morgens gerne eine Runde Bodysurfen geht. Und er ist nicht der Einzige. Mit Neoprenanzügen, Flossen und einen kleinen Board, das nur etwa so groß wie ein Blatt Papier ist, stürzen sich eine ganze Reihe Menschen, vorwiegend reifere Männer, in die beeindruckend hohen Wellen. Ich selbst ziehe es vor, nur mit den Füßen ins Wasser zu gehen, da es nicht wirklich Badetemperaturen hat und ich keinen Neoprenanzug habe. Dennoch ist der Blick auf den Pazifischen Ozean fantastisch.

Ian hat mich vorgewarnt, dass gerade die Zeit ist, in der die Buckelwale an Australien vorbei in Richtung Antarktis ziehen und tatsächlich sehe ich in weiter Ferne einige Fluken ins Wasser klatschen. Neuer Eintrag in meiner Bucket List: Wale sehen. In Sydney gibt es Whale Watching Touren. Ist gebongt 🙂

Nachdem Ian mit dem Plantschen fertig ist, geht es schnell zurück in sein Haus, wo wir seine Frau aufsammeln und nach Terrey Hills fahren, um den anderen beiden die Gelegenheit zum Einsteigen zu geben. Sandra ist Ians Distributorin in Mexico, Joanna ist Therapeutin in Portugal.

Die Fahrt in die Blue Mountains dauert etwa zwei Stunden und unser erstes Ziel ist die „Red Hands Cave“. In dieser Höhle haben die Aborigines vor sehr langer Zeit ihre Hände an den Wänden verewigt. Obwohl es ein Ort ist, der viele Touristen anzieht, bin ich etwas enttäuscht. Die Höhle ist winzig und die Hände sind, ehrlich gesagt, zwar irgendwie cool, aber nicht übermäßig spannend. Deshalb packen wir uns auch gleich wieder ins Auto, und fahren zum Jellybean Pool, einem kleinen See in den Bergen.

Hier gefällt es mir schon besser. Die Sonne scheint, es ist warm und die Landschaft hat schon einiges zu bieten. Wir ruhen uns kurz aus, genießen den Blick und tauschen Bilder aus – Airdrop sei dank. Wieder so eine Sache, die das Leben echt ein wenig leichter macht. Danke, Apple.

Es geht Schlag auf Schlag weiter. Nächster Stop: Hargraves Lookout. Hier zieht es mir dann, gelinde gesagt, die Socken aus. Ein weiter Blick über den Busch und die Blue Mountains. Atemberaubend. Man kann sich gar nicht satt sehen, so weit und schön ist die Landschaft. Ein leichter Sprühregen sorgt für das Tüpfelchen auf dem I – einen Regenbogen über dem Tal. Wow.

Die Australier machen es mit ihren Nationalparks ganz ähnlich wie die Amerikaner. Sie gelten als die Juwelen des Landes und werden entsprechend geschützt. Gleichzeitig sind sie touristisch so erschlossen, dass man die unberührte Natur genießen kann, und da sich auch noch alle daran halten, keinen Müll zu hinterlassen, bleiben diese Juwelen hoffentlich noch vielen Generationen erhalten.

Wir fahren weiter ins Megalong Valley. Auch hier wieder atemberaubende Ausblicke und die Wolken, die über den Himmel ziehen, lassen uns ein Schauspiel von Schatten und Licht erleben. Obwohl in New South Wales gerade Frühlingsferien sind, sind wir die meiste Zeit unter uns und können die Natur ungestört genießen.

Obwohl die Wege alle erschlossen sind, gibt es genügend Stellen, an denen es entweder auf einer oder auf beiden Seiten steil bergab geht. Nicht nur einmal wird mir dabei etwas mulmig, weil gleichzeitig ein ordentlicher Wind geht. Die Lookouts, zu denen wir gelangen, sind jedoch die Mühe wert. Wie gesagt: atemberaubend schön.

Den Sonnenuntergang wollen wir uns dann bei den „Three Sisters“, einer Bergformation in der Nähe von Katoomba ansehen. Ian will es aber wissen, deshalb fahren wir vorher noch zum Govetts Leap Lookout, Anders als die vorherigen Aussichtspunkte, aber nicht weniger spektakulär. Man sieht besonders gut die einzelnen Sedimentschichten, die über die Jahrmillionen durch Erosion freigelegt worden sind.

Als wir endlich bei den Three Sisters ankommen, können wir gut verstehen, warum man sie die drei Schwestern genannt hat. Allerdings gibt es auf der rechten Seite noch eine weitere, deutlich kleinere Erhebung. Wir beschließen daher, diese Formation für uns umzubenennen in „Three Sisters and their dog“ 😉

Ach ja: zwischendrin sehen wir auch unsere ersten Kängurus – nur ganz aus der Ferne, aber immerhin. Die sollen es ja ohnehin nicht so mögen, wenn man sie streichelt, wie übrigens auch die Koalas.

