Tucson 8 – Wüstenmuseum und Filmstudios

Mein letzter voller Tag beginnt mit einer Herausforderung für mich. Nachdem ich gestern ein Shuttle zum Flughafen und dort einen Mietwagen organisiert habe, muss ich den dann heute auch tatsächlich abholen. Ich bin noch nie in den USA Auto gefahren und bin deshalb etwas nervös. Am Airport klappt alles wie am Schnürchen und ehe ich mich versehe, sitze ich in einem ultraschicken, silbernen Ford Fusion. Die ersten Meter sind ein wenig holperig, aber ich gewöhne mich schnell an das Auto, die Schilder und den Verkehr in Tucson. Mit meiner USA Simkarte und Apple CarPlay habe ich sogar ein eigenes Navi, ganz ohne Mehrpreis. Zugegeben – ohne wäre ich auch vollkommen aufgeschmissen.

Mein erstes Ziel ist das Arizona-Sonora Desert Museum außerhalb von Tucson. Cynthia hat es uns quasi als Hausaufgabe mitgegeben. Dort gibt es fast alles zu sehen, was in der Sonora-Wüste lebt. Die Fahrt ist leicht und schnell wieder vorbei. Parkplätze gibt es natürlich in Hülle und Fülle und für den Eintritt habe ich eine Freikarte von Camillo, Cynthias Mann, bekommen (Danke, Camillo!)

Wie alle Sehenswürdigkeiten in den USA, die ich bis jetzt gesehen habe, ist auch das Museum perfekt organisiert. Überall sind Schilder und freundliche Mitarbeiter, die man fragen kann. Das Museum selbst ist zum größten Teil unter freiem Himmel, nur einige Ausstellungen sind in Gebäuden untergebracht. Als ich die Tiere sehe, unter anderem Großkatzen und einen Schwarzbär bin ich fast etwas entsetzt, dass diese wie im Zoo gehalten werden. Ein Mitarbeiter erklärt jedoch, dass es sich dabei ausschließlich um verletzte Tiere oder Waisen handelt, die in der Wildnis keinerlei Überlebenschance gehabt hätten. Die Gehege sind nicht wirklich groß, aber zumindest wurden die Tiere nicht eingefangen. Ansonsten ist das Museum herrlich und gibt mir noch einmal Gelegenheit, mich mit den Energien der Wüstenpflanzen zu verbinden, was ich ausführlich nutze.

Nach einem kleinen Mittagessen fahre ich dann sprichwörtlich „über die Straße“ zu den Old Tucson Studios, die in direkter Nachbarschaft zum Museum beheimatet sind. Dabei handelt es sich um ein Film-Set, das für viele sehr bekannte Westernfilme und -serien benutzt wurde. Dementsprechend ist klar, dass unsere Vorstellung in Deutschland vom „Wilden Westen“ so aussieht wie die Gegend um Tucson – ist ja schließlich alles hier gedreht worden, was wir uns als Kinder so auf der Leinwand und im Fernsehen reingezogen haben.

Seit 1939 wurden an diese Ort über 400 Filme und Serien gedreht, darunter Klassiker wie „Rio Bravo“, „Hombre“, „¡Drei Amigos!“, „Unsere kleine Farm“ und „Bonanza“. Heute wird zwar auch noch gelegentlich gedreht, jedoch ist Old Tucson vor allem ein Freizeitpark mit historischer Kulisse.

Als ich das Kassenhäuschen hinter mir gelassen habe, bekomme ich große Augen und fühle mich im meine Kindheit zurückversetzt. Ja, genau so sah das im Western immer aus. Und das Bewusstsein, dass die Filmhandlung auch oft genug genau hier stattgefunden hat, beschert mir eine Gänsehaut nach der anderen. Saucool hier! Es fällt auf, dass alles sehr professionell, jedoch nicht ganz so überschwänglich und übertrieben ist, wie man es USA oft findet. Man bekommt die volle Ladung „Wilder Westen“, jedoch in genau dem richtigen Maß.

Natürlich gibt es auch Showelemente. Die Schauspieler von Old Tucson geben kurze Szenen zum Besten, die dem Film „The Hanged Man“ nachempfunden worden sind. Und selbstverständlich ging das nicht ohne Schüsse, Prügelszenen und einen Sturz von einem Haus vonstatten. Das vorwiegend amerikanische Publikum war begeistert und für mich war es gerade ausreichend kurz, dass ich es noch genießen konnte.

Old Tucson lebt vorwiegend von seinen alten Kulissen und Gebäuden. Es gibt zwar ein Karussell und eine alte „Mine“, in der man in der Art einer Geisterbahn fachgerecht erschreckt wird, jedoch ist damit der Rummelplatzcharakter auch schon am Ende. Was bleibt ist ein großes Stück der Western-Geschichte, die man an allen Ecken und Enden spüren kann. Der Besuch hat sich wirklich gelohnt!

Gegen Nachmittag mache ich mich dann wieder mit meinem schicken Auto auf den Weg zurück. Bereits in „Old Tucson“ habe ich mich entschlossen, heute Abend erneut zum Gates Pass zu fahren und mir den Sonnenuntergang noch einmal anzusehen. Die Zeit ist ausreichend, aber ich wundere mich über mich selbst, wie sehr die Weite der USA schon auf mich abgefärbt hat. In Deutschland würde ich nie auf die Idee kommen, 30 Minuten zu fahren, mir für 20 Minuten einen Sonnenuntergang anzusehen, nur um dann wieder 30 Minuten zurückzufahren. Der Fairness halber muss man jedoch sagen, dass die Landschaft und oft auch die Sonnenuntergänge in Deutschland nicht einmal ansatzweise mit dem Spektakel am Gates Pass mithalten können.

Und so habe ich mich dann heute Abend schon einmal meditierend von Arizona verabschiedet. Morgen habe ich noch eine Menge Zeit, die ich dafür nutzen werde, mir Tucson Downtown anzusehen. Dann geht es zum Flughafen und dann via Phoenix und London nach Frankfurt.