In Katoomba, von wo aus man die Formation aus einem anderen Blickwinkel sehen kann, gibt es den „Queen Elizabeth Lookout“, der so benannt wurde, weil die Monarchin von England an just dieser Stelle in den fünfziger Jahren die Blue Mountains mit ihrem königlichen Augenlicht gesegnet hat. Man muss wohl Engländer oder Mitglied im Commonwealth sein, um dabei nicht grinsen zu müssen 🤷🏻‍♂️

Dennoch: Der Blick und das Licht sind spektakulär. Deshalb fällt es uns ein wenig schwer, wieder ins Auto zu steigen und zurück nach Sydney zu fahren. Für mich wird es der Abschied von Ian und den anderen sein, denn die letzten Tage meiner Reise bin ich wieder auf mich gestellt. In Sydney gibt es noch eine ganze Menge zu sehen und die Wale stehen ja auch noch auf meiner Liste. Nach einem sehr leckeren japanischen Abendessen mit den in Australien üblichen, gesalzenen Preisen verabschieden wir uns. Danke Ian für alles. Ich freue mich schon auf unser nächstes Wiedersehen.

Mein Hotelzimmer im Arts Hotel ist klein aber bequem und ich habe erstmal eine Menge Schlaf nachzuholen, denn die letzten Tage waren mega intensiv. Gute Nacht.

Seminarausklang mit Gackern und Trompeten

Der dritte Tag des Seminars beginnt wie der zweite mit einem angenehmen Frühstück im „Tastebuds“. Dank Renee aus Melbourne müssen wir die 1,5 km zur Booralie Road nicht laufen, sondern dürfen bei ihr mitfahren. Ein großes Dankeschön dafür 🙂

Der Bushwalk des Tages führt uns nur wenige Autominuten weg vom Seminarort. Dort gibt es prächtige Waratahs zu sehen. Diese eindrucksvollen Blüten sind nicht nur im Logo der Australischen Buschblüten zu finden, sie sind auch das Emblem des Bundesstaates New South Wales, dessen Hauptstadt Sydney ist. Die Dinger sind recht groß und knallrot. Kein Wunder, dass sie auf jeden, der sie sieht, einen nachhaltigen Eindruck machen.

Eine der Essenzen, die an diesem Tag ausführlich besprochen wird, ist Little Flannel Flower. Diese winzige Blüte haben wir schon reichlich an den vergangenen zwei Tagen gesehen. Die Hauptwirkung ihrer Essenz besteht darin, die Fähigkeit zu spielen und auch mal kindisch zu sein wieder ans Tageslicht zu bringen, denn mal ehrlich: Erwachsene sind viel zu ernsthaft die ganze Zeit, oder?

Während der Raum für die Abschlusszeremonie vorbereitet wird, gehen wir nochmal nach draußen in einen nahegelegenen „Park“, der eigentlich nur ein unbebautes Grundstück mit Rasen und einer Schaukel ist. Ian hat angekündigt, dass wir dort eine „Little Flannel Flower Experience“ machen dürfen. Diese besteht aus einem Orientierungsspiel: Die Mitglieder von sechs verschiedenen Gruppen müssen sich mit geschlossenen Augen anhand von Tiergeräuschen zusammenfinden. Ich war bei den Elefanten. Keine leichte Aufgabe 😉 Die anwesenden Kinder mit ihren Eltern haben auf jeden Fall recht komisch geschaut, als 34 Erwachsene laut gackernd, bellend, trompetend und was weiß ich noch alles mit geschlossenen Augen auf dem Rasen umhertappen.

Danach zurück in den Seminarraum, in Kerzen, ein Blumenbouquet und viele kleine Fläschchen auf uns warten. Jeder bekommt beim Betreten des Raumes eine kleine Kerze in die Hand gedrückt und wir stehen schweigend im Kreis um das Arrangement in der Mitte herum. Jeder der Teilnehmer bekommt die Gelegenheit, seine Kerze anzuzünden, eventuell einige kurze Worte zu sagen, und sich dann ein Fläschchen zu nehmen. Darin befindet sich, wie ich erwartet hatte, die von uns hergestellten Flannel Flower Essenz als Muttertinktur. Ein wirklich schönes Geschenk, um es mit nach Hause zu nehmen.

Nachdem der formelle Teil vorbei ist, gehen alle zum informellen Abschied mittels Umarmungen über. War eine schöne Gruppe mit vielen internationalen Teilnehmern. Sehr harmonisch und konzentriert.

Nach dem Seminar habe ich noch die Gelegenheit mich mit dem CEO, der die administrativen Dinge für Ian regelt, über geschäftliche Dinge zu unterhalten, was etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt als gedacht, dafür aber extra interessant ist und mir viel Inspiration mit auf den Weg gibt. Anschließend habe ich die Ehre, mit Ian nach Hause zu fahren, und bei ihm und seiner wunderbaren Frau Jane übernachten zu dürfen.

Morgen geht es dann mit Ian, Jane und zwei der Teilnehmerinnen aus der Gruppe in die Blue Mountains. Ich bin gespannt, was es dort alles zu sehen geben wird.